Share

5

last update publish date: 2026-07-23 21:16:02

Mein Gott… Das war falsch. Sie sollte nicht so fühlen oder denken, wenn ein anderer Mann sie berührte. Sie liebte Jack, oder? Warum fühlte sie dann so… so aufgeregt bei dem Gedanken an die Berührung eines anderen Mannes? Wann hatte sie sich das letzte Mal so erregt bei Jacks Berührung gefühlt?

„Spaß?“, fragte er leise und unterbrach ihre Gedanken. Seine Hand folgte den Konturen ihres Halses, und ihr Kopf sank fast wie von selbst in seine Handfläche zurück.

„Nicht so ein Spaß.“ Sie zitterte; Angst, Aufregung, alle möglichen Begierden, die den Wunsch, sich zu befreien, verdrängten.

„Du musst das genauer erklären, denn ich spreche von Sex, nicht mehr und nicht weniger.“

Sex. Schon allein das Wort ließ ihren Bauch vor der Heftigkeit ihres Verlangens zusammenziehen, als ihr Geständnis über ihre Lippen brach. „Und ich auch.“

 Seine Brauen zogen sich zu einem grimmigen V zusammen, seine Augen funkelten vor Überraschung, Ungläubigkeit, etwas mehr … doch dann verfinsterte sich ihr Blick, als er fragte: „Du hast Angst, es locker anzugehen?“

Sie schüttelte den Kopf. Wenn das doch nur ihr einziges Problem wäre! Warum zögerte sie, ihm zu sagen, dass sie einen Freund hatte? „Ich bin nicht gut darin.“

Sie betonte das „es“ und betete, es würde deutlich genug sein, während sich ihr Bauch vor Scham zusammenkrampfte. Warum sollte sie das zugeben?

Sein Gesichtsausdruck wurde weicher, eine seltsame Erleichterung blitzte auf. „Das glaube ich nicht.“

„Es ist die Wahrheit“, hauchte sie und hob trotzig das Kinn.

Sie musste ihn überzeugen, ihn zum Einlenken bewegen. Derek begriff es jedoch nicht; seine Absicht brannte in ihr, als er den Kopf senkte. Er würde sie küssen!

 Fast hätte sie sich vorgebeugt, in Erwartung seines Kusses, doch im letzten Moment hob sie die Hand. „Ich kann nicht“, sagte sie.

Er blieb stehen und unternahm keinen Versuch, sie aufzuhalten, als sie sich sofort zurückzog und aus der Küche verschwand.

Ein paar Sekunden später folgte er ihr. „Sieh mal …“, begann er.

Doch seine Schwester nutzte den Moment, um zu erwidern: „Ich nehme ihn“, sagte Isabella mit einem breiten Lächeln.

Olivia lächelte ihrer Freundin zu. „Perfekt“, erwiderte sie. „Dann fangen wir an.“

_________ Olivia stand volle dreißig Sekunden vor Jacks Wohnungstür, bevor sie klopfte.

Sie hörte Geräusche aus dem Inneren – Schubladen öffneten sich, das leise Summen eines Handys, das leise Gemurmel einer Stimme. Er war zu Hause. Gut. Keine Nachrichten mehr in letzter Minute. Kein „Mir ist etwas dazwischengekommen“.

Sie klopfte. Einen Moment später schwang die Tür auf.

Jack sah wie immer makellos aus – hellblaues Hemd, die Ärmel ordentlich bis zu den Unterarmen hochgekrempelt, das dunkle Haar mit chirurgischer Präzision frisiert. Er duftete dezent nach Zedernholz und etwas Frischem und Kostbarem. Er wirkte wie ein Mann, der noch nie einen Termin verpasst hatte.

„Liv“, sagte er leicht überrascht. „Ich dachte, wir gehen morgen essen?“

„Wir waren gestern essen … oder vor zwei Tagen?“, erwiderte sie ruhig und ging an ihm vorbei in die Wohnung, ohne auf eine Einladung zu warten. Seine Wohnung war wie immer blitzblank. Alles war perfekt angeordnet. Kissen akkurat platziert. Oberflächen glänzten. Es war wie in einem Ausstellungsraum.

Jack schloss langsam die Tür. „Ich habe dir geschrieben.“

„Um halb neun.“

„Ich hatte einen Kunden.“

„Du hast immer einen Kunden.“

Er atmete genervt durch die Nase aus. „Liv, bitte, du weißt doch, wie mein Job läuft.“

 „Und du weißt, wie das bei mir läuft“, konterte sie und drehte sich zu ihm um. „Nur dass ich es trotzdem schaffe, für uns da zu sein. Ich bin die Einzige, die für uns da ist.“

Das traf ihn. Sein Kiefer zuckte. „Warst du wirklich deswegen hier?“

„Ja.“ Sie war selbst überrascht, wie ruhig ihre Stimme klang. „Ich bin müde, Jack.“ Sie deutete vage zwischen ihnen hin und her. „Müde, mich immer wieder schick zu machen, nur um dann mit Essen zum Mitnehmen in meiner Wohnung zu sitzen, weil du ‚nicht wegkommst‘. Müde, meinen Terminkalender für Verabredungen umzuwerfen, die dann doch nicht stattfinden.“

Jack rieb sich mit der Hand übers Gesicht und verfiel bereits in einen ruhigen, rationalen Modus. Das war eine der Eigenschaften, die Olivia an ihm nicht mochte. Er war immer so … beherrscht. Als lebte er in seiner eigenen kleinen Blase, in der ihn nichts aus der Ruhe brachte, außer er ließ es zu. Das machte sie wahnsinnig.

 Für jemand anderen klang es egoistisch und vielleicht sogar verbittert, ihn zu verärgern, aber Jack hatte die Gabe, sie zu verletzen oder zu provozieren und dann gelassen zu reagieren, wenn sie wegen seines Verhaltens explodierte.

„Es ist nichts Persönliches“, sagte er. „Ich mache das nicht absichtlich.“

„Genau das ist das Problem.“

Er runzelte die Stirn. „Was soll das heißen?“

„Es bedeutet, dass ich mich unwichtig fühle.“ Die Worte waren ihr herausgerutscht, bevor sie sie abmildern konnte. „Mensch. Warum muss ich dir das erklären? Ich hasse es.“

Jack blinzelte verdutzt, schüttelte dann den Kopf und steckte die Hände in die Hosentaschen. „Das ist übertrieben, findest du nicht?“, fragte er.

Sie lachte kurz auf – scharf, humorlos. „Wirklich?“

 „Olivia, ich baue hier etwas auf. Für uns. Glaubst du, diese Beförderung dreht sich nur um mich? Es geht um Sicherheit. Stabilität. Eine Zukunft.“

„Und wann genau fängt diese Zukunft an?“, fragte sie eindringlich. „Denn im Moment fühle ich mich, als wäre ich zwischen Konferenzgesprächen eingeplant.“

„Das ist unfair.“

„Ist es das?“, rief sie fast. „Du sagst ständig ab. Wir haben kaum Zeit füreinander, weil du immer irgendwohin musst. Ich habe dir schon so oft gesagt, wie ich mich fühle … was ich mir wünsche. Ich will Romantik. Ich will Zeit mit meinem Freund verbringen. Ich will mit ihm ausgehen. Ich will spontane und überraschende Dates … Warum muss ich meinen Mann immer wieder darum bitten? Selbst wenn du es tust, fühlt es sich nicht richtig an, weil ich dich immer und immer wieder darum bitten musste.“

Stille breitete sich zwischen ihnen aus, angespannt und summend, bevor Jack sich leicht aufrichtete und seine Fassung wiedererlangte.  „Du weißt doch, dass ich nicht spontan bin.“

„Nein, bist du nicht“, stimmte sie traurig zu, ihre Stimme nun leiser. „Du bist berechenbar. Sicher.“

Das Wort hallte länger nach, als sie beabsichtigt hatte, und sein Blick verfinsterte sich. „Sicher?“

Sie zögerte, und aus irgendeinem Grund hallten Dereks Gesicht und seine Stimme in ihrem Kopf wider. Hitze stieg ihr in die Wangen – Wut auf sich selbst, nicht auf Jack. Warum zum Teufel dachte sie in so einem Moment an Derek?

„So habe ich das nicht gemeint.“

„Doch, hast du.“ Er trat näher. „Sicher im Vergleich zu was?“

„Im Vergleich zu gar nichts!“, fuhr sie ihn an, nun defensiv. „Warum muss bei dir immer alles in ein Gerichtsverhandlungs-Kreuzverhör ausarten?“

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • SCHLECHTER RUF   112

    Die zwei Wochen des turbulenten Treibens waren ein einziger Rausch aus hektischen Anrufen, Vorbereitungen und vorrangigen Verträgen gewesen, weil Derek nicht warten wollte – besonders da Olivia schwanger war –, doch als sich die schweren Eichentüren der Kapelle öffneten, versank die Welt in atemloser Stille.Olivia stand an der Schwelle, während ihre Hand leicht zitterte, als sie auf dem Arm ihres Vaters ruhte. Sie sah aus wie eine Erscheinung aus einer anderen Epoche. Ihr Kleid war eine bodenlange Empire-Kreation aus hauchzartem Seidenchiffon und Chantilly-Spitze. Das Mieder bestach durch einen tiefen V-Ausschnitt, der von zarten, schulterfreien Spitzenärmeln eingerahmt wurde, die wie Schmetterlingsflügel flatterten. Von der hohen Taille aus flossen Lagen aus plissierter Seide nach unten und ermöglichten ihr eine schwerelose, fließende Eleganz. Ihr Haar war zu einer lockeren, romantischen Hochsteckfrisur gesteckt, gehalten von einem einfachen Schleier, der wie ein Nebel hinter ihr he

  • SCHLECHTER RUF   111

    Olivia schüttelte den Kopf, während sich endlich eine einzelne Träne löste und ihre Wange hinabrollte. „Ich wollte es dir sagen. Mehr als alles andere. Als ich diese Streifen sah, war ich so glücklich, dass ich kaum atmen konnte. Aber dann … dann begann ich darüber nachzudenken, was das für uns bedeutet. Für dich.“ Sie versuchte wegzusehen, aber er hielt ihren Blick fest und erlaubte ihr nicht, sich zu verstecken. „Wir haben das Gespräch übers Zusammenziehen noch nicht einmal geklärt, Derek. Und jetzt das. Ein Baby ist für immer. Es ist die ultimative Verantwortung. Ich wusste nicht, ob du …“ Sie ließ den Satz unvollendet.„Ob ich was, Liv?“, war Dereks Stimme nun sanfter, erfüllt von einer schmerzlichen Zärtlichkeit, die sie so an ihm noch nie erlebt hatte.„Ich wusste nicht, ob du es wollen würdest … Ob du dich darüber freuen würdest“, gestand sie mit brüchiger Stimme. „Ich weiß, dass wir in letzter Zeit leichtsinnig waren, aber ich wusste nicht, ob du auf so ein Ergebnis vorbereite

  • SCHLECHTER RUF   110

    Die Luft im Loft war kühl und roch nach teurem Bourbon sowie den regennassen Straßen draußen. Derek stand an der Bar; die bernsteinfarbene Flüssigkeit fing das Licht ein, während er sich einschenkte. Als die Tür leise ins Schloss fiel, blickte er auf, und sein gesamtes Gesicht entspannte sich – dieses plötzliche, unbewachte Strahlen, das er immer bekam, wenn er sie sah, und das Olivia stets den Atem raubte.„Filmabend schon vorbei?“, fragte er mit warmer Stimme. Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern ging um die Bar herum, um ihr entgegenzugehen. „Ich dachte, du übernachtest bei Isabella. Ich hatte mich mental schon auf ein kaltes Bett eingestellt.“Olivia ließ ihre Tasche mit einem dumpfen Knall auf den Tisch fallen. Sie trat in seinen Nähe und beugte sich hoch, um ihm einen Kuss auf die Wange zu drücken. Seine Haut war warm und roch nach Zedernholz und dem Drink, den er gerade eingeschenkt hatte. „Dachte ich auch, aber ich war müde, also bin ich nach Hause gekommen.“„Hmmm“, seu

  • SCHLECHTER RUF   109

    Olivia stieß einen Atemzug aus, den sie gefühlt ihr ganzes Leben lang angehalten hatte. Ein kleines, zittriges Lachen entkam ihren Lippen, und sie drückte eine Hand auf ihren noch flachen Bauch. Ein Baby. Ein winziges Leben – halb Derek, halb Olivia – begann in ihrem Inneren Gestalt anzunehmen.Trotz allem spülte eine warme, goldene Welle des Glücks durch sie hindurch. Das hatte sie sich schon immer gewünscht: eine echte Familie, ein Zuhause voller Liebe, so wie sie es in den Augen ihrer Eltern gesehen hatte. Doch als das erste Strahlen zu verblassen begann, trat an dessen Stelle ein kaltes Prickeln der Angst.Derek.Sie lehnte sich gegen das Waschbecken und starrte ihr Spiegelbild an. Sie hatten den Streit ums „Zusammenziehen“ gerade so überstanden. Er hatte das Thema nicht einmal mehr angesprochen, besonders weil sie immer mehr Zeit bei ihm verbrachte, und obwohl sie wusste, dass er sie mit einer beängstigenden Intensität liebte, war ein Baby … viel. Es war die ultimative Verpflicht

  • SCHLECHTER RUF   108

    Nach einer kurzen, heißen Dusche, um den Staub des Arbeitstages abzuwaschen, kam er abgetrocknet aus dem Bad. Er machte sich nicht einmal die Mühe, einen Bademantel anzuziehen. Er glitt ins Bett, wo die kühlen Laken schnell warm wurden, als er sich ihr näherte. Er hob die Bettdecke an, schob seinen Körper an ihren und zog ihren Rücken fest an seine Brust. Seine Hände fanden die vertraute, umwerfende Wölbung ihrer Taille und verankerten sie an sich.Olivia bewegte sich daraufhin, da die Hitze seines Körpers wie ein stummer Alarm wirkte. Sie drehte sich leicht, ihre Stimme schwer vom Samtschleier des Schlafs. „Derek …“, stöhnte sie und wandte den Kopf ein Stück zur Seite. „Du bist zu Hause.“Als er sie sein Zuhause so nennen hörte, tat das etwas mit seiner Seele – es war genau das, was sie ihm noch vor Tagen verweigert hatte, und es jetzt zu hören, fühlte sich wie eine Krönung an. Er verstärkte seinen Griff, während seine Nase die Beuge ihres Halses streifte und er den Duft ihrer Haut e

  • SCHLECHTER RUF   107

    Er stieß wieder und wieder und wieder in sie hinein, dann langte er nach vorne, fand mit seinem Finger ihre Klit und versetzte ihr einen sanften Reiz, woraufhin er spürte, wie ihre Knie ein wenig nachgaben.„Das ist deine Bestrafung“, sagte er zu ihr, und sie stöhnte auf.Die perfekte Bestrafung. Der Tod durch Erfüllung. Sie schrie erneut auf, während er den sanften Druck auf ihrer Klit aufrechterhielt, und dann kam sie mit einem von Schmerz durchzogenen Schrei der Erlösung. Auch er kam; die Lust war so akut, dass sie sich beinahe schmerzhaft anfühlte, als der Orgasmus seinen Körper erschütterte. Dann brach er keuchend auf ihrem Rücken zusammen. —------------ Das Büro war immer noch von einer nachklingenden Hitze erfüllt, doch die wilde, raubtierhafte Energie hatte sich in eine schwere, angenehme Wärme verwandelt. Fünfzehn Minuten waren vergangen, und die schwere Eichentür blieb verschlossen, um den Rest der Welt auf Abstand zu halten.Derek saß wieder auf seinem Stuhl; sein Hemd war

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status