Sie verblutet, er kauft die Auktion leer

Sie verblutet, er kauft die Auktion leer

Von:  Pia WestermannGerade aktualisiert
Sprache: Deutsch
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Zusammenfassung

Modern

Reue

Unabhängig

Intelligent

Alias

Schmerzliche Romanze

Missverständnis

Plot Twist

Drama

Erst Leid, dann Triumph · Er bereut zu spät · Brillante Wissenschaftlerin Mit einer geplatzten Eileiterschwangerschaft ringt sie auf dem OP-Tisch mit dem Tod, während ihr Mann seiner Geliebten ein pompöses Geburtstagsfest ausrichtet und auf einer Auktion in ihrem Beisein kurzerhand jedes Höchstgebot übernimmt. Vier Jahre Ehe, in denen sie sich klein gemacht hat und sein Herz trotzdem nie erweichen konnte. Erst als sie sieht, wie zärtlich er die Tochter ihres Feindes auf Händen trägt, stirbt das Letzte in ihr ab. Sie legt ihm die Scheidungspapiere hin und geht erhobenen Hauptes. Zurück im Beruf stürzt sie sich in die Arbeit, lässt ganz Hafenstadt staunen und wird zum umschwärmten Liebling der besseren Gesellschaft. Als sich die Verehrer um sie zu drängen beginnen, hält der eiskalte Konzernchef es nicht länger aus. Er vergrault die Konkurrenz eigenhändig und drängt sie in eine Ecke. „Frau Hofmann, eine Scheidung kommt nicht infrage!“

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Kapitel 1

Kapitel 1

Ein Krankenhaus in Hafenstadt.

„Bei Ihnen liegt eine Eileiterschwangerschaft vor. Wenn der Eileiter reißt, kann das lebensgefährlich werden! So ein ernster Eingriff, und Sie sind allein hier? Wo ist Ihr Mann? Holen Sie ihn her, wir brauchen zumindest eine Kontaktperson!“

Gegen den reißenden Schmerz im Unterleib ankämpfend, wählte Helene seine Nummer.

Es klingelte lange.

Dann meldete sich eine kühle Stimme.

„Was ist?“

„Damian, hast du zu tun? Mein Bauch tut so weh, kannst du nicht …“

„Nein!“

Verärgert schnitt Damian ihr eisig das Wort ab, ehe sie zu Ende sprechen konnte. „Bei Bauchschmerzen geht man zum Arzt. Ich habe zu tun!“

„Damian, wer ist das denn?“

Eine Frauenstimme drang aus dem Hörer.

„Niemand von Bedeutung.“

Mit einem Mal wurde sein Ton spürbar weicher.

„Welches gefällt dir? Sag es, ich kaufe es dir.“

Dann nur noch das Tuten der toten Leitung.

Es zerriss Helene das Herz.

Als die Ärztin sah, wie blass Helene wurde und wie flach ihr Atem ging, rief sie sofort: „Schnell, den OP vorbereiten! Die Patientin muss sofort operiert werden!“

Als Helene wieder zu sich kam, lag sie in einem Krankenzimmer.

„Sind Sie wach? Gestern stand es kritisch um Sie. Zum Glück waren wir schnell genug, sonst wären Sie jetzt nicht mehr hier!“

Die junge Schwester hängte Helene eine Infusion an und schimpfte dabei vor sich hin.

„Was ist das nur für ein Mann! So eine große Operation, und er lässt sich nicht einmal blicken. Völlig verantwortungslos, so etwas.“

„Hier, das ist die Nummer vom Pflegedienst. Wenn Sie Hilfe brauchen, rufen Sie eine Pflegekraft.“

„Danke.“

Helene nahm die Karte, die die Schwester ihr reichte.

Helene zog ihr Handy hervor und wollte gerade beim Pflegedienst anrufen.

Da poppte plötzlich eine Eilmeldung auf dem Bildschirm auf.

„Damian Hofmann, Erbe der Hofmann-Gruppe und reichster Mann Hafenstadts, ersteigert für vierzehn Millionen die Diamantkette der Madame Dubarry und kauft seiner Freundin zuliebe gleich die ganze Auktion leer!“

Bei den grellen Zeilen verengten sich Helenes Pupillen.

Das makellos schöne Gesicht auf dem Foto gehörte ihrem Mann, Damian.

Helene war seine Frau, die nie ans Licht der Öffentlichkeit treten durfte.

Vier Jahre waren sie nun verheiratet.

Immer war Damian kalt und herzlos zu Helene gewesen.

Helene hatte geglaubt, er sei einfach so.

Um sein Herz zu erweichen, hatte Helene sich alle Mühe gegeben, die sanfte, fügsame Frau Hofmann zu spielen.

Jetzt aber, da Damian ungeniert eine andere im Arm hielt und seine Liebe vor aller Welt zur Schau stellte …

Endlich begriff Helene, dass Damian sie nicht im Geringsten liebte.

Ein Stechen fuhr Helene durch die Brust.

Unwillkürlich wurden Helene die Augen feucht.

Es wurde Zeit, loszulassen.

Diese vierjährige Ehefarce musste endlich enden.

Helene ließ sich zwei Tage früher als geplant entlassen.

Die Ärztin sah Helene besorgt an.

„Sie sind noch sehr geschwächt, warum bleiben Sie nicht ein paar Tage länger?“

„Zu Hause gibt es etwas zu regeln.“

„Schonen Sie sich in nächster Zeit unbedingt, keine Anstrengung, und vor allem auf keinen Fall Geschlechtsverkehr. In sieben Tagen kommen Sie zur Nachkontrolle.“

„Danke, ich weiß Bescheid.“

Helene kehrte zurück in die freistehende Villa am Flachwasserufer.

Die Haushälterin Margarethe Vollmer empfing sie mit gerümpfter Nase und vorwurfsvoller Miene.

„Frau Hofmann, Sie werden ja immer unverschämter! Tagelang nicht heimkommen! Wenn Herr Hofmann das erfährt, gibt es Ärger!“

Margarethe war nur die Haushälterin, doch sie spielte sich auf, als wäre sie die Herrin des Hauses.

Margarethe hatte Damian von klein auf versorgt und hielt sich seither für etwas Besseres.

Helene, Damians ungeliebte Frau, hatte sie noch nie ernst genommen.

Helene war klar: dass Margarethe sich ihr gegenüber so aufführte, geschah, wenn nicht auf Damians Geheiß, so doch mit seiner stillschweigenden Duldung.

Sonst hätte Margarethe es nie gewagt.

Früher hatte Helene jeden in Damians Umfeld umschmeichelt, um ihm zu gefallen.

Selbst wenn Margarethe sie schikanierte und herabsetzte, hatte Helene den Ärger stets hinuntergeschluckt.

Diesmal aber wollte Helene es nicht länger ertragen.

Helene holte aus und gab Margarethe eine Ohrfeige, die Stimme kalt und verächtlich.

„Was fällt dir ein! Du bist eine Bedienstete. Mit welchem Recht redest du so mit mir?“

„Sie …!“

Margarethe hielt sich die Wange, in den Augen blankes Entsetzen. Dass Helene zuschlagen könnte, damit hatte sie nicht gerechnet.

„Sie wagen es, mich zu schlagen?“

„Und ob ich es wage. Was denn, willst du etwa zurückschlagen?“

Helenes kalte Worte ließen Margarethe erstarren.

So ungeliebt sie bei Damian auch war, Margarethe war doch von seiner Großmutter Adelheid Hofmann höchstpersönlich als seine Frau ausgesucht worden.

Margarethe blieb nichts übrig, als den Zorn mühsam hinunterzuwürgen.

Helene drehte sich um und ging die Treppe hinauf.

Hinter Helene murmelte Margarethe leise vor sich hin.

„Was nützt ein hübsches Gesicht? Damian will sie ja doch nicht. Die Herrin der Hofmanns wird früher oder später eine andere!“

Die gehässigen Worte trafen Helene wie Messerstiche mitten ins Herz.

Helene holte tief Luft.

Es spielte keine Rolle mehr.

Nach dem heutigen Tag würde nichts mehr eine Rolle spielen, was mit Damian zu tun hatte.

Wieder in ihrem Zimmer, sortierte Helene all ihre persönlichen Sachen heraus.

Was ihr gehörte, war so wenig, dass ein einziger Koffer genügte.

Beim Heben des Koffers zerrte sie unachtsam an der Wunde.

Ein heftiger Schmerz durchfuhr ihren Unterleib.

Kalter Schweiß brach Helene aus.

Erst nach mehreren Schmerztabletten ließ es ein wenig nach.

Ob es an den Tabletten lag oder nicht – Helene legte sich aufs Bett und schlief benommen ein.

Tief in der Nacht betrat eine große Gestalt das Zimmer.

Aus dem Bad drang das Rauschen von Wasser. Zwanzig Minuten später trat Damian heraus, nur ein Handtuch um die Hüften.

Sein Gesicht war von makelloser Schönheit, die Schultern breit, die Taille schlank. Über die klar gezeichneten Bauchmuskeln, die straff vor Kraft waren, rannen noch Wassertropfen herab und verloren sich unter dem locker geschlungenen Handtuch.

Damian sagte kein Wort.

Wie eine reine Pflichtübung schlug Damian den Saum von Helenes Nachthemd zurück.

Im Schlaf zuckte Helene vor Schmerz zusammen.

„Aua …“

Instinktiv stieß Helene Damian von sich.

„Geh weg.“

„Erst zierst du dich, dann gibst du doch nach? Helene, schon wieder eine deiner Maschen?“

Tief und höhnisch klang Damians Stimme über ihr.

Statt zu gehen, setzte Damian rachsüchtig nach.

„War es nicht dieser monatliche Termin im Ehebett, um den du meine Großmutter angefleht hast? Und jetzt heißt es plötzlich nein?“

Vor dem reißenden Schmerz an der Wunde schossen Helene augenblicklich die Tränen in die Augen.

Helene wusste, dass Damian sie hasste.

Damals hatte Adelheid Helene und Damian zusammengebracht.

Nach der Hochzeit, als die alte Dame sah, wie kühl Damian sie behandelte, legte sie die Regel fest, dass er einmal im Monat das Bett mit ihr teilen musste.

Jedes Mal benutzte Damian sie wie ein Werkzeug, um seine Lust loszuwerden.

Wenn Helene auf die vier Jahre Ehe zurückblickte, wurde ihr schwer ums Herz.

So vorsichtig Helene gewesen war, so sehr sie sich gefügt und zurückgenommen hatte – nicht einmal ein Funke Zuneigung war zurückgekommen.

Wenn es so war, warum dann noch länger an einer Illusion festhalten?

„Damian, lass uns scheiden …“

Helene hatte den Satz noch nicht zu Ende gesprochen, da klingelte unvermittelt sein Handy.

Damian mochte es eigentlich nicht, wenn man ihn nachts anrief.

Diesmal jedoch nahm Damian den Anruf ungewöhnlich sanft entgegen. „Was ist denn?“

„Damian, ich habe solche Angst, so ganz allein. Kommst du nicht und leistest mir Gesellschaft?“

Eine schmeichelnde Frauenstimme drang aus dem Hörer.

„In Ordnung.“

Ohne das geringste Zögern sagte Damian zu, und in seiner Stimme lag eine Wärme, die sie nie zuvor von ihm gehört hatte.

„Gib mir zwanzig Minuten, ich bin gleich da.“

Das Gespräch war beendet.

Damian erhob sich und ging.

Keines Blickes würdigte er sie.

Wenige Minuten später fuhr unten ein Auto davon.

Helenes Tränen durchnässten das Kissen.

Ihre bleichen Finger krallten sich in die Decke.

So deutlich war der Unterschied zwischen geliebt und ungeliebt.

Am nächsten Morgen ließ Helene die Scheidungspapiere zurück, nahm ihren Koffer und trat aus dem Haus.

Ein bohrender Schmerz durchzuckte ihren Unterleib, und etwas Warmes strömte hervor und lief ihr an den Beinen hinab.

Helene senkte den Blick.

Sie sah eine erschreckend große Blutlache unter sich.

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