LOGINAls Kane bemerkte, dass ich drei Tage lang keinen Streit mehr mit ihm angefangen hatte, stellte er endlich eine Gedankenverbindung zu mir her. Seine Stimme drang in meine Gedanken und klang ungewöhnlich erfreut. „Offenbar hast du endlich verstanden, dass die Regeln des Schwarzkiefer-Rudels nicht nur zum Schein existieren.“ „Da du endlich gelernt hast, dich zu benehmen, bekommst du die Zugangsgenehmigung zur Mondquelle. Und hör künftig auf, Serena wegen jeder Kleinigkeit Schwierigkeiten zu machen.“ Ich antwortete nicht. Ich senkte nur den Blick auf die Blutspuren, die noch immer zwischen meinen Beinen zu sehen waren. Kane hielt meine Ruhe wohl für Gehorsam. In seinen Augen beugte ich mich ihm und Serena endlich. Es war kaum zu glauben, dass ich als Luna ausgerechnet bei Beta Serena die Erlaubnis beantragen musste, die Mondquelle zu nutzen, um meinen ungeborenen Welpen zu retten. Nur weil Kane mich für unerfahren in Rudelangelegenheiten hielt, übertrug er Serena sämtliche Befugnisse, die mir als Luna zustanden. Vor drei Tagen wurde der Herzschlag meines ungeborenen Welpen noch instabiler. Ich beantragte erneut, in der Mondquelle baden zu dürfen. Serena lehnte meinen Antrag jedoch ab, weil die Unterlagen angeblich unvollständig waren. Dadurch erlitt ich eine Fehlgeburt. Über die Gedankenverbindung antwortete ich Kane ganz ruhig. „In Ordnung. Danke.“ Er wusste nicht, dass dies meine letzte Antwort war. Morgen gehe ich endgültig.
View MoreDieses Amt war mir von niemandem geschenkt worden.Jeder Einzelne im Tempel der Mondgöttin hatte mit seiner Stimme darüber entschieden.Ich führte nun ein neues Leben.Jeden Tag leitete ich Mondrituale, unterrichtete junge Priesterinnen und prüfte die Hilfsgesuche, die aus den verschiedenen Rudeln eintrafen.Wenn die Alphas der großen Rudel mir begegneten, mussten sie ihre Alpha-Aura dämpfen und sich vor mir verbeugen.In diesen drei Jahren hörte ich immer wieder Gerüchte über Kane.Offenbar ging es ihm nicht gut.Gerüchten zufolge verfiel er dem Alkohol und traf bei mehreren wichtigen Entscheidungen hintereinander Fehlentscheidungen.Nach außen befolgte der Ältestenrat des Schwarzkiefer-Rudels weiterhin Kanes Befehle. Insgeheim zweifelten die Ältesten jedoch längst daran, ob er noch geeignet war, das Rudel zu führen.Doch ich schenkte diesen Gerüchten keine weitere Beachtung – inzwischen hatte ich Wichtigeres zu tun.Erst am Tag vor der geplanten Neuwahl des Alpha im Schwarzkiefer-Rud
Kristalle, Juwelen und die Besitzurkunden von Kanes privaten Ländereien bedeckten die langen Stufen vor dem Tempel.Kane ließ sogar den Schlüssel zur privaten Schatzkammer des Alpha bringen und ausrichten, dass ich über alles im Schwarzkiefer-Rudel verfügen könne, wenn ich nur zurückkäme.Ich ließ alles unverändert zurückschicken.Nur die Besitzurkunde der Mondquelle behielt ich.Ich öffnete die Mondquelle für alle. Jede Wölfin, die ein ärztliches Notfallsiegel vorlegte, durfte die Mondquelle sofort und kostenlos nutzen.Die Seele meines Welpen, die einst vor dem Tor der Mondquelle abgewiesen worden war, wurde schließlich zum Schutz aller anderen Welpen.Nach der Rückgabe der Geschenke kam Kane persönlich.Die Wachen erzählten mir, dass Kane seit mehreren Tagen vor dem Tempel wartete – von der Abenddämmerung bis zum Monduntergang.„Möchten Sie ihn empfangen?“, fragte mich ein Tempeldiener.Ich blätterte eine Seite meines Gebetbuchs um.„Nein.“Wie viele Tage Kane schließlich noch ausha
Alle gaben ihre Waffen ab, dämpften ihre Alpha-Aura und betraten mit gesenktem Kopf ehrerbietig den Gerichtssaal des Tempels.Kane saß auf der Anklagebank. Seine Miene war so finster wie der Himmel vor einem Gewitter.Ich dagegen stand im Priesterinnengewand an der Seite der Hohepriesterin.Von Anfang bis Ende sah ich Kane kein einziges Mal an.Die Hohepriesterin hob den Mondstab. „Die Verhandlung ist eröffnet.“Ihr Blick glitt durch den Saal, ihre Stimme war kalt. „Evelyn erhebt offiziell Anklage gegen Beta Serena vom Schwarzkiefer-Rudel. Ihr wird vorgeworfen, ihre Befugnisse überschritten, die ehemalige Luna des Schwarzkiefer-Rudels vorsätzlich gedemütigt und dadurch den Tod ihres ungeborenen Welpen verursacht zu haben.“Die Wachen traten vor und legten sämtliche Beweise vor.Auch jener Antrag zur Nutzung der Mondquelle, der mit meinem Blut getränkt war, wurde allen Anwesenden vorgelegt.Ich sah auf das alte Dokument. In meiner Brust war nichts mehr von dem zerreißenden Schmerz, den
Die Hohepriesterin saß neben mir und reichte mir eine Schale mit Arznei.„Du bist noch sehr geschwächt. Erhol dich erst einmal. Alles andere hat Zeit.“Sie machte mir keinen Vorwurf daraus, dass ich vor sieben Jahren mein Priesterinnengewand abgelegt hatte. Sie fragte auch nicht, warum ich erst zurückkehrte, nachdem ich alles verloren hatte.Nachdem ich die Arznei ausgetrunken hatte, stellte sie mir nur eine Frage.„Evelyn, erinnerst du dich noch an den Eid der Priesterinnen?“Ich stockte einen Moment und senkte den Kopf. „Natürlich.“Der Eid war mir längst in Fleisch und Blut übergegangen. Ich konnte ihn unmöglich vergessen.Die Hohepriesterin nickte und ließ einen Tempeldiener eine Holzkiste bringen.Darin lag das Priesterinnengewand, das ich mit zurückgebracht hatte.Das Gewand war bereits gereinigt und schimmerte im Mondlicht.„Du hast es nicht weggeworfen“, sagte die Hohepriesterin. „Aber ob du es wieder tragen darfst, hängt davon ab, ob du noch würdig bist.“Die Rückkehr in mein





