LOGIN„Ich weise dich zurück, Marisol Hale." Vor dem gesamten Rudel zerriss mein Schicksalsgefährte, der Erbe des Alpha-Königs, das Band, das die Mondgöttin selbst geknüpft hatte. Und die Menge lachte. Ich war die Heilerin, die jeder brauchte und niemand sah, immer im Schatten meiner strahlenden Schwester. Ich glaubte, ich wüsste, wie sich Demütigung anfühlt. Ich hatte keine Ahnung. Dann reichte mir ein fremder Alpha die Hand. Er sah nicht, wie ich aussah. Er sah, was ich konnte. Er bot mir einen Platz in seinem Rudel an, einen Neuanfang, ein Leben ohne Spott. Ich packte meine Sachen und wollte gehen. Doch am Tor stand Dante, die Augen schwarz, seine Finger um mein Handgelenk geschlossen. „Meine Gefährtin geht nirgendwohin." „Du hast mich zurückgewiesen, Eure Hoheit. Du hast kein Recht mehr auf mich." Doch ein silbernes Mal auf meiner Schulter, eine Wölfin, die zu lange geschwiegen hat, und ein Königreich, das auf eine Luna wartet, sind erst der Anfang. Denn jemand aus meiner eigenen Familie kennt mein Geheimnis. Und sie wird alles tun, damit ich nie erfahre, wer ich wirklich bin. Als sich das ganze Reich vor mir verneigt, ist der Mann, der mich verstoßen hat, der Erste, der auf die Knie fällt.
View MoreAuch in dieser Nacht schlief ich nicht.Ich lag im Dunkeln mit offenen Augen und drehte Corvinas Worte immer wieder um, bis sie glatt gewetzt waren. *Wer hat dich dein ganzes Leben lang angelächelt und dabei das Messer gehalten?*Es gab nur eine Antwort, und mein Herz weigerte sich beharrlich, sie auszusprechen.Im Morgengrauen gab ich auf, zog die schlichtesten Kleider an, die ich besaß, und trat auf die Veranda. Gideon wartete schon am Fuß der Stufen, mit zwei hölzernen Übungsschwertern und einem dampfenden Becher Tee. Er sah aus, als hätte auch er nicht viel geschlafen.„Trink", sagte er und reichte mir den Becher. „Du wirst es brauchen."„Was machen wir?"„Tag eins." Er schenkte mir ein kleines, müdes Lächeln. „Du lernst, dass du stärker bist, als du denkst."*Der Trainingsplatz lag hinter dem Dorf, auf einer Lichtung, umringt von hohen Zedern und mit weichem Moos bedeckt. Ein paar Frühaufsteher hatten sich am Rand versammelt, und mein Magen verkrampfte sich vor alter, vertrauter
Niemand rührte sich.Das ganze Dorf stand erstarrt am Flussufer, Wölfe, Kinder, alte Männer mit halb erhobenen Pfeifen, und jedes Augenpaar hing an der blinden Frau in den grauen Gewändern. Selbst das Wasser schien den Atem anzuhalten.„Zweiundzwanzig Jahre", wiederholte ich. Meine Stimme war dünn. „Ich bin zweiundzwanzig."„Ja, Kind." Luna Corvina lächelte noch einmal, diesmal sanfter. „Ich weiß genau, wie alt du bist. Ich war dabei, als du geboren wurdest."Gideons Hand drückte sich fester auf meinen Rücken. „Seherin, bei allem Respekt, du bist weit weg von zu Hause. Und die Gesetze des Alpha-Königs verbieten seiner Seherin, die Grenze ohne Erlaubnis zu überqueren."„Die Gesetze des Alpha-Königs", sagte sie und neigte den Kopf, „konnten den Mond noch nie halten."Sie trat in den Fluss. Das Wasser teilte sich in einer sanften silbernen Welle um ihre Knöchel, und ein Keuchen ging durch die Menge. Sie überquerte ihn so mühelos wie eine Wiese und blieb eine Armlänge vor mir stehen. Aus
Danach schlief ich nicht mehr.Ich saß auf der Bettkante, die Knie an die Brust gezogen, und starrte auf die silberne Mondsichel, die auf meiner Schulter glühte. Als die Sonne aufging, war sie zu einem sanften Schimmer verblasst, aber sie verschwand nicht. Wenn ich sie berührte, kribbelte meine Haut, als hätte ich ein Stromkabel gestreift.„Ember", flüsterte ich. „Was ist das?"Meine Wölfin war seit der Zurückweisung still gewesen, klein und verletzt irgendwo im Hinterkopf zusammengerollt. Jetzt regte sie sich, langsam und vorsichtig, wie ein Tier, das die Luft prüft.*Ich weiß es nicht,* sagte sie. Ihre Stimme war schwach, aber sie war da. *Aber es fühlt sich an wie Heimat.*Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich zog mein Tuch enger und sagte mir, dass ich übertrieb. Vielleicht hatte die Zurückweisung etwas Seltsames mit meinem Körper gemacht. Vielleicht war es ein Ausschlag. Vielleicht verlor ich den Verstand.Ein Ausschlag leuchtete nicht.An der Tür klopfte es, und ich fuhr zus
„Lass mich los."Meine Stimme zitterte, aber ich sagte es. Dantes Finger schlossen sich nur fester um mein Handgelenk.„Du tust mir weh", sagte ich, diesmal lauter.Etwas huschte über sein Gesicht. Verwirrung vielleicht. Als wüsste er gar nicht, wie fest er zugriff. Aber seine Augen blieben schwarz, und das Knurren, das aus seiner Brust grollte, war nicht das Geräusch eines Mannes, der sich unter Kontrolle hatte.„Du bist meine Gefährtin", sagte er, und die Worte klangen rau und falsch in seinem Mund. „Du darfst nicht gehen."Ich starrte ihn an. Ein bitteres Lachen kratzte aus meiner Kehle, bevor ich es aufhalten konnte.„Deine Gefährtin?", fragte ich. „Du hast mich zurückgewiesen, Eure Hoheit. Vor allen. So deutlich, dass selbst die Grillen es gehört haben."„Ich weiß, was ich gesagt habe."„Dann weißt du auch, dass du das Recht verloren hast, dieses Wort zu benutzen."Sein Kiefer spannte sich. Einen Moment lang dachte ich, er würde etwas Echtes sagen, etwas, das nach einer Entschuld











