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Kapitel 3

Author: Rosalie
Als sein Vertrauter mich sah, zitterte seine Stimme heftig. Doch Viktor bemerkte nichts Ungewöhnliches und sagte ungeduldig: „Genehmige alles. Unterschreib du für mich.“

„Das geht nicht, Schatz.“ Ich nahm ihm die Dokumente aus der Hand. „Das musst du schon selbst unterschreiben.“

Er stutzte kurz, dachte aber nicht weiter darüber nach. Er griff zum Stift und unterschrieb ein Blatt nach dem anderen, ohne auch nur hinzusehen.

Erst als er die Scheidungsvereinbarung umblätterte, atmete ich erleichtert auf.

Sein Vertrauter ging mit den Dokumenten. Viktor konnte es kaum erwarten, mich aufs Bett zu drücken und meinen Hals mit Küssen zu bedecken.

Doch ich schob ihn weg, richtete beiläufig meinen Kragen und sagte leise: „Ich bin heute Abend etwas müde. Ein andermal.“

In Viktors Augen blitzte Ärger auf, aber er sagte nichts.

Kurz nachdem ich gegangen war, fuhr auch er wieder weg.

Dreißig Minuten später kam pünktlich eine Nachricht von Nina.

[Luna, du bist echt nutzlos. Kannst nicht mal deinen Mann halten.]

[Aber er sieht dich eh nicht als Ehefrau. Warum nennt er sonst immer mich „Schatz“?]

Ich schloss ruhig den Chat und buchte einen Flug nach Aresien in sieben Tagen.

Aresien war meine Heimat.

Was die Familie anging, stand ich Viktor in nichts nach. Als ich ihn damals heiratete, waren meine Eltern strikt dagegen.

Weil er der Don war und sich viele Feinde gemacht hatte, fürchteten sie um meine Sicherheit.

Doch ich war jung und dumm. Ich kniete vor meinen Eltern und flehte:

„Lasst mich diese Wette eingehen! Viktor liebt mich wirklich. Er wird mich nicht verlieren lassen!“

Meine Eltern sahen mich voller Enttäuschung an. Danach sperrten sie nicht nur alle meine Karten, sondern riefen mich drei Jahre lang kein einziges Mal an.

Ich war lange Zeit zutiefst verletzt. Jedes Weihnachten, wenn meine Nachrichten unbeantwortet blieben, weinte ich mir die Augen aus.

Damals hielt Viktor mich fest im Arm und sagte sanft: „Macht nichts. Meine Liebe reicht dir doch.“

Aber genau dieser Mann hatte mich verraten. Und ich hatte meine Wette verloren.

Also wurde es Zeit, nach Hause zu gehen.

Mit zitternden Händen schickte ich meinen Eltern einen Screenshot des Flugtickets und schluchzte: „Mama, Papa, Viktor will mich nicht mehr. Wollt ihr mich noch?“

Ich hatte keine großen Hoffnungen. Schließlich hatten meine Eltern längst jede Hoffnung in mich verloren.

Doch keine Minute nach dem Absenden kam Mamas Antwort.

„Komm nach Hause. Wir vermissen dich beide sehr.“

Der ganze aufgestaute Druck brach in diesem Moment zusammen. Ich drückte das Handy an mich und weinte hemmungslos.

In dieser Nacht weinte ich so lange, dass meine Augen am nächsten Morgen völlig verschwollen waren und meine Stimme völlig heiser war.

Als Viktor mich sah, stutzte er. „Was ist mit dir passiert?“

Ich schüttelte den Kopf. „Nichts.“

Er fragte nicht weiter. Früher hätte er sofort das Personal zusammengeholt und ausgefragt, was los sei.

Doch jetzt stieg er nur kühl ins Auto. Wahrscheinlich war er immer noch sauer, weil ich ihn letzte Nacht abgewiesen hatte.

Wir saßen schweigend auf der Rückbank, wie zwei Fremde, während wir zum Einkaufszentrum fuhren.

Plötzlich klingelte sein Handy. Ich sah den Kontaktnamen: [Schwesterchen]

Er rückte zum Fenster und dämpfte seine Stimme. „Was gibt’s?“

Nach nur wenigen Sätzen klopfte er dem Fahrer auf die Schulter. „Wenden! Zum Krankenhaus!“

Der Fahrer zögerte und warf mir instinktiv einen Blick zu. „Aber was ist mit der gnädigen Frau? Draußen ist es eiskalt, sie …“

Viktors Geduld war am Ende.

„Du hast hier nichts zu sagen!“

Dann wandte er sich mir zu. „Luna, im Clan ist etwas Dringendes passiert. Ich muss zurück.“

„Nimm dir ein Taxi zum Shoppen. Hier ist eine Karte ohne Limit. Kauf, was du willst.“

Damit öffnete er die Autotür und hieß mich aussteigen.

Ich lächelte und stieg brav aus. Ich sah zu, wie der Wagen davonraste.

Der Fahrer hatte recht gehabt. Draußen war es bitterkalt, und ich hatte nicht mal meinen Mantel mitnehmen können, bevor ich rausgeworfen wurde.

Das Einkaufszentrum war noch drei Kilometer entfernt. Der Schnee reichte mir bis zu den Waden.

Bei diesem Wetter war kein Taxi zu bekommen. Also stapfte ich Schritt für Schritt Richtung Einkaufszentrum. Doch nur wenige Meter vor dem Ziel versagten mir die Beine, und ich brach im Schnee zusammen.

In meinem benommenen Zustand sah ich schemenhaft einen Mann in schwarzem Mantel auf mich zustürzen. „Entschuldigung, geht es Ihnen? …“

Als ich wieder aufwachte, saß er an meinem Bett. „Sie sind endlich wach.“

„Sie haben mich zu Tode erschreckt. Der Arzt meinte, wären wir nur ein bisschen später dran gewesen, hätte es für Sie und das Baby gefährlich werden können.“
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