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Kapitel6

Penulis: Jennifer
Mia wusste, dass ihr Erscheinen Lucas sie nur noch mehr verabscheuen lassen würde. Dennoch konnte sie angesichts von Evas Autorität nicht anders, als zuzustimmen.

Deshalb befand sie sich oft in einem schmerzhaften Dilemma.

„Mia, mir ist egal, welcher Herkunft du bist oder mit welchen Mitteln du dich in die Familie Fischer eingeheiratet hast. Da du nun einmal eingeheiratet hast, solltest du dir über deine jetzige Stellung im Klaren sein.“

„Dass dein Mann drei Tage lang nicht nach Hause kommt, lasse ich ja noch durchgehen. Aber dass du selbst ebenfalls drei Tage draußen herumstreunst – was soll das heißen? Weißt du überhaupt noch, dass du Lucas’ Ehefrau bist…?“

Eva redete unaufhörlich weiter.

Da Lucas und sie ohnehin kurz vor der Scheidung standen, blieb Mia diesmal nicht wie früher schweigend und ließ sich ihre Vorwürfe gefallen.

Stattdessen unterbrach sie Eva ungewöhnlich ruhig: „Mama, wie Sie selbst gesagt haben: Ich bin seine Ehefrau, nicht seine Mutter.“

„Das ist Ihr Sohn, nicht meiner. Ich habe nicht die Pflicht, ihn neu zu erziehen.“

„Was hast du da gesagt?“ Eva fuhr sie wütend an. „Bist du verrückt geworden, dass du heute so mit mir redest?“

„Ich spreche nur sachlich.“

Eva wollte gerade lospoltern, doch dann schien ihr etwas einzufallen. Sie schnaubte höhnisch und sagte kalt: „Ha, ich sehe schon – du bist vor Eifersucht ganz von Sinnen.“

„Ist Jana zurückgekommen? Ist Lucas in den letzten Tagen bei ihr gewesen?“

Mia schwieg.

Eva war gut informiert, daher war es nicht überraschend, dass sie von Janas Rückkehr wusste.

Mia war sich bewusst, dass Eva rein rhetorische Fragen stellte, auf die sie die Antwort längst kannte.

Als Mia nichts sagte, sah Eva ihre Vermutung bestätigt und lachte leise auf.

„Ich wusste es. Du lässt hier nur grundlos deinen Ärger wegen Jana an mir aus.“

„Aber vergiss nicht: Ich bin Lucas’ Mutter! Mit wem er zusammen ist, entscheide ich. Und wenn ich will, dass er sich von dir scheiden lässt, dann packst du morgen deine Koffer und verschwindest aus der Familie Fischer.“

„Deshalb rate ich dir, dir gut zu überlegen, welche Stellung du hast, bevor du noch einmal so mit mir sprichst.“

Da Mia weiterhin schwieg, ging Eva davon aus, dass ihre Einschüchterung – wie so oft – Wirkung gezeigt hatte.

In ihrer Selbstzufriedenheit bemerkte sie nicht einmal, dass Mia heute anders war als sonst.

Im Vergleich zu ihrer Schwiegertochter Mia mochte Eva Jana eigentlich noch weniger.

Auch wenn Mia aus einer verarmten Familie stammte und in vieler Hinsicht nicht dem Idealbild einer Schwiegertochter entsprach, war sie sanftmütig, einfach gestrickt und leicht zu kontrollieren.

Zudem gehörte die Familie Schmidt einst zu den alteingesessenen Dynastien Friedstadts. Selbst im Niedergang hatte sie dort noch einen gewissen Platz.

Jana hingegen war anders. Zwar war sie eine ausgezeichnete Studentin gewesen und hatte im Ausland studiert, doch ihre Herkunft war gewöhnlich – und dazu trug sie eine kühle, stolze Ausstrahlung in sich.

Aus weiblicher Intuition heraus empfand Eva instinktiv, dass Jana als Ehefrau in der Familie Fischer eine Bedrohung darstellen würde.

Damals, als Lucas mit Jana zusammen gewesen war, hatte Eva sich vehement dagegen ausgesprochen.

Doch nachdem Mia in die Familie eingeheiratet hatte, war Lucas – um seinen Widerstand gegen diese Ehe und seine Gefühle für Jana zu beweisen – in der Hochzeitsnacht ins Nachtlokal gegangen und dort zwei Tage am Stück geblieben.

In den folgenden Jahren kam er immer seltener nach Hause, nur um Mia aus dem Weg zu gehen, und selbst sein Lächeln wurde rar.

Als Mutter sah Eva das alles mit eigenen Augen und es tat ihr im Herzen weh.

Als sie dann hörte, dass Jana zurückgekehrt war und Lucas drei Tage mit ihr verbracht hatte, waren Evas Gefühle äußerst widersprüchlich.

Doch sie brachte es nicht übers Herz, die beiden direkt auseinanderzubringen. Deshalb suchte sie Mia auf.

„Mia, als Mutter helfe ich dir noch ein letztes Mal.“

„Aber ich rate dir, ein wenig mehr Krisenbewusstsein zu entwickeln. Wenn du dich nicht schleunigst zusammenreißt, steht dein Status als Frau Fischer bald auf dem Spiel.“

Mit diesen selbstzufriedenen Belehrungen ließ Eva Mia nicht mehr zu Wort kommen und legte direkt auf.

Früher hätte Mia bei den Worten „dein Status als Frau Fischer steht auf dem Spiel“ wohl das Gefühl gehabt, der Himmel stürze ein.

Doch jetzt – vielleicht, weil sie sich innerlich längst darauf vorbereitet hatte – lächelte sie nur erleichtert.

Dann eben nicht mehr.

Sie wollte diesen Status ohnehin nicht mehr.
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