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Die Tore des Van Doren schwangen auf. Brianna sah die Kalksteinsäulen an sich vorbeiziehen, ihr Magen krampfte sich bei jedem Zentimeter zusammen, den die Limousine vorwärts fuhr.
Neben ihr betrachtete Eloise zum zehnten Mal ihren Spiegel. Ihre Mutter sah strahlend aus in einem Seidenkleid, das mehr kostete als die Miete der letzten drei Monate.
„Mach dir die Haare schön, Brianna“, sagte Eloise mit scharfer Stimme. „Und um Himmels willen, versuch, so auszusehen, als würdest du hierher gehören. Das hier ist nicht mehr das Slum.“
„Ich gehöre hier nicht hin, Mama“, murmelte Brianna. „Wir sind nur die neuen Schmuckstücke in Declans Sammlung.“
„Declan ist ein guter Mann. Er sorgt für uns. Du wirst ihm Respekt erweisen und Dawson aus dem Weg gehen. Er ist der Anführer dieses Hauses und duldet keine Fremden.“
Brianna blickte aus dem Fenster. Sie hatte von Dawson Van Doren gehört. Jeder kannte ihn. Er war der skrupellose Erbe eines Schifffahrtsimperiums, ein Mann, der dafür bekannt war, Konkurrenten ohne mit der Wimper zu zucken zu vernichten.
Der Wagen hielt vor einem weitläufigen Herrenhaus, das eher einer Festung glich. Ein Mann stand auf den Stufen, seine Ausstrahlung war imposant und streng. Declan Van Doren.
„Eloise, meine Liebe“, sagte Declan und trat vor, als der Fahrer die Tür öffnete. Er küsste die Hand ihrer Mutter, bevor er seinen Blick Brianna zuwandte. „Und das ist Brianna. Willkommen in deinem neuen Zuhause.“
"Danke, Sir", sagte Brianna mit leiser Stimme.
"Nennen Sie mich Declan. Kommen Sie herein. Das Personal hat das Essen vorbereitet, und ich glaube, mein Sohn wartet im Arbeitszimmer."
Das Foyer war kalt, trotz der Blattgoldverzierungen und der massiven Kronleuchter. Es fühlte sich an, als beträte man die Höhle eines Raubtiers. Die Stille war bedrückend und wurde nur vom Klackern ihrer Schuhe auf dem Marmorboden unterbrochen.
Sie gingen auf eine Tür zu. Declan stieß sie auf und gab den Blick frei auf einen Raum, der mit Tausenden von Büchern gefüllt war und in dem der Duft von teurem Tabak und Zederholz lag.
Ein Mann saß hinter einem massiven Schreibtisch, den Kopf gesenkt, während er Papiere unterschrieb. Er blickte nicht auf, als sie hereinkamen. Die Spannung im Raum veränderte sich schlagartig. Es fühlte sich an, als wäre der Sauerstoff aus dem Raum gesogen worden.
„Dawson“, sagte Declan. „Sie sind hier.“
Dawson Van Doren hob endlich den Kopf. Seine Augen hatten die Farbe eines Wintersturms, durchdringend und völlig gefühllos. Er sah Eloise nicht an. Sein Blick schnellte direkt zu Brianna und fixierte sie mit einer Raubtierintensität, die ihr den Atem raubte.
Er stand nicht auf. Er lächelte nicht. Er starrte sie nur an, als wäre sie ein Insekt, das er unter seinem Stiefel zertreten wollte.
„Also“, sagte Dawson mit tiefer, gefährlicher Stimme. „Das ist der Fall für wohltätige Zwecke.“
„Dawson, pass auf, was du sagst“, warnte Declan, obwohl sein Tonfall nicht wirklich bissig klang.
Dawson stand auf, seine große, kräftige Gestalt warf einen langen Schatten durch den Raum. Er schritt um den Schreibtisch herum, mit der langsamen, bedächtigen Anmut eines Wolfes, der seine Beute verfolgt. Er blieb nur wenige Zentimeter vor Brianna stehen und drang in ihre Privatsphäre ein, bis sie seinen dunklen, betörenden Duft wahrnehmen konnte.
Er war auf eine Art schön, die sich gewalttätig anfühlte.
„Du befindest dich jetzt auf meinem Gebiet, Brianna“, flüsterte er, seine Stimme nur für ihre Ohren bestimmt. „Glaub ja nicht, dass die Ehe deiner Mutter dich zur Familie macht. Du bist eine Eindringling. Und ich mag keine Eindringlinge.“
Brianna spürte, wie ihr Gesicht vor Wut und Angst heiß wurde. „Ich habe nicht darum gebeten, hier zu sein.“
„Dann verschwinde“, schnauzte er, seine Augen blitzten eisig. „Geh zurück in die Gosse, aus der du gekrochen bist, bevor du dich verletzt hast.“
„Das reicht!“, rief eine neue Stimme.
Ein Mann betrat das Arbeitszimmer durch eine Seitentür. Er wirkte älter als Dawson, strahlte aber eine beängstigend ruhige Eleganz aus. Es war Eric, Declans ältester Freund, den sie Onkel nannten.
„Du machst dem Mädchen Angst, Dawson“, sagte Eric und musterte Brianna mit einem viel zu ernsten Blick. „Sie ist ein Gast. Wir sollten sie mit Respekt behandeln.“
Eric ging hinüber und legte Brianna die Hand auf die Schulter. Seine Handfläche brannte heiß, seine Finger verweilten einen Moment zu lange an ihrem Hals. Brianna zuckte zusammen, doch sein Griff lockerte sich nicht.
„Sie ist eine Schönheit, Declan“, sagte Eric mit sanfter Stimme. „Du hast nicht erwähnt, dass sie so … zart ist.“
Dawsons Kiefer verkrampfte sich. Er blickte auf Erics Hand auf Briannas Schulter, und für einen kurzen Augenblick huschte ein Anflug von Wut über sein Gesicht.
„Sie ist eine Streunerin, Eric. Nicht mehr“, sagte Dawson und wandte ihnen den Rücken zu. „Declan, ich habe eine Besprechung. Ich habe keine Zeit für diesen Zirkus.“
„Wir essen um acht Uhr zu Abend, Dawson. Sei pünktlich“, befahl Declan.
Dawson antwortete nicht. Er ging an Brianna vorbei und streifte sie dabei absichtlich so heftig mit der Schulter, dass sie stolperte. Er drehte sich nicht um.
Das Abendessen war ein Albtraum.
Brianna saß Dawson gegenüber, der sie das ganze Essen über ignorierte, doch jedes Mal, wenn sie auf ihren Teller schaute, spürte sie seinen bohrenden Blick. Raven, Dawsons Cousine, saß neben ihm, flüsterte ihm ins Ohr und lachte. Raven war scharfsinnig, blond und betrachtete Brianna mit demselben Abscheu wie Dawson.
„Also, Brianna“, sagte Raven mit aufgesetzter Süße in der Stimme. „Was genau machst du eigentlich? Außer vom Geld anderer Leute zu leben?“
„Ich bin Studentin“, sagte Brianna mit zitternder Stimme. „Ich arbeite nebenbei in einer Bibliothek.“
„Wie kurios“, spottete Raven. „Ich nehme an, als Nächstes werden Sie sich um eine Spende der Van-Doren-Stiftung bemühen?“
„Sie wird nach nichts suchen“, unterbrach Dawson sie mit kalter Stimme. „Denn sie wird nicht lange genug hier sein, um es sich gemütlich zu machen.“
Eloise lachte nervös, um die angespannte Stimmung zu lockern. „Dawson ist so ein Spaßvogel. Wir sind jetzt alle eine Familie.“
Dawson ließ seine silberne Gabel fallen. Das laute Klirren auf dem Porzellan ließ alle zusammenzucken.
„Wir sind keine Familie“, sagte Dawson mit emotionsloser, endgültiger Stimme. „Meine Mutter ist begraben. Diese Frau ist ein Ersatz, und das Mädchen ist ein Fehler.“
Es herrschte Stille am Tisch. Declan seufzte, verteidigte seine neue Frau aber nicht. Er aß einfach weiter.
Brianna spürte einen Kloß im Hals. Sie schob ihren Stuhl zurück, die Beine quietschten über den Boden. „Entschuldigen Sie. Mir ist nicht gut.“
Sie eilte aus dem Esszimmer, Tränen verschwammen vor ihren Augen. Sie wusste nicht, wohin sie in diesem Labyrinth von einem Haus gehen sollte. Sie musste einfach nur atmen.
Sie befand sich in einem langen, schwach beleuchteten Flur im hinteren Teil des Hauses. Die Wände waren mit dunklen Porträts grimmig dreinblickender Männer bedeckt. Sie lehnte sich an eine kalte Steinsäule und versuchte, wieder zu Atem zu kommen.
"Läufst du schon weg?"
Sie keuchte auf und wirbelte herum. Dawson stand da, an den Türrahmen gelehnt, die Hände in den Hosentaschen. Er wirkte wie ein finsterer Gott in den Schatten.
"Lass mich in Ruhe, Dawson", flüsterte sie.
„Ich hab’s dir doch gesagt“, sagte er und trat näher. „Ich mag dich hier nicht. Du bist eine Ablenkung. Ein Parasit.“
„Ich hasse diesen Ort noch mehr als du!“, schrie sie, ihre Stimme hallte wider. „Ich werde so schnell wie möglich weggehen.“
„Glaubst du, es ist so einfach?“ Er bewegte sich schneller, als sie folgen konnte, und presste sie gegen die Säule. Er berührte sie nicht mit den Händen, doch sein Körper bildete eine Wand aus Hitze, die sie gefangen hielt. „Mein Vater ist besessen von deiner Mutter. Und Eric … Eric beäugt dich schon, als wärst du seine nächste Mahlzeit.“
"Worüber redest du?"
„Du bist naiv“, spottete Dawson, sein Gesicht nur Zentimeter von ihrem entfernt. „Dieses Haus frisst Mädchen wie dich. Glaubst du, du bist sicher? Du bist in einer Wolfshöhle, Brianna. Und ich bin derjenige, vor dem du dich am meisten fürchten solltest.“
Dann griff er nach ihr, packte ihr Kinn mit der Hand und zwang sie, ihn anzusehen. Sein Daumen drückte fest gegen ihre Unterlippe, eine Geste, die zugleich gewaltsam und seltsam intim war.
„Wandere nachts nicht durch die Gänge“, warnte er mit flüsternder Stimme. „Denn wenn ich dich wiederfinde, werde ich nicht mehr so höflich sein.“
Er ließ sie abrupt los, sein Blick musterte sie ein letztes Mal mit purem Abscheu. Dann drehte er sich um und verschwand in der Dunkelheit.
Brianna stand da, ihr Herz raste, ihre Lippe brannte noch immer von seiner Berührung. Sie drehte sich um, um in ihr Zimmer zurückzugehen, doch als sie an einem Paar schwerer Vorhänge vorbeiging, griff eine Hand nach ihrem Arm.
Sie wollte schreien, aber eine große Hand bedeckte ihren Mund.
Sie wurde in eine dunkle Nische gezogen. Sie blickte auf und sah Eric. Er lächelte nicht mehr. Seine Augen waren weit aufgerissen, dunkel und hungrig.
„Pst“, flüsterte Eric, sein Atem roch nach teurem Scotch. „Ich hab dir doch gesagt, dass ich auf dich aufpassen würde, oder? Dawson ist ein grausamer Junge. Er versteht deinen Wert nicht. Aber ich schon.“
Seine Hand wanderte von ihrem Mund zu ihrer Taille und zog sie eng an sich. Brianna wehrte sich, aber er war zu stark.
„Lass mich los“, zischte sie gegen seine Handfläche.
„Gleich“, murmelte Eric. „Ich wollte dich nur gebührend begrüßen. Etwas, das du in Erinnerung behalten wirst.“
Plötzlich hallte das Geräusch einer schwer zufallenden Tür durch den Flur.
"Eric?", rief Declans Stimme aus der Ferne.
Eric erstarrte. Er beugte sich vor, seine Lippen streiften Briannas Ohr. „Das ist unser kleines Geheimnis, Brianna. Wenn du es auch nur einem Menschen erzählst, ist deine Mutter morgen früh wieder auf der Straße. Hast du das verstanden?“
Er ließ sie los und trat aus dem Schatten, genau in dem Moment, als Declan am Ende des Flurs erschien.
Brianna stand wie erstarrt im Dunkeln, eine Gänsehaut überkam sie, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Sie blickte zur Treppe, wo sie Dawson auf dem Treppenabsatz stehen sah, der das ganze Geschehen aus dem Schatten beobachtete.
Er rührte sich nicht, um ihr zu helfen. Er sagte kein Wort. Er beobachtete sie nur mit diesen kalten, leblosen Augen, ein boshaftes Grinsen huschte über sein Gesicht.
Er wusste es. Er hatte alles gesehen, und er würde es zulassen.
Brianna erkannte in diesem Moment, dass Dawson nicht nur ihr Stiefbruder war. Er war ein Psychopath.
Sie drehte sich um und wollte in ihr Zimmer rennen, doch als sie die Tür erreichte, sah sie eine einzelne rote Rose, die mit einem kleinen, scharfen Dolch an das Holz geheftet war. Daran hing eine Nachricht in eleganter, kantiger Handschrift.
Herzlich willkommen in der Familie, Brianna.
Brianna hat nicht geschlafen.Sie lag auf dem Bett, starrte an die Decke und ließ in Gedanken alles Revue passieren. Declan. Eric. Ihre Mutter. Die Schulden. Die Lügen. Die jahrelangen Schmerzen.Sie hatte Dawson gesagt, sie würde schlafen. Sie hatte die Augen geschlossen und so getan, als ob. Aber der Schlaf wollte einfach nicht kommen.Sie stand vor Tagesanbruch auf. Sie zog sich im Dunkeln an. Sie ging zum Auto.Die Schlüssel lagen auf dem Tisch. Sie nahm sie.Die Fahrt zur Wohnung ihrer Mutter dauerte vierzig Minuten.Die Straßen waren leer. Die Stadt schlief noch. Sie parkte vor dem Gebäude und saß einen Moment da, die Hände am Lenkrad, das Herz klopfte.Sie wusste nicht, was sie sagen würde. Sie wusste nicht, ob sie bereit war, die Wahrheit zu hören.Aber sie musste fragen.Sie ging die Treppe hinauf. Klopfte an die Tür.Eloise öffnete die Tür. Ihr Gesicht war blass, ihre Augen rot. Auch sie hatte nicht geschlafen."Brianna.""Ich muss dich etwas fragen."Eloise trat zurück. Las
Das Auto fuhr durch die Dunkelheit, die Scheinwerfer zogen einen Pfad durch die Nacht.Brianna saß auf dem Beifahrersitz, die Hände im Schoß, den Blick fest auf die Straße gerichtet. Dawson fuhr schweigend. Er hatte sie nicht gefragt, was sie dachte. Das war auch nicht nötig. Er konnte es in ihrem Gesicht sehen.Sie hatte gerade die Wohnung ihrer Mutter verlassen. Sie hatte sie umarmt, getröstet und ihr versprochen, die Männer zu vernichten, die ihr wehgetan hatten. Jedes Wort hatte sie ernst gemeint.Doch nun, in der Stille des Autos, schlichen sich die Fragen ein.War ihre Mutter wirklich ein Opfer? Oder hatte sie Entscheidungen getroffen, die sie hierher geführt hatten? War sie in die Falle gelockt worden oder war sie einfach zu schwach zum Kämpfen gewesen?Und wenn sie ein Opfer war, rechtfertigte das ihre Tat? Wurden dadurch die jahrelangen Schmerzen ausgelöscht? Wurde dadurch das Gefühl, verkauft worden zu sein, beseitigt?Brianna presste ihre Handfläche gegen ihre Stirn. Ihr Ko
Im Kamin knisterte das Feuer leise.Brianna saß auf dem Sofa, die Hände um eine Tasse kalten Kaffees geklammert. Es war still in der Hütte. Dawson war telefonieren gegangen und hatte sie mit ihren Gedanken allein gelassen. Die Kiste mit den Schallplatten stand noch immer auf dem Tisch. Das Gesicht ihrer Mutter war ihr immer noch deutlich vor Augen.Sie konnte nicht aufhören, an Eloises Worte zu denken. „Ich dachte, ich würde dich beschützen.“ Diese Worte hallten immer wieder in ihrem Kopf wider, wie ein Lied, das sie nicht abstellen konnte.Jahrelang war sie wütend gewesen. Jahrelang hatte sie ihrer Mutter Schwäche vorgeworfen. Jahrelang hatte sie sich eingeredet, Eloise habe das Geld ihr vorgezogen.Doch nun kannte sie die Wahrheit. Eloise hatte sich nicht für das Geld entschieden. Sie hatte sich für das Überleben entschieden. Nicht nur für ihr eigenes. Sondern auch für Briannas.Sie stellte den Kaffee ab. Ihre Hände zitterten.Dawson ging zurück ins Zimmer. Er blieb stehen, als er i
Das Auto war warm, als Brianna wieder einstieg.Dawson saß bereits am Steuer, die Hände auf dem Lenkrad, den Blick auf ihr Gesicht gerichtet. Er startete den Motor nicht. Er saß einfach nur da, wartete und gab ihr Raum zum Atmen.Sie schloss die Tür. Die Stille umhüllte sie wie eine Decke. Sie lehnte den Kopf zurück an den Sitz und schloss die Augen.Einen langen Moment lang sprach keiner von beiden.Dann öffnete sie die Augen. Sie starrte auf das Armaturenbrett, auf das sanfte Leuchten der Instrumente, auf die Welt draußen, die sich immer noch drehte, sich immer noch bewegte, immer noch ihren gewohnten Gang ging, als ob sich nichts verändert hätte.Alles hatte sich verändert.„Ich war mein ganzes Leben lang wütend auf sie“, sagte Brianna. Ihre Stimme war leise, fast ein Flüstern. „Jedes Mal, wenn sie einen Fehler machte, jedes Mal, wenn sie den falschen Mann wählte, jedes Mal, wenn sie versagte, war ich wütend. Ich redete mir ein, sie sei schwach. Ich redete mir ein, sie sei egoistis
Das Gespräch wurde beendet.Brianna stand mitten in der Hütte, das Handy noch immer am Ohr, die Stille des Raumes umgab sie. Die Stimme ihrer Mutter hallte noch in ihrem Kopf wider: „Ich liebe dich auch.“ Drei Worte, die Balsam für die Seele hätten sein sollen. Stattdessen fühlten sie sich an wie eine Wunde, die endlich zu heilen begann.Sie legte das Telefon auf den Tisch. Ihre Hände zitterten.Dawson trat hinter sie. Seine Hände ruhten warm und ruhig auf ihren Schultern."Geht es dir gut?"Sie schüttelte den Kopf. Dann nickte sie. Dann schüttelte sie wieder den Kopf."Ich weiß nicht."Er drehte sie zu sich um. Seine Augen suchten ihre."Sprechen Sie mit mir."Sie sah ihm ins Gesicht. Dem Mann, der ihr in all dem beigestanden hatte. Dem Mann, der sie aufgefangen hatte, als sie zusammenbrach, und sie angetrieben hatte, als sie kämpfen musste.„Sie wurde reingelegt“, sagte Brianna. Ihre Stimme war leise und rau. „Die ganze Zeit dachte ich, sie sei schwach. Ich dachte, sie hätte mich ve
Nachdem Eloise aufgehört hatte zu weinen, herrschte Stille in der Wohnung.Brianna saß auf dem Sofa, die Hand ihrer Mutter in ihrer, die Schallplattenkiste zwischen ihnen auf dem Tisch. Dawson stand am Fenster, ihnen den Rücken zugewandt, und ließ ihnen so etwas Freiraum. Die einzigen Geräusche waren das Ticken der Wanduhr und das leise Summen der Stadt draußen.Eloises Gesicht war blass, ihre Augen rot und geschwollen. Seit Brianna hereingekommen war, hatte sie unaufhörlich gezittert. Ihre Hände fühlten sich in Briannas Griff kalt an. Ihr ganzer Körper wirkte kleiner, zerbrechlicher, als hätte sie lange Zeit etwas Schweres mit sich herumgetragen und ließ es nun endlich los.„Ich wusste es nicht“, flüsterte Eloise. Ihre Stimme war dünn und brüchig. „Von den Schulden. Von der Inflation. Ich dachte, ich hätte alles verschuldet.“Brianna drückte die Hand ihrer Mutter. Sie konnte die Knochen unter der Haut spüren, zerbrechlich und dünn."Erzähl mir, was passiert ist."Eloise holte zittern







