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Kapitel 3

Hannelore
In Annas fassungslosen Blick drehte sich Jana nicht einmal um und verließ mit dem Koffer in der Hand das Haus.

Kaum hatte sie die Tür der Familie Fischer hinter sich geschlossen, sah sie, wie Lucia das Autofenster herunterließ, ihren Kopf herausstreckte und ihr mit funkelnden Augen einen Luftkuss zuwarf: „Baby, steig ein, ich bringe dich zum Feiern!“

Von Feiern konnte eigentlich keine Rede sein — Lucia wusste, dass Jana gerade geschieden war und sich niedergeschlagen fühlte. Daher brachte sie sie nur in ein Musikrestaurant. Als sie erfuhr, warum David sich hatte scheiden lassen, konnte Lucia nicht anders, als zu schimpfen: „Schon wieder Tina? Das ist ja völlig verrückt. Was mag David bloß an ihr?“

Jana rührte in ihrem Kaffee, ihre Stimme träge: „Keine Ahnung...“

Jana kannte Davids Jugendliebe nicht. Erst nachdem Tina damals ins Ausland gegangen war, hatte sie David kennengelernt.

Sie hatte nur gehört, Tina sei unglaublich sanft, ausgezeichnet und sehr einfühlsam. Als David und sein Großvater sich damals ihretwegen zerstritten hatten, soll Frau Meyer sehr vernünftig gewesen sein und versucht haben, David zu beruhigen. Später war es dann zu Janas und Davids vertraglicher Ehe gekommen.

Als sie merkte, dass Jana nicht weiter darüber sprechen wollte, wechselte Lucia das Thema, stützte das Kinn in die Hand und meinte: „... Aber großzügig ist David schon. Ein Haus, ein Auto, und dann noch achtzig Millionen...“

Sie hob den Kopf, sah Jana an und sagte bedauernd: „Schade nur, dass du das alles gar nicht nötig hast.“

Nachdem Schuhbert senior gestorben war, hatte Jana keine Lust gehabt, die Firma zu führen, und sie ihrem Cousin Thomas Schuhbert übergeben. Sie selbst lebte bequem von den Dividenden. Außenstehende glaubten längst, die Firma gehöre nun vollständig Thomas. Und weil Jana und David einen Ehevertrag hatten, dachte auch die Familie Schuhbert, sie verfüge über keinerlei Vermögen mehr.

Jana war etwas geistesabwesend: „Niemand hat je zu viel Geld.“

Lucia betrachtete die blasse, kraftlose Jana vor sich, fühlte einen Stich im Herzen und sagte mit plötzlicher Großspurigkeit: „Da hast du recht. Also, Baby Jana, nimm das Geld und kauf dir Kleidung und Taschen — zeig der Familie Fischer, wie schön du ohne sie bist! Aber sag mal, weißt du eigentlich schon, was du jetzt machen willst, nachdem du dort ausgezogen bist?“

Janas Blick wurde ein wenig fern.

Sie hatte an der Uni Psychologie und Musik als Doppelfach studiert. Dann war etwas in der Firma ihres Vaters passiert, woraufhin sie das Studium eine Weile unterbrechen musste. Ein Jahr später erhielt sie das Abschlusszeugnis — doch da war sie bereits in die Familie Fischer eingeheiratet und war danach drei Jahre lang Vollzeit-Hausfrau gewesen...

Was sie in Zukunft tun wollte, hatte sie nie wirklich überlegt.

Lucia nahm ihre Hand und lächelte: „Macht nichts. Jetzt, wo du nicht mehr im Haus der Fischers bist, kannst du dir Zeit lassen. Wichtig ist, dass wir jetzt essen und ich dich danach zum Shoppen mitnehme. Und in ein paar Tagen fahren wir nach Mondberg zur Jagd.“

Sie zwinkerte geheimnisvoll und wirkte sichtlich aufgeregt: „Du weißt es bestimmt noch nicht—aber bei der Jagd am Mondberg wird auch Leon Becker dabei sein.“

Janas Augen weiteten sich kurz. Leon Becker war der dritte Sohn der Immobilienmagnaten Becker, vermögend und stets geheimnisvoll. Es war selten, dass er an solchen Veranstaltungen teilnahm.

Doch Jana wunderte sich nur einen Augenblick, dann verflog der Gedanke wieder.

Nach dem Essen hatte Jana keine Lust auf Shopping. Sie bezahlte lediglich und ließ die Verkäufer die Sachen, die Lucia gefallen hatten, in ihre Wohnung liefern.

Kurz bevor sie sich trennten, erinnerte Lucia sie plötzlich: „Ach ja, Jana, du hattest ja ständig keine Zeit, deswegen habe ich es dir nie gesagt: Professor Winter geht es gesundheitlich nicht gut. Wenn du es schaffst, schau mal bei ihm vorbei.“

Professor Winter war Janas Professor aus Studienzeit gewesen und ihr Mentor in Psychologie. Jana merkte es sich und fuhr zurück zu ihrem kleinen Apartment.

Seit sie aus dem Haus der Fischers ausgezogen war, hatte sie eine kleine Wohnung in Lucias Nähe. Dort wurde regelmäßig geputzt, also blieb sie vorerst dort.

Doch kaum war sie unten am Gebäude angekommen, sah sie David an seinem Wagen lehnen und auf sie warten.

Im Auto saß eine Frau, zart und hübsch, mit weichen, anmutigen Zügen.

Jana warf einen seitlichen Blick hinüber; ihr Herz regte sich leicht. Genau so eine Art Frau würde David gefallen.

Als die Frau Jana bemerkte, stieg sie aus, hakte sich bei David ein und kam mit sanftem, freundlichem Lächeln auf sie zu. Sie streckte die Hand aus: „Jana, hallo, ich bin Tina.“

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  • Nach der Scheidung blüht sie auf.   Kapitel 30

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  • Nach der Scheidung blüht sie auf.   Kapitel 28

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