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kapitel 67

Author: Caca
last update publish date: 2026-09-25 08:21:43

Warnung in der Bibliothek

Aixas plötzliches Verlassen des Esstisches hinterließ eine eisige, peinliche Stille. Obwohl Valeria mit sanftem Lachen und lebhaften Gesprächen über Wohltätigkeitsveranstaltungen aufzulockern suchte, konnte Catalina sich nicht mehr konzentrieren. Ein scharfes Schuldgefühl fraß an ihr – jedes Mal, wenn sie an Aixas tränennasse Augen dachte, bevor diese floh, fühlte sie sich mitverantwortlich für das Gift, das Valeria verbreitete.

Doch darüber lag eine weit größere, g
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    Geflüsterte Zweifel Das Sonnenlicht, das durch die dünnen Vorhänge ihres Zimmers fiel, vermochte die Kälte nicht zu vertreiben, die sich in Aixas Herz festgesetzt hatte. Fast die ganze Nacht hatte sie kein Auge zugemacht. Immer wieder sah sie Valerias eiskaltes Lächeln vor sich und Fernandos scharfen Blick vom Esstisch – ein Albtraum, der kein Ende nehmen wollte. Aixa saß allein auf dem Korbstuhl ihres Balkons. Der Morgenwind fuhr ihr durch das wirre, offene Haar und kühlte ihre blasse Haut. Sie zog den weichen Strickpullover enger um ihre zarte Gestalt und schlang die Arme fest um die Knie. In dieser stillen Morgenstunde kreisten ihre Gedanken unablässig um Fragen, die sie von innen auffraßen. Habe ich etwas falsch gemacht? Die Frage hallte nach, ohne Antwort. Sie hatte sich so sehr bemüht, Fernando eine gute Frau zu sein. Sie ertrug die Einsamkeit, seine Kälte, gab ihre Träume und ihre Freiheit auf, um sich den strengen Regeln der Familie Castello anzupassen. Sie lernte die Et

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    Warnung in der Bibliothek Aixas plötzliches Verlassen des Esstisches hinterließ eine eisige, peinliche Stille. Obwohl Valeria mit sanftem Lachen und lebhaften Gesprächen über Wohltätigkeitsveranstaltungen aufzulockern suchte, konnte Catalina sich nicht mehr konzentrieren. Ein scharfes Schuldgefühl fraß an ihr – jedes Mal, wenn sie an Aixas tränennasse Augen dachte, bevor diese floh, fühlte sie sich mitverantwortlich für das Gift, das Valeria verbreitete. Doch darüber lag eine weit größere, greifbare Angst: Elio. Seine Gefühle für Aixa waren eine Zeitbombe, die jederzeit explodieren und das Fundament der Familie Castello zerstören konnte. Und Catalina wusste genau: Sie musste ihn aufhalten, bevor Valeria diesen Riss ausnutzte und Unheil anrichtete, das nicht mehr gutzumachen wäre. Am Abend, als Dunkelheit das Anwesen in erstickende Stille hüllte, schritt Catalina durch die einsamen Gänge des ersten Obergeschosses. Ihre Schritte hallten gedämpft auf dem dicken Teppich, bis sie die

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    Feines Gift am Esstisch Wenige Tage nach dem vertraulichen Treffen im Sonnenraum lastete eine noch schwerere Atmosphäre über dem Castello-Anwesen. Die Schritte der Bediensteten klangen gehetzter, und zwischen den prächtigen Gängen schien eine unausgesprochene Spannung in der Luft zu hängen. Ihren Höhepunkt erreichte die erstickende Stimmung, als die gesamte Familie zum gemeinsamen Mittagessen im großen Speisesaal versammelt wurde. Die Zukunft der Familie Castello wurde stets an diesem langen Tisch aus altem Mahagoniholz besprochen – doch heute war er nichts weniger als ein verborgenes Schlachtfeld. Aixa kam als Letzte. Sie schritt zögernd durch die doppelten geschnitzten Türen; ihr cremefarbenes Leinenkleid saß locker an ihrem abgemagerten Körper. Ihr Gesicht war bleich, und die feinen dunklen Ringe unter den Augen ließen sich auch mit leichtem Make-up nicht mehr ganz verbergen. »Entschuldige, Momy … ich bin zu spät«, sagte sie leise, fast übertönt vom Klirren des Bestecks, das g

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    Tee mit der Schlange Catalina hätte sich niemals vorstellen können, an diesem Ort zu sitzen, die Finger um den kalten Porzellanbecher zu schließen und tatsächlich über ein Angebot von Valeria nachzudenken. Seit Jahren kannte sie die Familie Castello; ihre Beziehung zu Valeria war stets von äußerst zerbrechlicher Höflichkeit geprägt. Sie begrüßten sich mit gleichförmig gezwungenem Lächeln, wechselten bei Gesellschaften giftige Komplimente und wahrten gebührenden Abstand. Man achtete einander – doch niemand war töricht genug, der anderen zu vertrauen. Catalina wusste nur zu gut, was sich hinter Valerias makelloser Fassade verbarg. Valeria war die vollkommene Gestalt von Gefahr, gehüllt in Anmut. Sie war nicht nur klug, sondern eine geborene Strategin. Jede ihrer Bewegungen war kontrolliert und anmutig – und am gefährlichsten: Sie wusste genau, welche Knöpfe sie drücken musste, um zu bekommen, was sie wollte. Als Valeria sie also zu einem »Nachmittagstee« in den Sonnenraum einlud –

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    Das Sonnenlicht drang durch die hohen Glasfenster des Castello-Anwesens und breitete sein goldenes Licht über den makellos gedeckten Porzellantisch aus. Der Duft frisch gebrühten Kaffees und frisch gebackenen Brots erfüllte den Raum – eine trügerische Idylle der Familienwärme in einem prächtigen Haus, das von innen heraus zu verwesen schien. Von außen hätte niemand geahnt, wie viele Risse durch dieses Gebäude zogen. Catalina betrat als Erste den Speisesaal. Obwohl sie in dieser Nacht kaum ein Auge zugemacht hatte, erschöpft von Aufruhr und Gewissensfragen, zwang sie ihre Züge zu möglichster Gelassenheit. Sie zog ihren Stuhl langsam heran – das leise Knarren des Holzes auf dem Marmorboden ließ ihr Herz wild schlagen. »Guten Morgen.« Die sanfte, dünne Stimme durchfuhr sie. Catalina blickte auf und sah Aixa vor sich stehen. Die junge Frau trug ein höfliches Lächeln – jene Maske, die sie stets zu tragen schien. Doch heute wirkten ihre Wangen noch eingefallener, ihre Blässe war herzze

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    Die Nacht schritt voran. Stille legte sich über das Castello-Anwesen und verschlang jedes Geräusch; einzig das leise Rascheln des Windes in den Blättern des Gartens blieb übrig. Doch für Catalina war diese Nacht alles andere als ruhig. Zwar war sie nach dem Abschied von Elio in ihr eigenes Zimmer zurückgekehrt – aber ihre Gedanken waren noch immer auf dem Korridor im ersten Obergeschoss, vor jener Tür, hinter der sie ein Geständnis vernommen hatte, das sie sich niemals hätte vorstellen können. Sie schaltete nicht einmal das Hauptlicht ein. Nur das Mondlicht drang durch das große Fenster und warf ihren Schatten auf den Holzfußboden. Langsam schritt sie zum Fenster, schob den dünnen Vorhang beiseite und blickte hinunter in den stillen, von Gartenlampen erhellten Park. Der kleine Teich in der Ecke spiegelte das gelbliche Licht, das im Wind sanft schwankte. Unwillkürlich erinnerte sie sich an jenen Abend, als Fernando Aixa und Elio dort zusammen vorgefunden hatte. Damals hatte sie nicht

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