LOGIN~Dahlia~Es war eine Stunde her, seit ich im Hotelzimmer angekommen war, und ich hasste es bereits verdammt. Die Suite war fünf Sterne, die Laken Seide, die Aussicht atemberaubend, aber nichts davon spielte eine Rolle. Ich hatte mich auf das Bett geworfen, versucht auszuruhen, versucht, die Augen zu schließen, aber alles, was ich sehen konnte, war er.Mein psychopathischer Bruder, die Lippen verschlossen mit meinem verrückten, betrügerischen Verlobten.Immer wieder wie ein kaputter Filmstreifen.„Gott, ich verliere den Verstand", murmelte ich und fuhr mir mit den Händen übers Gesicht.Also stand ich auf. Wenn ich nicht schlafen konnte, würde ich verdammt nochmal nicht in diesem goldenen Käfig von Hotelzimmer verrotten. Ich schlüpfte in Mantel, Sonnenbrille und Absätze und ging hinaus, um Luft zu schnappen. Japan bei Nacht atmete anders, kühl, sauber, summend von Neon und dem schwachen Surren von Zikaden.Die Straßen nahe dem Hotel waren ruhiger, als ich erwartet hatte. Fast zu ruhig.
~Dahlia~Als ich aus der Wohnung meines Bruders trat, summte mein Handy in meiner Hand. Der Name, der auf dem Bildschirm aufblinkte, ließ meinen Magen sich zusammenziehen.Mom. Was zum Teufel will sie.Ich wischte, presste es ans Ohr und wappnete mich bereits.„Dahlia", kam Frau Fishers knapper Ton, scharf, zackig, die Art von Stimme, die Schneider zittern und Caterer sich für falsches Atmen entschuldigen ließ. „Wo bist du? Deine Designerin wartet seit dem Morgen. Du bist zu spät zu deiner letzten Anprobe."Natürlich. Mein Hochzeitskleid. Mein großer, perfekter, glitzernder Käfig.Ich schloss die Augen und sog Luft ein, für die ich keine Geduld hatte. „Mom, müssen wir das jetzt wirklich machen?"„Was jetzt machen?", fuhr sie mich an. „Glaubst du, Kleider nähen sich von selbst? Weißt du, wie viele Fäden ich ziehen musste, damit Amelia Crestwell dich als Kundin annimmt? Du wirst ihre Zeit nicht verschwenden. Geh sofort dorthin."Ich biss mir auf die Zunge, Wut kochte wie Galle hoch. Ich
~Jay~„Weißt du, Alex", murmelte ich, die Arme verschränkt, als ich im Schneidersitz auf dem Bett saß und ihn vom anderen Ende des Raumes anfunkelte, „es ist ziemlich lustig, wie du so tust, als würdest du mich so gut kennen."Er zögerte nicht einmal. „Nun, das tue ich."Ich schnaubte. „Nein, tust du nicht. Beim ersten Mal, als wir uns trafen, hatten wir Sex. Beim zweiten Mal wurde ich mit deiner Schwester verlobt. Beim dritten Mal war es ein Familienessen, das sich wie die Hölle anfühlte. Und beim vierten Mal –" Ich brach ab, Hitze kroch meinen Nacken hinauf. „– war es letzte Nacht." Die Tatsache, dass er so beschützend mir gegenüber ist und mich auf diese Weise für sich beansprucht, obwohl wir uns kaum kennen, ist überraschend. Und die Art, wie er wusste, dass ich überlegte zu gehen, war nett und verdammt unheimlich, und wusste er, woran ich dachte … vielleicht hat mein Gesichtsausdruck es verraten.Alex neigte den Kopf, seine Augen dunkel und ruhig, als wäre ihm nichts davon peinli
~Jay~Warum habe ich ihn mich küssen lassen?Was zum Teufel ist in mich gefahren …Meine Hand fuhr mir übers Gesicht, die Nägel gruben sich in meine Haut, als könnte ich die Erinnerung wegkratzen. Sein Mund auf meinem. Die Hitze. Der Sog. Es war nicht nur ein Fehler, es war ich. Ich lehnte mich hinein. Ich wollte es.Und jetzt hat Dahlia uns in einer so kompromittierenden Position gesehen, und um es noch schlimmer zu machen, wollte mein Mund nicht von selbst aufhören und machte alles noch schlimmer.Die Scham ist ein lebendiges Ding, kriecht unter meinen Rippen, drückt gegen meine Lungen. Ich kann ihr Gesicht immer noch sehen, zerschmettert, verraten, vergiftet. Ihr Schrei klingt immer noch in meinen Ohren.Alex' Worte kommen zu mir zurück, kalt und unerschütterlich: „Dann lass es uns ruinieren."Gemeinsam ruiniert.Was zum Teufel bedeutet das überhaupt? Will er, dass ich mit ihm falle? Mit ihm brenne? Oder … meinte er, dass er mich nicht gehen lassen würde, selbst wenn es bedeutete,
~Dahlia~Meine Fäuste hämmerten gegen die Tür, bis meine Knöchel schmerzten, bis der Stich des Holzes durch meine Haut brannte. „Ihr seid Dreck, Alex! Ihr beide!" Mein Schrei brach, direkt aus meiner Brust gerissen, aber es war alles, was ich noch hatte. Was war überhaupt der Sinn des Schreiens, Dahlia.Die Stille, die folgte, verspottete mich. Es war ihm nicht einmal wichtig. Hinter dieser Tür hatte er ihn gewählt … Dieser Betrüger … Jay statt mir, seiner eigenen Schwester.Meine Kehle brannte, als ich meine Stirn an den kühlen Rahmen presste. Ich versuchte, es herunterzuschlucken, stark zu sein, aber die Tränen brachen trotzdem durch, heiß und schnell. Meine Hände flogen hoch, um mein Gesicht zu bedecken. Ich hasste den Klang meines eigenen Weinens, hasste die Schwäche, aber ich konnte nicht aufhören.Als mein Vater zunächst sagte, ich solle diesen Fremden heiraten, hatte ich Widerstand geleistet, skeptisch, trotzig. Aber dann traf ich Jay. Die Art, wie er sich hielt, seine ruhige B
~Alex~Dahlias Tränen verschwammen zu Wut, ihre Stimme stieg höher, brach unter dem Gewicht davon. „Du denkst, du kannst einfach dort stehen wie eine Steinmauer? Du denkst, du kannst das verstecken? Ich gehe direkt zu Dad, ich will wissen, was er jetzt von seinem Sohn denken wird … direkt zu allen! Soll die Welt sehen, was ihr kostbarer Alex Fisher im Dunkeln getrieben hat … im Dunkeln mit seinem zukünftigen Schwager … dem angeblichen Ehemann seiner Schwester."Ihr Finger schoss hervor, zitternd, stach in die Luft in Richtung des Bettes, wo Jay erstarrt unter der Decke saß. „Und er, Gott, Jay, du bist ein Hale! Du sollst meine Zukunft sein! Mein Ehemann! Und stattdessen liegst du da wie … wie –" Ihre Stimme brach in ein erstickendes Schluchzen. „Du hast alles zerstört!"Hinter mir spürte ich, wie Jay sich weiter in sich zurückzog und das Laken enger um seinen Körper zog. Sein Kopf sank tief, sein Gesicht im Schatten. Ich wusste, ohne hinzusehen, dass er ihren Augen nicht begegnen konn







