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Kapitel 6

Autor: Sommerblüte
Die Nacht zog sich endlos hin, und Ben hatte kaum ein Auge zugemacht. Sein Magen war inzwischen völlig verwöhnt, und die Medikamente hatten die Schmerzen lediglich etwas gelindert – verschwinden waren sie nicht, und wirkliche Erleichterung brachten sie auch nicht.

Noch bevor der Wecker klingelte, stand er bereits auf. Doch als er die Tür öffnete, kollidierte er direkt mit Emma, die gleichzeitig ihr Zimmer schräg gegenüber verließ.

„Was machst du?“, fragte er instinktiv.

„Frühstück“, erwiderte Emma gleichgültig, schloss schwankend ihre Tür und ging zur Küche.

Ben blieb verdutzt stehen. Bisher hatte er sein Essen immer vorgefunden und nie darauf geachtet, dass sie bereits um fünf Uhr aufstand, um es zuzubereiten.

Er sah ihrem unsicheren Gang hinterher und sagte: „… Lass es sein.“

Emma blieb stehen und warf einen Blick über ihre Schulter zurück.

Zwei Jahre lang hatte sie Ben bedient. Selbst mit hohem Fieber war sie früher aufgestanden, um zu kochen, er hatte sich immer neue Methoden einfallen lassen, um sie zu quälen. Es war das allererste Mal, dass er sagte, sie solle es lassen.

Sie sah auf ihren Fuß hinunter. Sie dachte schon, ihr Zustand rufe vielleicht doch so etwas wie Gewissen in ihm wach – doch dann folgten seine nächsten Worte:

„Abendessen ebenfalls nicht. Ich gehe mit Sophia aus.“

Noch während er sprach, verließ er, ohne sich auch nur umzudrehen, die Wohnung.

Emma blickte zur Tür, zuckte mit den Mundwinkeln und dachte voller Selbstironie:

Tja, was für ein Gewissen! Da hatte sie sich doch tatsächlich etwas in den Kopf gesetzt.

Kein Kochen? Umso besser. Sie genoss die Muße und hatte ohnehin die Nase voll von seiner Bedienung.

Sie schlief noch einmal eine Weile, stand um acht Uhr auf, um ihre Verletzungen neu zu versorgen – und bemerkte, dass die Magenmedikamente im Erste-Hilfe-Kasten fehlten.

Sie runzelte leicht die Stirn. Ihr fiel ein, dass die Tür am Morgen nicht abgeschlossen gewesen war. Hatte sie das vergessen? Waren die Magentabletten auch schon seit einiger Zeit verschwunden?

Sie dachte nicht weiter darüber nach. Nach dem Verbandswechsel setzte sie sich mit ihrem Laptop auf den Teppich im Wohnzimmer.

Am Vormittag meldete sie sich auf einer Lernplattform an und frischte das Wissen aus ihrem früheren Studium wieder auf. AM Nachmittag machte sie praktische Übungen, programmierte und entwarf gleichzeitig auf ihrem Grafiktablett Figuren und Szenerien.

In den letzten zwei Jahren war es ihr nicht erlaubt gewesen, in der Öffentlichkeit aufzutreten. Komplexes Fachwissen mochte sie vergessen haben, aber die Grundlagen des Zeichnens hatte sie nicht verlernt. Indem sie hin und wieder Aufträge annahm, hatte sie sich etwas Nebenverdienst gesichert und eine gewisse Fangemeinde aufgebaut.

Die Zeit verflog, und schon ging die Sonne unter. Emma stand auf, um Wasser zu holen, und überlegte, Essen zu bestellen – doch in diesem Moment hörte sie, wie das Schloss aufging.

Sie blickte hin, und im nächsten Moment wurde die Tür von außen geöffnet. Sophias Gesicht erschien vor ihr.

„Emma, ich komme dich besuchen. Geht es deiner Verletzung besser?“ Sophia lächelte breit. Hinter ihr stand Ben, er hielt Lebensmittel in der Hand.

Emmas Gesichtsausdruck blieb kühl. Sie drehte sich weg.

Dank einer gewissen Person – hätte sie sich ohne sie überhaupt verbrennen können? Und jetzt hatte diese Person noch die Frechheit, hier aufzutauchen. Ganz offensichtlich steckte nichts Gutes dahinter.

„Emma…“, rief Sophia gekränkt, als Emma sie ignorierte.

„Was ist das für eine Einstellung? Sophia kommt dich besuchen und will sogar für dich kochen. Sei nicht so undankbar“, fuhr Ben sie mit gerunzelter Stirn an.

Emma drehte sich um und erwiderte hämisch:

„Tut, was ihr wollt. Ich habe keinen Appetit und esse nicht.“

Sie ging zum Wohnzimmertisch, um ihren Laptop einzupacken. Ben war wütend, aber Sophia schmeichelte sich an seinen Arm:

„Ben, Emma ist verletzt, sei nett zu ihr. Lass uns kochen gehen, wir können sie ja dann rufen~“

Emma tat so, als hörte sie diese aufgesetzte, widerliche Stimme gar nicht, nahm ihren Laptop und wollte zurück in ihr Zimmer.

Sophia ging mit den Lebensmitteln in die Küche. Ben musterte Emma, die an ihm vorbeiging, und fragte mit gerunzelter Stirn:

„Wozu brauchst du den Laptop?“

„Mir ist langeweile. Ich will etwas schauen“, erwiderte Emma, ohne ihn anzusehen.

„Und wozu ist dieses Teil?“, fragte er weiter.

„Handgelenkauflage“, sagte Emma.

Das war offensichtlich gelogen. Handgelenkauflagen haben doch kein Datenkabel?

Und Emma war ihm gegenüber zu kalt und schroff, schon seit gestern. Das bereitete Ben ein seltsames, unerklärliches Unbehagen.

„Ben~ Komm her und hilf mir beim Gemüsewaschen~“, rief Sophia liebevoll aus der Küche.

Ben antwortete und ging hinein. Ella hörte alles, während sie in ihr Zimmer zurückging.

Sie stieß einen spöttischen Laut aus. Man erlebte wirklich noch alles. Dass Ben tätsachlich einmal in die Küche ging.

Bisher hatte sie immer alles gekocht, ihm das Essen sogar persönlich gebracht – er hatte nie einen Finger gerührt.

Es gab also doch keine Männer, die nicht kochten – sie taten es sehr wohl für ihre Geliebte.

Die Zimmertür dämpfte den Lärm zwar, aber Sophias Stimme hörte man trotzdem. Man konnte meinen, sie tat es absichtlich. Dazu klapperte und schepperte es, als ob die Küche in die Luft gesprengt würde.

Die Wohnung war von Eindringlingen besetzt, die sich breitmachten und aufführten, als wäre es ihr eigenes Zuhause. Emma kümmerte das nicht, sie fand es nur lärmend.

Sie wollte eigentlich in Ruhe ihr Lehrvideo weiterschauen, als ein Aufschrei ertönte.

Emma setzte genervt ihre Kopfhörer auf, doch gleich darauf wurde heftig an ihre Tür geklopft.

„Emma, komm raus“, rief Ben.

Emma ballte die Fäuste. Sie hatte ihnen doch bereits den Raum überlassen, warum suchten sie immer noch Streit?

Das Klopfen ging weiter, und Ben schien nicht aufhören zu wollen, bis sie herauskam.

Emma stand auf, atmete mehrmals tief durch und dachte:

Noch 28 Tage. Einfach durchhalten…

Sie öffnete die Tür. Bens erste Worte waren:

„Du kochst. Sophia kennt den Herd hier nicht; sie hat eine Keramikschale fallen lassen und sich dabei fast verletzt.“

Emma war sprachlos. Was hatte das eine mit dem anderen zu tun? Seine Freundin zertrümmerte ihre Teller, verletzte sich dabei und dann kam er zu ihr?

„Ich bin auch verletzt“, sagte Emma kalt.

Erst jetzt schien Ben sich endlich daran zu erinnern. Er blickte auf Emmas Fuß.

Sie dachte schon, er hatte vielleicht doch noch ein Fünkchen Menschlichkeit in sich – immerhin hatte er morgens auch gesagt, sie sollte nicht kochen. Aber er sagte:

„Deine Hände sind doch heil. Du musst ja nur dabeistehen, mehr nicht.“

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