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Isola

Author: Ifyx💋
last update publish date: 2026-07-29 23:48:17

Ich rannte barfuß zum Krankenhaus, zerzaust aussehend. Ich rannte den Krankenhausflur hinunter, das Linoleum kalt an meinen Füßen. Der Anhänger an meinem Hals schwang heftig.

Die Notaufnahme roch nach Krankenhausbleiche und Angst. Eine Krankenschwester blickte kaum auf, bevor sie auf Box 3 zeigte. Ich schob den Vorhang beiseite.

Elias saß auf der Trage, war oberkörperfrei, ein Schmetterlingspflaster umwickelte seine linke Augenbraue. Ein lila Bluterguss lag auf seinen Rippen.

Er sah zu mir auf, müde, aber lebendig, und schenkte mir dieses schiefe, jungenhafte Grinsen.

„Hey, Babe.“ Seine Stimme war heiser, aber fest.

„Ich habe ihnen gesagt, sie sollen dich nicht anrufen. Es ist nur ein kleiner Auffahrunfall.“

Meine Knie gaben fast nach. „Du bist auch als mein Notfallkontakt eingetragen, erinnerst du dich?“ Ich trat näher, meine Augen musterten ihn von oben bis unten und prüften, ob es ihm gut ging. „Bist du sicher, dass es dir gut geht?“

„Nur eine leichte Gehirnerschütterung und ein paar angebrochene Rippen. Niko entlässt mich morgen früh.“ Er versuchte, beiläufig zu klingen, aber der Unterton in seiner Stimme verriet ihn.

Er griff nach meiner Hand und verzog dann das Gesicht. „Komm her.“

Ich ging vorsichtig und setzte mich neben ihn aufs Bett. Seine Haut war zu warm, sein Puls pochte unter meiner Handfläche.

„Was ist passiert?“ flüsterte ich.

„Jemand ist über eine rote Ampel gefahren“, sagte er. „Ich habe versucht, auszuweichen, dann habe ich die Spur verloren. Der Airbag hat mich ordentlich erwischt.“

Er versuchte zu lachen, aber es brach in einen Husten ab, der ihn zusammenzucken ließ.

„Dad ist unterwegs“, fügte er hinzu.

Der Vorhang bewegte sich, und Alaric kam herein. Er trug noch seine OP-Kleidung, sein Haar war zerzaust, als wäre er aus einer Operation gerissen worden.

Seine Augen wanderten vom Pflaster auf Elias’ Stirn zu meinen nackten Füßen und dann zu der Stelle, an der seine Finger noch mit meinen verschlungen waren.

Etwas in seinem Ausdruck veränderte sich – kaum wahrnehmbar, aber ich bemerkte es.

„Sohn.“ Alarics Stimme war ruhig, diese glatte Arztstimme. Er ging zum Monitor und musterte die Vitalwerte. „CT ist sauber. Du hast Glück gehabt.“

Elias grinste: „Siehst du, ich habe dir gesagt, es ist nur ein Kratzer.“ Alaric zog den Kiefer zusammen. Dann wandte er sich an mich. „Miss Wren“, sagte er leise. „Nur ein Wort.“

Elias’ Hand verstärkte den Griff um meine. „Sie bleibt.“

„Krankenhausrichtlinie“, sagte Alaric unerschütterlich. „Familie bereits in der Box.“

Elias seufzte, rollte mit den Augen, ließ mich aber los. Ich folgte Alaric auf den Flur. Die Neonlichter leuchteten im Gang.

Er sagte kein Wort, wir gingen still, bis wir einen halb offenen Schrank erreichten. Er stieß die Tür auf, zog mich hinein und schloss sie.

Der Raum war klein und roch nach Desinfektionsmittel. Metallregale füllten den Raum, gestapelt mit Gaze und Handschuhkartons. Er stellte mich an die Tür, stand sehr nah bei mir, berührte mich aber nicht, stützte die Hände zu beiden Seiten meines Kopfes ab.

„Bist du verletzt?“ fragte er.

„Nein.“ Ich schüttelte den Kopf. „Du kommst direkt aus der OP.“

„Blinddarmoperation“, sagte er. „Geh zur Seite.“ Seine Augen lagen auf meinen, der Blick fest, aber müde.

„Es geht ihm gut, aber lass dich davon nicht täuschen. Er wird das ausnutzen, den Opfer spielen, um dich enger an sich zu binden.“

„Ich weiß.“ Meine Kehle war eng. „Er hat mich schon gewarnt, mich von dir fernzuhalten.“

Alarics Kiefer spannte sich an. „Gut“, sagte er leise. „Du solltest. Hör auf ihn.“

Ich lachte, ein scharfes, verrücktes Lachen. „Entscheide dich, Doktor. Letzte Woche warst du derjenige, der mir Schlüsselkarten zugesteckt hat.“

„Das war, bevor…“ Er brach ab und fuhr sich durchs Haar. „Bevor ich verstanden habe, wie tief das geht. Elias verliert nicht, Wren. Er zerstört, was er nicht behalten kann.“

Schritte hallten im Flur, und wir erstarrten beide. Als die Schritte vorbeigegangen waren, fuhr er leiser fort: „Es gibt Geschichte, die du nicht kennst.“

„Seine Mutter, Helena, sie ist gegangen, als er sechzehn war“, sagte Alaric mit leiser Stimme. „Sie hat die Hälfte des Krankenhausvorstands mitgenommen. Seitdem beweist er, dass er nicht ersetzbar ist.“

Ich ließ die Worte einsinken. „Und du?“ fragte ich leise.

„Ich bin geblieben“, sagte er schließlich. „Ich habe versucht, zu reparieren, was sie kaputt gemacht hat. Einschließlich ihn.“ Seine Stimme brach am letzten Wort, rau von etwas, das zu sehr nach Schuld klang. „Ich werde nicht zulassen, dass er dich kaputt macht.“

Die Türklinke drehte sich, und wir rückten auseinander. Eine Krankenschwester beugte sich herein und blickte zwischen uns hin und her. „Dr. Stone? Mr. Stone fragt nach Schmerzmitteln.“

Alaric nickte, sein Ausdruck wechselte zurück ins Professionelle. „Ich bin unterwegs.“

Dann sah er mich an – wirklich an, ein letztes Mal. „Geh nach Hause, Isola“, sagte er leise. „Schließ deine Tür ab. Ich kümmere mich um die Entlassung.“

Er ging. Ich blieb eine Weile im Schrank, versuchte, alles zu verdauen, was er mir gesagt hatte. Dann schlich ich hinaus.

Elias saß inzwischen aufrecht im Bett, das Lächeln schon aufgesetzt, und flirtete mit der Krankenschwester. Als er mich sah, winkte er. „Babe, kannst du mir mein Handy holen? Es ist im Spind.“

Ich fand es im Spind, der Bildschirm war gesprungen. Eine neue Nachricht leuchtete auf dem Display.

Unbekannte Nummer: Denkst du, ein paar Stiche ändern irgendetwas? Sie gehört immer noch mir.

Mein Blut gefror. Ich löschte die Nachricht, mein Herz schlug schnell, und kehrte mit einem Lächeln zu Elias zurück.

Am nächsten Morgen war das Wetter sauer, mit starkem Regen und mürrischen Wolken. Niko Voss, groß, blond, unterschrieb die Entlassungspapiere. „Nimm es langsam, Elias“, sagte er.

„Nicht fahren, die Rippen kühlen.“ Dann wanderten seine Augen zu mir, warm, aber forschend. „Wenn du irgendetwas brauchst, Isola, ruf mich direkt an.“

Bevor ich antworten konnte, legte Elias’ Arm sich fest und besitzergreifend um meine Taille. Er schenkte Niko ein Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. „Danke, Mann. Ich habe sie.“

Im Taxi döste Elias auf meiner Schulter, sein Atem warm und ungleichmäßig. Ich starrte aus dem regennassen Fenster und spielte Alarics Warnung noch einmal durch.

Er zerstört, was er nicht behalten kann.

Als wir meine Wohnung erreichten, war der Himmel ein stumpfes, verletztes Grau. Elias bestand darauf zu bleiben. „Nur bis die Schmerzmittel nachlassen“, sagte er und ging schon an mir vorbei.

Er lümmelte auf meiner Couch, verlangte Suppe, die Fernbedienung, meinen Schoß. Ich gehorchte ohne Beschwerde.

Am Abend wurde er unruhig. „Lass uns was bestellen und das Überleben feiern“, sagte er und blätterte durch Liefermenüs.

Dann hielt er inne. „Dad hat mir geschrieben. Er will vorbeikommen mit meinem Rezept.“

Mein Magen verdrehte sich. „Hier?“ fragte ich.

„Familie hält zusammen“, sagte er, sein Lächeln erreichte die Augen nicht.

Alaric tauchte gegen acht auf. Die Rezepttasche in der Hand. Er sah müde und abgenutzt aus. Dunkle Ringe unter den Augen, Jeans und ein Sweatshirt. Er war nicht mehr in der OP-Kleidung.

Elias nahm die Tasche, küsste meine Wange. „Bin gleich zurück“, sagte er und ging ins Bad.

In dem Moment, als Elias fort war, trat Alaric näher an mich heran. „Hör mir zu.“ Seine Stimme war leise und dringend.

„Hör zu. Niko hat gegraben und eine alte Akte gefunden. Dein Praktikum, mein Stipendium. Vor fünfzehn Jahren. Er sucht nach Druckmitteln.“

Ich runzelte die Stirn. „Welches Praktikum?“

„Du warst einundzwanzig. Sommerprogramm. Ich habe es finanziert. Du hast über Patientenbindung referiert. Deine Stimme hat damals gezittert, aber du warst brillant.“

Ich starrte ihn an und erinnerte mich endlich an alles. „Du wusstest es?“

„Nicht sofort“, sagte er leise. „Nicht bis zur Nachuntersuchung. Dann das Dinner…“ Er brach ab, als die Badezimmertür aufging.

Elias kam misstrauisch herein. „Alles in Ordnung?“

Alaric reichte die Flasche. „Tylenol-3. Keine Nachfüllungen.“ Sein Blick traf meine Augen. „Ruf an, wenn es Nebenwirkungen gibt.“

Danach ging er, und Elias schloss die Tür ab.

In jener Nacht ließ er mich nicht in Ruhe schlafen. „Ich muss spüren, wie du atmest“, murmelte er und zog mich näher an sich.

Seine Hände ruhten besitzergreifend auf meinem Bauch. Ich lag wach und starrte an die Decke. Der Anhänger irgendwo zwischen meinen Brüsten.

Was geht hier wirklich vor? fragte ich niemanden Bestimmten.

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