LOGINDer Herbst legte sich wie eine warme, goldene Decke über das Tal der Efeu. Die Blätter der alten Olivenbäume schimmerten silbrig im Wind, die Luft war erfüllt vom süßen Duft reifer Feigen und trocknender Kräuter. Die Sonne schien noch warm, doch die Abende wurden bereits kühl und klar. Es fühlte sich an, als wollte das Tal ihnen eine letzte, kostbare Zeit schenken, bevor die Entscheidung über ihre Zukunft fallen musste. Marcus und Livia hatten stillschweigend beschlossen, die Antwort aus Rom noch etwas warten zu lassen. Nicht aus Feigheit, sondern aus Liebe. Sie wollten ihrer Tochter noch ein paar unbeschwerte Wochen geben. Valeria Aurelia Luna genoss diese Zeit mit jeder Faser ihres kleinen Körpers. Jeden Morgen rannte sie barfuß über die taufeuchte Wiese, sammelte bunte Blätter und „sprechende“ Steine, wie sie sie nannte. Ihre Magie war inzwischen so fein geworden, dass sie kleine Dinge schweben lassen konnte, ohne sich dabei anzustrengen. Manchmal ließ sie purpurne Schmetterli
Die windschiefe Hütte hoch in den Bergen bot nur vorübergehenden Schutz. Der Winter nahte bereits zum zweiten Mal, und Marcus wusste, dass sie nicht noch einen weiteren harten Winter hier oben überstehen konnten – nicht mit einem vierjährigen Kind, das langsam größer und kräftiger wurde, aber auch immer mehr Fragen stellte.Eines Abends, nachdem Valeria eingeschlafen war, saßen Marcus und Livia lange vor dem kleinen Feuer.„Ich kann so nicht mehr weitermachen“, sagte Livia leise. Ihre Stimme war erschöpft, aber entschlossen. „Nicht für sie. Sie verdient mehr als ständige Flucht und Angst.“Marcus starrte in die Flammen. „Ich weiß. Aber wenn wir uns stellen…“„Wir stellen uns nicht“, unterbrach Livia ihn. „Aber wir können jemanden schicken. Jemanden, dem wir vertrauen.“Marcus sah sie an. „Lucius.“Livia nickte. „Er hat uns schon einmal geholfen. Wenn jemand Einfluss im Senat hat und gleichzeitig Verständnis für uns, dann er. Vielleicht kann er eine Art Abmachung erreichen. Eine Amnest
Die Nacht war erbarmungslos.Marcus trug Valeria auf dem Arm, während sie tiefer in die dunklen Berge flohen. Das kleine Mädchen hatte aufgehört zu weinen, aber ihr kleiner Körper zitterte noch immer. Livia lief neben ihnen, die Hand fest mit Marcus’ verschränkt, das blaue Feuer des Mars schwach um ihre verletzte Schulter glimmend.Keiner von ihnen sprach. Das einzige Geräusch war ihr schwerer Atem und das Knirschen von Steinen unter ihren Füßen.Erst als der Morgen graute und sie eine kleine, geschützte Mulde unter einem überhängenden Felsen fanden, hielten sie an. Marcus setzte Valeria vorsichtig ab und untersuchte sie von Kopf bis Fuß. Keine Verletzungen. Nur Erschöpfung und Angst.Livia sank auf die Knie und zog ihre Tochter in die Arme.„Es tut mir leid, mein Schatz“, flüsterte sie mit gebrochener Stimme. „Es tut mir so leid, dass du das erleben musstest.“Valeria vergrub ihr Gesicht am Hals ihrer Mutter. „Ich wollte nicht böse sein… ich wollte nur, dass die Männer weggehen.“Mar
Der Sommer erreichte seinen Höhepunkt. Die Luft war schwer von Honigduft und reifen Früchten, die Tage lang und golden.Valeria Aurelia Luna war in den letzten Wochen noch selbstbewusster geworden. Sie konnte inzwischen kleine Schutzzauber weben, die mehrere Stunden hielten, und ihre purpurnen Lichtkugeln tanzten nicht mehr chaotisch, sondern folgten ihren Gedanken mit eleganter Präzision.An diesem Nachmittag übte sie auf der großen Wiese. Marcus stand etwas abseits und beobachtete sie stolz, während Livia im Schatten saß und Kräuter sortierte.„Sieh her, Papa!“, rief Valeria. Sie streckte beide Hände aus. Eine große purpurne Kuppel entstand um sie herum, stabil und klar. Darin tanzten goldene Funken – eine perfekte Mischung aus der Magie ihrer Eltern.„Unglaublich“, murmelte Marcus. „Sie wird stärker als wir beide zusammen.“Livia lächelte, doch ein leises Unbehagen blieb. „Sie ist noch ein Kind. Wir dürfen sie nicht zu früh zu stark fordern.“Plötzlich erstarrte Valeria. Die Kuppel
Der Sommer brach mit voller Kraft über das Tal der Efeu herein. Die Sonne stand hoch und warm am Himmel, die Luft war erfüllt vom Summen der Bienen und dem Duft reifer Kräuter. Die Olivenbäume trugen kleine, harte Früchte, die im Herbst zu Öl werden würden, und der Bach führte kühles, erfrischendes Wasser. Das Tal schien zu atmen – lebendig, üppig und gnädig. Valeria Aurelia Luna war jetzt vier Jahre und drei Monate alt. Sie war kein kleines Mädchen mehr, das nur spielte. Sie war eine kleine Persönlichkeit mit starkem Willen, schneller Auffassungsgabe und einer Magie, die von Woche zu Woche reifer und kontrollierter wurde. An einem besonders heißen Nachmittag saß die Familie am Ufer des Teichs. Valeria stand bis zu den Knien im Wasser und konzentrierte sich. Ihre kleinen Hände waren ausgestreckt. Langsam formte sie aus purpurnem Licht eine schwebende Kugel, dann zwei, dann drei. Mit einer sanften Bewegung ließ sie die Kugeln um sich kreisen wie leuchtende Planeten. „Guck mal, Pap
Der Winter war lang und hart gewesen, doch als der Frühling endlich kam, tat er es mit einer solchen Pracht, dass es sich anfühlte wie ein Geschenk der Götter selbst. Das Tal der Efeu explodierte förmlich in Farben. Die wilden Blumen blühten in leuchtendem Gelb, Rosa und Violett, die Olivenbäume trugen zarte neue Blätter, und der Bach führte wieder frisches, klares Schmelzwasser. Die Luft roch nach Leben, nach Hoffnung und nach Neuanfang. Valeria Aurelia Luna war jetzt vier Jahre alt. Sie war kein Kleinkind mehr. Sie war ein aufgewecktes, mutiges Mädchen mit langen, wilden schwarzen Locken, die ihr bis zur Mitte des Rückens reichten, und Augen, die je nach Stimmung zwischen strahlendem Gold und tiefem Blau wechselten. Ihre Magie hatte sich in diesem Winter stark entwickelt – nicht wild und unkontrolliert wie früher, sondern bewusster, feiner, fast spielerisch. An einem warmen Frühlingstag saß die Familie auf der blühenden Wiese vor der Hütte. Valeria stand konzentriert da, die kl
Der Winter kam nicht leise ins Tal der Efeu. Er kam mit voller Wucht. Es begann am späten Nachmittag. Der Himmel, der noch Stunden zuvor klar und blau gewesen war, verdunkelte sich plötzlich zu einem bedrohlichen Grau. Der Wind frischte auf, erst als leises Heulen, dann als tiefes, zorniges Brülle
Der Herbst im Tal der Efeu wurde kühler und farbenprächtiger. Die Blätter der wilden Bäume leuchteten in Gold und Rot, und morgens lag bereits ein feiner Raureif auf dem Gras. Marcus wusste, dass sie sich ernsthaft auf den Winter vorbereiten mussten. In diesen Höhen konnte es bitterkalt werden, und
Der Herbst ging langsam in einen milden Winter über, doch im Tal der Efeu schien die Zeit sanfter zu vergehen. Die Blätter der Olivenbäume färbten sich silbrig, morgens lag Raureif auf dem Gras, und der Bach trug kühles, kristallklares Wasser. Die kleine Hütte war inzwischen richtig heimelig gewor
Die Wochen im verborgenen Tal der Efeu wurden zu einer kostbaren, goldenen Zeit. Es fühlte sich an, als hätte das Tal selbst beschlossen, sie eine Weile zu beschützen. Die Sonne schien milder, der Wind war sanfter, und selbst die wilden Tiere hielten respektvollen Abstand. Valeria Aurelia Luna blü







