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Kapitel dreiundsiebzig: Ein Abend

Author: Pure Moon
last update publish date: 2026-10-11 13:47:54

Sophias Sicht

Der Sturm kam ohne große Vorwarnung.

Wir waren bis nach sieben geblieben, um die endgültige sprachliche Überarbeitung für Meridian Holdings abzuschließen. Nach und nach hatte der Rest des Teams das Büro verlassen – zuerst der Junioranalyst, dann die Strategen –, bis nur noch Damien und ich im gläsernen Konferenzraum im zweiundvierzigsten Stock übrig waren. Draußen vor den Fenstern wurde es bereits dunkel. Der Himmel nahm jene schwere, geschwollene Farbe an, die einem sommerlichen
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  • Nach Mitternacht mit ihm    Kapitel 76: Ein neuer Kollege

    Sophias SichtDaniels E-Mail traf am späten Vormittag ein, während ich noch immer die endgültigen Texte für den Meridian-Launch an einem geliehenen Schreibtisch im achtunddreißigsten Stock überprüfte.Er war für zwei Tage zu Kundenbesprechungen in der Stadt und wollte wissen, ob ich Zeit hätte, die verbleibenden Produktbeschreibungen persönlich mit ihm durchzugehen. Der Ton seiner Nachricht war derselbe wie damals an der Küste: professionell, gelassen und frei von jeglichen unterschwelligen Andeutungen, die eine sorgfältige Interpretation erfordert hätten.Ich starrte länger auf die Nachricht, als nötig gewesen wäre.Der Kuss mit Damien vom Vorabend lebte noch immer in meinem Körper. Das Gewicht seiner Hand auf meiner Brust, seine harte, kräftige Erregung gegen meine Handfläche und die Art, wie ich aufgehört hatte, mich gegen meine Gefühle zu wehren, nur um anschließend mit einem viel größeren Geheimnis wieder fortzugehen.Daniels Anfrage fühlte sich dagegen wie frische Luft an. Einfa

  • Nach Mitternacht mit ihm    Kapitel 75: Der Kuss

    Sophias SichtIch fand ihn in seinem Büro, nachdem sich das Gebäude bereits weitgehend geleert hatte.Der Entschluss hatte sich irgendwann zwischen meinem Aufbruch aus dem kleineren Konferenzraum am Vorabend und meinem Gang durch die Lobby an diesem Abend gebildet. Die letzten Unterlagen zum Meridian-Projekt lagen in meiner Tasche. Ich hatte mir eingeredet, ich würde lediglich die abschließende Akte abgeben. Fast hätte ich es selbst geglaubt, bis sich die Aufzugtüren auf seiner Etage öffneten und die Stille des Führungskorridors es unmöglich machte, die Wahrheit länger zu ignorieren.Ich war es leid, gegen diese Anziehung anzukämpfen. Die sorgfältig gewahrte Distanz, unsere kontrollierten Gespräche und die Art, wie ich den beinahe geschehenen Kuss während des Sturms immer wieder in Gedanken durchgespielt hatte – nichts davon hatte meine Gefühle für ihn abgeschwächt. Wenn überhaupt, hatte die Ehrlichkeit zwischen uns sie nur noch intensiver gemacht.Seine Bürotür stand offen. Er saß hi

  • Nach Mitternacht mit ihm     Kapitel vierundsiebzig: Die Entscheidung

    Damiens SichtAm folgenden Abend hatte sich der Sturm verzogen und die Stadt unter einem kühleren Himmel sauber und klar zurückgelassen.Damien hatte nicht vorgehabt, so bald wieder ihre Nähe zu suchen. Der beinahe geschehene Kuss im abgedunkelten Konferenzraum nahm in seinen Gedanken noch immer einen ganz bestimmten Platz ein: die Art, wie sie sich zu ihm vorgebeugt hatte, wie sie beide innegehalten hatten und wie sie sich stillschweigend darauf geeinigt hatten, dass der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen war.Er hatte sich gesagt, dass er diesem Moment Zeit geben musste, sich zu setzen. Doch als für Meridian noch eine letzte Abstimmung der endgültigen Formulierungen erforderlich wurde und Sophia die einzige Person war, die diese mit der nötigen Präzision abschließen konnte, bat er um das Treffen, ohne sich wie sonst hinter seiner üblichen geschäftlichen Distanz zu verstecken.Sie trafen sich in einem kleineren Konferenzraum auf einer der unteren Etagen. Dieser Raum hatte gewöhnl

  • Nach Mitternacht mit ihm     Kapitel dreiundsiebzig: Ein Abend

    Sophias SichtDer Sturm kam ohne große Vorwarnung.Wir waren bis nach sieben geblieben, um die endgültige sprachliche Überarbeitung für Meridian Holdings abzuschließen. Nach und nach hatte der Rest des Teams das Büro verlassen – zuerst der Junioranalyst, dann die Strategen –, bis nur noch Damien und ich im gläsernen Konferenzraum im zweiundvierzigsten Stock übrig waren. Draußen vor den Fenstern wurde es bereits dunkel. Der Himmel nahm jene schwere, geschwollene Farbe an, die einem sommerlichen Regenschauer vorausging. Irgendwo über dem Fluss zuckte ein Blitz auf. Ein paar Sekunden später folgte tiefes, grollendes Donnergrollen.Damien warf einen kurzen Blick aus dem Fenster und wandte sich dann wieder dem Dokument zu, das zwischen uns auf dem Tisch lag.„Wir sollten fertig werden, bevor es noch schlimmer wird.“Ich nickte und arbeitete weiter. Der professionelle Rhythmus, den wir den ganzen Tag über beibehalten hatten, bestand noch immer, doch unser früheres Gespräch auf der Straße la

  • Nach Mitternacht mit ihm    Kapitel 72: Was verheimlichst du?

    Damiens SichtEr bemerkte es in dem Moment, in dem sie aufstand.Die Veränderung war geringfügig. Sophia schloss ihr Notizbuch mit betonter Ruhe, nahm kontrolliert ihre Tasche und verließ den gläsernen Konferenzraum mit gemessenen Schritten. Für den Kunden und die Strategen musste es völlig gewöhnlich ausgesehen haben. Für Damien war es etwas anderes.Er hatte genug Jahre damit verbracht, Räume und Menschen zu lesen, um zu erkennen, wann jemand seine Fassung nur noch mit purer Willenskraft aufrechterhielt. Die Blässe unter ihren Augen. Die leichte Anspannung um ihren Mund, die ihm schon früher aufgefallen war. Die Art, wie sie vorhin nach dem Wasser gegriffen und dann doch zurückgezogen hatte.Er beendete den Satz, den er gerade an den Kunden richtete, überließ dem leitenden Strategen mit einem knappen Nicken die weitere Besprechung des Zeitplans und entschuldigte sich, ohne eine Erklärung abzugeben.Zwei Straßenblocks vom Gebäude entfernt fand er sie. Sie lehnte an einer niedrigen St

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    Sophias SichtDie E-Mail traf um 8:14 Uhr ein, während ich noch mit einer halbvollen Tasse Tee am Küchentisch von Eleanor saß.Betreff: Dringend – Markenabstimmungsprojekt von Meridian Holdings. Absender war der Leiter der externen Kommunikation bei Blackwood Enterprises. Die Nachricht selbst war kurz und präzise. Ein wichtiger Kunde hatte eine beschleunigte Überprüfung sämtlicher öffentlich verwendeter Texte vor einer Markteinführung in mehreren Ländern angefordert. Meine freiberuflichen Arbeitsproben waren jemandem aus dem internen Team aufgefallen. Für ein zweiwöchiges Intensivprojekt wurde kurzfristige Verfügbarkeit vorausgesetzt. Die Vergütung würde entsprechend angepasst werden. Für elf Uhr desselben Vormittags war ein Auftaktmeeting im Konferenzbereich des zweiundvierzigsten Stockwerks angesetzt.Ich las die E-Mail zweimal. Dann legte ich mein Handy mit dem Display nach unten auf den Tisch und starrte in die stille Küche. Die Zwillinge waren bereits in der Schule. Eleanor war i

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