LOGIN„Du hast mir meinen Sohn gestohlen!", brüllte Regan. Drei Jahre nach einer erbitterten Scheidung steckt Ruby Hampton in einer verzweifelten Lage. Ihr einst so vielversprechendes Unternehmen steht kurz vor dem Ruin, und der einzige Mann, der mächtig genug ist, um es zu retten, ist ausgerechnet derjenige, dem sie geschworen hatte, nie wieder gegenüberzutreten: ihr kalter, gnadenloser Ex-Ehemann, der Milliardär Regan Mason. Regan erklärt sich bereit, ihr zu helfen, allerdings nur unter einer Bedingung. Ruby muss seine persönliche Assistentin werden. Erneut gefangen in seiner Welt, sieht sich Ruby gezwungen, sich Gefühlen zu stellen, die sie längst begraben glaubte, einer skrupellosen neuen Verlobten und den Fragen, die Regan einfach nicht loslassen will. Warum ist Ruby damals ohne ein Wort gegangen? Und warum hat sie ihm ihren gemeinsamen Sohn verschwiegen? Als die Wahrheit endlich ans Licht kommt, will Regan mehr als nur Antworten. Er will seinen Sohn, eine zweite Chance als Vater und die Frau zurück, die einst sein Herz besaß. Doch Ruby ist nicht mehr die Frau, die er vor drei Jahren verlassen hat. Einst hat die Liebe sie zerstört. Können sie die Wahrheit lange genug überleben, um sie wieder aufzubauen?
View MoreRubys Sicht
„Was könnte schon das Schlimmste sein, das passieren kann?”, fragte ich mich laut, während ich vor der Tür meines Chefs stehen blieb und überlegte, ob ich hineingehen sollte, solange seine gehässige Freundin noch dort war.
Wie sehr ich es hasste, eine persönliche Assistentin zu sein, und ausgerechnet die meines eigenen Ex-Mannes.
„Drei Monate”, murmelte ich und drückte die Akte an meine Brust. „Nur lange genug, um das Chaos zu beheben, meinen Lohn einzustreichen und wieder zu gehen. Noch einmal.” Ich atmete tief ein, stieß die schwere Bürotür auf und trat ein. „Sir, ich…”
Die Worte verließen nie meine Kehle, sie blieben mir vielmehr wie zersplittertes Glas im Hals stecken.
Victoria Langford lag ausgestreckt auf Regans Schreibtisch, ihre wohlgeformten Beine um seine Hüfte geschlungen, ihr Seidenkleid so hoch gerutscht, dass ich mich fragte, ob sie es überhaupt nur als vage Andeutung angezogen hatte. Regans Hemd war am Kragen aufgeknöpft, seine Hand ruhte gefährlich tief auf ihrem Oberschenkel.
Die Luft um mich herum fühlte sich plötzlich stickig an, und ich atmete scharf und kaum merklich aus. Genau in diesem Moment ließ Victoria ein langsames, raues Lachen hören, ihre Finger fuhren über die harten Konturen von Regans Brust, während sie schnurrte: „Mmm, das habe ich vermisst.” Am liebsten hätte ich mich übergeben.
Regan sah zu mir auf, seine durchdringenden grauen Augen, dieselben, die einst Versprechen enthalten hatten, an die ich törichterweise geglaubt hatte, blieben auf meine geheftet.
Sein Kiefer zuckte immer wieder, doch er machte nicht einmal den Versuch, sich zu bewegen. Er versuchte auch nicht, sie von sich zu schieben. Und er hatte nicht die geringste Würde, wenigstens ansatzweise schuldbewusst dreinzuschauen. Rein gar nichts.
Als bemerke sie es erst jetzt, folgte Victoria seinem Blick, ein Lächeln zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, als sie mich dort stehen sah. Sie legte den Kopf in den Nacken und täuschte Überraschung vor.
„Oh, Baby, ich hatte keine Ahnung, dass wir ein Publikum haben”, gurrte sie und fuhr mit einem perfekt manikürten Finger über Regans Lippen. „Wie furchtbar unangenehm das für dich sein muss.”
Ich schluckte die Bitterkeit hinunter, die ich in meiner Kehle spürte, und blinzelte hastig, um die Tränen zurückzuhalten. Ich verstand nicht, warum sie sich überhaupt sammelten.
Er stellte mich auf die Probe. Das war klar. Nach allem, der Scheidung, den Jahren der Trennung, der schieren Hölle, die ich durchgemacht hatte, spielte er immer noch Spiele. Und ich weigerte mich, jemals wieder eine Schachfigur in seinen Spielen zu sein.
Mit schnellen Schritten ging ich vorwärts und knallte die Akte auf seinen Schreibtisch, direkt neben die Stelle, wo Victorias Hand lag. „Ihre Berichte”, begann ich kühl und hob den Kopf leicht an. „Unterschrieben bis Mittag.”
Dann drehte ich mich auf dem Absatz um und ging hinaus. Nicht, weil ich schwach war, vielleicht war ich es doch. Nicht, weil es wehtat, vielleicht tat es das auch. Sondern weil ich Regan Mason niemals die Genugtuung geben würde, zu sehen, dass es das tat.
In dem Moment, als ich aus seinem Büro trat, begann mein Herz wild zu schlagen. Ohne darauf zu achten, dass ich hohe Absätze trug, eilte ich von der Tür zu meinem Schreibtisch, meine Absätze protestierten bei jedem Schritt.
Kaum hatte ich mich an meinem Platz niedergelassen, griff ich nach der Wasserflasche unter dem Schreibtisch, öffnete sie und trank hastig große Schlucke.
Erst dann ließ ich den Atem entweichen, den ich angehalten hatte.
Ich hatte zuerst alles andere versucht. Das war das Ding, das niemand von außen sah: die Monate voller Telefonate, die zu nichts führten, die Treffen mit Investoren, die höflich lächelten und dann aufhörten, auf E-Mails zu antworten, und die Bank, die geduldig gewesen war, bis sie es plötzlich nicht mehr war. Ich hatte an jede Tür geklopft, die mir zur Verfügung stand, und jede einzelne war mir vor der Nase zugeschlagen worden. Regan Mason war nicht meine erste Wahl gewesen. Er war meine letzte. Der Einzige, der noch übrig geblieben war, nachdem alles andere weggebrochen war, und die einzige Person mit genug Macht und Mitteln, um mein Unternehmen von dem Abgrund zurückzuholen, an dessen Rand es taumelte.
Und das war der einzige Grund, warum ich gerade an diesem Schreibtisch saß, in diesem Gebäude, und für den Mann arbeitete, den ich drei Jahre lang zu vergessen versucht hatte.
Drei Monate. Nur drei Monate, und es wäre vorbei.
Der vernünftige Teil von mir wusste, dass das keine Überraschung war. Regan und Victoria hatten immer schon Chemie gehabt. Sie war seine wechselhafte Geliebte aus der High Society, eine Frau, die im Rampenlicht aufblühte und dafür sorgte, dass jeder erfuhr, wenn sie ihre Beute beansprucht hatte. Aber die beiden so zu sehen war nicht nur demütigend.
Es war einfach nur unglaublich nervig.
Ich drückte die Finger gegen meine Schläfen und zwang meine Gedanken in eine gewisse Ordnung. Ich konnte das schaffen. Ich hatte Schlimmeres überlebt, und doch saß ich jetzt hier und arbeitete für denselben Mann, der mein Herz einst wie einen schlechten Geschäftsvertrag unterschrieben und verkauft hatte.
Die Ironie daran war fast zum Lachen. Das scharfe Klacken von Absätzen holte mich rechtzeitig aus meinen Gedanken, um zu sehen, wie Regan mit strenger Miene vor meinem Schreibtisch erschien. Sein Hemd war immer noch am Kragen offen, die Ärmel hochgekrempelt, als hätte er gerade etwas Anstrengendes beendet, obwohl ich eine ziemlich genaue Vorstellung davon hatte, was, oder besser gesagt, wer das gewesen war.
Für einen langen Moment starrten wir uns nur an. „Du hättest wenigstens den Anstand haben können, anzuklopfen, bevor du hereinkommst”, begann er, seine Miene verdüsterte sich, während er auf mich herabblickte. Ernsthaft?
Ich stieß ein scharfes, humorloses Lachen aus und schnaubte am Ende, während ich schlagfertig erwiderte: „Und was, warten, bis du dir zuerst die Hose zumachst?”
Für einen kurzen Moment merkte ich, dass ich emotional wurde, und er bemerkte es ebenfalls, denn seine Antwort war: „Eifersüchtig?”
„Oh, bitte. Ich wäre nicht eifersüchtig, wenn du eine ganze Parade halbnackter Frauen dort drin hättest. Eigentlich, lass mich das korrigieren: Das wäre mir sogar lieber. Wenigstens müsste sie sich dann nicht die Mühe machen, mir jedes Mal, wenn sie ihren Freund besuchen kommt, passiv-aggressive Beleidigungen entgegenzuwerfen.”
Daraufhin beugte sich Regan vor, stützte seine Arme übereinander auf meinem Schreibtisch ab. „Sie ist nicht meine Freundin, wir haben nur eine gemeinsame Vergangenheit, und das weißt du verdammt gut.”
„Ach, richtig. Weil unsere gemeinsame Vergangenheit ja auch so erfolgreich war”, konterte ich sarkastisch. Sein Blick verdunkelte sich.
Da war er wieder. Der Sturm in seinem Blick. Derselbe, nach dem ich mich früher gesehnt hatte, derselbe, der mich einst atemlos und begierig nach seiner Berührung gemacht hatte. Jetzt? Jetzt machte er mich nur noch müde.
„Junge Dame”, begann er, seine Stimme wurde dunkler. „Ich möchte dich daran erinnern, dass ich hier der Chef bin. Du befiehlst mir nicht, und wenn du meine Hilfe auch nur ansatzweise willst, wirst du dich an meine Anweisungen halten müssen. Ist das verstanden?”
Der stechende Nachhall davon holte mich zurück zur Vernunft und erinnerte mich an meinen erbärmlichen Status als bloße Assistentin und nichts weiter. Ich nickte zustimmend.
„Benutz gefälligst deine Worte”, donnerte er. „Ja, Sir.” „Gut, jetzt hol mir das Übliche zum Frühstück. Und für Victoria, hol ihr etwas, das ihrem Niveau entspricht. Thunfischsalat oder so etwas in der Art.”
Rubys Sicht„Mr. Mason, der Wagen wartet."Ich klopfte einmal an seine Schlafzimmertür und zwang meiner Stimme einen unbeteiligten, professionellen Ton auf. Nur eine weitere geschäftliche Nacht. Nichts weiter.Noch immer keine Antwort. Ich warf einen Blick auf meine Armbanduhr und dann wieder zur Tür, runzelte die Stirn und stieß die Tür auf.Was ich sah, ließ mich erstarren.Auf dem Bett lag Victoria, kaum bekleidet. Um ihren Körper hatte sie nur ein Seidentuch geschlungen, das der Fantasie nichts überließ.Genauer gesagt konnte ich mir durchaus vorstellen, dass sie darunter nackt war. Sie lag ausgestreckt auf Regans Bett, sah mich selbstgefällig an, die Lippen zu einem Grinsen verzogen, während sie mit einer manikürten Hand durch ihr zerzaustes Haar fuhr.Direkt vor dem Kleiderschrank stand Regan und knöpfte sein schwarzes Hemd zu. Er würdigte mich kaum eines Blickes, obwohl ich einfach hereingeplatzt war. „Du bist früh dran", begann er, als wäre nichts geschehen. Was genau war eige
Regans SichtSie klopfte nicht.Sie stürmte einfach herein, als würde ihr der Laden immer noch gehören, unter dem geschockten Blick meiner Assistentin.Ich hatte kaum Zeit, das Eindringen zu verarbeiten, bevor mein Blick auf sie fiel. Innerhalb einer Sekunde zersprang mein eisiger Ausdruck in tausend Stücke, Wärme erfüllte mein Herz, und mein Gesicht erhellte sich zu einem Lächeln.„Engel", sagte ich, der Name entglitt mir wie aus reiner Gewohnheit. Meine Stimme war warm, einladend, vielleicht sogar hoffnungsvoll. „Was machst du…" Hatte sie von der Überraschung zu ihrem Geburtstag erfahren? Nein, unmöglich. Niemand hätte es gewagt, es ihr zu verraten.Ich war noch dabei, alle Möglichkeiten durchzugehen, als sie eine Mappe auf meinen Schreibtisch knallte und mich damit unterbrach. „Unterschreib das." Meine Brauen zogen sich zusammen, als ich hinabblickte. Ein einzelner, fett gedruckter Titel oben auf der Seite ließ mein Herz stillstehen. Scheidungsantrag. Wie bitte?Langsam lehnte ich
Regans SichtVictorias Finger lagen schon wieder an meinem Nacken.Seit ein paar Minuten war sie schon dabei, presste ihre Lippen an mein Kinn und meinen Hals und flüsterte Dinge, die ich längst nicht mehr wahrnahm. Ihr Parfüm war schwer und erstickend, die Sorte, die ihre Anwesenheit ankündigte, noch bevor sie überhaupt einen Raum betrat, und gerade jetzt bewirkte es bei mir absolut nichts.Gar nichts.„Hör auf, Victoria", murmelte ich und zog zum dritten Mal ihre Hände von meinem Kragen weg.Sie schmollte, so wie sie es immer tat, wenn sie nicht bekam, was sie wollte, ihre Unterlippe vorgeschoben, als hätte dieser bestimmte Gesichtsausdruck bei mir jemals gewirkt. „Ach komm schon. Gefällt dir das etwa nicht?"Es gefiel mir durchaus, solange ich nicht nachdachte. Was inzwischen immer seltener vorkam.Sie schob ihre Hände wieder unter mein Hemd, ihr Mund fand erneut meinen Hals, und ich spürte absolut nichts außer leichter Gereiztheit.„Mein Flug geht in ein paar Stunden", sagte ich f
Rubys Sicht„Leo, du solltest inzwischen längst schlafen. Willst du morgen zu spät zur Schule kommen?", fragte ich lachend, obwohl ich schon wusste, dass ich nicht die Antwort bekommen würde, die ich mir wünschte.Der kleine Wildfang rührte sich nicht. Stattdessen schlang er seine Arme um meinen Hals, während seine weichen, dunklen Locken verspielt gegen meine Wangen strichen und er den Kopf schüttelte.Mit einem leichten Lächeln setzte ich ihn höher auf meinen Schoß und machte es mir auf seinem Bett bequem. Er war stur, ganz wie sein Vater.„Schatz, warum erzähle ich dir nicht morgen zwei verschiedene Geschichten? Hm?"„Nein", quengelte er und rieb sich die müden Augen. „Will Leo, der tapfere kleine Löwe, bitte."Ich seufzte. Er hatte wieder gewonnen.„Na gut. Aber danach musst du schlafen."Leo nickte eifrig und kuschelte sich tiefer unter seine Decke. Ich zog die Decke um ihn zurecht und räusperte mich dramatisch.„Es war einmal ein tapferer kleiner Löwe namens Leo."Sofort breitet











