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Kapitel 3

Author: Rotes Laub
Kanes Hand, die meine festhielt, erstarrte mitten in der Luft.

Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, ausgerechnet am Ankleidezimmer der Luna Serenas Siegel zu sehen.

„Was ist hier los?“

Ruhig erklärte ich: „Serena sagt, die Gewänder und der Schmuck der Luna gehören dem Rudel. Deshalb darf ich nicht frei darüber verfügen.“

„Jedes Mal, wenn ich das Ankleidezimmer öffnen will, muss ich zuerst bei ihr einen Antrag stellen. Erst wenn sie zustimmt, darf ich aufschließen. Sobald ich fertig bin, lässt sie das Schloss wieder austauschen.“

Kane zog die Stirn immer stärker zusammen.

In diesem Moment keimte gegen meinen Willen ein winziger Funken Hoffnung in mir auf.

Vielleicht verstand er endlich, wie ich all die Jahre gelebt hatte, wenn er es mit eigenen Augen sah.

Früher war ich die jüngste Priesterin im Tempel der Mondgöttin.

Mit siebzehn konnte ich bereits allein Reinigungsrituale leiten. Selbst die Alphas anderer Rudel mussten sich vor mir verbeugen.

Kane warb drei ganze Jahre um mich.

Er harrte sieben Tage und Nächte während eines Schneesturms vor dem Tempel aus und durchquerte sogar die Todesschlucht, nur um mir eine Silbermondblume zu bringen.

Er sagte: „Wenn du meine Luna bist, musst du nicht länger in diesem kalten Tempel ausharren.“

Er sagte: „Ich mache dich zur angesehensten Luna des Schwarzkiefer-Rudels.“

Er sagte: „Ich liebe dich.“

Ich glaubte ihm.

Für Kane legte ich mein Priesterinnengewand ab und ließ mich von ihm markieren.

Sieben Jahre später durfte ich nicht einmal selbst entscheiden, welches Kleid ich tragen wollte.

Kane starrte lange auf das Schloss an der Tür.

Der winzige Lichtfunke in meinem Herzen, der längst hätte erlöschen sollen, flackerte während seines Schweigens noch einmal auf.

Doch im nächsten Moment wandte Kane den Blick ab.

„Serenas Vorgehen ist tatsächlich etwas streng.“

Ich sah ihn an und wartete darauf, was noch kommen würde.

Kane seufzte. In seiner Stimme lag sogar ein Anflug von Hilflosigkeit.

„Aber sie tut es auch zu deinem Besten.“

Der kleine Lichtfunke erlosch endgültig.

„Du hast früher jahrelang im Tempel der Mondgöttin gelebt und kennst die Regeln des Rudels nicht gut genug. Wenn du einen Fehler machst, schadest du damit dem Ansehen des ganzen Rudels.“

Kane packte mich an beiden Oberarmen und sah auf mich hinab. „Serena verwahrt diese Sachen für dich, weil sie verhindern will, dass du einen Fehler machst.“

Ich konnte die Frage nicht länger zurückhalten. „Sie hält also das Ankleidezimmer der Luna unter Verschluss, weil ich unfähig bin?“

„Das habe ich nicht gesagt.“

Ungeduld zeigte sich auf Kanes Gesicht, doch er beherrschte sich und versuchte weiter, mich zu beschwichtigen.

„Warum machst du aus allem immer so eine große Sache?“

„Es geht doch nur um ein paar Gewänder und Schmuckstücke. Wenn du etwas brauchst, sag Serena einfach Bescheid.“

Ich lachte leise.

Genau so lief es seit sieben Jahren.

Vor dem Mondritual reichte ich meinen Antrag für das Festgewand zwei Wochen im Voraus ein. Serena genehmigte ihn erst am Abend vor der Zeremonie.

Bei einem Bündnistreffen an der Grenze ließ Serena den Schmuckschrank verschließen, weil die Farbe der Edelsteine angeblich nicht den Vorschriften entsprach. Also musste ich mit Holzschmuck erscheinen, den ein Dienstmädchen in letzter Minute für mich aufgetrieben hatte.

Andere Rudelmitglieder verspotteten meine ärmliche Aufmachung, und Kane warf mir vor aller Augen vor, dem Ansehen des Schwarzkiefer-Rudels keine Bedeutung beizumessen.

Ich erklärte es ihm unzählige Male.

Kane glaubte mir nie.

Jetzt lag der Beweis direkt vor seinen Augen, und trotzdem fand Kane noch eine Rechtfertigung für Serena.

Nicht, weil die Tatsachen unklar waren.

Sondern nur, weil ich diejenige war, der Unrecht getan wurde.

Als ich schwieg, glaubte Kane offenbar, er habe mich überzeugt.

Kane zog eine schwarze Holzschatulle hervor. Darin lag eine Halskette mit einem Mondstein.

„Sei nicht mehr böse.“

Er nahm die Kette heraus, und seine Stimme wurde wieder sanfter.

„Du warst in letzter Zeit so brav. Ich habe sie extra für dich gekauft. Komm, ich lege sie dir an.“

Kane trat hinter mich und wollte mir die Kette umlegen.

Instinktiv wich ich einen halben Schritt zurück.

Kanes Hand blieb in der Luft stehen. Überraschung blitzte in seinen Augen auf.

„Was ist? Gefällt sie dir nicht?“

„Sie ist wunderschön“, sagte ich. „Ich bin nur etwas müde.“

Kane musterte mein blasses Gesicht und drängte schließlich nicht weiter.

Er legte die Kette zurück in die Schatulle. Für ihn war das offenbar bereits ein großes Zugeständnis.

„Gut. Dann trägst du sie morgen. Dieses Schloss lasse ich noch heute Abend entfernen.“

„Von jetzt an verwaltest du das Ankleidezimmer selbst. Auch die Befugnisse der Luna lasse ich Serena nach und nach an dich zurückgeben.“

Kane strich mir über das Haar und lächelte zufrieden.

„Solange du weiter so brav bist wie heute, gebe ich dir alles zurück, was der Luna zusteht.“

Gehorsam nickte ich. „Gut.“

Kane zog mich in seine Arme. „Der Mond ist heute besonders schön. Wollen wir zusammen etwas trinken?“

Über seine Schulter hinweg blickte ich zum Mond am Himmel.

Bald.

Nur noch eine Stunde, dann ging ich.

„Gut.“ Ich nickte.

„Ich habe dir ohnehin noch etwas zu sagen.“

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