ANMELDENKapitel 100In Samuels Büro waren die Akten zum Japan-Projekt noch geöffnet, doch Samuels Blick war fest auf sein leise vibrierendes Mobiltelefon gerichtet.Banis Name erschien auf dem Bildschirm. Samuel drückte sofort die grüne Taste.„Wie ist es gelaufen?“, fragte er ohne Umschweife.„Renos Haarprobe ist in meinem Besitz, Herr Samuel. Drei Strähnen, komplett mit einem sterilen Beutel. Niemand hat etwas geahnt“, klang Banis Stimme leicht angespannt – er wusste, dass die Aufgabe nicht ganz behaglich gewesen war.Samuel atmete tief aus. „Gut. Nun der nächste Schritt. Morgen früh um sieben gehst du ins Labor. Verwende wie gewohnt deinen Decknamen.“„Verstanden. Die Ergebnisse könnten zwei Tage dauern.“„So schnell wie möglich, Bani.“„Ich werde mein Bestes tun.“Das Gespräch war beendet. Samuel lehnte sich zurück und massierte sich die Schläfen. Die Frage – Wessen leibliches Kind ist Reno wirklich? – nagte härter an seinem Verstand als jeder Investitionsbericht.In der Residenz der Fami
Kapitel 99Das eiserne Tor der Residenz der Familie Wilson öffnete sich langsam. Das Taxi hielt direkt vor der Haupteingangshalle. Sindy stieg aus und rückte den oversized Hoodie zurecht, den sie sich kurz zuvor von Anthony geliehen hatte. Die hintere Tür des Taxis war noch geöffnet; Anthony beugte sich leicht nach unten.„Ich komme nicht mit hinein, Sindy. Das ist das Territorium deiner Familie“, sagte er leise.Sindy drehte sich um und schenkte ihm ein schwaches Lächeln. „Danke, dass du mir geholfen hast, so weit zu kommen. Ich gebe dir Bescheid, wenn ich etwas brauche.“Anthony nickte und schloss die Taxitür. Der Wagen wendete und verließ die Einfahrt. Sindy holte tief Luft – sie versuchte, sich zu fassen, bevor sie die Türklingel drückte.Keine Minute später waren hastige Schritte zu hören. Die Tür schlug auf und gab den Blick frei auf Frau Wanna, deren Augen vor Sorge voller Tränen standen.„Sindy!“, rief sie aus. Die Frau schlang augenblicklich fest die Arme um ihre Tochter. „Oh
Kapitel 98Die Türklingel der Wohnung rang mehrmals hintereinander. Samuel – der gerade eine Online-Konferenz beendet hatte – näherte sich mit runzelnder Stirn der Tür. Kaum hatte er geöffnet, stand Nora bereits auf der Türschwelle.„Samuel, ich möchte unter vier Augen mit dir sprechen.“ Noras Tonfall war scharf, beinahe zitternd.Samuel trat zur Seite. „Komm rein, Nora.“Sobald die Tür ins Schloss gefallen war, drehte sich Nora zu Samuel um.„Warum verschiebst du die Hochzeit schon wieder? Ich warte seit fünf Jahren, Samuel!“Samuel holte tief Luft, ging zu dem kleinen Bartisch und goss etwas Mineralwasser ein. „Ich verschiebe sie nicht ohne Grund, Nora. Es gibt ein neues Projekt – ein Kraftwerk für erneuerbare Energien im Ausland. Die japanischen Investoren wollen, dass ich mich in den nächsten drei Monaten voll darauf konzentriere. Ein so großes Ereignis wie eine Hochzeit lässt sich nicht in einen so vollgestopften Terminplan quetschen.“Nora wischte diese Logik beiseite. „Aber wir
Kapitel 97Samuel stand nicht weit vom Garten entfernt, verborgen hinter hohen Büschen. Sein Körper war starr, seine Augen starr auf Rebecca gerichtet, die sich gerade von Liam entfernt hatte.„Rebecca hat also... die ganze Zeit nur so getan, als würde sie Liam lieben? Sie hat mich belogen... und Liam?“, murmelte Samuel leise, als spräche er mit sich selbst.Samuel konnte all das, was er gerade gehört hatte, kaum fassen. Die abgesagte Hochzeit, Rebeccas Mutter, die plötzlich „frei“ war, und Rebeccas Gefühle – dass sie Liam nicht liebte. Rebeccas letzte Worte trafen ihn härter als jeder Schlag: —Ja, ich liebe Samuel immer noch.—Samuel strich sich über das Gesicht, griff dann in seine Tasche und holte sein Telefon heraus. Er wählte eine Nummer, die er auswendig kannte.„Bani“, sagte er rasch, als die Verbindung hergestellt war.„Ja, Herr Samuel?“, klang Banis Stimme wie gewohnt bestimmt.„Ich möchte, dass du etwas über jemanden herausfindest.“„Bereit. Was soll ich tun?“„Finde alles ü
Kapitel 96Der Abendhimmel begann sich gelb zu färben, als Rebecca allein auf einer Bank im Hinterhof des Schutzhauses saß, das als geheimes Treffpunkt diente. Ihr Haar war locker im Nacken zusammengebunden, und ihre linke Hand umklammerte fest ihr Telefon. Schon bald ließ ein eingehender Anruf sie reflexartig aufstehen.„Rebecca“, ertönte eine sanfte, aber bestimmte Stimme am anderen Ende der Leitung.„Tante...“, erkannte Rebecca sofort die Stimme von Liams Mutter – die einzige Person aus der Familie dieses Mannes, die ihr helfen würde, ihre eigene Mutter zu retten.„Meine Leute waren erfolgreich. Deine Mutter ist jetzt in Sicherheit. Wir haben sie in mein privates Krankenhaus außerhalb der Stadt gebracht. Ihre Sicherheit ist garantiert. Niemand wird an sie herankommen, auch nicht Liam.“Rebecca hielt den Atem an. Ihre Augen begannen sich mit Tränen zu füllen. „Ist das wahr? Ist meine Mutter frei?“„Ja, Rebecca. Aber du erinnerst dich an die Bedingung, nicht wahr?“, klang die Stimme
Kapitel 95Das prachtvolle Anwesen der Familie Castillo wirkte wie ausgestorben, als Rebecca im Vorgarten eintraf. Sie stieg mit einer großen Hülle aus dem Wagen, die Noras Hochzeitskleid enthielt, das sie gerade aus der Boutique abgeholt hatte. Ihre Schritte waren leicht, obwohl ihr Gesicht noch immer Spuren von Wut und Verwirrung trug – alles wegen Samuel.„Warum war Samuel dort?“, murmelte Rebecca leise vor sich hin, während sie die Türklingel drückte.Kurz darauf öffnete ein Dienstmädchen die Tür. „Guten Tag, Fräulein Rebecca. Bitte kommen Sie doch herein.“„Danke. Ist Nora da?“, fragte Rebecca und trat mit der großen Hülle in das Wohnzimmer.„Es tut mir leid, Fräulein. Fräulein Nora ist noch nicht zurückgekehrt.“Rebecca nickte langsam und legte die große Hülle auf den Tisch.Schritte waren von der Treppe her zu hören. Tante Alice erschien in einem dunkelvioletten Satinkleid mit ordentlich hochgestecktem Haar. Das Gesicht der Frau war voller Verachtung, als sie Rebecca erblickte.







