LOGIN„Ich ramme mich in ihn und er schreit. Ein heiserer, gebrochener, wunderschöner Laut bricht aus ihm heraus, als ich mit einem einzigen Stoß in ihn eindringe und ihn hart und unmissverständlich für mich beanspruche. Er ist Feuer. Er ist Zuhause. Er windet sich, seine Hände krallen sich in die Laken. Ich zwinge mich stillzuhalten, bis sein Körper mich aufnimmt. Ich bin so tief in ihm, dass es sich anfühlt, als würde ich seine Seele berühren." Kieran Arnulf ist ein Alpha mit einer Zielscheibe auf dem Rücken. Er hat ein Rudel geerbt, das an der Grausamkeit seines Vaters zerbrochen ist, und ist fest entschlossen, mit Gnade zu herrschen statt mit Angst. Doch für die Schlangen in seinem Rat sieht Gnade verdammt nach Schwäche aus. Als sich dann ein riesiger, tätowierter Krieger des verfeindeten Redmaw-Rudels vor seinen Toren ergibt, trifft Kieran eine umstrittene Entscheidung. Er lässt den Wolf herein. Alexei Basov ist gefährlich, unverschämt und viel zu attraktiv für Kierans Seelenfrieden. Er behauptet, ein Überläufer zu sein, der entscheidende Informationen über einen bevorstehenden Krieg besitzt, aber er sieht Kieran an wie eine Mahlzeit, die er um jeden Preis verschlingen will. Er ist ein Schläger, der Probleme mit Gewalt löst, das genaue Gegenteil von Kierans geschliffener Diplomatie. Während Attentäter aus dem Schatten zuschlagen und die politischen Spannungen kurz vor dem Zerreißen stehen, muss Kieran sich ausgerechnet auf den Mann verlassen, dem er nicht trauen sollte. Alexei ernennt sich kurzerhand selbst zu Kierans Schatten, Beschützer und persönlichem Quälgeist. Doch was zwischen ihnen brodelt, ist mehr als nur Politik. Hinter verschlossenen Türen verschieben sich die Machtverhältnisse, und Kieran entdeckt, dass es nur einen Ort gibt, an dem er die Kontrolle wirklich loslassen kann: in den Armen des wilden Wolfs, der ihn für sich beanspruchen will.
View MoreAlexeiEinen Moment stehe ich einfach nur da und atme den zurückgebliebenen Hauch von Kieran ein. Kein wilder Geruch, wie ihn die meisten Alphas haben. Auch nichts Süßes, Verlockendes wie bei einem Omega. Er riecht sauber und herb, nach teurer Seife und der beißenden Klarheit einer Herbstnacht.Endlich weiß er, dass ich nicht gelogen habe. Er weiß, dass die Bedrohung real ist. Und vor allem weiß er, dass ich womöglich der Einzige bin, der ihm helfen kann, damit fertigzuwerden. Das Kräfteverhältnis hat sich verschoben, wenn auch nur ein wenig. Wir wissen es beide.Er vertraut mir immer noch nicht, aber daran arbeiten wir. Ich bin sehr beharrlich, wenn ich etwas ins Visier genommen habe, das ich will. Und den hübschen Prinzen will ich mit einer ziemlich kompromisslosen Verbissenheit.Ich schlendere zu seinem Schreibtisch und lasse die Finger über das polierte Holz gleiten, das noch warm ist, wo eben seine Hände lagen. Ich kann mir vorstellen, ihn darüberzubeugen und langsam von hinten z
KieranDer muffige Geruch alten Pergaments füllt das kleine Kartenzimmer neben der Waffenkammer. Ein enger, vergessener Raum, der kaum noch benutzt wird, seit mein Vater für seine Verkündungen die große Bühne der Haupthalle vorzog.Perfekt für ein Gespräch, das nicht durch die ganze Festung hallen soll. Erst ein paar Wochen im Amt, und schon halte ich geheime Treffen in staubigen Ecken ab. Ich mache mich hervorragend.Marcus legt den Bericht der Späher auf den schweren Eichentisch. Über seiner gewohnten stoischen Ruhe liegt etwas Düsteres. Ich streiche das Pergament glatt, und mein Blick bleibt sofort an den Skizzen neben der ordentlichen Schrift hängen.Ein Stiefelabdruck. Grobes Profil, abgelaufener Absatz, im erhalten gebliebenen Schlamm gleich hinter dem westlichen Stolleneingang gefunden. Redmaw-Ausrüstung. Geschätztes Alter: drei bis vier Tage, steht neben der Zeichnung gekritzelt. Mir stockt der Atem. Nach Alexeis Ankunft.Eine grob geschnitzte Knochenschließe, versehen mit Red
KieranMein Wolf läuft angespannt auf und ab. Seine rastlose Energie ballt sich tief in meinem Bauch. Er will handeln, will Gewissheit. Er hasst diesen Schwebezustand, hasst das Flüstern, das ich beinahe durch die dicken Steinwände hören kann. Weich. Töricht. Leichtsinnig. Das Echo meines Vaters, verstärkt durch meine Angst vor dem Unbekannten.Ich zwinge mich vom Fenster fort und zurück an den Schreibtisch. Strategie verlangt Präzision. Nicht diese hektische Unruhe unter meiner Haut. Eine Unruhe, die lästigerweise da ist, seit Alexei Basov zum ersten Mal die Festung betreten hat.Schon steht er wieder vor meinem inneren Auge. Lachende grüne Augen, unverschämte Selbstsicherheit. Sein langes Haar sieht so unpassend weich aus, dass ich ständig gegen den Drang ankämpfen muss, die Hand danach auszustrecken.Gereizt verscheuche ich das ungebetene Bild. Er ist eine Unbekannte in meiner Rechnung. Eine mögliche Waffe oder ein mögliches Minenfeld, mehr nicht. Meine Reaktion auf ihn ist reines
AlexeiEin weiterer Tag bricht an, aschgrau und öde hinter dem hohen, vergitterten Fenster.Korrektur. Er bricht nicht an.Das Licht, das in diesen Steinkasten sickert, ist trüb. Als wäre selbst die Sonne zu höflich, um sich in Silvercrests makellose Düsternis zu drängen. Götter, ich vermisse die Berge, den Wind, die ehrliche Brutalität von Redmaws Revier. Dort fühlten sich die Käfige wenigstens wie Käfige an und nicht wie … gepolsterte Wartezimmer.Ich habe die Steine in den Wänden gezählt – 1348 –, das Schnarchen der Nachtwachen erfasst – drei unterschiedliche Muster, eines klingt verdächtig nach einem erstickenden Dachs – und aus schierer, zermürbender Langeweile erwogen, mir selbst die Haare zu flechten.Ich hätte längst einen Fluchtversuch unternommen, wäre mein Ziel nicht genau hier. Wandert durch seine luxuriösen Hallen und tut so, als würde er nicht an den sexy Wolf denken, den er weggesperrt hat.Mein Wolf streckt sich rastlos unter meiner Haut. Er will auch raus. Will rennen





