LOGIN„Weil du mir ganz offensichtlich nicht zuhörst, wenn ich mit dir rede und dir sage, dass es nicht um dich geht … du kommst hier rein und tust so, als ob …“
„Ach du meine Güte.“ Olivia drehte sich weg und schritt einmal im makellosen Wohnzimmer auf und ab. Ihre Absätze klackten scharf auf dem Parkettboden. „Nicht um mich? Im Ernst? Ich will doch nur, dass du einfach auftauchst“, sagte sie und wirbelte zu ihm herum. „Das ist alles. Keine Versprechungen. Keine Fünfjahrespläne. Einfach … auftauchen. Warum ist das so schwer für dich?“
„Ich tauche doch auf.“
„Wenn es dir passt.“
„Das ist nicht fair.“
„Hör auf damit!“ Ihre Stimme wurde lauter und brach leicht. „So fühle ich mich, Jack, und ich versuche, es dir klarzumachen. Du hast nicht das Recht zu entscheiden, was für mich fair ist.“
Er starrte sie an, als wäre sie ihm fremd.
„Du weißt, wir haben schon oft miteinander geredet, aber du hast dich nie beschwert … Früher klang es so.“
Er hatte irgendwie recht. Sie hatten schon oft miteinander gesprochen, aber sie hatte immer versucht, es eher zu einem Gespräch als zu einem heftigen Streit wie diesem zu machen. Sie dachte, er würde ihr zuhören, wenn sie langsamer und ruhiger redete, genau wie er. Aber ihre Gefühle zu unterdrücken und alles in sich hineinzufressen, brachte sie offensichtlich nicht weiter.
„Vielleicht hätte ich es tun sollen“, erwiderte sie.
Das brachte ihn zum Schweigen. Die Luft veränderte sich. Etwas Unangenehmes war an die Oberfläche gekommen. Er sprach jetzt vorsichtiger. „Geht es nur um letzte Nacht?“
Nur? Spielte er etwa mit ihr? „Ja. Und die Nacht davor. Und die Woche davor.“
Er schüttelte langsam den Kopf. „Du übertreibst.“
Und da war es. Etwas in ihr zerbrach. „Tue ich das?“, fragte sie. „Weil ich mich langsam frage, ob ich die Einzige in dieser Beziehung bin.“
Sein Gesicht verhärtete sich. „Das ist lächerlich. Was ist nur in dich gefahren?“
„Verdammt nochmal, dass du mich so was fragst!“, sagte sie mit zitternder Stimme, Wut vermischte sich mit Verletztheit. „Wann hast du das letzte Mal etwas für mich getan, ohne dass ich dich darum gebeten habe? Wann hast du dir das letzte Mal Zeit für mich genommen … ohne Arbeit, ohne Ablenkung? Nur ich. Wetten, du kannst dich nicht erinnern?“
„Das stimmt nicht.“
„Doch.“
Er antwortete nicht. Denn es stimmte. Die Stille wurde immer bedrückender, und schließlich sagte er leise: „Was willst du von mir, Liv?“
Die Frage hätte nicht so anstrengend klingen sollen, tat sie aber, und Olivia schluckte. „Ich möchte mich begehrt fühlen.“
Das Geständnis hing zerbrechlich zwischen ihnen. Jacks Gesichtsausdruck flackerte auf – Schuldgefühle? Frustration? –, dann nahm er wieder seine Fassung an. „Du wirst begehrt“, sagte er.
„Dann hör auf, mir das Gefühl zu geben, du wärst überflüssig.“
Eine kurze Pause. Er sah auf seine Uhr. Er sah tatsächlich auf seine Uhr, und ihr Herz zog sich zusammen.
„Du musst irgendwo hin“, sagte sie emotionslos.
„Ich hab’s dir doch gesagt, ich muss morgen früh los.“
„Na klar.“
Sie griff nach ihrer Tasche auf dem Konsolentisch.
„Olivia –“
„Nein.“ Sie hob beschwichtigend die Hand. „Versprich mir nicht noch mehr. Ich brauche keine Beschwichtigungen. Ich will Taten sehen, und solange du die nicht zeigst, lass mich gefälligst in Ruhe.“
Sie ging zur Tür.
„Liv, stürm nicht einfach raus.“
„Ich stürme nicht raus. Ich gehe.“
Sie öffnete die Tür.
„Warte?“, sagte er, und endlich schlich sich Anspannung in seine Stimme. „Wird alles gut?“
Sie hielt inne. Waren sie es? „Ich weiß es nicht“, sagte sie ehrlich. „Aber ich kann mich so nicht weiter fühlen.“
Dann trat sie hinaus in den Flur, die Tür schloss sich mit einem leisen, letzten Klicken hinter ihr.
__________
Als Olivia am nächsten Tag ihre Wohnung betrat, schaute sie nicht auf ihr Handy.
Sie warf ihre Handtasche auf den schmalen Konsolentisch neben der Tür, streifte ihre High Heels mit weniger Eleganz als sonst ab und stand einen Moment in der gedämpften Stille.
Stille empfing sie. Keine verpassten Anrufe. Keine Entschuldigungs-SMS. Kein „Wie war die Arbeit heute?“. Kein „Bist du gut zu Hause?“. Ihre Brust schnürte sich zusammen. Es waren fast 24 Stunden vergangen, seit sie Jacks Wohnung verlassen hatte. 24 Stunden, seit sie gesagt hatte, dass sie sich so nicht weiter fühlen konnte. Und er hatte nicht angerufen. Nicht ein einziges Mal.
Sie schluckte den schweren Schmerz in ihrem Hals hinunter und zog schließlich ihr Handy aus der Manteltasche. Der Bildschirm leuchtete auf, hoffnungsvoll und anklagend zugleich.
Nichts. Ihr Magen zog sich zusammen.
Zwei Jahre. Zwei Jahre hatten sie zusammen verbracht … Aber es war nicht immer so gewesen. Am Anfang hatte er sie mit Blumen im Büro überrascht. Einmal hatte er Meetings abgesagt, um spontan mit ihr ein Wochenende zu verbringen. Einmal hatte er sie angesehen, als wäre sie das Einzige im Raum. Aber im letzten Jahr … sie konnte nicht genau sagen, wann es sich verändert hatte. Nur, dass es sich verändert hatte. Langsam. Leise. Wie etwas Kostbares, das unbemerkt verblasste, bis es zu spät war.
Sie sank auf die Sofakante und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Vielleicht hatte sie überreagiert. Vielleicht sollte sie ihn anrufen. Vielleicht …
Nein. Sie hatte genug versucht, ihm zu helfen und Verständnis zu zeigen. Die Schwere in ihrer Brust wurde stärker. Darüber nachzudenken half nicht. Im Gegenteil, es gab ihr das Gefühl, klein zu sein. Wegwerfbar … Und sie war müde.
Diese Art von Müdigkeit, die einem nach einem langen Tag voller Lächeln für Kunden und dem Versuch, so zu tun, als würde das Privatleben nicht Stück für Stück auseinanderfallen, bis in die Knochen kroch. Sie brauchte Lärm. Lachen. Ablenkung. Bevor sie es sich anders überlegen konnte, scrollte sie zu Isabellas Namen und drückte auf Anrufen.
Es klingelte einmal. „Liv!“, meldete sich Isabella fröhlich und sofort. „Ich wollte dich gerade anrufen.“
Olivia blinzelte überrascht. „Echt?“
„Ja! Ich habe gerade mit Tess aufgelegt. Ich wollte dich als Nächstes anrufen.“
Ein Lächeln huschte über Olivias Lippen. „Das ist ja ein bisschen beängstigend. Seid ihr jetzt beide hellseherisch?“
„Ach, bitte. Wenn ich hellseherisch wäre, hätte ich 2012 Bitcoin gekauft“, konterte Isabella. „Alles okay bei dir?“
Olivia zögerte. Die einfache Frage brachte sie fast aus dem Konzept. „Mir geht’s… gut“, log sie und starrte auf den leeren Fernsehbildschirm gegenüber. „Einfach nur müde.“ Isabella summte nachdenklich – so ein Summen, das verriet, dass sie das keine Sekunde glaubte. „Gut. Dann kommt das ja wie gerufen.“
„Wofür?“
„Für Drinks. Na klar.“ Olivias Mundwinkel zuckten unwillkürlich. „Klar.“
„Es gibt da diesen neuen Laden, den Tess entdeckt hat –“ Isabella machte eine dramatische Pause, „– reagiere nicht, ich weiß, ich weiß – aber anscheinend ist er echt gut. Er heißt The Velvet Hour. Gedämpftes Licht, starke Cocktails, fragwürdige Lebensentscheidungen werden gern gesehen.“
Das entlockte ihr ein lautes Lachen. „Fragwürdige Lebensentscheidungen?“, wiederholte Olivia.
„Genau das, was wir brauchen. Tess ist dabei. Du auch?“ Olivia lehnte sich in die Kissen zurück und starrte an die Decke. Eine Bar. Musik. Ihre Freundinnen. Keine Gedanken. Kein Jack. Keine beinahe-Küsse in pinken Badezimmern oder Küchen. Nur Lärm.
Die zwei Wochen des turbulenten Treibens waren ein einziger Rausch aus hektischen Anrufen, Vorbereitungen und vorrangigen Verträgen gewesen, weil Derek nicht warten wollte – besonders da Olivia schwanger war –, doch als sich die schweren Eichentüren der Kapelle öffneten, versank die Welt in atemloser Stille.Olivia stand an der Schwelle, während ihre Hand leicht zitterte, als sie auf dem Arm ihres Vaters ruhte. Sie sah aus wie eine Erscheinung aus einer anderen Epoche. Ihr Kleid war eine bodenlange Empire-Kreation aus hauchzartem Seidenchiffon und Chantilly-Spitze. Das Mieder bestach durch einen tiefen V-Ausschnitt, der von zarten, schulterfreien Spitzenärmeln eingerahmt wurde, die wie Schmetterlingsflügel flatterten. Von der hohen Taille aus flossen Lagen aus plissierter Seide nach unten und ermöglichten ihr eine schwerelose, fließende Eleganz. Ihr Haar war zu einer lockeren, romantischen Hochsteckfrisur gesteckt, gehalten von einem einfachen Schleier, der wie ein Nebel hinter ihr he
Olivia schüttelte den Kopf, während sich endlich eine einzelne Träne löste und ihre Wange hinabrollte. „Ich wollte es dir sagen. Mehr als alles andere. Als ich diese Streifen sah, war ich so glücklich, dass ich kaum atmen konnte. Aber dann … dann begann ich darüber nachzudenken, was das für uns bedeutet. Für dich.“ Sie versuchte wegzusehen, aber er hielt ihren Blick fest und erlaubte ihr nicht, sich zu verstecken. „Wir haben das Gespräch übers Zusammenziehen noch nicht einmal geklärt, Derek. Und jetzt das. Ein Baby ist für immer. Es ist die ultimative Verantwortung. Ich wusste nicht, ob du …“ Sie ließ den Satz unvollendet.„Ob ich was, Liv?“, war Dereks Stimme nun sanfter, erfüllt von einer schmerzlichen Zärtlichkeit, die sie so an ihm noch nie erlebt hatte.„Ich wusste nicht, ob du es wollen würdest … Ob du dich darüber freuen würdest“, gestand sie mit brüchiger Stimme. „Ich weiß, dass wir in letzter Zeit leichtsinnig waren, aber ich wusste nicht, ob du auf so ein Ergebnis vorbereite
Die Luft im Loft war kühl und roch nach teurem Bourbon sowie den regennassen Straßen draußen. Derek stand an der Bar; die bernsteinfarbene Flüssigkeit fing das Licht ein, während er sich einschenkte. Als die Tür leise ins Schloss fiel, blickte er auf, und sein gesamtes Gesicht entspannte sich – dieses plötzliche, unbewachte Strahlen, das er immer bekam, wenn er sie sah, und das Olivia stets den Atem raubte.„Filmabend schon vorbei?“, fragte er mit warmer Stimme. Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging um die Bar herum, um ihr entgegenzugehen. „Ich dachte, du übernachtest bei Isabella. Ich hatte mich mental schon auf ein kaltes Bett eingestellt.“Olivia ließ ihre Tasche mit einem dumpfen Knall auf den Tisch fallen. Sie trat in seinen Nähe und beugte sich hoch, um ihm einen Kuss auf die Wange zu drücken. Seine Haut war warm und roch nach Zedernholz und dem Drink, den er gerade eingeschenkt hatte. „Dachte ich auch, aber ich war müde, also bin ich nach Hause gekommen.“„Hmmm“, seu
Olivia stieß einen Atemzug aus, den sie gefühlt ihr ganzes Leben lang angehalten hatte. Ein kleines, zittriges Lachen entkam ihren Lippen, und sie drückte eine Hand auf ihren noch flachen Bauch. Ein Baby. Ein winziges Leben – halb Derek, halb Olivia – begann in ihrem Inneren Gestalt anzunehmen.Trotz allem spülte eine warme, goldene Welle des Glücks durch sie hindurch. Das hatte sie sich schon immer gewünscht: eine echte Familie, ein Zuhause voller Liebe, so wie sie es in den Augen ihrer Eltern gesehen hatte. Doch als das erste Strahlen zu verblassen begann, trat an dessen Stelle ein kaltes Prickeln der Angst.Derek.Sie lehnte sich gegen das Waschbecken und starrte ihr Spiegelbild an. Sie hatten den Streit ums „Zusammenziehen“ gerade so überstanden. Er hatte das Thema nicht einmal mehr angesprochen, besonders weil sie immer mehr Zeit bei ihm verbrachte, und obwohl sie wusste, dass er sie mit einer beängstigenden Intensität liebte, war ein Baby … viel. Es war die ultimative Verpflicht
Nach einer kurzen, heißen Dusche, um den Staub des Arbeitstages abzuwaschen, kam er abgetrocknet aus dem Bad. Er machte sich nicht einmal die Mühe, einen Bademantel anzuziehen. Er glitt ins Bett, wo die kühlen Laken schnell warm wurden, als er sich ihr näherte. Er hob die Bettdecke an, schob seinen Körper an ihren und zog ihren Rücken fest an seine Brust. Seine Hände fanden die vertraute, umwerfende Wölbung ihrer Taille und verankerten sie an sich.Olivia bewegte sich daraufhin, da die Hitze seines Körpers wie ein stummer Alarm wirkte. Sie drehte sich leicht, ihre Stimme schwer vom Samtschleier des Schlafs. „Derek …“, stöhnte sie und wandte den Kopf ein Stück zur Seite. „Du bist zu Hause.“Als er sie sein Zuhause so nennen hörte, tat das etwas mit seiner Seele – es war genau das, was sie ihm noch vor Tagen verweigert hatte, und es jetzt zu hören, fühlte sich wie eine Krönung an. Er verstärkte seinen Griff, während seine Nase die Beuge ihres Halses streifte und er den Duft ihrer Haut e
Er stieß wieder und wieder und wieder in sie hinein, dann langte er nach vorne, fand mit seinem Finger ihre Klit und versetzte ihr einen sanften Reiz, woraufhin er spürte, wie ihre Knie ein wenig nachgaben.„Das ist deine Bestrafung“, sagte er zu ihr, und sie stöhnte auf.Die perfekte Bestrafung. Der Tod durch Erfüllung. Sie schrie erneut auf, während er den sanften Druck auf ihrer Klit aufrechterhielt, und dann kam sie mit einem von Schmerz durchzogenen Schrei der Erlösung. Auch er kam; die Lust war so akut, dass sie sich beinahe schmerzhaft anfühlte, als der Orgasmus seinen Körper erschütterte. Dann brach er keuchend auf ihrem Rücken zusammen. —------------ Das Büro war immer noch von einer nachklingenden Hitze erfüllt, doch die wilde, raubtierhafte Energie hatte sich in eine schwere, angenehme Wärme verwandelt. Fünfzehn Minuten waren vergangen, und die schwere Eichentür blieb verschlossen, um den Rest der Welt auf Abstand zu halten.Derek saß wieder auf seinem Stuhl; sein Hemd war







