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Erbe des Eisenfang-Rudels. Eroberer dreier Grenzterritorien, bevor er fünfundzwanzig wurde. Gerüchten zufolge hatte er seinen eigenen Onkel im Einzelkampf getötet, ohne sich zu verwandeln, nur um zu beweisen, dass das Blut stark geblieben war. Er lümmelte in dem geschnitzten Stuhl, als wäre er eigens für ihn gemacht worden, ein langes Bein ausgestreckt, die Finger trommelten lässig auf der Armlehne. Sein dunkles Haar fiel in unordentlichen Wellen über die Stirn, doch nichts an ihm war unordentlich. Nicht die scharfe Linie seines Kiefers, nicht die sturm grauen Augen, die nichts entgingen, nicht die feine Narbe, die sich von der linken Schläfe bis zum Mundwinkel zog wie ein Versprechen von Gewalt.
Elara hielt den Blick gesenkt, als sie sich dem Tisch näherte. Sie stellte das Tablett mit dem Glühwein zwischen zwei Ältesten ab, vorsichtig, damit die Kelche nicht klirrten. Niemand dankte ihr. Das tat niemand je. Sie war Möbel, nützlich nur, wenn gebraucht, und unsichtbar, wenn nicht.
Sie war fast an der Seitentür, als sie den Namen ihrer Schwester hörte.
„Selene wird eine passende Luna abgeben“, sagte Darius, die Stimme dick vor Zufriedenheit. „Die Sichel auf ihrer Schulter leuchtet bei jedem Vollmond heller. Das Rudel singt bereits Lieder über sie. Sie werden ihr ohne Zögern folgen.“
Thornes leises Lachen rollte durch den Saal wie ferner Donner. „Lieder sind hübsch. Loyalität, die mit Liedern erkauft wird, bricht beim ersten Mal, wenn Stahl auf Fleisch trifft. Ich brauche mehr als Poesie.“
Elara erstarrte gerade innerhalb der schattigen Nische, den Rücken gegen die kalte Steinwand gepresst. Sie sollte gehen. Sie wusste, dass sie sollte. Diener, die verweilten, wurden für Lauschen geschlagen. Doch etwas in Thornes Ton nagelte ihre Füße am Boden fest.
Darius lehnte sich vor. „Du stellst die Würde meiner Tochter infrage?“
„Ich stelle nichts an ihrer Schönheit oder ihrem Mal infrage“, erwiderte Thorne. „Beides ist makellos. Aber Schönheit füllt keine Wiegen, und ein einziges heiliges Mal garantiert keine starken Welpen. Die Eisenfang-Linie hat sich über Generationen verdünnt. Ich werde das nicht dem Zufall überlassen.“
Eine schwere Stille folgte. Einer der Ältesten räusperte sich. „Was schlägst du vor, Erbe?“
Thornes Stimme sank, intim, fast amüsiert. „Eine einfache Vereinbarung. Ich paare mich öffentlich mit Selene, unter dem Blutmond. Das Rudel sieht ihre perfekte Verbindung, ihre Zukunft gesichert. Doch bevor die Zeremonie abgeschlossen ist, nehme ich die andere. Die Ungezeichnete. Elara.“
Elaras Herz hämmerte so heftig gegen ihre Rippen, dass sie Blut schmeckte. Das Tablett, das sie noch trug, zitterte; sie umklammerte es fester, damit die Kelche nicht klapperten.
Darius bellte ein kurzes, hartes Lachen. „Du willst die Bastardin? Das Mädchen, das Böden schrubbt und Eimer mit Abfall schleppt?“
„Ich will ihren Schoß“, sagte Thorne nüchtern. „Sie trägt Blackthorn-Blut, genau wie Selene. Kein Mal bedeutet keine heiligen Erwartungen, keinen Druck der Ältesten auf ein gezeichnetes Erbe. Sie kann meine Kinder im Verborgenen gebären. Starke. Eisenfang-Blut gemischt mit Blackthorn-Widerstandsfähigkeit. Wenn die Welpen geboren sind, beanspruche ich sie als Selenes. Das Rudel feiert ein Wunder. Selene zieht sie als ihre eigenen auf. Jeder gewinnt.“
„Außer dem Mädchen, das du zu entsorgen planst“, murmelte ein Ältester.
Thorne zuckte mit den Schultern, eine fließende Bewegung der Muskeln unter seinem schwarzen Wams. „Sie wird gut entlohnt. Ein Häuschen an der fernen Grenze. Genug Münzen, um ruhig zu leben. Sie wird nie Mangel leiden. Und sie wird nie davon sprechen.“
Elara presste die Knöchel gegen den Mund, um den Laut zu ersticken, der herauswollte. Ihre Sicht verschwamm an den Rändern. Sie besprachen sie wie Vieh. Zuchtvieh, das benutzt und dann auf die Weide geschickt wird.
Darius strich sich den Bart, nachdenklich. „Selene würde niemals zustimmen.“
„Sie muss die Einzelheiten nicht kennen“, sagte Thorne. „Sag ihr, die Welpen seien durch ein Wunder ihre. Sie ist fromm genug, um zu glauben, die Mondgöttin habe ihren Schoß nach der Paarung gesegnet. Der Rest geschieht im Schatten. Elara kennt Schatten. Sie hat ihr ganzes Leben darin gelebt.“
Ein weiterer Ältester sprach, zögernd. „Und wenn das Mädchen sich weigert?“
Thornes Lächeln war langsam, scharf, schön auf die Weise, wie eine Klinge schön ist. „Sie wird sich nicht weigern. Loyalität sitzt tief in Bastarden. Sie liebt ihre Schwester. Sie würde alles tun, um Selene sicher zu halten, um ihr perfektes Leben unversehrt zu lassen. Ich habe sie beobachtet. Sie zuckt zusammen, wenn Selene in der Nähe ist, als fürchtete sie, ihre bloße Anwesenheit würde das Licht trüben. Sie wird zustimmen.“
Elaras Knie gaben nach. Sie rutschte die Wand hinunter, bis sie auf dem kalten Boden saß, das Tablett wie einen Schild an die Brust gedrückt. Tränen brannten Spuren über ihre Wangen, doch sie gab keinen Laut von sich. Schweigen hatte sie auf die harte Tour gelernt.
Dann sprachen sie von anderen Dingen. Grenzpatrouillen. Handelsrouten. Der kommende Blutmond in drei Wochen. Doch Elara hörte nichts davon. Alles, was sie hörte, war Thornes ruhige, rücksichtslose Stimme, die ihre Zukunft darlegte, als wäre sie bereits festgeschrieben.
Als das Treffen endlich auseinanderging, wartete sie, bis die letzten Schritte verhallt waren, bevor sie aufstand. Ihre Beine zitterten, als sie das unberührte Tablett zurück in die Küchen trug. Sie bewegte sich durch die Dienstbotengänge wie ein Geist, vorbei an den Waschräumen, vorbei an den Vorratskellern, bis sie die schmale Treppe erreichte, die zum Dachboden führte, wo sie schlief.
Sie zündete die einzelne Kerze nicht an. Dunkelheit fühlte sich sicherer an.
Elara rollte sich auf der dünnen Pritsche zusammen, Knie an die Brust gezogen, und ließ die Schluchzer lautlos kommen. Sie weinte um die Schwester, die sie seit Kindertagen beschützt hatte, die Schwester, die ihr einst extra Brot zugesteckt hatte, wenn die Küchen verschlossen waren, die Geschichten von der Mondgöttin geflüstert hatte, wenn Elaras Rücken von der Peitsche blutete. Selene hatte sie nie wie Dreck behandelt. Nicht ein einziges Mal.
Und nun plante der Mann, dem Selene seit ihrer Geburt versprochen war, Elara als Gefäß zu benutzen und sie dann auszulöschen.
Sie legte die Handfläche auf ihre linke Schulter, wo glatte, ungezeichnete Haut unter dem rauen Leinenhemd lag. Keine Sichel. Kein Segen. Nur Haut. Gewöhnlich. Vergessbar.
Doch Thorne hatte sie bemerkt.
Nicht ihr Gesicht, nicht ihren Namen. Ihren Körper. Ihr Blut. Ihr Potenzial, seine Erben im Geheimen zu tragen, während die Welt Selene anbetete.
Elara wischte sich mit zitternden Händen das Gesicht ab. Unter dem Schmerz stieg Zorn auf, erst langsam, dann heißer. Sie würde das nicht zulassen. Sie würde nicht zulassen, dass jemand Selene zu einer hübschen Marionette reduzierte, während er Bastarde im Dunkeln züchtete.
Sie stand auf, ging zum winzigen Fenster und stieß den Laden auf. Der Mond hing tief, fast voll, und tauchte den Wald jenseits des Anwesens in Silber. Irgendwo in diesen Wäldern liefen Wölfe frei. Irgendwo da draußen bewegte sich das Leben ohne Ketten.
Elara leistete im Mondlicht ein Gelübde, leise, aber unzerbrechlich.
Sie würde Selene schützen. Was auch immer es kostete.
Selbst wenn es bedeutete, zwischen ihrer Schwester und dem Monster zu stehen, das sie beide wollte.
Selbst wenn es bedeutete, Thorne Blackwood selbst gegenüberzutreten.
Sie wusste nicht wie. Sie hatte kein Mal, keinen Rang, keine Macht. Doch sie hatte achtzehn Jahre damit verbracht zu lernen, wie man in den Ritzen fremder Leben überlebt. Sie wusste, wie man zusieht. Wie man wartet. Wie man zuschlägt, wenn niemand es erwartet.
Drei Wochen bis zum Blutmond.
Drei Wochen, um einen Weg zu finden, ihn aufzuhalten.
Elara schloss den Laden und kehrte zur Pritsche zurück. Schlaf kam nicht, doch sie lag still, atmete gleichmäßig, ließ ihren Verstand in der Dunkelheit schärfen wie eine Klinge.
Morgen würde sie Thorne genauer beobachten. Morgen würde sie besser zuhören. Morgen würde sie beginnen zu kämpfen.
Denn wenn das heilige Mal war, was eine Frau würdig machte, dann würde Elara ihren Wert durch etwas Stärkeres beweisen.
Sie würde ihn beweisen durch
Der fünfte graue Morgen legte sich über Blackthorn Manor und fand die Dynastie in einem Zustand der kaum noch Leben von Tod trennte. Elara und Thorne knieten im Zentrum des Kreises und hielten den bewussten Strom der Liebe mit einem Willen aufrecht der bereits die letzten Reste ihrer Seelen verbrauchte. Das silberrote Licht war nur noch ein dünner zitternder Schimmer und der kalte Faden umschlang es eng und fest und entzog ihm mit jedem Puls weitere Kraft. Die schwarzen Narben auf ihren Malen hatten sich über Arme und Schultern ausgebreitet und zogen dunkle Linien bis an den Rand des Herzens. Jeder Atemzug war ein Kampf und jeder Herzschlag ein Preis der nicht mehr zu zahlen war und dennoch gezahlt wurde.Lira kniete direkt bei ihnen und legte beide Hände auf die Male. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch. Der Faden zieht zu und das Licht erlischt. Wenn wir jetzt nicht alles geben was noch vorhanden ist wird der Strom reißen und die Tür öffnet sich endgültig. Es gibt keine weitere
Der vierte graue Morgen brach über Blackthorn Manor herein und fand die Dynastie in einem Zustand der kaum noch von Zusammenbruch zu unterscheiden war. Elara und Thorne knieten im Zentrum des Kreises und hielten den bewussten Strom der Liebe mit einem Willen aufrecht der bereits die Grenzen der Seele überschritten hatte. Das silberrote Licht war nur noch ein dünner zitternder Faden und um diesen Faden legte sich der kalte Faden der durch den geweiteten Riss gesickert war und langsam dicker wurde. Die schwarzen Narben auf ihren Malen hatten sich weiter ausgebreitet und zogen dunkle Linien über Haut und Bindung gleichermaßen. Jeder Puls kostete jetzt mehr als der Körper und die Seele zusammen geben konnten.Lira kniete direkt bei ihnen und legte beide Hände auf die Male. Ihre Stimme zitterte vor Erschöpfung und Furcht. Der Riss hat sich geweitet und der kalte Faden wächst. Er umschlingt das Licht und entzieht ihm Kraft mit jedem Atemzug. Wenn wir ihn nicht sofort zurückdrängen wird er d
Der dritte graue Morgen legte sich über Blackthorn Manor wie eine nasse Last die keine Hoffnung trug. Elara und Thorne saßen noch immer im Zentrum des Kreises und hielten den bewussten Strom der Liebe mit einem Willen aufrecht der bereits über die Grenzen des Möglichen hinausging. Das silberrote Licht war nur noch ein dünner Faden der mühsam zwischen ihnen pulsierte und der hauchdünne Riss vibrierte unter dem ständigen Druck der fremden Note. Die schwarzen Narben auf ihren Malen waren dunkler geworden und schienen die Erschöpfung selbst in sich aufzusaugen. Jeder Atemzug kostete Kraft und jeder Puls fraß tiefer in die Reserven die kaum noch vorhanden waren.Lira kniete bei ihnen und legte die Hände auf die Male. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Der Strom hält noch doch er hält nur noch durch reinen Willen. Die bewegliche Verteilung hat uns zwei Nächte gerettet aber die Träger sind an einem Punkt angelangt an dem weitere Belastung den Zusammenbruch bedeutet. Wenn die Note je
Der dritte graue Morgen legte sich über Blackthorn Manor wie eine nasse Last die keine Hoffnung trug. Elara und Thorne saßen noch immer im Zentrum des Kreises und hielten den bewussten Strom der Liebe mit einem Willen aufrecht der bereits über die Grenzen des Möglichen hinausging. Das silberrote Licht war nur noch ein dünner Faden der mühsam zwischen ihnen pulsierte und der hauchdünne Riss vibrierte unter dem ständigen Druck der fremden Note. Die schwarzen Narben auf ihren Malen waren dunkler geworden und schienen die Erschöpfung selbst in sich aufzusaugen. Jeder Atemzug kostete Kraft und jeder Puls fraß tiefer in die Reserven die kaum noch vorhanden waren.Lira kniete bei ihnen und legte die Hände auf die Male. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Der Strom hält noch doch er hält nur noch durch reinen Willen. Die bewegliche Verteilung hat uns zwei Nächte gerettet aber die Träger sind an einem Punkt angelangt an dem weitere Belastung den Zusammenbruch bedeutet. Wenn die Note je
Der graue Morgen legte sich schwer über Blackthorn Manor und ließ die Erschöpfung der Dynastie in jedem Gesicht und jeder Haltung sichtbar werden. Elara und Thorne saßen noch immer im Zentrum des Kreises und hielten den bewussten Strom der Liebe aufrecht obwohl ihre Kräfte fast vollständig verbraucht waren. Das silberrote Licht flackerte schwach aber stetig und der hauchdünne Riss blieb eng genug um die fremde Note zurückzuhalten. Die schwarzen Narben auf ihren Malen lagen still doch unter der Oberfläche arbeitete die Müdigkeit weiter und nagte an den Reserven die kaum noch vorhanden waren.Lira prüfte die Male mit zitternden Fingern und sprach mit heiserer Stimme. Der Strom hat die Nacht überlebt und die Verengung hält doch die Träger sind tiefer erschöpft als je zuvor. Jeder Puls kostet jetzt mehr als er zurückgibt und die Seele selbst verlangt nach einer Pause die wir nicht gewähren können. Wenn die fremde Note jetzt einen neuen Weg findet wird der Kreis kaum noch reagieren können.
Der frühe Morgen lag über Blackthorn Manor wie eine dünne Decke die keine Wärme gab. Elara und Thorne hielten den bewussten Strom der Liebe mit letzter Kraft aufrecht und das silberrote Licht flackerte so schwach dass es zeitweise nur noch als Gefühl im Bund spürbar war. Die schwarzen Narben auf ihren Malen lagen still doch die ständige Arbeit hatte sichtbare Spuren hinterlassen. Ihre Gesichter waren aschfahl und die Hände zitterten auch im Ruhezustand und jeder Puls kostete mehr als der vorherige. Lira kniete eng bei ihnen und legte beide Hände auf die Male. Der Strom ist brüchig geworden. Die Verengung hält noch und der Riss ist eng doch die Träger sind am Ende ihrer Reserven. Wenn wir die Last nicht sofort anders verteilen wird der nächste Stoß den Strom reißen und dann öffnet sich die Tür von selbst. Sira arbeitete bereits an einer neuen Anordnung der Siegel. Die alten Kreise sind erschöpft und die neuen müssen die Last auf den gesamten Kreis legen statt auf zwei allein. Es wird







