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Kapitel 5

Ivy
20:00 Uhr. Der Privatclub des Alphas.

Der VIP-Raum war spärlich beleuchtet, die Luft schwer vom Geruch nach Zigarren und starkem Alkohol.

In dem Moment, als ich die Tür aufstieß, sah ich Daisy in der Ecke sitzen.

Sie trug ein tief ausgeschnittenes Seidentop, das sich eng an ihre Kurven schmiegte, und mit einer bewusst kleinen Bewegung der Schultern drückte sie ihre vollen Brüste noch stärker nach vorn – sie lachte kokett, während sie den reichen Alpha neben ihr anflirtete, jede Geste triefte vor schamloser Verführung.

Als sie sah, dass Ethan mit mir hereinkam, blitzte für den Bruchteil einer Sekunde Groll in ihren Augen auf, bevor sie sofort wieder ihre unschuldige, großäugige Masche aufzog.

„Guten Abend, Luna. Ich bin die neue Assistentin des Alphas. Er sagte, ihm fehlen Hände, also bin ich gekommen, um beim Einschenken zu helfen.“

Ich nickte nur schwach und sagte kein Wort.

Zwei volle Stunden lang lieferte Ethan die Vorstellung seines Lebens ab.

Er schnitt mir mein Steak klein, fing Schnapsgläser mit starkem Tequila ab, die man mir zuprosten wollte, und selbst als jemand Daisy scherzhaft aufforderte zu singen, hielt er den Blick stur geradeaus, als würde er diese Frau überhaupt nicht kennen.

„Verdammt, Ethan, diese Selbstbeherrschung ist legendär.“

„Mit einer Luna von so edlem Blut zu Hause – wie soll da irgendeine streunende Wölfin überhaupt eine Chance haben?“

Ethan badete in der Schmeichelei seiner Freunde. Er legte einen Arm um meine Taille und sah mich mit tiefen Gefühlen an. „Genau. In meinen Augen kommt niemand an Ivy heran.“

Mir wurde die Luft zu knapp. Ich schob eine Ausrede vor und ging zur Toilette.

Ich stand lange vor dem Waschbecken, spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht und versuchte, dieses aufgeklebte Lächeln wegzuwaschen.

Als ich zum VIP-Raum zurückkam, hatte meine Hand den Türknauf kaum berührt, da ließ das laute Gelächter drinnen mein geschärftes Gehör jedes einzelne Wort deutlich verstehen.

„Ethan, ich konnte nicht fragen, solange Luna hier war, aber was ist das mit der Omega-Assistentin?“

„Ja, so wie das kleine Ding dich angeschaut hat ... sie wollte dich lebendig fressen.“

Ethans verächtliches Lachen driftete nach draußen, schwer vom Alkohol. „Nur zum Spaß. Fleisch, das dir direkt vor die Tür geliefert wird – da wärst du doch ein Idiot, wenn du nicht reinbeißt.“

„Hast du keine Angst, dass Luna es rausfindet?“

„Sie?“ Ethans Ton war abwinkend. „Sie ist ein Hohlkopf. Was weiß sie schon? Im Bett ist sie wie ein toter Fisch, todlangweilig. Nicht mal ansatzweise so wild wie Daisy.“

Direkt danach mischte sich Daisys zuckersüße Stimme hinein. „Ethan, du bist so gemein! Vorhin hast du vor Luna so ernst getan, ich wäre fast eifersüchtig geworden.“

„Sei ein braves Mädchen. Komm her, lass mich dich küssen. Mich vorhin zurückzuhalten hat mich umgebracht.“

Dann folgte das Rascheln von Stoff und schwere, atemlose Laute.

Im Raum brach Jubel aus, Pfiffe und anzügliche Rufe.

„Mondgöttin im Himmel, Ethan ist eine Legende! Direkt vor unseren Augen fummeln?“

„Los, los, Wahrheit oder Pflicht! Ethan, sag’s uns: Magst du lieber die heilige Göttin zu Hause oder das kleine wilde Kätzchen in deinen Armen?“

Ethans Stimme klang gedämpft, als würde sein Gesicht in der Brust der Frau stecken. „Eine Göttin stellt man auf ein Podest und betet sie an. Aber im Bett ... bevorzuge ich eine Schlampe.“

Boom.

Das Gelächter, das daraufhin aus dem Raum explodierte, fühlte sich an wie eine Reihe von Ohrfeigen.

Es stellte sich heraus, dass ich in den Augen seiner Freunde nur ein „Hohlkopf“ war – Schmuck fürs Auge. Eine Witzfigur, die man im Dunkeln hielt.

Meine Hand löste sich langsam vom Türknauf. Ich stürmte nicht mit gerechtem Zorn hinein. Ich verwandelte mich nicht und brüllte nicht.

Ich drehte mich um und ging zum Balkon am Ende des Flurs.

Der schneidende Nachtwind trocknete die Feuchtigkeit in meinen Augenwinkeln.

Genau in diesem Moment vibrierte das Handy in meiner Tasche.

Eine unbekannte Nummer.

„Guten Abend, spreche ich mit Frau Aurora?“

Die Stimme am anderen Ende war formell, männlich und geradezu penibel professionell.

„Am Apparat.“

„Frau Aurora, ich bin der menschliche Anwalt, der Ihre Abkopplung von Rudelangelegenheiten betreut. Sämtliche Aufhebungs- und Kündigungsprozesse, die Sie mir anvertraut haben, sind abgeschlossen.“

„Die Rudelimmobilien auf Ihren Namen, die Luxusfahrzeuge sowie die Familienstiftungsfonds wurden liquidiert und auf ein vertrauliches Schweizer Bankkonto übertragen. Ihre Identitätsdaten im Werwolf-Register werden in zwei Wochen offiziell gelöscht.“

„Außerdem ist das Ticket für den Privatjet in die Neutralen Territorien ausgestellt. Der Abflug ist für den frühen Morgen angesetzt – exakt in einer Woche.“

„Müssen Sie außer Ihrem Einzelgänger-Pass noch weitere Ausweisdokumente mitführen?“

„Nein. Der Pass reicht.“

Kaum hatte ich aufgelegt, hörte ich Schritte hinter mir.

„Ivy, warum warst du so lange weg? Wozu brauchst du einen Pass?“ Ethan trat zu mir, stank nach Alkohol und schlang die Arme von hinten um mich.

Ich steckte das Handy ruhig weg, schluckte die Übelkeit herunter und stieß ihn nicht von mir. „Nichts. Eine Freundin hat ihren Pass verloren. Ich habe nur gefragt, wie sie ihn ersetzen kann.“
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