LOGINKassian LéonDas Flugzeug hebt ab. Das Dröhnen der Triebwerke, der Druck im Rücken, dann fast Stille. Die Lichter der Stadt entfernen sich, werden zu einem Teppich aus Glühwürmchen, verschwinden dann unter den Wolken. Sie schaut aus dem Fenster, fasziniert, ihr Atem bildet einen leichten Beschlag auf der Scheibe.— Das ist schön, sagt sie.— Ja.Aber ich sehe nicht die Landschaft. Ich sehe sie. Das sanfte Licht auf ihrem Gesicht, den Glanz in ihren Augen, das Lächeln auf ihren Lippen. Ich sehe ihre Hände, fein, elegant, auf ihren Knien. Ich sehe ihre Füße, nackt in ihren Pumps, die zarten Knöchel. Ich sehe alles. Ich will alles einprägen.Sie dreht sich zu mir.— Was?— Nichts.— Du siehst mich an.— Ja.— Warum?— Weil ich kann. Weil ich will. Weil ich es liebe. Weil du das Schö
Kassian LéonDer Tag ist endlos.Jede Minute, die vergeht, ist eine Minute zu viel, eine Minute, die ihr gestohlen wird, eine Minute, verloren in dieser Welt ohne Reiz, in der ich Dokumente unterschreiben, Berichte anhören, Fragen beantworten muss, ohne überhaupt zu wissen, was ich sage. Mein Geist ist woanders. Mein Geist ist bei ihr. In ihren Armen. In ihrem Atem. In jener Nacht, als alles kippte.Maxime sieht mich während der Vorstandssitzung seltsam an. Ich spüre seinen Blick auf mir, eindringlich, fragend.— Bist du krank?, flüstert er.— Nein.— Du siehst aus wie eine Leiche auf Urlaub.— Danke.— Und du lächelst vor dich hin.Ich antworte nicht. Ich kann es nicht erklären. Ich kann nicht sagen, dass ich woanders bin, dass ich bei ihr bin, dass ich jede Sekunde der vergangenen Nacht neu durchlebe, jedes Wort, jede Geste, jeden Ate
Kassian LéonSie rückt ein wenig zurück, sieht mich an.— Glaubst du, ich wüsste nicht, wer du bist?— Du weißt, was ich dir gezeigt habe.— Ich weiß, wer du bist. Ich weiß, wie du mich beschützt hast. Ich weiß, wie du deine Versprechen hältst. Ich weiß, wie du mit dem Personal bist, mit den Pferden, mit diesem Haus. Ich weiß, wie du mich hereingelassen hast. Ich weiß, was dich das gekostet hat.— Du weißt nicht alles.— Dann sag es mir.Ich wende den Blick ab. Das Feuer knistert. Das Holz verbrennt.— Ich bin nicht gut darin, sage ich.— Worin?— Geliebt zu werden.Sie legt ihre Hand an meine Wange, zwingt meinen Blick.— Lerne es.— Und wenn ich es nicht schaffe?— Dann werde ich es dir beibringen.— Und wenn ich d
Kassian LéonIch bereite das Frühstück wie ein Automat, die Bewegungen mechanisch, die Gedanken woanders. Sie sitzt an der Küchentheke, ihre nackten Füße baumeln, mein Pullover versteckt ihre Hände. Sie sieht mich an. Sie sagt nichts. Sie sieht mich an, und das ist schon alles.— Möchtest du Eier?, frage ich.— Ich möchte, was du möchtest.— Das bedeutet Eier.Sie lacht, dieses leichte Lachen, das mich im Innersten packt.— Dann eben Eier.Ich schlage die Eier in der Pfanne auf, sie brutzeln, der Kochduft erfüllt die Küche. Der Kaffee ist fertig, ich schenke ihr eine Tasse ein, stelle sie vor sie hin. Ihre Finger streifen meine, als sie die Tasse nimmt.— Danke.— Gern geschehen.Sie nimmt einen Schluck, schließt die Augen, seufzt.— Dein Kaffee ist besser als meiner.— E
Kassian LéonIch lasse mich nicht zweimal bitten. Ich hebe sie hoch, ihre Beine schlingen sich um meine Hüften, ihr Rücken gegen die Marmorwand. Sie ist kühl an ihrer warmen Haut, ich spüre sie erschauern. Dann dringe ich in sie ein, mit einem einzigen Stoß, tief, perfekt.Sie schreit auf. Ein kurzer Schrei, erstickt von meinem Mund auf ihrem. Ich küsse sie ausgiebig, während ich mich in ihr bewege, während das Wasser auf uns prasselt, zwischen unseren Körpern hinabrinnen, uns noch mehr vereint.Es ist anders als vorhin. Animalischer, dringlicher. Die Wand ist kalt, das Wasser heiß, sie ist brennend. Sie umschließt mich, presst mich, saugt mich aus. Ihre Nägel in meinen Schultern, ihr Stöhnen in meinem Mund, ihre Beine, die um mich zittern.— Ich liebe dich, flüstert sie.Die Worte durchdringen das Rauschen des Wassers, durchdringen das Geräusch
Kassian LéonIch verlangsame. Gerade genug, um sie frustriert aufstöhnen zu lassen, um sie unter mir bewegen zu lassen, mehr suchend, besser suchend.— Nein, sage ich. Warte auf mich.— Ich kann nicht...— Doch. Warte auf mich. Wir gehen zusammen.Ich lege meine Stirn an ihre. Meine Augen in ihren. Mein Atem mit ihrem vermischt. Ich bewege mich, langsam, tief, perfekt. Ich spüre die Spannung in ihr steigen, spüre sie in mir steigen, beide klettern sie, nähern sich dem Rand.— Jetzt, sage ich. Jetzt.Die Explosion ist simultan. Sie schreit meinen Namen, ein erstickter, gebrochener Schrei. Ich stöhne ihren, die Stimme rau, stranguliert. Unsere Körper spannen sich an, winden sich, entleeren sich ineinander. Und ich schließe die Augen nicht. Ich will keine Sekunde dieses Gesichts verlieren, dieses Augenblicks, dieser Perfektion.---Lange danach
ElaraDie Worte, die ich gerade ausgesprochen habe, „Ich akzeptiere, deine Untergebene zu sein“, hängen in der Luft, schwer von unwiderruflichen Konsequenzen. Das Echo des Satzes „So sei es“ von Kael hallt noch in meinen Knochen nach. Der Pakt ist besiegelt. Es gibt keinen Ausweg mehr, nur einen la
ElaraDer Schweiß trocknet auf meiner Haut und hinterlässt einen feinen, salzigen Film, der an den Laken klebt. Kaels Gewicht neben mir ist eine Präsenz, so fest und unerschütterlich wie ein Fels inmitten des Meeres. Sein Arm liegt über meinen Hüften – besitzergreifend selbst im Ruhezustand. Ich sc
ÉvaKael legt die Nadel beiseite, und in der darauffolgenden Stille kehrt keine Erleichterung ein, sondern eine noch schrecklichere Erwartung, denn ich weiß tief in meinem bereits gemarterten Körper, dass diese Pause nur das Vorspiel zu einer neuen Form der Folter ist, und ich sehe ihm zu, wie er d
ElaraDas goldene Licht des Nachmittags fällt durch die schweren Vorhänge und zeichnet warme Streifen auf das dunkle Parkett. Ich knie bereits auf dem Bett, die Hände auf meinen Oberschenkeln, die Haut empfindlich unter dem kühlen Stoff der Laken. Die Luft ist schwer, geladen mit elektrischer Spann