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Kapitel 5

last update Tanggal publikasi: 2026-07-06 19:54:12

Sophies Sicht

Das erste Licht der MorgendĂ€mmerung fiel durch die Fenster des Penthouses und warf lange goldene Streifen ĂŒber die zerwĂŒhlten Bettlaken. Ich lag wach und beobachtete Richardo, der neben mir schlief. Sein Gesicht wirkte entspannt – auf eine Weise, wie ich es vor dem Unfall kaum je gesehen hatte. Keine gerunzelte Stirn wegen endloser GeschĂ€ftsabschlĂŒsse, kein ferner Blick. Nur Frieden. Meine Finger schwebten ĂŒber dem langsam verblassenden Bluterguss an seinem Kiefer, doch ich berĂŒhrte ihn nicht. Noch nicht.

Die GestĂ€ndnisse der vergangenen Nacht hingen noch immer wie Rauch nach einem Feuer in der Luft. Er kannte jetzt die Wahrheit. Zumindest einen Teil davon. Und anstatt so zu reagieren, wie ich es befĂŒrchtet hatte, hatte er sich fĂŒr uns entschieden. Die Erleichterung war berauschend ... und zugleich beĂ€ngstigend.

Ein leises Klopfen an der SchlafzimmertĂŒr riss mich aus meinen Gedanken. Divias Stimme drang gedĂ€mpft herein.

„Sophie. Wir mĂŒssen reden, bevor er aufwacht.“

Ich schlĂŒpfte aus dem Bett, zog einen Seidenmorgenmantel ĂŒber und ging barfuß ins Wohnzimmer. Meine Schwester war bereits angezogen, eine Tasse Kaffee in der Hand, und wirkte viel zu wach fĂŒr diese frĂŒhe Stunde. Sie stellte eine zweite Tasse fĂŒr mich auf die KĂŒchentheke.

„Du spielst mit dem Feuer“, sagte sie ohne Umschweife. „Er sagt, dass er die Wahrheit wissen will. Aber MĂ€nner wie Richardo Blackwood Ă€ndern nicht einfach ihre ganze Persönlichkeit wegen einer Kopfverletzung. Was passiert, wenn seine Erinnerungen vollstĂ€ndig zurĂŒckkommen? Wenn er sich wieder daran erinnert, warum er diesem kalten Vertrag ĂŒberhaupt zugestimmt hat?“

Ich legte beide HĂ€nde um die warme Tasse und ließ die WĂ€rme auf mich wirken.

„Er hat sich verĂ€ndert, Divia. Die Art, wie er mich jetzt ansieht ... sie ist echt.“

„Echt – im Moment“, erwiderte sie, wĂ€hrend ihre Augen sich mit Sorge fĂŒllten. „Ich liebe dich, aber du hast vier Jahre lang mit kleinen Hoffnungen gelebt. Setz deine Zukunft nicht auf einen Mann, der eines Morgens aufwachen und sich daran erinnern könnte, dass er niemals eine richtige Ehefrau wollte.“

Noch bevor ich antworten konnte, erklang Richardos Stimme aus dem Flur.

„Sie geht dieses Risiko nicht allein ein.“

Er stand dort in einer grauen Jogginghose, die tief auf seinen HĂŒften saß. Seine Brust war nackt, und selbst wĂ€hrend seiner Genesung wirkte er wie der mĂ€chtige CEO, der er immer gewesen war. Seine grauen Augen ruhten zuerst auf mir und wanderten dann ruhig zu Divia.

„Ich habe genug gehört. Und ich verstehe, dass du deine Schwester beschĂŒtzen willst. Aber ich bin nicht mehr derselbe Mann, der diesen Vertrag unterschrieben hat. Ja, Erinnerungsfetzen kommen zurĂŒck. Lange NĂ€chte. MachtkĂ€mpfe im Vorstand. Aber jede Erinnerung an Sophie ...“

Er ging zu mir, zog mich an seine Seite und kĂŒsste mich sanft auf das Haar.

„... fĂŒhlt sich jetzt anders an. WĂ€rmer. Als hĂ€tte ich damals gegen etwas gekĂ€mpft, das ich selbst nicht verstanden habe.“

Divia hob eine Augenbraue. Sie war noch immer nicht ĂŒberzeugt, ließ das Thema jedoch fĂŒrs Erste ruhen.

„Gut. Dann beweist es. Die Vorstandssitzung ist in zwei Tagen. Alex und Victoria streuen bereits ihre GerĂŒchte. Wenn eure Ehe auch öffentlich bestehen soll, mĂŒsst ihr als Einheit stĂ€rker sein als alles, was sie gegen euch einsetzen können.“

Richardo nickte. Seine Hand strich beruhigend ĂŒber meine Taille.

„Dann bereiten wir uns gemeinsam darauf vor.“

Die nĂ€chsten achtundvierzig Stunden vergingen wie im Flug – zwischen Strategiebesprechungen, gestohlenen KĂŒssen und stillen GestĂ€ndnissen.

Im Arbeitszimmer ging Richardo alte Unterlagen durch, wĂ€hrend ich ihm gegenĂŒbersaß. Immer wieder hob er den Blick, traf meine Augen, und jedes Mal raubte mir die IntensitĂ€t seines Blickes den Atem.

Eines Abends, wĂ€hrend wir Unterlagen zu einer Fusion ĂŒberprĂŒften, traf ihn eine weitere Erinnerung mit voller Wucht.

Er umklammerte die Schreibtischkante so fest, dass seine Fingerknöchel weiß wurden.

„Ich erinnere mich an die Nacht, in der ich dir den Vertrag vorgeschlagen habe“, sagte er heiser. „Du sahst ... am Boden zerstört aus. Trotzdem hast du zugestimmt. Warum?“

Ich schluckte schwer.

„Weil ich dich sonst ganz verloren hĂ€tte. Und damals war selbst die kalte Version von dir besser als gar keine.“

Er stand auf, ging um den Schreibtisch herum und zog mich in einen langen, suchenden Kuss.

„Ich war ein Narr“, murmelte er an meinen Lippen.

„Nie wieder.“

Am Morgen der Vorstandssitzung lag eine spĂŒrbare Spannung ĂŒber dem Penthouse.

Richardo trug einen maßgeschneiderten anthrazitfarbenen Anzug, der seine breiten Schultern betonte. Die letzten BlutergĂŒsse waren unter dezentem Make-up kaum noch zu erkennen.

Ich entschied mich fĂŒr ein elegantes smaragdgrĂŒnes Kleid, das mir StĂ€rke statt Zerbrechlichkeit verlieh.

Als wir den Sitzungssaal betraten, warteten Alex und Victoria bereits gemeinsam mit den skeptischen Vorstandsmitgliedern auf uns.

Ein leises Murmeln ging durch den Raum, als wir Hand in Hand eintraten.

„Schön, dass du es geschafft hast, Bruder“, sagte Alex mit einem angespannten LĂ€cheln. „Einige von uns fragen sich allerdings, ob deine ... Genesung dein Urteilsvermögen bezĂŒglich der UnternehmensfĂŒhrung beeintrĂ€chtigt hat.“

Victoria beugte sich leicht nach vorn und setzte ihren besorgten Gesichtsausdruck auf.

„Eine plötzliche Ehe, GedĂ€chtnisverlust und nun eine Ehefrau, die wie aus dem Nichts auftaucht? Die AktionĂ€re haben ein Recht auf Transparenz.“

Richardos Griff um meine Hand wurde fester.

Seine Stimme blieb jedoch ruhig und voller AutoritÀt.

„Meine Frau und ich stehen geschlossen zusammen. Unsere Ehe war eine private Entscheidung, aber sie ist echt. Jeder Versuch, sie oder mich zu untergraben, wird Konsequenzen haben. Knockwood Shipping ist unter meiner FĂŒhrung erfolgreich gewesen. Das wird sich nicht Ă€ndern.“

Ich trat einen Schritt nach vorn und ĂŒberraschte damit sogar mich selbst.

„Und ich werde nirgendwo hingehen. StabilitĂ€t entsteht nicht durch den Ă€ußeren Eindruck, sondern durch Vertrauen. Und ich bin ĂŒberzeugt, dass der Vorstand meinem Ehemann dieses Vertrauen entgegenbringen sollte.“

Die Sitzung war hart.

Spitze Fragen.

Versteckte Drohungen.

Finanzprognosen, die wie Dolche durch den Raum flogen.

Doch Richardo beantwortete jede einzelne mit beeindruckender PrĂ€zision, gestĂŒtzt durch die stille Kraft meiner Anwesenheit an seiner Seite.

Als die Sitzung endete, beschloss der Vorstand, jede Entscheidung ĂŒber einen FĂŒhrungswechsel fĂŒr dreißig Tage aufzuschieben, damit Richardo Zeit erhielt, sich zu beweisen.

ZurĂŒck im Penthouse war die TĂŒr kaum geschlossen, als Richardo mich bereits an sich zog und mich leidenschaftlich kĂŒsste.

„Du warst heute unglaublich“, murmelte er zwischen zwei KĂŒssen.

„Meine Frau.

Meine Partnerin.“

SpÀter lagen wir eng umschlungen im Bett.

WĂ€hrend ich mit den Fingerspitzen ĂŒber seine Brust strich, hob er sanft mein Kinn an.

„Ich erinnere mich jeden Tag an mehr“, gestand er leise. „Aber der Mann, zu dem ich werde ... entscheidet sich jedes Mal fĂŒr dich.“

Ich lĂ€chelte unter TrĂ€nen des GlĂŒcks.

Doch tief in meinem Inneren flĂŒsterte eine leise Stimme, dass die Vergangenheit noch nicht mit uns fertig war.

Divias Warnung ließ mich nicht los.

Alex und Victoria wĂŒrden nicht so leicht aufgeben.

Und tief in meinem Herzen hatte ich ihm noch immer nicht die ganze Wahrheit darĂŒber erzĂ€hlt, warum ich all die Jahre geblieben war – jenes eine Geheimnis, das uns fĂŒr immer auseinanderreißen könnte.

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