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Kapitel 4

作者: Hannelore
Jana blieb stehen, ihr Ausdruck ruhig, doch sie erwiderte den Händedruck nicht.

Tinas Gesicht wurde für einen Moment leicht steif.

Neben ihr ergriff David das Wort, als wolle er die Situation retten. Seine Stimme war tief:

„Großvater hat von unserer Sache erfahren. Er möchte, dass du heute Abend zum Essen kommst. Dein Handy war ausgeschaltet, also bin ich gekommen, um dich abzuholen.“

„Ich habe es verstanden.“ Jana warf einen Blick auf ihr Handy — es war tatsächlich aus. Sie nickte. „Ich lade es kurz auf, ich werde später nachkommen.“

Der unausgesprochene Teil war klar: Sie hatte nicht vor, mit ihnen gemeinsam zu fahren.

David runzelte leicht die Stirn: „Warum wartest du nicht, ich könnte mit dir...“

Jana unterbrach sie lächelnd: „Nicht nötig, ich komme allein.“

Als David schwieg, sah Jana kurz zu Tina, sagte weiter zu David hinüber: „Und morgen um neun — wenn du Zeit hast — können wir die Scheidung einreichen.“

David fühlte unerklärliche Unruhe.

„So eilig?“

Jana nickte ernst: „Ja. Sehr eilig.“

David blieb die Worte im Hals stecken; Sein Gesicht verdunkelte sich. Er zog Tina mit sich fort.

Nach ein paar Schritten flüsterte Tina David etwas zu, löste sich dann von ihm und kam mit sanftem Blick zu Jana zurück: „Jana, egal was ist — ich schulde dir ein Dankeschön.“

Jana war etwas verwundert: „Wofür?“

Tina warf einen Blick zu dem nicht weit entfernten Mann, der auf sie wartete. Dann schob sie eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Ihr Lächeln war süß, voller Erinnerung und Wehmut:

„Damals haben David und ich uns unglücklich verpasst. Nach meiner Rückkehr dachte ich, wir hätten nie wieder eine Chance. Ich weiß, dass du ihn sehr liebst. Ohne dein Loslassen hätte es vielleicht keine Möglichkeit für uns gegeben.“

„Sie irren sich.“ Jana hob langsam den Blick.

„Ich habe mich nicht scheiden lassen, um euch zu erfüllen. So großmütig bin ich nicht. Ich habe mich getrennt, weil ich ihn nicht mehr mögen wollte — und es auch nicht mehr werde.“

Sie hatte drei Jahre lang ihr Bestes gegeben, um eine gute Frau Fischer zu sein — vergeblich.

Mit drei Jahren Zeit hätte man vielleicht sogar im Lotto gewinnen können, doch sie hatte nicht geschafft, dass David sie mochte. Warum also weiter festhalten?

Seit dem Moment, in dem sie die Scheidung beschlossen hatte, hätte sie alles loslassen sollen.

Sie hatte viel für David getan, und am Ende stand er Hand in Hand mit einer anderen Frau vor ihr. Jana empfand keinen Funken Reue.

Tina war für einen Moment sprachlos.

Jana dachte nach, senkte ruhig die Lider und sagte kühl: „Was zwischen euch ist, hat mit mir nichts mehr zu tun.“

Das Abendessen war auf acht Uhr dreißig angesetzt, und als Jana das Apartment erreichte, war es kurz nach sieben.

Vielleicht, weil sie das Haus der Fischers verlassen hatte, fühlte sie sich zum ersten Mal seit Langem leicht.

Sie duschte, lud ihr Handy auf; es war noch genug Zeit.

Nach langer Pause suchte sie ein rosérotes Kleid aus, das sie mochte, setzte Kontaktlinsen ein und schminkte sich.

Das hatte sie im Haus der Fischers kaum getan.

Am Anfang hatte sie sich noch geschminkt, doch Frau Fischer hatte sie dafür als „verführerisch“ und „nicht tugendhaft genug“ kritisiert, und David hatte sie nicht einmal angesehen.

Jetzt, wo sie tun konnte, was sie wollte, griff sie einfach zu dem, was ihr gefiel.

Als sie fertig war, nahm sie ein Taxi zum alten Anwesen der Familie Fischer.

„Junge Frau, bitte hier entlang.“

Der Butler wirkte überrascht über ihr Aussehen, doch er blieb respektvoll.

Da er sie nicht anders ansprach, wusste Jana, dass der alte Herr wohl kaum wollte, dass sie sich von David scheiden ließ.

Und tatsächlich.

Als sie den Speisesaal betrat, sah sie, dass außer David auch Tina dort war. Der alte Herr Fischer saß mit finsterem Gesicht da; die Stimmung war ausgesprochen gedrückt.

Erst als er Jana sah, hellte sich sein Ausdruck etwas auf. Er lächelte mild und rief sie zu sich: „Jana, komm, du warst schon so lange nicht mehr zum Essen bei Großvater.“

David hob unwillkürlich den Kopf. Sein Blick fiel auf Jana — und in ihm regte sich etwas.

Jana hatte die Brille abgenommen; ihre schmalen, leicht schrägen Augen traten klar hervor, die Pupillen glänzten wie flüssiges Licht. Zusammen mit dem rosigen Rot des Kleides wirkte sie verführerisch und stolz.

Ganz anders als die Frau in seiner Erinnerung — diejenige, die immer nur gehorsam, sanft und gefällig gewesen war.

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