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Der Gasthof

Author: dee🕊️
last update Petsa ng paglalathala: 2026-10-25 22:58:51

Kapitel 4 – Der Gasthof

In dem Moment, als Nyras Augen aufgingen, erstarrte sie.

Sie war langsam erwacht wegen des Geräuschs der Räder, die über Steine ratterten, aber sie hielt die Augen geschlossen. Sie fühlte sich unerwartet warm, wärmer als während des größten Teils der Reise.

Die sanfte Bewegung der Kutsche hätte sie beinahe wieder einschlafen lassen. Als sie sich bewegte, um bequemer zu liegen, spürte sie etwas Festes an ihrer Seite. Als Nyras Augen sich schließlich öffneten, war das Erste, was sie sah, ein gutaussehendes Gesicht direkt über ihr.

Kaels Augen waren geöffnet und blickten auf sie herab. Ihre Wange hatte auf seiner Schulter gelegen, während sie an ihn gelehnt geschlafen hatte. Ein Arm war lose um sie gelegt, um sie zu halten, wann immer die Kutsche sich bewegte.

Panik erfasste sie sofort, und sie stieß sich so heftig von ihm weg, dass sie mit dem Rücken gegen die gegenüberliegende Wand der Kutsche prallte. Ihr Herz raste unkontrolliert gegen ihren Brustkorb.

Kaels Augenbrauen hoben sich. „Guten Morgen“, sagte er trotzdem, seine Stimme ruhig, aber kühler als zuvor.

„G-guten Morgen, Eure Ho… Kael“, kämpfte sie um eine Antwort. Ihre Hände flogen an ihre Brust, um ihr pochendes Herz zu beruhigen und ihren Atem zu stabilisieren.

Einen Moment lang sagte keiner von ihnen etwas. Nyra spürte, wie sich Hitze bereits über ihr Gesicht ausbreitete. Sie hatte keine Ahnung gehabt, dass sie so an ihn gelehnt geschlafen hatte.

„Es tut mir leid, ich wollte nicht…“

„Du hast geschlafen. Du musst dich nicht erklären.“ Seine Stimme war nicht wütend, aber distanziert.

Nyra steckte leise eine lose Haarsträhne hinter ihr Ohr, während seine Antwort sie irgendwie noch verlegener machte.

Sie blickte stattdessen aus dem Fenster, um ihr bereits gerötetes Gesicht und die Ohren zu verbergen.

Die Zeit verging langsam, und schneebedeckte Bäume zogen in einem verschwommenen Strom vorbei. Der Himmel begann sich aufzuhellen, obwohl der Morgen noch grau wirkte.

Eine Weile sprach keiner von ihnen. „Wir werden an einem Gasthof halten“, sagte er nach einem Moment. „Du brauchst richtige Ruhe. Wir bleiben heute Morgen ein paar Stunden und fahren dann weiter. Wir sollten Blackthorn trotzdem bis zum Abend erreichen.“

Sie war sich nicht sicher, ob sie erleichtert oder nervös wegen dieser Information war. Sie wollte gerade widersprechen, aber ein Gähnen verriet sie und entwich ihrem Mund. Ihre Augen fühlten sich schwer an und ihr Körper schmerzte von den langen, kalten Stunden auf der Straße.

„In Ordnung.“

Die Kutsche verlangsamte sich nicht lange danach, und durch das Fenster sah Nyra ein kleines Gebäude am Straßenrand mit einem hölzernen Schild am Eingang, das sanft im Wind schwang.

Als die Kutsche anhielt, stieg Kael zuerst aus und streckte ihr die Hand entgegen.

Nyra zögerte, bevor sie ihre Hand in seine legte. Er half ihr hinunter mit derselben behutsamen Kraft, die er immer bei ihr anwandte – etwas, an das sie nicht gewöhnt war.

„Guten Morgen, Eure Majestät“, begrüßte das alte Ehepaar, das den ruhigen kleinen Gasthof führte, Kael mit höflichem Respekt.

„Morgen“, antwortete er.

Nyra hatte Furcht und Distanz von ihnen erwartet wegen seines kalten Wesens, aber sie taten so, als kennten sie ihn, und begrüßten ihn mit breiten Lächeln.

Man führte sie in ein privates Zimmer im oberen Stock, einen einfachen, aber sauberen Raum. Einige Möbelstücke standen hier und da und ein Fenster mit Blick auf die verschneite Straße.

Nyra stand einen Moment am Fenster.

„Du solltest zuerst essen und etwas ruhen“, sagte Kael.

Nyra nickte nur. Kurze Zeit später wurde Essen auf das Zimmer gebracht. Kael blieb gerade lange genug, um sicherzustellen, dass sie alles hatte, was sie brauchte.

Als sie sah, dass er zur Tür ging, fragte sie: „Bleibst du nicht?“

„Nein.“ Nyra runzelte leicht die Stirn. Sie konnte das ganze Tablett mit Essen nicht allein essen.

„Ich habe etwas zu erledigen.“ Und bevor sie fragen konnte, was das bedeutete, ging er hinaus und die Tür schloss sich hinter ihm.

Nyra starrte darauf. Sie hatte bereits gelernt, dass Kael zu viele Fragen zu stellen selten irgendwohin führte.

Sie seufzte, setzte sich und aß allein im Zimmer. Als sie fertig war, zog die Erschöpfung sie so stark, dass sie ein paar Stunden schlief.

Als Nyra wieder aufwachte, fiel Sonnenlicht durch das Fenster. Sie setzte sich langsam auf, ihr Körper fühlte sich nach den wenigen Stunden Schlaf deutlich besser an. Dann klopfte es an der Tür.

„Herein.“

Als die Tür aufging, stand Kael dort, so gefasst wie zuvor, als hätte er keine Stunden durch eiskaltes Wetter gereist.

„Wir fahren jetzt. Bist du bereit?“

„Ja“, sagte sie mit einem Nicken. Sie nahm ihren Umhang und folgte ihm die Treppe hinunter. Sie bevorzugte das Reisen am Tag, weil es sich sicherer anfühlte.

Unten verabschiedete sich das alte Ehepaar. Sie verließen den Gasthof und setzten ihre Reise fort.

In den ersten Stunden sprach keiner von ihnen. Die Straße wurde rauer und unruhiger.

Es gab weniger Anzeichen von Zivilisation. Keine Häuser, Höfe oder sogar Reisende. Sie hatten die Grenze zwischen den beiden Königreichen überschritten. Das Einzige, was zu sehen war, waren Bäume, die dunkler und verdrehter wirkten, je weiter sie kamen, und einen Großteil des Tageslichts blockierten. Nyra begann wieder unruhig zu werden.

Sie wandte sich Kael zu.

„Wie weit sind wir?“

„Nicht mehr weit“, antwortete er.

Sie hoffte, dass sie bald ankommen würden. Angst hatte sich tief in ihrem Magen festgesetzt. Sie hatte Geschichten von Reisenden gehört, die beim Überschreiten der Grenze angegriffen wurden – von Tieren, von Männern oder von etwas, das beides zu sein schien –, aber sie hatte ihnen nie glauben wollen.

Sie versuchte, die Augen zu schließen, um das Gefühl aus ihrer Umgebung auszublenden. Es schien zu funktionieren, bis sie es hörte.

Ein tiefes Knurren, irgendwo außerhalb der Kutsche. Ihr Körper erstarrte, aber sie wollte es überhören. Sekunden später folgte ein weiteres Knurren dem ersten, dann ein drittes.

Nyra saß erstarrt mit weit geöffneten Augen. „Was war das?“

Kael antwortete nicht, was Nyra dazu brachte, ihn anzusehen. Er hatte es auch gehört. Sein Ausdruck hatte sich verändert, während er still lauschte.

„Kael?“

„Bleib drinnen.“

Ihr Magen zog sich zusammen. „Was?“

Er blickte zum Fenster. „Öffne die Tür nicht, bis ich es dir sage, sonst gefällt dir vielleicht nicht, was du sehen wirst.“ In seiner Stimme lag jetzt etwas, das zuvor nicht da gewesen war. Keine Angst, sondern etwas viel Ernsthafteres.

Dann hörte sie es wieder, diesmal näher.

Nyras ganzer Körper erstarrte. Sie drehte sich langsam zum Fenster, aber da war nichts – nur die Straße, die hinter ihnen verschwand. Ein weiteres Geräusch kam von der gegenüberliegenden Seite.

Die Kutsche hielt abrupt an und ließ sie nach vorn taumeln.

Kael griff vor und stabilisierte sie, dann stand er auf.

„Bleib hier.“

„Kael…“

Er öffnete die Tür der Kutsche, stieg aus, und die Tür schloss sich hinter ihm.

Mehrere Sekunden lang passierte nichts. Dann explodierte der Wald vor Lärm.

Draußen wurden die Knurrlaute lauter.

Dann erschütterte ein lauter Aufprall die Kutsche leicht und ließ Nyra auf den Boden der Kutsche fallen. Sofort rutschte sie in die Ecke und rollte sich mit angezogenen Knien zusammen, um die Geräusche der Gewalt abzuschotten, die direkt hinter der Kutsche weitergingen.

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