Share

KAPITEL 22: DIE ZEITUNG

Author: Zayden Noir
last update publish date: 2026-07-04 20:00:49

Sie ließ es in die Mailbox gehen.

Das war ihre erste Reaktion und auch ihre zweite, nachdem sie die Nummer zweimal angestarrt hatte. Dann rief sie Felix an.

"Ein Redakteur der Wirtschaftszeitung hat angerufen," sagte sie. "Nummer" habe ich. "Ich habe nicht abgenommen."

Felix war eine Sekunde still.

"Schick mir die Nummer," sagte er. "Ich ruf zurück."

"Soll ich es Damian sagen?"

"Ja," sagte Felix. "Sofort."

Sie le
Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 140: DER FRUEHLING DES FUENFTEN JAHRES

    Der Fruehjahr des fuenften Jahres kam mit Regen. Das war kein schlechter Anfang. Regen war das, was der Fruehjahr brauchte, bevor er sein konnte, was er sein wollte: das Licht und die Waerme und die Blaetter, die kamen. Aber zuerst kam der Regen, der die Erde aufbereitete, der die Erde vorbereiten musste fuer das, was folgte. Das war eine Lektion, die Noelle in diesem April erkannte: Zuerst der Regen. Das Schwere, das noetig ist. Dann das Licht. Das war die Reihenfolge. Man konnte sie nicht umkehren. Das war gut. Das zu wissen war gut. Im Buero begann im April ein neues Projekt, das groesste in fuenf Jahren, ein Mandat, das Wolff und Crane Consulting von einem grossen Industrieklienten erhalten hatte, fuer eine Restrukturierung, die zwei Jahre dauern wuerde und die alle Bereiche der Firma forderte. Das war das, wofuer man fuenf Jahre aufgebaut hatte. Nicht dieses Projekt spezifisch. Sondern die Kapazitaet, es anzunehmen. Die Firma, die funf Jahre lang schichtweise gewa

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 139: WAS PETRA SCHREIBT UND WAS NOELLE WEISS

    Petras Buch erschien im Maerz. Wirklich erschien, nicht als Manuskript, das man druckte und band, sondern als richtiges Buch, verlegt, mit einem Verlag in Berlin, der klein war und der genau die Art Buecher verlegte, die Petra geschrieben hatte: praezise, ehrlich, ohne die Ornamente, die Buecher manchmal hatten, weil die Verleger dachten, dass Ornamente Leser anzogen. Das Buch hatte eine gruene Einbandfarbe. Das hatte Petra selbst ausgesucht. "Warum gruen?" hatte Noelle gefragt. "Weil Gruen waechst," hatte Petra gesagt. "Und weil das Buch das beschreibt, was waechst, wenn man zuschaut." Das stimmte. Der Verlag hatte den Titel beibehalten: Was ich gesehen habe. Notizen einer Frau, die zuschaut. Das war die beste Entscheidung des Verlags. Der Titel war Petra, und Petra war der Titel. Das Buch lag an einem Freitagmorgen auf Noelles Schreibtisch. Petra hatte es hingelegt, ohne etwas zu sagen, und war an ihren eigenen Schreibtisch gegangen, weil das ihre Art war: Dinge hinlegen

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 138: DAS FUENFTE JAHR TRAEGT SICH SELBST

    Das fuenfte Jahr war das erste, das sich selbst trug. Das war kein kleines Ding. Das war das Groesste, das man ueber ein Jahr sagen konnte, das man ueber ein Leben sagen konnte, das man ueber alles sagen konnte, das man aufgebaut hatte: dass es angefangen hatte, sich selbst zu tragen, ohne dass man jeden Tag daran druecken und halten und stuetzen musste, weil die Struktur so gut geworden war, dass sie stand, weil das Fundament so tief war, dass es hielt. Noelle bemerkte das im Februar. Das war der Monat, der pruehte. Das war der Monat, in dem das Leichte schwer wurde und das Schwere noch schwerer. Und trotzdem war der Februar des fuenften Jahres nicht das Pruehen des ersten oder zweiten. Er war der Februar eines Jahres, das schon wusste, was es war. Sie kam montags ins Buero und kuentdigte nicht innerlich. Das war seit Jahren so. Aber im fuenften Jahr war es anders: Es war nicht mehr das Nicht-Kuendigen als Entscheidung. Es war das Nicht-Kuendigen als Zustand. Der Gedanke kam n

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 137: DAS NEUE JAHR UND WAS ES WEISS

    Das neue Jahr begann mit dem Stueck. Das war nicht geplant. Es war der erste Januar, kurz nach Mitternacht, und die Gaeste waren gegangen, Hanna zur Strassenbahn, Claudia zu ihrem Hotel, Renz zu seinem, weil Renz nachmittags angekuendigt hatte, dass er um Mitternacht gehen wuerde, egal was, und weil Renz seine Ankuendigungen hielt. Sie waren allein. Die Wohnung war still. Die Stadt draussen war laut, wie Silvester das hatte, das Feuerwerk, das jetzt abklang, die letzten Raketen, die hochgingen und verschwanden. Damian ging ins Schlafzimmer. Noelle blieb in der Kueche und raeumte ein wenig auf, weil Aufraeum nach einem Abend gut war, das Zurueckbringen von Ordnung in das, was Freude ungeordnet hinterlassen hatte. Dann hoerte sie die ersten Toene. Das Stueck. Um kurz nach Mitternacht. Im neuen Jahr. Sie stellte die Gabel hin, die sie in der Hand hatte. Sie ging ins Schlafzimmer. Damian sass am Klavier und spielte, und er hatte die Augen geoeffnet, was er manchmal tat und

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 136: DAS FUNFTE WEIHNACHTEN UND WAS ES BESCHLIESST

    Das fuenfte Weihnachten war in Frankfurt, in der Wohnung, mit allen, die dazugehoerten. Das war das Vollstaendigste. Hanna Fischer kam am zweiundzwanzigsten. Claudia Wolff am dreiundzwanzigsten. Renz, der die Reise gewagt hatte, entgegen dem Rat seiner Aerzte, am vierundzwanzigsten, dem Heiligabend selbst, mit der Begruendung, dass Weihnachten der einzige Tag war, an dem das medizinisch Unkluge das menschlich Richtige ueberwog. Seine Aerzte hatten protestiert. Renz hatte nicht nachgegeben. Das war Renz. Die Wohnung fasste alle. Das war erstaunlich, weil die Wohnung nicht gross war, aber sie fasste alle, weil Menschen sich in Raeume fanden, wenn der Wille da war, zusammen zu sein. Damian kochte. Das war sein Weihnachten: die Kueche, der Herd, der Geruch, der die Wohnung fuellte. Noelle half. Das war neu in diesem Jahr: dass sie half, wirklich half, nicht mit dem Gefuhl, dass sie eingriff, sondern mit dem Gefuehl, dass sie Teil des Kochens war. Hanna Fischer sass am Kuechen

  • MEIN KALTER CHEF, MEIN GEHEIMER LIEBHABER   KAPITEL 135: RENZ' LETZER BRIEF

    Albrecht Renz schrieb im November des vierten Jahres. Das war kein ungewoehnliches Ereignis; Renz schrieb regelmaessig, immer handschriftlich, immer gescannt, immer prazise. Aber dieser Brief war anders als die anderen. Das merkte Noelle, als sie die erste Zeile las. Die erste Zeile lautete: Ich schreibe Ihnen, weil ich das Gefuehl habe, dass dieser Brief wichtig ist. Renz schrieb nie, dass etwas wichtig war. Das war sein unausgesprochenes Gesetz: alles, was er schrieb, war wichtig, weil er nur schrieb, was er sagen wollte, und was er sagen wollte, war immer wichtig. Aber dass er es sagte, war neu. Noelle sass und las weiter. Der Brief war vier Seiten lang, das Laengste, das Renz je geschrieben hatte. Er schrieb ueber das vergangene Jahr: die Aerztebesuche, die Spaziergaenge, die Ausdauer, mit der er das Aufrechtstehen uebte, weil Aufrichten ein Entschluss war und weil Entschluesse in seinen Augen das Mutigste waren, das man tat. Er schrieb ueber das Manuskript, das er gesc

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status