Se connecterEmmaIch sitze auf meinem Bett, die Knie an die Brust gezogen.Meine Arbeitskleidung klebt noch immer steif und unbequem an meiner Haut, als ob sie mir nicht mehr gehören würde.Ich bin Iva den ganzen Abend aus dem Weg gegangen. Jedes Mal, wenn sie an meine Tür klopft und fragt, was passiert ist, weise ich sie ab. Vorhin hat sie zweimal geklopft. Ich habe gelogen und ihr gesagt, es sei nur wieder Streit mit meinem Stiefvater gewesen. Sie glaubt mir, weil es zu Hause immer so ist.Das entspricht aber nicht der Wahrheit.Die Szene geht mir nicht aus dem Kopf. Knox und Mr. Adams, sie standen da, ihre Blicke kalt. Ihre Worte trafen mich wie Messerstiche. Sie beschuldigten mich, Kundendaten weitergegeben zu haben. Sie sagten, sie hätten Beweise. Aber das ist kein Beweis, denn ich habe es nicht getan.Tränen rinnen mir über die Wangen. Ich kann sie nicht aufhalten. Niemals würde ich so etwas tun. Meine Arbeit ist das Einzige, was mir geblieben ist. Warum sollt
KnoxIch sitze hinter diesem massiven Eichenschreibtisch, meine Knöchel sind weiß, so fest umklammere ich die Kante.Das Abendlicht, das durch die hohen Fenster fällt.Herr Adams sitzt mir gegenüber, den Laptop auf dem Schoß, und sieht unter dem Bildschirmlicht ganz blass und unruhig aus.„Sie wollen mir also sagen, dass wir kompromittiert wurden?“, frage ich mit leiser Stimme, aber ich kann die Wut hören, die sich nur mit Mühe zurückhält.Er nickt langsam und schiebt mit zittriger Hand seine Brille zurecht. „Ja. Ich habe die verschwundenen Gelder untersucht, und dabei ist das hier aufgetaucht. Jemand hat Kundendaten an die Konkurrenz weitergegeben. Die Spur führt direkt zu einem von Emmas Logins.“Mir stockt der Atem. Ich kann es einfach nicht fassen. Emma? Tut sie mir das an? Ich habe ihr alles anvertraut. Sie viel zu nah an mich herangelassen, in mein Leben, in mein verdammtes Herz. Und jetzt wird mir dieser Verrat s
EmmaEr greift wieder nach meiner Hand. Ich ziehe sie zurück, bevor ich überhaupt darüber nachdenken kann.Das tut wirklich weh, wie ein tiefer Schmerz in meiner Brust, der einfach nicht verschwinden will. Ich möchte mich am liebsten in ihn fallen lassen und dort verschwinden, wo es sich sicher und warm anfühlt.Das kann ich nicht mehr. Nicht nach allem, was passiert ist.„Das war’s dann also?“, fragt er, seine Stimme zunächst rau vor Enttäuschung, dann aber schnell wütend. „Du willst deine Meinung ernsthaft nicht ändern?“Ich kann ihn nicht einmal ansehen. Wenn ich ihm auch nur eine Sekunde in die Augen schaue, verliere ich völlig die Fassung. Also starre ich stattdessen auf Dinge. Seinen Laptop, die Tischkante, den Boden. Alles, nur nicht sein Gesicht.„Mach es mir nicht noch schwerer“, sage ich. Meine Stimme ist leise und schwach, kaum laut genug, dass er sie hören kann.Er tritt näher, seine Stimme wird leiser.
EmmaDer Tag zieht sich endlos hin, und ich bemühe mich, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und alles andere auszublenden. Das Tippgeräusch und das leise Gemurmel im Büro lenken mich jedoch ab.Ich muss mich beschäftigen, mich in etwas vertiefen, nur um nicht dem Chaos in meinem Kopf zu erliegen.Ich hatte gerade eine Reihe von E-Mails beantwortet, als das Klacken von Absätzen durch das Büro hallte.Das Geräusch wird lauter, und bevor ich richtig begreifen kann, was passiert, kommt meine Mutter auf meinen Schreibtisch zu.Ich erstarre, mein Herz pocht laut in meiner Brust.Dann geht sie an meinem Schreibtisch vorbei, ohne ihn auch nur eines Blickes zu würdigen, und steuert direkt auf Ivas Schreibtisch zu. Ich sitze wie erstarrt auf meinem Stuhl und sehe zu, wie meine Mutter mit einer scharfen, gereizten Bewegung ihren Laptop vor Iva fallen lässt.Mir stockt der Atem, als ich die Anspannung in Ivas Gesicht sehe.„Was soll dieser Unsinn?“, fähr
Das Mondlicht dringt durch die dünnen Vorhänge.Ich wälze mich unruhig im Bett hin und her, die Seidenlaken verfangen sich wie eine Falle um meine Beine und verweigern mir auch nur den geringsten Trost. Je mehr ich versuche, einen Ort der Ruhe zu finden, desto weiter entgleitet er mir.Jedes Mal, wenn ich die Augen schließe, sehe ich die Konfrontation mit meiner Mutter. Ihre Worte hallen in meinem Kopf wider und durchdringen die Stille meiner Gedanken.Verstoßen. Das Wort hängt wie ein Fluch in der Luft, die endgültige Trennung von dem Band, von dem ich törichterweise gehofft hatte, es bestünde noch zwischen uns.Tief in meinem Inneren wusste ich es immer schon, selbst als ich nur dem Namen nach ihre Tochter war. Ihre Ablehnung ist aber nicht das Schlimmste. Es ist die Erkenntnis, dass sie es nie gut mit mir gemeint hat.Ich drehe mich auf die linke Seite, die kühlen Laken gleiten unter mir hindurch, während ich versuche, meinen
KnoxIch sehe, wie sich Schweißperlen auf seiner Stirn bilden, seine Hände zucken nervös.Seine Stimme hallt noch immer in der Luft. Er weiß, was ihm bevorsteht. Sein Gesicht, einst voller Stolz und Ehrgeiz, ist nun bleich und von Angst gezeichnet. Seine Augen sind vor Schuldgefühlen geweitet, und ich kann die Verzweiflung in seiner Stimme fast schmecken, wenn er spricht.„Knox, bitte“, fleht Mr. Carter mit zitternder Stimme, als er mich ansieht; seine Angst ist spürbar. „Ich tue alles. Bitte, lassen Sie diese Aufnahme nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Sie wird mich ruinieren. Alles, wofür ich gearbeitet habe … dann ist alles vorbei.“Ein leises Lachen entfährt mir, doch es ist trocken und gefühllos. Ich lehne mich in meinem Stuhl zurück und beobachte, wie er sich windet. „Sind Sie sich da sicher, Mr. Carter? Irgendetwas?“Seine Augen weiten sich noch mehr, und er nickt hastig, Verzweiflung schwingt in seinen Worten mit. „Irgendetwas. Sag einfach, was du







