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Kapitel 4

Author: Rosalie
Ich erstarrte. Im nächsten Moment riss ich die Augen weit auf. „Baby?!“

Er schien noch überraschter als ich. „Wussten Sie das nicht? Sie sind im dritten Monat schwanger.“

Ich wusste es nicht.

In diesem Moment konnte ich meine Gefühle kaum beschreiben. Es fühlte sich an, als würde das Schicksal einen grausamen Scherz mit mir treiben.

Wie betäubt ging ich Richtung Ausgang. Plötzlich blieb ich wie angewurzelt stehen – denn ich sah, wie Viktor Nina stützte und auf mich zukam.

Hastig versteckte ich mich um die Ecke des Korridors, in Todesangst, entdeckt zu werden.

„Was sollen wir nur mit diesem Kind anfangen, Schatz?“ Ninas Stimme klang klagend und weinerlich.

Viktor antwortete nicht. Er stützte sie nur und ging weiter Richtung Krankenzimmer.

Nina blieb abrupt stehen. Ihre Stimme brach. „Willst du es etwa nicht? Dann … dann kann ich es abtreiben lassen!“

Sie drehte sich um und wollte wegrennen. Viktor reagierte blitzschnell, hielt sie auf und zog sie fest in seine Arme.

„Ich will es.“

„Ich will dieses Kind.“

Seine Stimme war leise.

„Nur kommt es zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Du wirst es heimlich zur Welt bringen müssen. Als Entschädigung erfülle ich dir einen Wunsch. Egal was.“

Nina sah ihn mit tränennassen Augen an. „Gut. Dann will ich, dass du mich heiratest. Und sei es nur eine kleine Zeremonie – ich will deine Frau werden.“

Viktor schwieg einen Moment. Schließlich nickte er. „Gut. Ich verspreche es dir. In sieben Tagen bekommst du die prächtigste Hochzeit der Welt. Aber das muss unser Geheimnis bleiben. Verstanden?“

Hand in Hand gingen die beiden zum Krankenzimmer. Ich blieb allein in der Ecke zurück, die Hand auf den Mund gepresst, während mir stumm die Tränen übers Gesicht liefen.

Zitternd kehrte ich in mein Zimmer zurück. Der Mann, der mich gerettet hatte, war immer noch da.

Erst jetzt fiel mir ein, dass ich mich bedanken sollte. Als Dank bot ich ihm Viktors Karte ohne Limit an.

Doch er schob sie zurück. „Ich brauche kein Geld. Trotzdem danke.“

Mit diesen Worten ging er. An der Tür drehte er sich noch einmal um und drückte mir eine Visitenkarte in die Hand. Dann verschwand er.

Verwundert blickte ich auf die Karte. Darauf stand nur ein Name: [Leon Schwarz]

Irgendwie kam mir der Name bekannt vor, aber ich dachte nicht weiter darüber nach. Im Moment gab es Wichtigeres.

Ich wollte sofort das Krankenhaus verlassen, doch der Arzt bestand darauf, dass ich blieb. Also verbrachte ich noch ein paar Tage dort.

In dieser Zeit schickten mir Freunde viele Genesungswünsche. Sie organisierten sogar einen gemeinsamen Besuch. Meine Eltern waren so besorgt, dass sie am liebsten sofort hergeflogen wären.

Nur mein Ehemann – in unserem Chat stand lediglich eine einzige, kalte Nachricht:

[Bin auf Geschäftsreise. Bei Fragen wende dich an David.]

Er war tatsächlich nicht im Clan. Er war auf einer kleinen Insel und bereitete dort seine Hochzeit mit Nina vor.

Ich musste zugeben, er war clever. Eine abgelegene Insel als Ort zu wählen.

Ohne seine Erlaubnis kam dort niemand hin. Auch ich nicht.

Und wir waren uns seltsam einig – beide hatten wir den Hochzeitstermin auf denselben Tag gelegt: in sieben Tagen.

Vielleicht weil Sieben seine Glückszahl war. Früher trug er immer einen Anhänger mit einer Sieben um den Hals. Ein Erbstück seiner verstorbenen Mutter. Auf der Rückseite war „LUCKY“ eingraviert.

An unserem Hochzeitstag hatte er mir diese Kette geschenkt. „Meine eigene Sicherheit bedeutet mir wenig. Ich will, dass er über dich wacht.“

Es gab keine schöneren Liebesworte auf der Welt.

Bei dem Gedanken wurden meine Augen wieder feucht. Meine Hand wanderte unwillkürlich zu der Kette an meinem Hals.

Doch als ich hinuntersah, erstarrte ich.

Die Gravur „LUCKY“ auf der Rückseite war verschwunden – die Kette war ausgetauscht worden!

Ich hatte eine Ahnung. Sofort griff ich zum Handy und scrollte durch die Chatverläufe, bis mein Blick auf einem Foto, das sie im Bett zeigte hängenblieb.

Auf Ninas nacktem, blassem Körper lag eine bronzefarbene Kette. Auf der Rückseite des Anhängers stand: LUCKY.

Also deshalb … Ich legte die Hand auf meinen Bauch und flüsterte dem Baby zu: „Kein Wunder, dass unser Glück uns verlassen hat.“

Eigentlich hatte ich noch gezögert, ob ich dieses Kind behalten sollte. Aber jetzt hatte ich meine Antwort.

Nicht nur Ninas Kind – auch meines kam zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn sein Vater würde es niemals lieben.

Mit diesem Entschluss klopfte ich an die Tür des Arztzimmers.

„Guten Tag. Ich möchte einen Termin für eine Abtreibung.“

Mir schien, ein passenderes Hochzeitsgeschenk als dieses könnte es auf der Welt nicht geben.
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