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last update publish date: 2026-07-24 19:09:11

„Genau das“, sagte sie langsam, „brauche ich.“

Izzy jubelte leise. „Hab ich’s gewusst.“

„Ich hätte jetzt Lust auf was Starkes“, gab Olivia zu. „Richtig Starkes. Vielleicht mit Limette. Oder drei.“

„Sag nichts. Dann eben Tequila.“

„Oh Gott“, stöhnte Olivia, obwohl sich die Schwere in ihrer Brust ein wenig gebessert hatte.

„Neun Uhr?“, fuhr Izzy fort. „Die Samtstunde. Zieh dich heiß an. Oder bequem. Oder emotional chaotisch. Ganz wie du magst.“

Olivia blickte an sich herunter – zerknitterte Bluse, Rock leicht verknittert von einem langen Tag voller Besichtigungen. Emotional chaotisch klang passend. „Neun ist perfekt“, sagte sie.

„Gut. Und Liv?“

„Ja?“

„Du klingst nicht gut.“

 Die Sanftheit in Izzys Stimme schnürte ihr erneut die Kehle zu. „Bin ich nicht“, gab sie leise zu.

Ein Moment Stille.

„Dann ändern wir das heute Abend“, sagte Izzy bestimmt. „Oder betäuben es zumindest.“

Olivia atmete erleichtert aus. Es fühlte sich an, als hätte sie den ganzen Tag die Luft angehalten. „Danke, Izzy.“

„Immer.“

Sie legten auf, und die Wohnung wirkte nicht mehr ganz so erdrückend. Olivia ging mit dem Handy in der Hand in Richtung Schlafzimmer.

Neun Uhr. Drei Stunden, um den Tag abzuduschen, Selbstvertrauen aufzusetzen und so zu tun, als würde ihr Herz nicht zerspringen. Als sie ihr Handy auf die Kommode legte, leuchtete der Bildschirm kurz auf – eine verzögerte Benachrichtigung.

Ihr Puls raste. Sie griff danach.

Spam-E-Mail.

Sie atmete langsam aus. Die Enttäuschung saß tiefer, als sie zugeben wollte. Immer noch nichts von Jack.

Na gut.  Heute Abend würde sie nicht auf ihn warten. Heute Abend würde sie für sich selbst da sein. Und vielleicht, nur vielleicht, ihre Probleme mit Jack vergessen… und Derek Hawthornes Stimme, die immer sagte: „Alles gut, alles in Ordnung.“

Denn Schaden? Davon hatte sie schon genug.

_________ Die Wohnung fühlte sich jetzt anders an. Nicht heller – nicht wirklich –, aber zielgerichtet.

Olivia stand vor ihrem Spiegel. Das sanfte gelbe Licht ihrer Schlafzimmerlampe umhüllte ihre Haut mit Wärme. Leise Musik pulsierte aus ihrem Lautsprecher, etwas Aufmunterndes, das die aufdringlichen Gedanken übertönte. Ihr Bett war übersät mit aussortierten Outfits – Kleider, die als „zu verzweifelt“ galten, Röcke, die als „zu aufwendig“ abgestempelt wurden, und ein weicher Pullover, den sie kurz in Erwägung gezogen hatte, bevor sie beschloss, dass sie heute Abend nicht wie Liebeskummer aussehen wollte.

Sie entschied sich für die Jeans. Hochgeschnitten, dunkel, perfekt sitzend. Kniehohe schwarze Stiefel, die ihr Größe und einen gewissen Charme verliehen.  Und das schwarze Korsett-Top – strukturiert, selbstbewusst, betonte es ihre Taille und hob ihre Haltung, ob sie sich nun stark fühlte oder nicht.

Sie betrachtete sich einen Moment lang im Spiegel. Dann setzte sie sich und begann mit dem eigentlichen Make-up. Smokey Eyes. Dunkel, bewusst, leicht dramatisch. Sie verblendete die Farben, bis ihre Traurigkeit wie Verführung wirkte. Ein präziser Lidstrich. Roter Lippenstift – kühn, gefährlich, trotzig. Wenn ihr Herz verletzt war, würde es niemand bemerken.

Als sie wieder aufstand, sah sie … heiß aus. Unbestreitbar. Nicht zerbrechlich. Gut.

Sie schnappte sich ihre Tasche und bestellte ein Taxi. Autofahren kam nicht in Frage. Nicht mit dem Alkohol, den sie heute Abend vorhatte. Nicht mit dem Abend, den sie brauchte. Und ehrlich gesagt? Sie traute sich nicht zu, mit ihren Gedanken allein hinter dem Steuer zu sitzen.

Als das Taxi vor dem Velvet Hour hielt, war die Straße voller Leben. Das Schild leuchtete tiefrot vor dem schwarzen Backstein. Der Bass aus dem Inneren vibrierte leise durch den Asphalt. Jedes Mal, wenn sich die Tür öffnete, ertönte Gelächter. Sie bezahlte den Fahrer, stieg aus und atmete tief ein. Heute Abend würde sie nicht an Jack denken.

Es war 21:30 Uhr, als sie eintrat. Gedämpftes Licht. Goldene Akzente. Samtbespannte Sitznischen an den Wänden. Die Luft roch leicht nach Zitrusfrüchten, Parfüm und etwas Teurem und Rauchigem.

Es dauerte nicht lange, bis sie ihre Freunde entdeckte.  Tessa lachte bereits laut auf, den Kopf zurückgeworfen, ihre blonden Wellen fielen ihr über die Schultern. Isabella saß ihr gegenüber, das dunkle Haar glatt und glänzend, und sie sah in ihrem figurbetonten smaragdgrünen Kleid mühelos elegant aus. Olivia ließ sich in die Sitzecke gleiten, und beide fuhren herum.

„Na“, hauchte Tessa dramatisch. „Wer ist sie denn?“

Isabellas Augen weiteten sich, als sie Olivia langsam von oben bis unten musterte. „Liv Carter, verführen wir hier jemanden oder bringen wir jemanden um?“

Olivia grinste. „Kann es nicht beides sein?“

Alle brachen in Gelächter aus, ein warmes, spontanes und beruhigendes Lachen.

„Du siehst illegal aus“, fügte Tessa hinzu.

„Du siehst nach Ärger aus“, korrigierte Isabella.

Olivia stellte ihre kleine Tasche auf den Tisch. „Gut.“

Tessa winkte sofort einen Kellner herbei. „Hallo, ja“, sagte sie freundlich. „Wir nehmen einen Shot.“

 Der Kellner blinzelte. „Wie viele?“

Tessa warf Olivia einen Blick zu. „Wie schlimm war dein Tag?“

Olivia überlegte. „Auf einer Skala von eins bis zehn?“

„Klar.“

„Jack.“

Tessa zögerte nicht. „Sechs. Zum Anfang.“

Der Kellner nickte und verschwand.

„Das freut mich für uns“, sagte Isabella und rückte ihr Armband zurecht.

Die Shots kamen schnell. Klare Flüssigkeit in hübschen kleinen Gläsern, Limettenstücke auf einem Teller daneben. Sie warteten nicht. Die Gläser klangen.

„Auf schlechte Entscheidungen!“, rief Tessa.

„Auf bessere!“, korrigierte Isabella.

Olivia hob ihr Glas als Letzte. „Aufs Nicht-Nachdenken!“, sagte sie.

Sie tranken. Das Brennen war sofort da. Scharf und reinigend, aber sie tranken mehr als nur einen. In der dritten Runde fühlte sich die Musik lauter an und Olivia fühlte sich wärmer. Lockerer.  Das Engegefühl um ihre Brust hatte sich gelockert … nicht ganz verschwunden, aber es war etwas verschwommen. In diesem Moment lehnte sich Tessa in der Sitzecke zurück und kniff die Augen zusammen.

„So“, sagte sie. „Zeit für deine Intervention … wie versprochen.“

Olivia stöhnte und schmollte. „Nein!“

„Doch“, warf Isabella sanft ein. „Wir haben verschoben. Wir haben nicht abgesagt.“

Tessa deutete mit einem Limettenstück auf sie. „Jack ist ein wandelndes Warnsignal.“

Olivia lachte leise. „Ist er nicht.“

„Er sagt dir ständig ab.“

„Er ist beschäftigt.“

„Er hat nach eurem Streit nicht angerufen“, sagte Tessa. „Das hast du heute Morgen doch geschrieben.“

Olivia zögerte kurz, bevor sie lässig mit den Achseln zuckte. „Vielleicht … braucht er etwas Abstand, um nachzudenken, nach dem, was ich ihm gesagt habe.“

Isabella beugte sich vor, ihre Stimme nun sanfter, aber bestimmt. „Liv, du kannst Besseres.“

 Der Alkohol milderte den Schmerz ihrer Worte, aber nicht ganz. Olivia lächelte – ruhig, gefasst und leicht errötet. „Er ist gar nicht so schlimm. Er hat nur … ein schlechtes Gespür für Prioritäten. Und für Kommunikation. Und für Timing.“

Tessa starrte sie an. „Du hörst dir eigentlich selbst zu?“, fragte sie.

Olivia lachte leise auf. „Wir hatten Streit. Schon gut. Wir kriegen das hin.“

Isabella legte den Kopf schief. „Warum warst du dann so traurig, als ich angerufen habe? Ich weiß, es ging um ihn.“

Das traf sie, und Olivias Lächeln erlosch für einen kurzen Moment. „Ich war einfach nur müde“, sagte sie nun leiser. „Wir haben uns gestritten. Sowas kommt vor. Ist doch nicht das Ende der Welt.“

Auch Tessas Blick wurde weicher, aber sie gab nicht nach. „Liv …“

Olivia hob beschwichtigend die Hände.  „Bitte. Ich bin heute Abend hier, um ihn zu vergessen. Nicht um ihn zu sezieren. Können wir das heute Abend bitte lassen?“

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