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Kapitel 85 – Strafe

last update Fecha de publicación: 2026-10-28 14:38:46

Eve

Ich liege im Bett, steif wie eine Leiche, und trage ein schwarzes Unterkleid, das sich weniger wie Dessous anfühlt als wie ein Leichentuch.

Ich habe nicht geschlafen. Habe das Buch nicht gelesen, das offen auf dem Nachttisch liegt. Seit vier Stunden starre ich die Decke an, gehe den Streit im Fitnessraum wieder und wieder durch und lausche auf seine Schritte.

Er ist nicht zum Abendessen gekommen.

Luciana hat ein Tablett aufs Zimmer gebracht und den Blick gesenkt. Sie spürt den radioaktiven
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    EveDie Nachtluft ist schwül. Über dem Hudson braut sich ein Gewitter zusammen. Schwere violette Wolken liegen wie blaue Flecken über der Skyline, aber noch hat es nicht angefangen. Es hängt dort, schwebend und erstickend. Ähnlich wie die Stimmung in diesem Haus seit drei Wochen.Es ist weit nach Mitternacht. Ich sitze auf der Terrasse unserer Suite und trinke Dominiks teuren Whisky. Einen dreißigjährigen Single Malt, der nach Rauch und Torf schmeckt.Ein schöner, frischer Weißwein würde nicht zu meiner momentanen Stimmung passen. Als ich mir den Whisky genommen habe, habe ich auch kurz über eine Zigarre nachgedacht. Aber meine Lunge hat mich ermahnt, es mit der Dramatik nicht zu übertreiben.Hier zu sitzen und wie ein Schulkind bei seiner ersten Zigarette zu husten, würde nämlich auch nicht zu meiner momentanen Stimmung passen.Die Stadt unter mir ist ein Raster aus elektrischer Nervosität. Aber hier oben ist es still genug, dass ich die Eiswürfel in meinem Glas klirren höre.Hinter

  • Unheilige Ehe   Kapitel 89 – Der Geburtstag

    DominikUm sechs Uhr morgens hat die Kalenderbenachrichtigung auf meinem Handy aufgeleuchtet. Ich habe sie weggewischt, ohne hinzusehen.Ich brauchte keine Erinnerung. Ich kenne ihr Geburtsdatum besser als mein eigenes. Kenne den genauen Moment, in dem sie auf die Welt gekommen ist, um mein unvermeidliches Kopfzerbrechen zu werden.Ich habe sie den ganzen Tag beobachtet.Als wir zum Tower gefahren sind. Als sie vor dem Mittagessen einen Stadtrat terrorisiert hat. Als sie heute Abend durch die Haustür gekommen ist, den Rücken so steif, dass er brechen könnte, das Kinn hoch erhoben.Sie glaubt, ich hätte es vergessen. Die meisten Ehefrauen würden es erwähnen. Andeutungen machen. Mit leidenden Seufzern nachhelfen.Meine tut nichts davon. Sie benimmt sich, als wäre heute nur ein weiterer Dienstag im Fegefeuer. Sie weigert sich, mir die Genugtuung zu geben, von ihrer Enttäuschung zu erfahren. Sie hat ihre Erwartungen in einen Tresor gesperrt und den Schlüssel verschluckt.Ich warte am Fuß

  • Unheilige Ehe   Kapitel 88 – Der Auslöser

    EveDie Kinderwunschklinik riecht nach Stargazer-Lilien, mit einer feinen Note Verzweiflung.Ein teurer Geruch. Die Lilien in ihrer Kristallvase sind bunt und makellos.Die Verzweiflung ist weniger greifbar. Sie steckt im beigefarbenen Teppich und in den gedämpften Stimmen der Empfangskräfte. Es ist der Geruch von Frauen, die alles haben, was Geld kaufen kann, außer dem einen, was ihre Biologie verlangt.Ich sitze auf dem knisternden Papier der Untersuchungsliege und trage ein demütigend dünnes Papierhemd. Meine Beine baumeln.Dominik steht an der Tür und sieht aus wie ein Gewitter, das in einer Besenkammer feststeckt. Er macht die ganze entsetzliche Erfahrung noch unangenehmer.„Sie müssen nicht hier sein“, sage ich tonlos. „Ich kenne den Ablauf. Fußstützen. Kaltes Gel. Sonde. Urteil. Sie sind nur für den letzten Teil unverzichtbar.“Er funkelt mich an. „Ich urteile nicht“, erwidert Dominik. „Ich mache mir Sorgen. Und ich bleibe nicht im Büro, während jemand anders in deiner Vagina h

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    EveIch sitze in meinem neuen Büro im obersten Stock des Towers.Ein Haifischbecken mit Glaswänden, das es mit Dominiks aufnehmen kann. Mit Panoramablick auf die Stadt, die mein Mann langsam und systematisch verschlingt. Mit meiner Hilfe.Mein Schreibtisch ist eine schwarze Marmorplatte ohne persönliche Dinge. Keine Fotos. Kein Krimskrams. Nur die Werkzeuge meines Berufs. Ein gesicherter Laptop, drei Handys und ein Stapel Dossiers, der den Stadtrat zu Fall bringen würde, wenn er an die Öffentlichkeit geriete.Es ist eine Erleichterung, Dominiks Gesicht nicht mehr den ganzen Tag ansehen zu müssen. Ich schaffe viel mehr.„Marcus“, sage ich und unterbreche das Gejammer des Lobbyisten an meinem Ohr. „Mir ist egal, dass Stadtrat Yates Gewissensbisse hat. Sagen Sie ihm, wenn er gegen die Änderung der Bebauungsvorschriften stimmt, bekommt seine Frau das Dossier über seine Wochenendtrips nach Atlantic City. Besonders die Fotos aus der Sapphire Lounge.“„Mrs. Grimaldi, das ist …“, flüstert Mar

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    DominikDer Meridian Room ist ein Denkmal für altes Geld und noch ältere Sünden. Dunkle Eichenvertäfelung, Samtvorhänge in der Farbe getrockneten Blutes und Kronleuchter, deren goldenes Licht den Männern, die die Unterwelt regieren, gnädig ist.Früher gab es sechs Plätze am Tisch der Mächtigen. Jetzt sind es fünf.Der Stuhl, auf dem Giovanni Armando saß, wurde entfernt. Die Lücke ist nahtlos geschlossen, als hätte er nie existiert. So arbeiten wir. Du gehst unter, das Wasser schließt sich über deinem Kopf, und die Haie schwimmen weiter.Ich sitze am Kopfende. Rechts von mir sitzt Don Salvi, dessen Hände wegen Parkinson zittern, dessen Verstand aber noch immer messerscharf ist. Links von mir sitzt meine Frau.Eve ist heute Abend atemberaubend. Wann ist sie das nicht?Sie trägt ein tief ausgeschnittenes, nachtblaues Kleid, das sich wie ein Schatten an ihre Rundungen schmiegt. Ihr Haar ist hochgesteckt und legt die lange, elegante Linie ihres Halses frei. Des Halses, den ich vor zwei Näc

  • Unheilige Ehe   Kapitel 85 – Strafe

    EveIch liege im Bett, steif wie eine Leiche, und trage ein schwarzes Unterkleid, das sich weniger wie Dessous anfühlt als wie ein Leichentuch.Ich habe nicht geschlafen. Habe das Buch nicht gelesen, das offen auf dem Nachttisch liegt. Seit vier Stunden starre ich die Decke an, gehe den Streit im Fitnessraum wieder und wieder durch und lausche auf seine Schritte.Er ist nicht zum Abendessen gekommen.Luciana hat ein Tablett aufs Zimmer gebracht und den Blick gesenkt. Sie spürt den radioaktiven Niederschlag hier im Haus. Ich habe lustlos im Salat herumgestochert. Zwei Gläser Wein getrunken.Jetzt warte ich.Als ich höre, wie die Tür aufgeht, tritt mein Herz in einem verräterischen, hektischen Rhythmus gegen meine Rippen.Dominik muss in einem anderen Zimmer geduscht haben. Er trägt nur eine schwarze Schlafhose, die tief auf seinen Hüften sitzt und die V-förmigen Muskellinien an seinem Becken freilässt. Sein Haar ist feucht und aus dem Gesicht zurückgekämmt. Sein Ausdruck ist erschrecke

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