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Luna – Countdown zum Abschied

Luna – Countdown zum Abschied

By:  Rotes LaubCompleted
Language: Deutsch
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Als Kane bemerkte, dass ich drei Tage lang keinen Streit mehr mit ihm angefangen hatte, stellte er endlich eine Gedankenverbindung zu mir her. Seine Stimme drang in meine Gedanken und klang ungewöhnlich erfreut. „Offenbar hast du endlich verstanden, dass die Regeln des Schwarzkiefer-Rudels nicht nur zum Schein existieren.“ „Da du endlich gelernt hast, dich zu benehmen, bekommst du die Zugangsgenehmigung zur Mondquelle. Und hör künftig auf, Serena wegen jeder Kleinigkeit Schwierigkeiten zu machen.“ Ich antwortete nicht. Ich senkte nur den Blick auf die Blutspuren, die noch immer zwischen meinen Beinen zu sehen waren. Kane hielt meine Ruhe wohl für Gehorsam. In seinen Augen beugte ich mich ihm und Serena endlich. Es war kaum zu glauben, dass ich als Luna ausgerechnet bei Beta Serena die Erlaubnis beantragen musste, die Mondquelle zu nutzen, um meinen ungeborenen Welpen zu retten. Nur weil Kane mich für unerfahren in Rudelangelegenheiten hielt, übertrug er Serena sämtliche Befugnisse, die mir als Luna zustanden. Vor drei Tagen wurde der Herzschlag meines ungeborenen Welpen noch instabiler. Ich beantragte erneut, in der Mondquelle baden zu dürfen. Serena lehnte meinen Antrag jedoch ab, weil die Unterlagen angeblich unvollständig waren. Dadurch erlitt ich eine Fehlgeburt. Über die Gedankenverbindung antwortete ich Kane ganz ruhig. „In Ordnung. Danke.“ Er wusste nicht, dass dies meine letzte Antwort war. Morgen gehe ich endgültig.

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Chapter 1

Kapitel 1

Als Kane das Zimmer betrat, wirkten seine Züge entspannt. Offensichtlich war er bester Laune.

„Warum nicht gleich so?“ Seine Stimme klang ungewöhnlich mild. „Solange du dich ruhig verhältst, soll es dir bei mir an nichts fehlen.“

„Hier ist die Zugangsgenehmigung zur Mondquelle.“

Kane legte die Genehmigung vor mir auf den Tisch. „Das Mondritual nächsten Monat darfst du wieder leiten.“

Ich senkte den Blick und griff nicht danach.

Kane hielt meine Reaktion offenbar nur für Trotz und erklärte geduldig:

„Dass der Zugang zur Mondquelle ausgesetzt wurde, habe ich genehmigt. Serena hat nur meine Anweisung ausgeführt. Du hast keinen Grund, deinen Ärger an ihr auszulassen.“

„Du bist einfach in den Ratssaal gestürmt, weil du Luna bist, und hast Serena gedrängt, das Genehmigungsverfahren zu überspringen. Natürlich musste ich dafür sorgen, dass du dir die Regeln merkst.“

Dabei strich Kane mir über den Kopf, wie man ein endlich gezähmtes Haustier beruhigt.

„Aber da du deinen Fehler jetzt eingesehen hast, ist die Sache erledigt.“

Ich wich nicht zurück und widersprach nicht.

Wenn Kane mir vor drei Tagen nur bis zum Ende zugehört hätte, hätte ich vielleicht um meines ungeborenen Welpen willen weiter alles ertragen.

Doch er tat es nicht.

Damals wogen all meine Tränen im Ratssaal weniger als Serenas sanfte Erklärung:

„Der Herzschlag des Welpen der Luna ist nur etwas instabil. Trotzdem verlangt sie, sämtliche Prüfschritte zu überspringen und sofort die Mondquelle zu betreten.“

„Das monatliche Nutzungskontingent der Mondquelle ist begrenzt. Als Beta kann ich die Regeln nicht brechen, nur weil sie die Luna ist.“

Ich stützte mich am Ratstisch ab. Die Krämpfe in meinem Unterleib wurden immer stärker, doch ich versuchte, die Diagnose des Arztes zu Ende zu erklären.

„Kane, der Arzt sagt, der Herzschlag des Welpen ist bereits –“

„Genug.“

Kane unterbrach mich mit gerunzelter Stirn.

„Musst du jedes Mal, wenn Serena deinen Antrag ablehnt, alles so dramatisieren?“

Serena senkte den Blick und sprach mit leiser, gekränkter Stimme.

„Alpha, ich will der Luna wirklich keine Schwierigkeiten machen. Wenn ich nur wegen ihres Status eine Ausnahme mache, werden die Rudelmitglieder glauben, dass Sie sie bevorzugen.“

Der letzte Rest von Kanes Geduld verschwand.

„Mach es so, wie Serena sagt.“

In den vergangenen sieben Jahren bekam ich immer dieselbe Antwort, wenn ich Serenas Entscheidungen infrage stellte.

Ich war die Luna und besaß doch keine einzige Befugnis, die mir als Luna zustand.

Mein Tagesablauf, meine Festgewänder, meine Wachen – sogar die Frage, ob ich die Mondquelle betreten durfte – alles musste von Serena genehmigt werden.

Lächelnd fand Serena jedes Mal einen neuen Fehler.

„Die Zeit für das Gebetsritual ist nicht eindeutig angegeben. Bitte reichen Sie den Antrag erneut ein, Luna.“

„Dieses Gewand ist für den heutigen Anlass ungeeignet. Bitte stellen Sie einen neuen Antrag, Luna.“

„Die Zahl der Wachen entspricht nicht dem aktuellen Plan. Bitte passen Sie den Antrag an und kommen Sie anschließend wieder.“

Jeden Antrag verzögerte Serena bis zum letzten Augenblick.

Dann sah sie lächelnd dabei zu, wie ich mich abhetzte und immer mehr in Bedrängnis geriet.

Sobald etwas schiefging, warf Kane mir vor, kein Zeitgefühl zu haben, und lobte im selben Atemzug Serena dafür, dass ihr nie Fehler unterliefen.

Diesmal war es genauso.

Der Arzt sagte mir, dass der Herzschlag meines ungeborenen Welpen rapide schwächer wurde. Um ihn zu retten, musste ich sofort in die Mondquelle.

Doch Serena schob mir den Antrag nur lächelnd zurück.

„Luna, Ihr Antrag entspricht nicht dem vorgeschriebenen Format. So kann ich ihn nicht unterschreiben.“

Ich änderte den Antrag immer wieder nach ihren Vorgaben, doch Serena lehnte ihn jedes Mal erneut ab.

Schließlich presste ich eine Hand auf meinen schmerzenden Unterleib und flehte Serena an, mich zuerst hineinzulassen. Die Formalitäten konnten wir später nachholen.

Doch Serena befahl den Wachen, das Tor zur Mondquelle zu schließen.

„Das geht leider nicht, Luna.“ Serena lächelte freundlich. „Die Mondquelle gehört dem gesamten Rudel. Ihre Nutzung muss streng nach den Vorschriften erfolgen. Als Beta trage ich Verantwortung für das ganze Rudel. Bitte haben Sie Verständnis.“

So verpasste ich den letzten möglichen Zeitpunkt.

Als Serena schließlich bereit war zu unterschreiben, lief mir bereits Blut zwischen den Beinen hinab.

Mein Welpe war nicht mehr da.

In jener Nacht brachte ich weder einen Schrei noch eine Träne hervor. Der Schmerz in meiner Brust fühlte sich an wie eine Klinge, die mich immer wieder aufschlitzte.

„Welches Gewand willst du beim Mondritual nächsten Monat tragen?“

Kanes Stimme riss mich in die Gegenwart zurück.

Ich sah sein begeistertes Gesicht und lachte innerlich bitter auf.

Kane wusste nicht, dass mich nichts davon noch hier halten konnte.

Noch drei Stunden, dann gehe ich.

„Egal. Irgendeins ist in Ordnung“, antwortete ich beiläufig.

Kane wirkte von meiner Antwort überrascht.

Kane musterte mich eine Weile und zog leicht die Brauen zusammen.

„Meine Luna schmollt also immer noch.“ Kane strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr. „Ich komme mit und wir suchen zusammen etwas aus, ja?“

Ich wollte gerade ablehnen, als der Haushofmeister hastig das Zimmer betrat.

„Alpha, Luna – Beta Serena bittet um Einlass.“

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