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„Aurora, ich habe gestern deinen Mann mit einer anderen Frau gesehen.“
Die angesprochene Aurora Harperwood drehte sich sofort um. Mit einem flüchtigen Lächeln sah sie Velia an, die ganz offensichtlich gezielt auf ihren Schreibtisch zugesteuert war. „Vielleicht hatte Alex ein Treffen mit einer Kundin oder einer Kollegin. Wo hast du ihn denn gesehen?“, fragte Aurora neugierig. Als Abteilungsleiter eines Einzelhandelsunternehmens hatte ihr Mann häufig mit Frauen zu tun. Aurora vertraute ihm vollkommen. Wenn Alex tatsächlich untreu wäre, hätten sie es wohl kaum zwei Jahre miteinander ausgehalten. „Im Kempinski Hotel“, antwortete Velia. „Du hast Alex im Hotel gesehen?“ Aurora runzelte die Stirn. Krampfhaft versuchte sie, positiv zu denken. Nein, Alex würde niemals eine Grenze überschreiten. Davon war sie überzeugt. Er war ein guter Mann. „Ja. Ich habe gesehen, wie er mit einer Frau zusammen in einen der Aufzüge gestiegen ist“, erklärte Velia. Als Aurora ihr in die Augen sah, wusste sie sofort, dass ihre Freundin sie nicht belog. „Ach, vielleicht hatten sie dort einfach ein Geschäftstreffen.“ „Ein Geschäftstreffen? Aurora, ich habe ganz deutlich gesehen, wie Alex diese Frau innig umarmt hat. Welche Geschäftspartner umarmen sich denn so?“ Auroras Herz begann schlagartig schneller zu schlagen. Allein der Gedanke, dass ihre Freundin ihren Mann in den Armen einer anderen Frau gesehen hatte, brachte ihre Gedanken völlig durcheinander. „Ich bin mir sicher, dass da mehr zwischen ihnen läuft als nur Arbeit“, fuhr Velia fort. „Und mal ehrlich – welche Besprechung findet in einem Hotel statt und nur zwischen zwei Personen? Ich bin überzeugt, dass Alex—“ „Velia…“ Aurora unterbrach sie hastig. „Genug. Bitte hör auf. Du musst nichts mehr sagen.“ Mehrmals schüttelte sie den Kopf. Sie wollte keine weiteren Vermutungen hören. Sie bedankte sich zwar für die Information, doch sie bat Velia eindringlich, das Thema ruhen zu lassen. Nach diesem Gespräch konnte Aurora den restlichen Arbeitstag im Krankenhaus kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Als Kinderärztin musste sie sich eigentlich voll konzentrieren, schließlich durfte ihr bei medizinischen Behandlungen kein Fehler unterlaufen. Nachdem sie eine Weile mit sich gerungen hatte, traf sie schließlich eine Entscheidung. Um ihrer eigenen inneren Ruhe willen wollte sie Velias Worte nicht weiter an sich heranlassen. Sie zwang sich, daran zu glauben, dass ihr Mann ihre Ehe niemals verraten würde. Als ihre Schicht endete, fuhr Aurora sofort nach Hause. Sie hoffte, noch vor Alex anzukommen, der gewöhnlich erst am Abend heimkehrte. Zu Hause angekommen, legte sie ihren Arztkittel und ihre Arbeitstasche ab und ging direkt in die Küche. Wie jeden Tag begann sie, das Abendessen zuzubereiten, damit sie später gemeinsam mit ihrem Mann essen konnten. Ganz gleich, wie anstrengend ihr Beruf war oder wie viele Patienten im Krankenhaus auf sie warteten – Aurora war überzeugt, dass sie ihre Pflichten als Ehefrau niemals vernachlässigen durfte. Sie gab sich größte Mühe, sich um alles zu kümmern, was Alex brauchte. Nachdem das Essen fertig war und auf dem Tisch stand, ging sie ins Schlafzimmer. Sie duschte, machte sich frisch und bereitete sich darauf vor, ihren Mann zu empfangen. Punkt sieben Uhr abends kam endlich der Mensch nach Hause, auf den sie den ganzen Tag gewartet hatte. Kaum betrat der große, attraktive Mann das Zimmer, ging er direkt auf Aurora zu, die gemütlich auf dem Sofa saß und ein Buch las. Alex hielt einen Strauß roter Rosen in den Händen sowie eine Red-Velvet-Torte – Auroras absoluten Lieblingskuchen. Wie immer schloss er sie zuerst in die Arme und schenkte ihr einen sanften Kuss. Es war ein Ritual, das er jedes Mal pflegte, wenn er zur Arbeit ging oder nach Hause kam. „Ich habe dich vermisst“, flüsterte Alex und drückte sie fest an sich. Dann lockerte er die Umarmung ein wenig, küsste abwechselnd ihre Stirn und ihre Lippen und ließ sie schließlich langsam wieder los. Aurora lächelte. Wie sollte sie nach dieser liebevollen Begrüßung glauben können, dass Alex Wildblood sie betrügen würde? Er war immer warmherzig, aufmerksam und verstand es wie kein anderer, sie glücklich zu machen. In ihren Augen schien es schlicht unmöglich, dass Alex etwas so Dummes tun könnte wie fremdzugehen. „Wirst du eigentlich nie müde, mir jeden Tag zu sagen, dass du mich vermisst? Wir sehen uns doch täglich.“ Alex lächelte, zwickte sie liebevoll in die Nase und erwiderte ihren neckischen Einwand. Er wusste, wie glücklich er sich schätzen konnte, eine so wunderschöne, kluge und unabhängige Frau wie Aurora an seiner Seite zu haben. „Wie könnte ich dich denn nicht vermissen? Du bist einfach unwiderstehlich, Liebling.“ „Schmeichler.“ „Wieso Schmeichler? Ich meine das ernst. Du bist schon immer unwiderstehlich gewesen. Deshalb vergesse ich selbst im Büro nie, dich anzurufen oder dir zu schreiben.“ Er übertrieb keineswegs. Egal, wie voll sein Terminkalender war – Alex meldete sich immer bei ihr. Mal schickte er ihr eine kurze Nachricht, mal erzählte er ihr, wie sein Tag lief. Es war offensichtlich, wie sehr er seine Frau liebte und schätzte. „Na gut, ich glaube dir. Dann geh jetzt schnell duschen. Danach essen wir zusammen.“ Sie lächelte. „Ich habe übrigens dein Lieblingsessen gekocht – genau das, was du dir heute Morgen gewünscht hast.“ Alex nickte zufrieden. „Perfekt.“ Er zog sein Jackett und anschließend sein weißes Hemd aus, warf beides achtlos aufs Bett und schlenderte mit nacktem Oberkörper ins Badezimmer. Aurora war dieses Verhalten längst gewohnt. Kopfschüttelnd hob sie seine Arbeitskleidung auf und wollte sie in den Wäschekorb legen. Doch noch bevor sie das Hemd hineinwerfen konnte, hielt sie plötzlich inne. Ein fremder Duft stieg ihr in die Nase. Sie runzelte die Stirn. Langsam führte sie das Hemd näher an ihr Gesicht, um sicherzugehen, dass sie sich nicht irrte. Nein… Das war weder ihr eigenes Parfüm noch das ihres Mannes. Der intensive Duft gehörte eindeutig einer anderen Frau. In diesem Moment hallten Velias Worte erneut in ihren Ohren nach. Plötzlich schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, dass Alex sie vielleicht tatsächlich betrog. Aurora schloss die Augen. Tief atmete sie ein und aus. Was sollte sie jetzt tun? Alex direkt zur Rede stellen? Oder heimlich Nachforschungen anstellen, Beweise sammeln und erst dann eine endgültige Entscheidung treffen? ⸻ Zwei Tage vergingen. Obwohl Aurora sich weiterhin bemühte, Alex genauso liebevoll zu behandeln wie immer, ließ sich ihr Herz nicht belügen. Diese Unruhe… Dieser bohrende Zweifel… Die quälende Frage, ob ihr Mann ihre Liebe tatsächlich verriet, verließ sie keine Sekunde. Velia bemerkte sofort, dass mit ihrer Freundin etwas nicht stimmte. Deshalb lud sie Aurora in der Mittagspause zu einem Essen außerhalb des Krankenhauses ein. Sie entschieden sich für ein Einkaufszentrum in der Nähe und gingen wie so oft in ihr Lieblingsrestaurant mit koreanischer Küche. „Aurora, was ist nur los mit dir?“, fragte Velia, nachdem sie sich gesetzt hatten und gerade die Speisekarten in die Hand nahmen. „Seit gestern siehst du völlig niedergeschlagen aus.“ „Ich weiß auch nicht“, antwortete Aurora ausweichend. „Vielleicht liegt es einfach am PMS.“ Es war eine Ausrede. Sie wollte Velia nicht erzählen, was in ihr vorging. Sie hatte Angst, ihre Freundin könnte die Sache noch weiter anheizen und sie damit nur noch unglücklicher machen. „Na gut. Dann bestell dir nachher ein Eis. Vielleicht hebt das deine Stimmung.“ Vielleicht hatte Velia recht. Ein Eis könnte ihr helfen, ihre aufgewühlten Gefühle etwas zu beruhigen. Vielleicht würde sie sich danach tatsächlich besser fühlen. Doch noch bevor sie überhaupt bestellen konnten, fiel Auroras Blick zufällig auf eine vertraute Gestalt, die am Restaurant vorbeiging. Es war Alex. Instinktiv wollte sie seinen Namen rufen. Doch ihre Lippen wurden plötzlich trocken. Kein Laut kam heraus. Mit weit geöffneten Augen beobachtete sie, wie ihr Mann zunächst allein ging. Im nächsten Moment trat eine Frau zu ihm. Ohne zu zögern griffen sie nach den Händen des anderen. Sie gingen Seite an Seite weiter. Finger ineinander verschränkt. So vertraut. So intim. Der Schmerz traf Aurora mit voller Wucht. Denn sie wusste genau, wer diese Frau war. Es war Alex’ persönliche Assistentin. Und zugleich… ihre eigene Cousine.„Asher, bist du mit deiner Arbeit immer noch nicht fertig?“Am Abend, als Feierabend war, ging Aurora absichtlich zu ihrem jüngeren Bruder in die Notaufnahme. Sie wollte sich vergewissern, dass Asher seine Arbeit beendet hatte, schließlich war es bereits Zeit, nach Hause zu gehen.Aurora hatte einen bestimmten Grund dafür. Seit dem Vorfall mit Savana bestand Asher darauf, seine Schwester persönlich zu begleiten. Das bedeutete, dass Aurora von nun an mit ihm nach Hause fahren musste.„Ich überprüfe noch die Diagnosen der Patienten. Einige von ihnen sind noch nicht stabil.“„Soll ich dann auf dich warten?“Noch bevor Asher antworten konnte, kamen mehrere Krankenschwestern hastig auf ihn zugelaufen und baten ihn, sofort mitzukommen. Offenbar wurde dringend medizinische Hilfe benötigt.„Doc, in einem der VIP-Zimmer gibt es einen Notfall. Dr. Alfredo hat bereits versucht, den Patienten zu behandeln. Er bittet darum, dass Dr. Asher die Operation übernimmt.“Asher nickte und machte sich sofo
Eigentlich war Aurora von den Ereignissen im Krankenhaus vor einigen Tagen noch immer ein wenig traumatisiert. Es ging ihr dabei nicht darum, dass sie sich mit Savana gestritten hatte. Was ihr zu schaffen machte, waren vielmehr die gewalttätigen Handlungen ihrer ehemaligen Schwiegermutter, die beinahe zu ernsthaften Verletzungen geführt hätten.Wenn niemand rechtzeitig zu Hilfe gekommen wäre, war sich Aurora sicher, dass sie durch Savanas Schläge und Kratzer verletzt worden wäre. Man musste sich nur vorstellen, wie diese Frau in ihrer Wut aufgetaucht war und sie angegriffen hatte, ohne auch nur auf ihre Umgebung zu achten.Asher hatte Aurora inzwischen mehrfach dazu gedrängt, den Vorfall den Behörden zu melden, damit Savana eine Lektion erteilt bekam und in Zukunft abgeschreckt würde. Doch Aurora wollte die Angelegenheit nicht noch weiter in die Länge ziehen. Deshalb weigerte sie sich, darüber zu sprechen.„Kannst du dir vorstellen, dass du mal eine Schwiegermutter hattest, die sich w
Früher war es für Aurora alles andere als einfach gewesen, den Segen ihrer Eltern für ihre Heirat mit Alex zu bekommen.Abgesehen davon, dass ihre Eltern das Gefühl hatten, Aurora und Alex würden aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen stammen, hatte Alex damals auch noch keine feste Arbeitsstelle.„Auch wenn beide gut ausgebildet sind, ist Alex trotzdem nicht der richtige Mann für Aurora, Papa. Was bringt ihm seine hohe Bildung, wenn er nicht einmal einen sicheren Arbeitsplatz hat? Ganz zu schweigen davon, dass er dafür bekannt ist, ständig seine Partnerinnen zu wechseln. Ich habe Angst, dass er Aurora irgendwann sitzen lässt, sobald er das Interesse an ihr verliert.“„Papa, ich bin mir da auch nicht ganz sicher. Aber Aurora scheint fest entschlossen zu sein, sich für Alex zu entscheiden.“Joshua war tatsächlich unsicher. Er machte sich Sorgen, seine geliebte Tochter einem Mann anzuvertrauen, der in seinen Augen noch nicht auf eigenen Beinen stand. Vor allem nachdem Asher ihm erzä
Alex massierte sich die pochenden Schläfen. Sein Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment platzen, während er darüber nachgrübelte, wie er die von Aurora geforderten Schulden begleichen sollte.Für Alex waren zehn Millionen Dollar keine Kleinigkeit. Selbst nachdem er all seine Vermögenswerte durchgerechnet hatte, konnte er höchstens die Hälfte der Summe aufbringen.„Mama … wir sollten das Haus einfach verkaufen. Um Himmels willen, Alex weiß wirklich nicht, wo er innerhalb weniger Tage so viel Geld auftreiben soll.“Im Wohnzimmer versuchte Alex, mit seiner Mutter darüber zu sprechen. Er redete auf Savana ein, flehte sie geradezu an, seinen Vorschlag wenigstens in Betracht zu ziehen.Schließlich war der Verkauf ihres einzigen Hauses Alex’ einzige Hoffnung, die Schulden schnell zu begleichen. Danach könnten sie in ein kleineres Haus ziehen und noch einmal von vorn anfangen.„Auf keinen Fall!“Savana schüttelte entschieden den Kopf und wies die Bitte ihres geliebten Sohnes sofort zu
Auroras Gesicht strahlte den ganzen Tag über. Obwohl sie zahlreiche schwierige Aufgaben zu erledigen hatte, schien sie alles mühelos zu bewältigen. Velia, die sie die ganze Zeit beobachtete, fragte sich bereits, was ihre Freundin seit dem Morgen derart gute Laune machte.„Warum lächelst du eigentlich die ganze Zeit?“Kaum hatte sie sich an ihren Schreibtisch gesetzt, stellte Velia die Frage. Ihre Neugier war einfach zu groß. Sie wollte unbedingt wissen, was passiert war.„Warum? Ist Lächeln etwa keine Form der Anbetung?“Velia stöhnte sofort auf.„Oh mein Gott, wie klischeehaft. Wenn jemand ohne Grund ständig lächelt, heißt das doch überall, dass er eine psychische Störung hat. Du solltest dich lieber schnell von Dr. Donna untersuchen lassen.“Aurora runzelte augenblicklich die Stirn. Wie konnte Velia es wagen, sie einfach für verrückt zu erklären?„Unsensibel. Ich bin einfach glücklich, weil ich meine Freiheit genießen kann. Nachdem all diese Probleme gelöst sind, fühle ich mich einf
Widerwillig kehrte Nicole noch in derselben Nacht in ihre Wohnung zurück, nachdem man sie offen hinausgeworfen, verbal angegriffen und behandelt hatte, als wäre sie nichts weiter als Abschaum.Ironischerweise war Nicole, nachdem sie sich zuvor so arrogant verhalten und sich geweigert hatte, auch nur so zu tun, als würden sie einander noch kennen, am Ende doch in Begleitung von Bastian gegangen.Als sie die Wohnung erreichten, half der Mann ihr pflichtbewusst dabei, den Koffer und einige andere Sachen hineinzutragen. Obwohl er selbst keine große Lust darauf hatte, bestand er darauf, noch etwas zu essen zu kaufen, damit Nicole heute Nacht wenigstens mit vollem Magen schlafen konnte.Bastian tat das ganz bewusst. Er wusste, dass Nicole sein Kind unter dem Herzen trug, und wollte nicht, dass ihr ungeborenes Baby zum Opfer ihrer anhaltenden Probleme wurde.„Du musst dich nicht so in den Mittelpunkt drängen!“Nicole saß auf dem Sofa im Wohnzimmer und verzog sofort spöttisch den Mund. Ihr Bl







