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Nach meinem Tod küsste mein Gefährte meine Leiche

Nach meinem Tod küsste mein Gefährte meine Leiche

Por:  Halber Löffel ZuckerCompletado
Idioma: Deutsch
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Nur weil ich unachtsam war und vergessen hatte, die Gefährtin meines Gefährten zurückzubringen, ließ ich sie drei Stunden allein in der Wildnis. In rasender Wut warf er mich in einen ausgetrockneten Brunnenschacht am Rande des Niemandslands. „Du solltest selbst einmal das Leid kosten, das Belinda ertragen musste.“ Der Schacht war so tief und eng, dass ich mich nur zusammengerollt in meiner Wolfsform hineinzwängen konnte. Ich bekam kaum Luft. Ich flehte ihn an, gestand meinen Fehler und bat um Hilfe – doch alles, was ich erhielt, war seine eiskalte Verurteilung. „Bereue deine Schuld. Nur wenn du aus dieser Strafe lernst, wirst du begreifen, was es heißt, eine wahre Luna zu sein.“ Er befahl, einen schweren Felsblock über dem Brunnenschacht zu platzieren. Ich brüllte verzweifelt, klammerte mich immer wieder an der Wand empor – nur um erneut in die Tiefe zu stürzen. Die Wände waren zerkratzt von meinen verzweifelten Krallenhieben. Bis meine trockene Kehle keinen Laut mehr hervorbringen konnte. Erst zwei Wochen später, als er das Geburtstagsgeschenk sah, das ich für ihn bestellt hatte, wurde sein Herz einen Moment lang weich. Er beschloss, meine Strafe zu beenden. Doch er wusste nicht, dass mein Körper am Grund des Brunnens längst von Insekten und Schlangen bis zur Unkenntlichkeit zerfressen worden war.

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Capítulo 1

Kapitel 1

Die Ohrfeige traf mich, noch bevor ich überhaupt sah, wie sich ihre Hand bewegte.

„Wenn du es noch einmal wagst, mich so anzusehen“, zischte Elena, während das Licht auf ihren Ringen glitzerte und sie für einen zweiten Schlag ausholte, „werde ich dafür sorgen, dass du es für den Rest deines erbärmlichen Lebens bereust.“

Meine Wange brannte weißglühend, dann heiß, dann unerträglich heiß, und der Schmerz breitete sich bis in meinen Kiefer aus, als wäre unter meiner Haut etwas aufgebrochen. Ich presste meine Handfläche dagegen und spürte meinen eigenen Puls unter meinen Fingern hämmern, schnell und verängstigt, genau so, wie er es immer tat, wenn Elenas Wut mich traf statt eine Tür, eine Vase oder irgendetwas anderes, das gerade näher war. Tränen schossen mir in die Augen, obwohl jeder Instinkt in mir schrie, ihr nicht die Genugtuung zu geben, und ich hasste mich ein wenig dafür, wie automatisch dieser Instinkt nach sechsundzwanzig Jahren noch immer war. Ich hasste es, dass irgendein kleiner, tierischer Teil von mir noch immer zusammenzuckte, kalkulierte und die Entfernung zum nächsten Ausgang abschätzte, noch bevor ich den Schmerz überhaupt vollständig wahrgenommen hatte.

Ich hatte sie nicht einmal falsch angesehen. Ich hatte nur von den Gästebettwäsche aufgeschaut, die ich gerade zusammenlegte, als sie ins Zimmer gestürmt war und wegen einer Floristin geschrien hatte, die ihre Pfingstrosen im falschen Rosaton gefärbt hatte.

„Es tut mir leid“, flüsterte ich, denn ich hatte vor zwanzig Jahren gelernt, dass die Worte selbst nicht wichtig waren, sondern nur, wie schnell ich sie sagte. Schnelligkeit war Gnade. Schnelligkeit war der Unterschied zwischen einer Ohrfeige und drei.

„Du siehst immer irgendetwas an.“ Sie packte eine Handvoll meiner Haare und riss meinen Kopf nach hinten, sodass ich gezwungen war, ihr in die Augen zu sehen, und für einen schrecklichen Moment dachte ich, sie würde es tatsächlich tun, würde mein Gesicht wirklich so zerschmettern, wie sie es schon ein Dutzend Mal gedroht hatte, wenn ihre Laune schlecht genug war. Meine Kopfhaut schrie vor Schmerz. Meine Augen tränten von dem Zug, heiß und unwillkürlich, und ihr wütendes, wunderschönes Gesicht verschwamm vor meinen Augen zu etwas, das ich kaum noch als das Gesicht meiner Zwillingsschwester erkennen konnte.

„Du hast alles angesehen, was mir gehört, seit dem Tag, an dem wir geboren wurden. Mein Zimmer. Meine Kleidung. Und jetzt meine Hochzeit. Glaub nicht, dass ich nicht bemerkt habe, wie du Damians Foto in der Zeitung angestarrt hast, als hättest du irgendein Recht dazu.“

„Ich will nichts von dir.“ Die Worte kamen dünn und gebrochen aus mir heraus. „Das habe ich nie.“

„Lügnerin.“ Sie stieß mich so heftig gegen die Tür des Wäscheschranks, dass das Holz hart gegen meine Wirbelsäule krachte. Ein scharfer, splitternder Schmerz durchfuhr mich und raubte mir die Luft aus den Lungen. Ich biss den Schrei nieder, der aus mir herauswollte, biss so fest zu, dass ich Kupfer schmeckte, denn Weinen hatte es immer nur schlimmer gemacht, hatte ihr immer nur mehr gegeben, womit sie arbeiten konnte.

„Papa sagt, du hast wieder ohne Erlaubnis die Haushaltsbücher geführt. Hast du gedacht, das würde dich klug machen? Hast du gedacht, das würde bedeuten, dass du wichtig bist?“

„Ich wollte nur helfen—“

„Du darfst nicht helfen. Du darfst die Wäsche zusammenlegen und mir aus dem Weg gehen, bis diese Hochzeit vorbei ist. Danach kannst du wieder niemand sein, so wie Gott es vorgesehen hat.“

Sie ließ meine Haare so plötzlich los, dass ich beinahe umkippte, strich ihre Bluse glatt, als wäre sie auf dem Weg zu etwas Wichtigem lediglich an einem Möbelstück vorbeigekommen, und sah auf mich hinunter, die ich zusammengesunken an der Schranktür lag. In ihren Augen lag etwas, das schlimmer war als Hass.

Langeweile.

Ich war für sie bereits nicht mehr interessant.

„Mach dich vor dem Abendessen sauber. Du siehst erbärmlich aus.“

Sie ließ mich dort auf dem Boden zurück.

Ich weiß nicht, wie lange ich so blieb. Lange genug, dass der Schmerz in meiner Kopfhaut sich zu einem dumpfen, ständigen Pochen legte. Lange genug, dass meine Wirbelsäule steif wurde, dort, wo der Türrahmen sie getroffen hatte, während sich unter meiner Bluse bereits ein Bluterguss ankündigte.

Ich saß mit angezogenen Knien und dem Rücken gegen genau die Tür gelehnt, die mir gerade wehgetan hatte, und erlaubte mir, das zu tun, was ich vor niemandem sonst in diesem Haus jemals tat.

Ich weinte.

Still, methodisch, so wie ich mir das Weinen seit meiner Kindheit beigebracht hatte. Kein Laut, keine bebenden Schultern, nur Tränen, die über mein Gesicht liefen und von meinem Kiefer auf die Wäsche tropften, die ich vor dem Abendessen ohnehin wieder zusammenlegen musste.

Ich dachte an meine Mutter, die nun seit elf Jahren fort war, gestorben, bevor sie überhaupt die Chance gehabt hatte, dabei zuzusehen, wie daraus eine Gewohnheit statt eines Unfalls wurde.

Früher stellte ich mir vor, sie hätte es verhindert. Sie hätte sich zwischen Elenas Wut und meinen Körper gestellt, so wie Mütter es tun sollten. An manchen Abenden erlaubte ich mir noch immer, daran zu glauben.

An den meisten Abenden jedoch, wenn ich ehrlich zu dem rohen, schmerzenden Teil von mir war, der nur in leeren Fluren zum Vorschein kam, vermutete ich, dass sie es einfach ebenfalls nicht bemerkt hatte.

Vielleicht war das der grausamere Gedanke.

Vielleicht war es auch der wahrere.

Sechsundzwanzig Jahre alt, und ich zählte noch immer die Ausgänge in jedem Raum, den ich betrat.

Sechsundzwanzig Jahre alt, und ich zuckte noch immer zusammen, wenn Türen zu schnell zufielen, bei erhobenen Stimmen zwei Zimmer weiter und bei dem ganz bestimmten Klicken von Elenas Absätzen auf dem Hartholz, wenn sie auf der Suche nach etwas war, wofür sie mir die Schuld geben konnte.

Ich hatte aus kleinen, unsichtbaren Gewohnheiten wie diesen eine ganze Architektur des Überlebens errichtet, Mauern, die niemand sonst sehen konnte, und ich war so gut darin geworden, innerhalb dieser Mauern zu leben, dass ich an den meisten Tagen vergaß, dass es jemals eine Version von mir gegeben hatte, die von diesem Haus etwas anderes erwartet hatte.

Schließlich stand ich auf, weil der Boden kalt war und weil das Abendessen vorbereitet werden musste, unabhängig davon, was mein Körper gerade durchgemacht hatte.

Im Badezimmer im Erdgeschoss ließ ich das Wasser laufen, bis es lauwarm wurde, und drückte ein feuchtes Tuch gegen meine Wange. Dabei beobachtete ich den Spiegel so, wie ich es immer tat, als könnte mir das Gesicht einer Fremden entgegenblicken statt meines eigenen.

Die Abdrücke ihrer Ringe waren bereits sichtbar geworden, eine dünne rote Strieme direkt unter meinem Wangenknochen, klein genug, um sie mit etwas Puder zu verstecken. Und ich verstand, ohne dass es jemals jemand laut aussprechen musste, dass genau das der Punkt war.

Elena hatte noch nie eine Spur hinterlassen, die sich nicht bis fünf Uhr überdecken ließ.

So war sie vorsichtig.

Vorsichtig auf die Art eines Menschen, der dies oft genug getan hatte, um genau zu wissen, wo die Grenze lag.

Ich tupfte Puder über die Strieme, mit Händen, die wieder ruhig geworden waren, denn ruhig zu sein war inzwischen das Einzige, was ich noch konnte. Ich starrte mein Spiegelbild an, bis ich das Mädchen, das mir entgegenblickte, wieder als jemanden erkannte, der es wert war, ernährt zu werden, der es wert war, Kleidung zu bekommen, der es wert war, noch einen weiteren Abend zu überstehen.

Das war so viel Freundlichkeit, wie ich mir selbst jemals entgegenbrachte.

Es musste reichen, denn niemand sonst in diesem Haus würde mir mehr geben, als ich selbst hervorbringen konnte.

Ich stand noch immer dort, das Tuch gegen mein Gesicht gedrückt, als ich durch die Tür des Arbeitszimmers am Ende des Flurs die Stimme meines Vaters hörte, leise und dringlich, in einem Tonfall, den ich überhaupt nicht wiedererkannte.

Und etwas in meinem Magen wurde kalt und klein, auf eine Weise, die nichts mit Elena zu tun hatte.

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