LOGIN„Er hat gesagt, Sie sollen hier auf ihn warten“, erklärte Albert mit hinter dem Rücken verschränkten Händen. „Er wird in Kürze bei Ihnen sein.“
Ich runzelte die Stirn und rutschte auf dem weichen Ledersofa ein Stück zurecht. Seit wann war Albert mir gegenüber so steif und förmlich? Er behandelte mich wie eine Fremde und nicht wie das Mädchen, das er praktisch hatte aufwachsen sehen. „Albert, ich bin's. Annie“, sagte ich und winkte ihm zu. „Nur zur Erinnerung, falls du es vergessen haben solltest.“ „Das ist mir durchaus bewusst, Miss Annie.“ „Warum bist du dann so förmlich?“, seufzte ich und lehnte mich entspannt zurück. „Verzeihen Sie. Es ist einfach schon eine ganze Weile her, seit ich Sie zuletzt gesehen habe“, gab er zu. Sein ernster Gesichtsausdruck wurde etwas weicher. „Hm.“ Genau in diesem Moment knurrte mein Magen laut und unüberhörbar. Ich legte eine Hand darauf und sah Albert erwartungsvoll an. „Gibt es hier irgendetwas zu essen? Ich hätte gerade richtig Lust auf Pizza.“ Albert hob skeptisch eine Augenbraue. „Versuchen Sie absichtlich, einen Streit mit Ihrem Vater anzufangen? Sie wissen genau, was er von Fast Food hält, und wollen ausgerechnet hier, in seinem Arbeitszimmer, Pizza essen?“ „Stimmt... ganz vergessen“, sagte ich ehrlich. Die Besessenheit meines Vaters von gesunder Ernährung war legendär. „Wie wäre es dann mit etwas Brathähnchen? Das klingt gut.“ „Ich werde der Küche sofort Bescheid geben.“ „Und sagen Sie ihnen bitte, sie sollen sich beeilen.“ Ich war mir ziemlich sicher, dass ich keine weitere Stunde ohne etwas Essbares überleben würde. Eine Minute verging. Dann zwei. Dann schlug die antike Standuhr in der Ecke bereits zum zehnten Mal. Von meinem Vater fehlte immer noch jede Spur. Was dauert denn so lange? Plötzlich schwang die schwere Tür auf. Und ausgerechnet die letzte Person auf dieser Welt, die ich gerade sehen wollte, kam herein. Luscious Lin. Mein überaus liebenswerter Bruder. Er bemerkte mich gar nicht. Mit festem Blick auf den riesigen Schreibtisch unseres Vaters marschierte er daran vorbei und begann hektisch, die ordentlich gestapelten Unterlagen zu durchwühlen. Dabei machte er einen Höllenlärm. „Wonach suchst du?“, fragte ich schließlich. Luscious fuhr so heftig zusammen, dass ihm sämtliche Dokumente aus den Händen glitten. Die Papiere segelten durch die Luft und verteilten sich über den polierten Holzboden. Er wirbelte herum und warf mir den gefährlichsten Blick zu, den ich in meinen fünfundzwanzig Lebensjahren jemals erhalten hatte. „Wer hat diesen erbärmlichen Streuner ins Haus gelassen?“, fragte er voller Verachtung. Ich verdrehte die Augen. „Wahrscheinlich dieselbe verantwortungslose Person, die dich unbeaufsichtigt durchs Haus laufen lässt.“ Luscious zeigte auf den Boden. „Komm sofort her und räum das Chaos auf, das du angerichtet hast.“ „Wenn ich mich richtig erinnere, bist du derjenige, der gerade die Akten fallen gelassen hat, während ich ganz gemütlich auf dem Sofa sitze. Es sei denn, du kannst wissenschaftlich beweisen, dass ich über Telekinese verfüge, schaue ich dir gern beim Aufräumen zu.“ Er schloss für einen langen Moment die Augen und atmete scharf aus. „Bitte, Annie“, sagte er ungewöhnlich ruhig. „Dad kommt jeden Moment herein. Wenn er sein Arbeitszimmer in diesem Zustand sieht, bringt er mich um.“ „Ich könnte darüber nachdenken, dir zu helfen“, sagte ich und stützte das Kinn auf die Hand. „Aber zuerst musst du auf die Knie gehen und mich darum bitten.“ „Du...!“ Seine Fäuste ballten sich. Ich hob nur herausfordernd eine Augenbraue. Als ihm klar wurde, dass ihm die Zeit davonlief, schluckte er seinen Stolz hinunter. „Na gut.“ Und tatsächlich... ging er auf beide Knie. Mitten zwischen den verstreuten Papieren. „Bitte, Annie“, sagte er widerwillig. „Hilf mir.“ Fast hätte mich dieser Anblick gerührt. Fast. Doch der Mann, der vor mir kniete, war derselbe kleine Dämon, der mir meine gesamte Kindheit zur Hölle gemacht hatte. Heute würde ich niemandem helfen. „Nein.“ Ich schenkte ihm mein freundlichstes Lächeln. Er diskutierte nicht einmal. Stattdessen sprang er auf und stürmte direkt auf mich zu. Jetzt war ich an der Reihe, zusammenzuzucken. Noch bevor ich reagieren konnte, packte er meinen Arm und versuchte, mich vom Sofa herunterzuziehen. „Komm her!“ „Nein! Lass mich los!“ Ich stemmte die Füße gegen den Boden. „Ich hab gesagt, komm her!“ Er zog mit aller Kraft. Ich zog zurück. Und plötzlich befanden wir uns in einem völlig lächerlichen Tauziehen, bei dem mein Unterarm als Seil diente. In genau diesem Moment wurde die Tür zum Arbeitszimmer mit voller Wucht aufgerissen. Vor Schreck ließen wir beide gleichzeitig los. Ich flog rückwärts und landete unsanft auf meinem Hintern. Der Aufprall tat höllisch weh. Luscious dagegen krachte auf den Rücken. In der Tür stand... unser Vater. Er blieb regungslos stehen. Sein Blick wanderte von mir... zu Luscious... und schließlich zu den über den ganzen Boden verstreuten Dokumenten. An seiner angespannten Kieferpartie erkannte ich sofort, dass er kochte vor Wut. Langsam hob er seinen schweren Gehstock. Und richtete ihn direkt auf meinen Bruder. „Du!“, donnerte seine Stimme durch den Raum. „Wie kannst du es wagen, meine Tochter zu schikanieren?!“ „Und dann hast du auch noch mein ganzes Arbeitszimmer verwüstet!“ „Dad, das sieht überhaupt nicht so aus!“, rief Luscious und sprang hastig auf. „Sie hat mich zuerst schikaniert! Ich schwöre es!“ Ich starrte ihn fassungslos an. „Das stimmt überhaupt nicht. Ich habe friedlich auf dem Sofa gesessen.“ „Du wagst es auch noch, mich anzulügen!“, donnerte unser Vater. Mit erhobenem Gehstock marschierte er direkt auf Luscious zu. Er war eindeutig bereit, ihm eine altmodische Tracht Prügel zu verpassen. Ich erkannte die drohende Katastrophe, rappelte mich trotz meines schmerzenden Hinterns hoch und stellte mich zwischen die beiden. „Dad, warte. Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben.“ Ich legte beruhigend eine Hand auf seinen Arm. Im selben Augenblick verschwand seine Wut. Er senkte den Stock. „Lass ihn einfach zur Strafe vor der Wand knien“, schlug ich ruhig vor. „Ja... genau.“ Mein Vater lächelte stolz. „Meine Annie ist eben immer so mitfühlend.“ Er klopfte mir auf die Schulter. Dann funkelte er meinen Bruder wieder an. „Beim nächsten Mal musst du sie nicht mehr in Gefahr bringen, nur um dich zu beschützen.“ Ich nickte ernst. „Worauf wartest du noch?“, bellte mein Vater. Luscious brauchte keine zweite Aufforderung. Er rannte zur nächsten freien Wand, ließ sich auf die Knie fallen und starrte schweigend auf die Tapete. Das würde ihm hoffentlich etwas Anstand beibringen. „Setz dich, Annie.“ Mein Vater deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch und setzte sich selbst. „Wie geht es dir, Dad?“, fragte ich und ließ mich vorsichtig nieder, während ich versuchte, meinen frisch geprellten Hintern zu entlasten. „Mir würde es deutlich besser gehen“, begann er ohne Umschweife, „wenn meine Tochter nicht beschlossen hätte, das Anwesen der Familie Lin zu verlassen – den einzigen Ort, an dem sie wirklich sicher ist.“ „Die meisten Eltern wären stolz darauf, wenn ihre Kinder selbstständig werden.“ Ich schlug die Beine übereinander. „Wenn wir über deinen Bruder sprechen würden, sähe das ganz anders aus.“ Er warf einen missbilligenden Blick zur Wand. „Ein fünfundzwanzigjähriger Mann, der immer noch bei seinem Vater lebt.“ Luscious drehte sich empört um. „Du hast mir verboten auszuziehen!“ „Und?“, fragte unser Vater völlig ungerührt. Ich musste mir auf die Innenseite der Wange beißen, um nicht laut loszulachen. „Also... warum wolltest du mich heute sprechen?“, fragte ich vorsichtig. „Ich bin doch nicht in Schwierigkeiten, oder?“ „Nein.“ Sein Gesicht wurde ungewöhnlich ernst. „Ich habe dich hergebeten, um dich über eine bevorstehende Hochzeit innerhalb der Familie Lin zu informieren.“ Meine Augen weiteten sich. „Luscious heiratet?“ „Ich?“, fragte Luscious verwirrt von der Wand aus. „Nein.“ Unser Vater sah mir direkt in die Augen. „Annie... du wirst heiraten.“ „Oh...“ Mir wurde plötzlich etwas unwohl. „Dad... Josh und ich haben gestern Schluss gemacht.“ „Das ist gut.“ Er sagte es so selbstverständlich, als hätte er längst alles gewusst. Ich beugte mich misstrauisch vor. „Wenn wir uns getrennt haben... wie kann es dann überhaupt eine Hochzeit geben?“ „Weil ich einen richtigen Mann für dich gefunden habe.“ „Wie bitte?“ Ich war mir nicht sicher, ob ich richtig gehört hatte. „Anfangs konnte ich ihn überhaupt nicht ausstehen“, fuhr mein Vater fort. „Als er mich zum ersten Mal aufsuchte, war ich überzeugt, dass ich meine kostbare Tochter niemals einem so furchteinflößenden Mann anvertrauen würde.“ Für einen Moment hätte ich schwören können, dass mein Vater bei der Erinnerung leicht schauderte. „Aber er hat jede einzelne Prüfung bestanden, die ich ihm auferlegt habe.“ „Er ist ein wahrer Kämpfer.“ „Und genau so jemanden brauchst du an deiner Seite, wenn ich eines Tages nicht mehr da bin.“ „Was?“ Ich verstand kein einziges Wort mehr. „Ja... was?“, fragte sogar Luscious. „Er ist um Welten besser als dieser Joshua, mit dem du ständig zusammen warst.“ „Er heißt Josh“, verbesserte ich ihn. „Aber das ist gerade überhaupt nicht der Punkt.“ „Was ist, wenn ich diesen Mann gar nicht mag?“ „Wahrscheinlich wirst du ihn mögen.“ Mein Vater winkte ab. „Ich bin mir sicher, dass er genau dein Typ ist... oder wie ihr jungen Leute das heute nennt.“ „Dad.“ Meine Stimme wurde lauter. „Wenn ich heiraten möchte, kann ich mir meinen zukünftigen Mann selbst aussuchen.“ „Warum suchst du überhaupt nach einem Ehemann für mich?“ „Er ist zu mir gekommen.“ Seine Stimme blieb ruhig. „Ich habe keine Zeit, selbst auf Bräutigamsuche zu gehen.“ Ich starrte ihn sprachlos an. Was für ein Verrückter geht zuerst zum Vater und fragt nach der Hand der Tochter... ohne vorher überhaupt mit der Tochter gesprochen zu haben? „Ich bin dagegen“, erklärte ich entschlossen. „Ich auch“, mischte sich Luscious ein. Unser Vater seufzte schwer. Mit einem Mal wirkte er deutlich älter. „Ich wollte dir das eigentlich ersparen, Annie...“ „Aber unsere Familie braucht dieses Bündnis dringend.“ „Wenn wir es nicht eingehen... wird alles, was unsere Vorfahren über Generationen aufgebaut haben, zusammenbrechen.“ Seine Stimme war voller echter Erschöpfung. Mein Herz zog sich zusammen. Meine Abwehr begann zu bröckeln. „Steckt das Familienunternehmen wirklich in ernsthaften Schwierigkeiten?“ „Ja.“ Seine Antwort war ruhig. „Das tut es.“ „Was?“ Luscious drehte sich überrascht um. „Laut den letzten Berichten lief doch alles hervorr—“ Klack! Der Gehstock unseres Vaters traf ihn punktgenau am Hinterkopf. Der alte Mann hatte wirklich eine beeindruckende Treffsicherheit. „Gibt es wirklich keine andere Lösung?“, fragte ich und ignorierte das schmerzverzerrte Stöhnen meines Bruders. „Nein.“ Ich seufzte und blickte auf meine Hände. Verglichen mit dem Verlust des gesamten Vermögens der Familie Lin... erschien ein Treffen mit einem potenziellen Bräutigam plötzlich wie ein ziemlich kleines Opfer. Und so ungern ich es zugab... ich wusste, dass mein Vater mich zu sehr liebte, um mich absichtlich ins Unglück zu stürzen. „Ich werde darüber nachdenken“, sagte ich schließlich. Ein breites Lächeln erschien sofort auf seinem Gesicht. „Das ist mein Mädchen.“ Dann wandte er sich wieder an die Wand. „Meinen Stock.“ Luscious sprang sofort auf, holte den Gehstock und reichte ihn unserem Vater wie ein ausgescholtener Welpe. Der alte Mann nahm ihn entgegen, warf meinem Bruder noch einen letzten strengen Blick zu und verließ das Arbeitszimmer. Kaum war die Tür ins Schloss gefallen, drehte sich Luscious zu mir um. Sein Gesicht war ungewöhnlich ernst. „Hier stimmt definitiv etwas nicht, Annie.“ „Da stimme ich dir zu.“ Er trat näher und legte mir beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Mach dir keine Sorgen, Schwester.“ Seine Augen verengten sich entschlossen. „Ich werde herausfinden, was hier wirklich gespielt wird.“„Wie kannst du es wagen, mich jetzt anzulügen?! Du musst deine Gesundheit viel ernst nehmen! Ich habe schon angerufen...“„Miss Lin?“ Ein Kopf steckte durch den Türrahmen und schnitt meiner ängstlichen Standpauke das Wort ab.„Susan! Gosh, ich dachte, du tauchst nie auf!“ Ich versuchte, vom Bett zu rutschen, um sie hereinzubitten, aber Xanders Hand schoss vor und packte meinen Unterarm mit schwachem Griff, um mich aufzuhalten.„Geh nicht“, flüsterte er kaum hörbar, und seine grauen Augen wirkten völlig leblos, als hinge er nur noch an einem seidenen Faden am Bewusstsein.„Ich bin ja hier“, wurde meine Stimme sanfter. Ich rückte näher an ihn heran und manövrierte seinen Kopf vorsichtig so, dass er auf meinem Schoß ruhte. Ich flüsterte Susan zu, sie solle eintreten, und direkt hinter ihr folgte ein streng aussehender Mann, der einen schweren metallenen Medizinukoffer trug. Er war eindeutig ein Arzt.Er verneigte sich höflich vor mir, was ich sofort erwiderte.Er stellte seinen Koffer au
„Es ist schon gut, Annie. Ich muss nicht gehen. Mir ist überhaupt nicht peinlich“, versuchte Xander mich zu beruhigen, und seine Stimme klang angestrengt.,Klar!‘ Ich verdrehte die Augen so heftig, dass ich fast meinen eigenen Hinterkopf sah.Er behauptete, es sei ihm nicht peinlich, und doch waren sein ganzes Gesicht, sein Hals und seine Brust röter angelaufen als meine. Er schwitzte in Strömen und schluckte wiederholt schwer, sah aus wie ein Gestrandeter, der nach einem Glas Wasser lechzte.Und wen kümmerte es schon, ob ihm das peinlich war oder nicht?! Ich war diejenige, die vor Scham starb! Ich brauchte ihn dringend aus dem Raum, damit ich meine Scham in Ruhe ausleben konnte.„Du glaubst mir nicht? Hier, ich helfe dir sofort beim Wegräumen, um es zu beweisen“, sagte er und griff nach der winzigen Tasche.Eine Welle der Panik durchzuckte mein gesamtes Nervensystem.„Nein!“, schrie ich auf und stürzte nach vorn, um ihm die Tasche aus seinem festen Griff zu reißen.Es war ein fataler
Er zitterte. Seine grauen Augen wichen ängstlich von den meinen ab, während er sich ungeschickt auf seinem Sitz zurechtrückte und unwohl wirkte.Er räusperte sich und versuchte, so etwas wie Kontrolle zurückzugewinnen.„Das... das ist nicht wichtig, Annie“, murmelte er leise und hinterließ bei mir ein tiefes Stirnrunzeln.„Warum ist das nicht wichtig? Ich wüsste es wirklich gerne“, drängte ich und beugte mich nach vorn, um den Druck aufrechtzuerhalten.Xander fing plötzlich wie aus dem Nichts an zu schwitzen. Der Raum war nicht einmal ansatzweise warm.„Annie... ich möchte wirklich nicht darüber reden“, versuchte er kalt zu klingen, scheiterte damit aber kläglich. Seinem Tonfall fehlte jeder Tropfen seiner gewohnten, einschüchternden Schärfe.Meine Augenbrauen zogen sich fest zusammen, während ich sein Gesicht musterte und versuchte, den Wandel in seinem Auftreten zu entschlüsseln. „Xander, verheimlichst du mir etwas? Etwas, das ich nicht wissen soll?“, fragte ich, aber er vermied wei
Ich war mir nicht sicher, was mein nächster Schritt sein sollte. Sollte ich tatsächlich einen Schluck nehmen oder standhaft bleiben? Xander würde mir ganz sicher nichts zuleide tun, oder?Zögernd öffnete ich die Lippen, und er fütterte mich behutsam mit der warmen Suppe.,Oh, Gott!‘ Sie war irgendwie noch besser als das letzte Mal, als er sie gekocht hatte! Der Mann hatte sein geheimes Rezept offensichtlich perfektioniert.In dem Moment, in dem die herzhafte Brühe meine Geschmacksnerven traf, gab mein Magen ein lautes Knurren von sich und bettelte aggressiv nach einem weiteren Löffel. Aber Xander machte keine Anstalten, mir einen zweiten Bissen anzubieten. Er saß einfach da, hielt das Besteck als Geisel fest und beobachtete mich wie ein Luchs.„Worauf wartest du denn noch?!“, fragte ich ihn ernst, während meine Augen zwischen seinem Gesicht und der Schüssel hin und her wanderten. Wenn ich diesen Löffel selbst in der Hand hätte, schwöre ich, hätte ich inzwischen schon drei ganze Portio
„Aber zuerst muss ich dich füttern“, sagte Xander zu mir, und sein Tonfall ließ absolut keinen Spielraum für Verhandlungen. Er setzte mich sanft zurück auf den Hocker und beugte sich vor, um mir einen warmen Kuss auf die Wange zu drücken. „Ich bin gleich fertig, Frauchen“, fügte er hinzu und warf mir ein tödliches Zwinkern zu.Ich war so schockiert, dass mir vor lauter Sprachlosigkeit buchstäblich die Kinnlade herunterfiel. Mit ihm stimmte heute unbestreitbar etwas nicht. Hatte er sich etwa heimlich mit neuen Leuten herumgetrieben?Wie gebannt sah ich zu, wie Xander gekonnt frisches Gemüse zerkleinerte und das Hühnerfleisch wusch, bevor er seine Magie wirken ließ, um ein Meisterwerk zu erschaffen.Mir lief sofort das Wasser im Munde zusammen, als er die dampfende Schüssel direkt vor mich stellte. Das Aroma von kräftigen Kräutern und heißer Brühe traf mich voll und ganz, und ich wollte nicht einmal eine einzige Sekunde oder einen Funken Energie damit verschwenden, mich bei ihm zu bedan
„Hast du schon zu Abend gegessen?“, fragte mich Xander, und sein Tonfall war von jener vertrauten, intensiven Sorge durchdrungen.Ich nickte schnell in der Hoffnung, die Lüge würde ihn endlich überzeugen, mich herunterzulassen. Der Mann hatte mich in den letzten dreißig Minuten wie einen Rucksack herumgetragen und mir meine gottgegebene Freiheit verwehrt.Ich war kein Säugling! Ich hatte versucht, ihm das wiederholt zu erklären, aber er beharrte einfach darauf, dass ich „sein“ Baby sei. Was ich zwar nicht bestreiten wollte... aber trotzdem! Selbst echte Babys mussten manchmal in Ruhe gelassen werden, um auf eigenen Beinen zu stehen!Xander schien von meinem hastigen Nicken jedoch nicht überzeugt zu sein. Er trug mich in die Küche und setzte mich schließlich auf einen hohen Marmorhocker.„Ich koche dir etwas Leckeres“, sagte er, während ein aufgeregtes Lächeln über sein gut aussehendes Gesicht huschte.„Ist ‚etwas Leckeres‘ der Code für Hühnersuppe?“, fragte ich, und meine Laune hellte







