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SYLVIAS SICHT
Marvel fuhr mich zu seinem Haus. Es war nicht so riesig wie Zanes Villa, aber dennoch eindeutig luxuriös, mit nur zwei Schlafzimmern. Er brachte mich direkt in sein Schlafzimmer. Ich kannte mich dort bereits aus, weil ich schon oft dort gewesen war, und ich wusste, dass er an den Wochenenden immer allein war, da die Hausangestellten frei hatten.
„Dein Kleid“, sagte er und schluckte hörbar. „Zieh es aus.“
Ich wich noch ein paar Schritte zurück, bis mein Rücken die Wand berührte. Doch sofort schloss er den Abstand zwischen uns und stützte seine Hand dicht neben meinem Ohr gegen die Wand, sodass ich nicht entkommen konnte.
„Zieh es aus“, murmelte er an meinem Hals.
Ich biss mir schmerzhaft auf die Lippe, weil ich wusste, dass ich ihm nicht würde widerstehen können. Ich hatte seine Besitzergreifung schon immer geliebt. Mit der anderen Hand strich er meinen freien Rücken hinab, ließ seine Finger über meine Haut gleiten und umfasste schließlich mein Gesäß.
Langsam hob ich die Hände zu meinen Schultern und zog mein ärmelloses Kleid aus. Darunter trug ich nichts, sodass meine nackten Brüste vollständig sichtbar waren. Das Zimmer war hell erleuchtet, doch dann tastete er nach einem Lichtschalter und versetzte den Raum in völlige Dunkelheit.
Er trat einen Schritt zurück. Ich konnte nichts mehr sehen, war mir jedoch sicher, dass sein Blick auf mir ruhte, während ich mich aus meinem Kleid wand und auch meine High Heels auszog. Ich hörte das Klirren seiner Gürtelschnalle und das Rascheln seiner Kleidung, als er seine Hose auszog. Dann kam er direkt auf mich zu und presste seine Erektion gegen meinen Körper.
Ich hatte inzwischen auch meinen Slip ausgezogen, meinen Schmuck jedoch angelassen. Seine Hände fanden sofort meine Brüste und umfassten sie fest. Sein Hemd trug er noch, deshalb streckte ich die Hände aus und begann, seine Knöpfe zu öffnen.
Mein Atem ging nun stockend. Seine heißen Lippen fanden meinen Hals, und seine Zunge glitt über mein Schlüsselbein. Ich stöhnte auf, riss ihm das Hemd vom Körper und grub meine Fingernägel so fest in seine Schultern, dass sie beinahe Blut hätten ziehen können.
Er löste seinen Mund von meinem Hals und legte seine Lippen stürmisch auf meine. Er küsste mich leidenschaftlich. Ich schmeckte den Alkohol auf seinen Lippen, rang nach Luft, erwiderte den Kuss und fuhr ihm mit den Fingern durch das Haar.
Eine seiner Hände verließ meine Brust, und er schob zwei Finger in mich, während sein Daumen fest gegen meinen empfindlichsten Punkt drückte. Ich versuchte verzweifelt, den Kuss zu unterbrechen und laut aufzustöhnen, doch er hielt mich fest und bewegte seine Finger weiter.
Ich war bereits vollkommen erregt, und das Verlangen loderte in mir. Plötzlich zog er seine Finger zurück und beendete gleichzeitig den Kuss, sodass ich mich leer und nach mehr verlangend fühlte.
Ich klammerte mich an seine Schultern, atmete schwer und stöhnte leise. Meine Knie gaben beinahe nach, und ich hatte das Gefühl, dass er es genoss, mich so zum Zittern zu bringen.
„Sag mir, dass du es willst.“ stöhnte er an meinem Hals.
„Ich will es …“ stöhnte ich zurück. Ich spürte, wie sein schweiß bedeckter Körper sich an meinen rieb.
Mit einer einzigen fließenden Bewegung hob er mich hoch und drang hart in mich ein, während mein Rücken gegen die Wand gepresst wurde. Ich schrie vor Lust auf, und er bewegte sich weiter schnell und zielstrebig.
Ich klammerte mich an ihn, presste meine harten Brustwarzen gegen seine Brust und stöhnte ihm ins Ohr. „Härter, Marvel … ja, Baby …“
Er stieß noch kräftiger zu. Unsere nackten, schweißnassen Körper trafen bei jeder Bewegung mit einem satten Klatschen aufeinander. Marvel war ungestüm, wenn er betrunken war, und ich liebte es. Er packte mein Gesäß und beschleunigte seinen Rhythmus.
Mein Griff wurde schwächer, und genau als ich glaubte, kurz vor dem Höhepunkt zu stehen, hielt er plötzlich inne und zog sich aus mir zurück. Das Stöhnen blieb mir halb im Hals stecken. Mein Körper spannte sich schmerzhaft an und verlangte nach mehr.
Marvel sagte kein Wort. Stattdessen hob er mich mühelos hoch und legte mich auf das Bett. Ich blieb bäuchlings liegen. Er packte meine Hüfte und hob sie leicht an. Mir war sofort klar, was er vorhatte. Ich senkte meinen Oberkörper auf die Matratze, hob das Becken an und spreizte die Beine etwas weiter.
Er strich mit seiner Erektion über meine Schenkel, umfasste mit einer Hand meine Brust und drang dann erneut in mich ein. Ein zufriedenes Stöhnen entfuhr mir. Er hielt meine Hüfte fest und begann, sich mit kraftvollen Bewegungen zu bewegen, wobei seine Hüften gegen mich stießen.
„Marvel! …“ schrie ich. „Genau so, Baby … härter! Schneller … ja! Lass nicht nach!“ Mir blieb kaum noch Luft.
Er antwortete nur mit einem tiefen Stöhnen und setzte seinen Rhythmus fort. Gelegentlich gab er mir einen Klaps auf das Gesäß, worauf ich jedes Mal laut aufstöhnte.
Dann ließ er ein raues Knurren hören und erhöhte noch einmal das Tempo. Mit beiden Händen hielt er meine Hüften fest und bewegte sich schneller und kraftvoller als zuvor. Ich spürte, wie wir beide uns dem Höhepunkt näherten.
Ich krallte mich fest in die Bettdecke, während er sich weiter bewegte. Schließlich ließ meine Kraft nach, und ich schloss die Augen. Im selben Augenblick zog er mich fest an sich und hielt mich unbeweglich.
Kurz darauf erreichte ich meinen Höhepunkt und stöhnte laut auf. Wenig später kam auch er. Seine Bewegungen wurden allmählich langsamer, bis er sich schließlich zurückzog und ich erschöpft auf dem Bett zusammensank.
****
Am nächsten Morgen wachte ich auf und spürte Marvels Arm um meine Taille. Vorsichtig wand ich mich aus seiner Umarmung und setzte mich im Bett auf. Ich dachte an die vergangene Nacht zurück. Der Sex hatte sich irgendwie leer angefühlt, als hätte er sich ohne jede Emotion auf mich eingelassen, beinahe wie eine bloße Pflichtübung.
Ich schob den Gedanken beiseite und ging in die Küche, um mir ein Glas Wasser zu holen. Als ich zurückkam, saß er lächelnd da und tippte auf seinem Handy.
Vielleicht war jetzt der richtige Moment, ihm von meinem genehmigten Stipendienantrag zu erzählen.
Kaum hatte ich mich neben ihn aufs Bett gesetzt, zuckte er zusammen, drehte sein Handy hastig um und legte es mit dem Display nach unten auf die Matratze.
Da wurde mir bewusst, dass er sein Telefon schon seit einiger Zeit vor mir verborgen hielt und es immer mit der Vorderseite nach unten ablegte. Ich verzog das Gesicht leicht, als er einen Arm um meine Taille legte und sich zu einem Kuss vorbeugte.
„Guten Morgen, Engel“, murmelte er an meinem Hals.
Ich antwortete nicht. Sein Handy vibrierte, doch er machte keine Anstalten, danach zu greifen.
„Willst du da nicht rangehen?“, fragte ich.
„Nein. Nichts ist wichtiger als dieser Moment.“
Ich rückte etwas von ihm ab, doch er beugte sich vor und gab mir einen Kuss auf die Wange.
„Ich muss heute Morgen noch irgendwo hin. Ich liebe dich.“
Er küsste mich auf die Stirn, stand auf und nahm sein Handy mit. Vielleicht plante er eine Überraschung. Das letzte Mal, als Marvel sein Telefon so vor mir versteckt hatte, stellte sich später heraus, dass er etwas Großes für mich vorbereitet hatte. Vielleicht war es diesmal genauso. Eine Überraschung.
Später fuhr ich nach Hause und bemerkte erst dort, dass ich ihm gar nichts von meinem bewilligten Stipendium erzählt hatte. Dann würde ich ihn eben am Abend überraschen. Sonntage waren genauso langweilig wie meine Samstage, und ich hatte ohnehin nicht viel vor.
Ich telefonierte per Video mit meiner Mutter und meinen Schwestern und sprach anschließend mit Elodie. Sie bat mich, ihr einige Studienmaterialien aus einer Buchhandlung zu besorgen, damit ich sie ihr am Montag geben konnte.
Als ich vom Buchladen zurückkam, war ich so erschöpft, dass ich einschlief. Als ich wieder aufwachte, war es schon fast sieben Uhr abends. Ich machte mir schnell etwas zu essen und machte mich anschließend auf den Weg zu Marvels Wohnung, um ihm die Neuigkeit zu erzählen.
Sein Handy war nicht erreichbar, also nahm ich ein Taxi zu ihm. Im Gebäude angekommen, ging ich wie selbstverständlich zu seiner Wohnung. Ich klopfte nicht, denn Marvel hatte mir immer gesagt, dass ich das nicht müsse. Seine Wohnungstür stand ohnehin fast immer offen.
Die Tür zu seinem Schlafzimmer stand einen Spalt offen.
Doch irgendetwas war anders. Irgendetwas stimmte nicht.
Ich hörte Stöhnen, dumpfe Laute und lustvolle Schreie.
Langsam trat ich näher und blieb in der schmalen Öffnung stehen. Dort, auf dem Bett, war Marvel mit einer anderen Frau. Ihre Beine hatten sich um ihn geschlungen, während er sie leidenschaftlich an sich drückte.
Sie stöhnte laut und feuerte ihn an.
„Oh, Marvel! Marvel! Genau so! Härter!“
Er reagierte sofort und setzte seine Bewegungen noch entschlossener fort. Ich stand wie erstarrt und beobachtete alles. Zuerst konnte ich nicht erkennen, wer die Frau war. Seine Bewegungen wurden schneller. Mein Herz schrie danach, sie zu unterbrechen oder einfach wegzulaufen. Doch mein Verstand zwang mich zu bleiben.
Also blieb ich.
Ich sah zu, wie er vor Erregung zitterte, laut aufstöhnte und die Frau auf eine Weise berührte, wie er mich nie berührt hatte. Schließlich hörte ich seine Stimme.
„Oh, Elodie … du bist so verdammt süß …“
Mein Herz setzte für einen Moment aus. Ich war mir nicht sicher, ob ich richtig gehört hatte. Dann drehte Marvel aus irgendeinem Grund den Kopf zur Tür und erstarrte.
„Scheiße!“, fluchte er.
Elodie fuhr erschrocken hoch, um nachzusehen. In genau dem Augenblick, als sich unsere Blicke trafen, drehte ich mich um und lief ohne einen weiteren Gedanken aus der Wohnung.
SYLVIAS SICHT„Sie ist tachykard, legen Sie mir sofort einen Zugang!“ Die Stimme einer Krankenschwester schnitt scharf durch das Klingeln in meinen Ohren, während man mich auf eine Trage hob. Die Deckenplatten verschwammen über mir zu grellen, zersplitterten Streifen Neonlicht.„Sylvia, bleib bei mir.“ Zanes Hand umklammerte meine, sein Gesicht war blass, und er lief schnell neben der Trage her, als man mich durch eine Doppeltür in einen helleren Raum schob. „Es ist alles gut. Ich bin da.“Alles ging zu schnell und zugleich zu langsam. Stimmen überlagerten sich, jemand rief Zahlen, die ich nicht verstand, und die Räder der Trage ratterten laut über die Fliesen.„Sir, Sie müssen draußen warten“, hörte ich eine Schwester zu Zane sagen.„Ich gehe nicht.“ Seine Antwort war unnachgiebig.„Sir, Krankenhausvorschrift. Im Behandlungsraum nur Familienangehörige.“ Die Schwester versuchte weiter, ihn zu überzeugen.„Ich bin kein Angehöriger.“ Seine Stimme brach vor Verzweiflung. „Mir ist egal, w
SYLVIAS SICHT„Von welcher Art von Erkrankung sprechen wir?“ Die Stimme meiner Mutter war jetzt scharf, ihre Angst verwandelte sich in etwas Fordernderes. „Zane, sag mir genau, was der Arzt gesagt hat.“„Eine Herzrhythmusstörung. Sie ist meistens genetisch bedingt.“ Zane hielt seine Stimme ruhig, obwohl ich sehen konnte, wie viel Kraft es ihn kostete. „Sie kann innerhalb einer Familie weitergegeben werden, ohne dass es jemand bemerkt, bis etwas sie auslöst. Besonders durch Stress, Erschöpfung oder manchmal auch durch gar nichts.“„Ist sie tödlich?“„Nicht, wenn sie rechtzeitig erkannt und behandelt wird.“ Er sah ihr direkt in die Augen. „Fiona hat Glück, dass es passiert ist, als medizinisches Personal in der Nähe war. Wenn es tatsächlich das ist, was er vermutet, wird sie Medikamente und regelmäßige Kontrollen brauchen. Aber sie kann ein völlig normales Leben führen.“„Wie häufig kommt so etwas vor? So etwas taucht doch nicht einfach aus dem Nichts auf.“„Es ist selten, aber erblich.
SYLVIAS SICHTDer Krankenhausflur roch nach Desinfektionsmittel und Angst, und ich rannte los, noch bevor sich die Aufzugtüren vollständig geöffnet hatten.„Mama!“ Ich entdeckte sie vor einem abgetrennten Behandlungsbereich. Ihr Gesicht war kreidebleich, und Chelsea hielt ihre Hand so fest, dass ihre Knöchel weiß geworden waren. „Mama, was ist passiert?“„Sie ist in der Schule zusammengebrochen.“ Die Stimme meiner Mutter zitterte. „Mitten im Unterricht. Die Krankenschwester sagte, ihre Herzfrequenz sei plötzlich in die Höhe geschossen und sie habe keine Luft bekommen. Dann ist sie einfach zusammengebrochen.“„Ist sie bei Bewusstsein?“, fragte ich.„Mal ja, mal nein.“ Meine Mutter presste eine Hand auf ihren Mund. „Sie machen gerade Untersuchungen. Niemand kann mir bisher etwas Genaues sagen.“„Hat jemand gesehen, was passiert ist? Was hat sie unmittelbar davor gemacht?“„Sie saß an ihrem Tisch. Das ist alles, was die Lehrerin gesagt hat.“ Die Hände meiner Mutter zitterten. „Eine Minut
SYLVIAS SICHTDie Haustür des Carrington-Anwesens stand weit offen, als ich ankam, und ein Mann in Umzugsuniform hätte mich fast umgerannt, während er eine Kristallvase zu einem am Bordstein wartenden Lastwagen trug.„Entschuldigung." Ich packte seinen Arm. „Was geht hier vor sich?"„Anweisung der gnädigen Frau." Er nickte zum Haus hin, ohne langsamer zu werden. „Die neue Herrin zieht ein. Das Zimmer wird für ihre Sachen geräumt."„Neue Herrin?"„So wurde es mir gesagt." Er zuckte mit den Schultern und wandte sich wieder dem Haus zu. „Fragen Sie drinnen, wenn Sie Details wollen, Miss. Ich lade nur Lastwagen."Ich schob mich an ihm vorbei ins Foyer, mein Herz raste, und fand Mrs. Carrington am Fuß der Treppe, wie sie zwei weiteren Umzugshelfern Anweisungen für den Ostflügel gab.„Sie." Sie drehte sich zu mir um, ihr Gesicht verriet nichts. „Ich habe mich gefragt, wann Sie auftauchen würden."„Was soll das? Wessen Sachen werden hier eingeräumt?"„Charitys, natürlich." Sie sagte es schli
ZANES POVMr. Oseis Büro roch nach Leder und altem Geld, und er ließ mich eine volle halbe Minute dastehen, bevor er überhaupt von seinem Schreibtisch aufblickte – mit einer kleinen, kalkulierten Grausamkeit, die ich aus jahrelanger Beobachtung kannte, wie er dasselbe mit seinem eigenen Sohn tat.Marvels Vater hatte nie die Stimme erheben müssen, um einen Raum kleiner wirken zu lassen. Dieser Raum war so gestaltet, dass er Besucher genau daran erinnerte, wie klein sie waren: bodentiefe Fenster mit Blick auf das Finanzviertel, eine Wand voller gerahmter Fotografien, die Jahrzehnte von Handschlägen mit Männern dokumentierten, die jene Institutionen leiteten, die über die Zukunft anderer entschieden, ohne sich jemals dafür verantworten zu müssen.„Zane." Er legte endlich seinen Stift beiseite und faltete die Hände über einer Mappe, die ich von dort, wo ich stand, nicht lesen konnte. „Setz dich."„Ich stehe lieber."„Wie du willst." Er lehnte sich zurück, unbeeindruckt, und musterte mich m
ZANES POVIch war drei Straßenblocks von Marvels Gebäude entfernt, bevor mir vollständig bewusst wurde, dass ich Sylvias Wohnung verlassen hatte, ohne ihr zu sagen, wohin ich ging.Die Wut hatte sich seit ihrer Erzählung über die Schule und über ihre Schwester, die wegen Fragen weinte, die keine Zwölfjährige jemals beantworten müssen sollte, kein bisschen gelegt. Wenn überhaupt, hatte sie sich verschärft, hatte sich bis zu dem Zeitpunkt, als ich an seiner Tür ankam und mich hineinließ, ohne mich mit Klopfen aufzuhalten, zu etwas Präzisem und Zielgerichtetem verengt.Irgendeine alte Gewohnheit, aus Jahren, in denen wir ein und aus dem Leben des anderen gegangen waren, bevor einer von uns verstanden hatte, was wir einander schließlich bedeuten würden. Das Gebäude sah genauso aus wie immer, teuer und unauffällig, die Art von Ort, für den Marvel nie hatte arbeiten müssen.Er saß auf der Couch, das Handy in der Hand, und die Überraschung auf seinem Gesicht, mich zu sehen, hielt genau so la







