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Isola

Author: Ifyx💋
last update publish date: 2026-07-29 23:46:53

Manchmal fühle ich, dass manche Grenzen wie Ratschläge oder ein Wunsch klingen, der als Vorsicht getarnt ist.

Das Porzellan ist kalt an meinen Brüsten, während Elias’ Schnarchen durch die Suite hallt.

Mitternacht war nur noch zwei Stunden und dreiundfünfzig Minuten entfernt.

Ich setzte mich auf den Rand des Balkons, die Beine baumelten über den Atlantik, die Schlüsselkarte zu Zimmer 412 lag noch in meiner Handfläche.

Der Anhänger, den Alaric für mich gemacht hatte, fing das Mondlicht ein – winzig, scharf und perfekt.

Ein Versprechen von Drohung und Ruin zugleich.

Mein Handy vibrierte erneut. Unbekannte Nummer. Es war Alaric.

Wenn du Angst hast, schreib 911. Ich komme.

Ich starrte auf den Bildschirm, bis er sich verdunkelte, dann steckte ich das Handy in die Tasche.

Elias regte sich im Schlaf, ich erstarrte. Dann drehte er sich um, immer noch schlafend. Ich atmete scharf aus.

Um 23:47 Uhr ging ich barfuß ins Bad, schloss die Tür ab und öffnete das Video erneut.

Alaric in seiner Klinik, die Ärmel hochgekrempelt, mit gedämpfter Stimme: „Ich vermisse dich. Komm zu mir.“ Meine Knie wurden schwach.

Ich drückte die Stirn gegen die Badezimmerfliese und spielte noch einmal durch, wie er den Bluterguss an meinem Handgelenk geküsst hatte – wie eine Entschuldigung.

Mitternacht kam, und ich rührte mich keinen Zentimeter. Die Schlüsselkarte lag immer noch unbenutzt in meiner Hand.

Ich erinnerte mich selbst daran, dass dies Vorsicht war. Sagte mir, dass ich noch nicht bereit war, alles zu zerbrechen oder preiszugeben.

Aber die Wahrheit schmeckte bitter-sauer wie Kaffee auf meinen Lippen. Es war eher, als würde ich mich selbst verwirren, statt mich zu überzeugen.

Dann kehrte ich zurück, um mich zu Elias ins Bett zu legen, aber ich konnte nicht schlafen. Ich wälzte mich hin und her und dachte an meinen Moment mit Alaric, an das Krankenhaus und an das Dinner.

Am Morgen war ich bereits erschöpft, mit Ringen unter den Augen, als ich auf dem Beifahrersitz von Elias’ Mietwagen saß.

Er fuhr zu schnell, ich konnte kaum richtig atmen. Eine Hand am Lenkrad, die andere auf meinem Oberschenkel.

Seine Hand auf meinem Oberschenkel war besitzergreifend und beiläufig, als würde er wie immer Anspruch erheben.

„Du warst unruhig“, sagte er und sah zu mir herüber. „Schlechte Träume?“

„Jetlag“, log ich.

Er drückte meinen Oberschenkel. „Das werden wir heute Abend in Ordnung bringen.“

Gegen Mittag waren wir zurück in der Stadt. Ich behauptete Elias gegenüber, ich hätte einen Arbeitsnotfall, und entkam dann in meine Wohnung.

Die Stille in meiner Wohnung war ohrenbetäubend. Ich duschte, schrubbte meinen Körper mit Duschgel und stand unter dem Wasser, bis es kalt wurde.

Ich trocknete mich ab, cremte mich ein und zog ein Seidenkleid an.

Um 14:17 Uhr leuchtete mein Handy auf. St. Lucia Hospital.

Nachuntersuchung aus beruflichen Gründen verschoben. Morgen, 16 Uhr – Dr. Stone.

Keine Unterschrift. Keine Wärme. Nur klinische Präzision.

Ich starrte auf die Nachricht, der Puls beschleunigte sich. Berufliche Gründe. Klar. Aber was meinte er damit?

Ich kam früh an, gekleidet in ein anthrazitgraues Etuikleid. Ich sah bescheiden und elegant aus.

Wenn mich niemand komplementiert, tue ich es selbst.

Der Warteraum fühlte sich kleiner an, der antiseptische Krankenhausgeruch füllte meine Nase. Als die Krankenschwester meinen Namen aufrief, trugen mich meine Beine wie auf Autopilot.

Ich betrat erneut den Untersuchungsraum. Es war immer noch dasselbe Papierblatt, dieselben Steigbügel. Aber diesmal war es anders.

Alaric betrat den Raum mit einer Akte und einer soliden Wand aus Distanz.

„Miss Wren.“ Er sah nicht auf.

„Die Blutwerte sind perfekt. Ihre Hormone sind stabil. Irgendwelche neuen Symptome?“

Die Formalität traf mich hart. Darauf war ich nicht vorbereitet.

Ich setzte mich auf den Tisch, die Hände gefaltet.

„Nein.“

Er nickte und kritzelte in seiner Akte.

„Gut. Dann können wir Sie aus der Routinesorge entlassen.“

Und dann trafen endlich seine Augen meine, seine braunen Augen waren bewacht. „Es sei denn, es gibt noch etwas anderes.“

Die Luft verdichtete sich. Ich schluckte schwer.

„Es gibt etwas.“

Er legte die Akte langsam ab. „Isola…“

„Du hast mich geküsst“, sagte ich, meine Stimme fest. „Du hast mir eine Kette aus zerbrochenem Glas gemacht. Du hast mit mir geschlafen. Tu nicht so, als wäre das Routine.“

Er ballte und öffnete den Kiefer. Dann trat er näher, nah genug, dass ich Zedern- und Kiefernduft an ihm roch.

„Das war ein Fehler.“ Seine Stimme sank. „Mein Sohn ist unberechenbar. Du hast es gesehen. Du lebst es. Geh weg, bevor er dich mitreißt.“

Ich lachte, weich und ungläubig. „Du glaubst, ich kenne keine Unberechenbarkeit? Ich manage Elias seit Monaten. Ich bin keine zerbrechliche Praktikantin.“

„Du bist achtundzwanzig“, sagte er, fast flehend.

„Er ist mein Blut. Ich weiß, wozu er fähig ist, wenn er sich bedroht fühlt. Und er wird sich bedroht fühlen.“

Seine Hand hob sich, schwebte nahe an meiner Wange und sank dann. „Ich habe meine Frau durch Komplikationen verloren, die ich nicht beheben konnte. Ich werde dich nicht an das Temperament meines Sohnes verlieren.“

Das Geständnis hing zwischen uns, roh, seine Stimme klang gebrochen.

Ich griff nach seiner Hand und verschränkte unsere Finger. „Dann hilf mir, ihn zu verlassen. Warne mich nicht. Hilf mir.“

Er schloss die Augen. Als er sie öffnete, war die Distanz zurück, diesmal kälter.

„Ich kann nicht. Nicht, ohne alles zu zerstören. Dich, mich, das Krankenhaus.“ Er zog sich los. „Das endet hier.“

Er drehte sich zum Gehen. Ich glitt vom Tisch und eilte zur Tür, blockierte sie. „Alaric.“

Er blieb stehen, die Schultern starr.

„Du entscheidest nicht für mich“, sagte ich. „Nicht du. Nicht Elias.“

Einen Moment lang dachte ich, er würde mich wieder küssen, direkt hier im Neonlicht. Stattdessen öffnete er die Tür. „Geh nach Hause, Isola. Schließ deine Türen ab.“

Ich ging mit einem sauberen Gesundheitszeugnis und einem Herzen in Stücken.

In jener Nacht kam Elias unangemeldet, mit einem Strauß weißer Rosen in der Hand. „Ich habe dich vermisst“, sagte er und küsste meine Wange.

Aber seine Augen waren scharf und musterten mich und meinen ganzen Körper. „Dad hat angerufen. Er sagte, du hattest eine Nachuntersuchung.“

Mein Magen sank. „Routine.“

Er legte die Rosen ab, die Blütenblätter waren zu perfekt. „Er macht keine Routine. Nicht bei Patienten.“

Sein Lächeln erreichte seine Augen nicht. „Bleib von ihm fern, Isola. Das ist Familiensache.“

Ich lachte es weg. „Er ist dein Vater.“

„Genau.“ Seine Hand legte sich auf meinen Nacken, der Daumen strich meinen Nacken hinunter bis zu meinem Rücken.

„Ich kenne ihn besser als du. Er sammelt zerbrochene Dinge. Repariert sie. Und wirft sie weg, wenn sie wieder ganz sind.“

Der Anhänger auf meiner Haut war immer noch eine Erinnerung. Ich trat zurück.

„Ich bin kein Ding.“

„Nein“, sagte er leise. „Du gehörst mir.“

Er ging um zehn und versprach, mir Frühstück zu holen. Ich schloss die Tür ab, prüfte sie doppelt und sank dann auf den Boden.

Mein Handy vibrierte, es war Alaric.

Er lügt. Ich werfe nicht weg. Ich beschütze.

Ich antwortete nicht.

Um 23:43 Uhr klingelte das Festnetz, schrill und beharrlich. Ich benutzte es nie. Ich starrte es an, dann nahm ich ab.

„Isola Wren?“ Eine Frauenstimme, knapp. „Hier ist die Notaufnahme von St. Lucia. Elias Stone hatte einen Unfall.

Sie sind als sein Notfallkontakt eingetragen. Er fragt nach Ihnen.“

Meine Kehle wurde trocken.

„Er… fragt nach mir?“

Aber die Leitung war bereits tot.

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