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Kapitel 5

Author: R. Skye
last update publish date: 2026-06-05 23:53:38

Aus Marens Sicht

„Mr. Voss, willkommen zurück. Soll ich das Übliche für Sie und Ihre Freundin vorbereiten?“

Das Lächeln der Flugbegleiterin war warm und zielte genau auf die falsche Person. Ich stand am Eingang der Privatjet, meine Laptoptasche schwer auf der Schulter, und beobachtete, wie sie zwischen Dorian und mir hin und her sah mit einer fröhlichen Gewissheit, die meinen Magen zusammenziehen ließ.

Dorian unterbrach seinen Schritt nicht einmal, als er an ihr vorbeiging. „Sie ist nicht meine Freundin.“ Er blieb stehen, seine scharfen Augen hefteten sich auf die Frau. „Sind Sie neu?“

Die Uniform der Flugbegleiterin wirkte plötzlich zu eng, als sie schwer schluckte. „Ja, Mr. Voss. Es ist meine erste Woche bei dem Charter-Service. Ich entschuldige mich aufrichtig für die Annahme.“

„Sie ist meine Sekretärin“, sagte Dorian und ging zu den Ledersitzen. „Bereiten Sie ihr einen Kaffee vor. Dark Roast, zwei Spritzer Hafermilch, eine halbe Packung Rohrzucker.“

Ich erstarrte. Mein Puls setzte für einen Moment aus.

Ich hatte ihm nie erzählt, wie ich meinen Kaffee trank. Drei Jahre, in denen ich für ihn arbeitete, drei Jahre, in denen ich Abstand hielt, und er kannte meine genaue Bestellung, ohne jemals gefragt zu haben.

Die Flugbegleiterin nickte schnell und floh in Richtung Bordküche. Ich zwang mein Gesicht, vollkommen neutral zu bleiben, und weigerte mich, ihm die Panik in meiner Brust zu zeigen. Ich ging zwei Reihen an seinem Sitz vorbei und setzte mich ans Fenster, öffnete sofort meinen Laptop. Ich musste mich auf die Investoren-Zusammenfassung konzentrieren, auf den Rückstau, auf alles, was nicht der Mann war, der nur wenige Schritte entfernt saß.

Eine Stunde verging in schwerer, erstickender Stille. Dorian arbeitete sich mit kalter Effizienz durch seine Ordner, völlig unbeeindruckt von meiner Anwesenheit. Ich versuchte, seinen Fokus zu spiegeln, aber die Spannung in der Kabine war dick genug, um daran zu ersticken.

Ohne es zu merken, begann ich, meinen Daumen heftig gegen die Seite meines Zeigefingers zu reiben.

„Sie haben seit heute Morgen nichts gegessen“, sagte Dorian.

Ich sah nicht von meinem Bildschirm auf. „Mir geht es gut.“

„Sie tun das mit den Fingern, wenn Sie gestresst sind und Mahlzeiten auslassen“, antwortete er, seine Stimme flach, aber gefährlich aufmerksam. „Im Schrank hinter Ihnen ist Essen. Essen Sie.“

Meine Finger verharrten über der Tastatur. Ich drehte den Kopf langsam und traf seinen dunklen Blick. „Wie lange achten Sie schon darauf, Mr. Voss?“

„Ich achte auf alles, was die Produktivität meines Büros beeinflusst“, sagte er und blätterte eine Seite um, ohne zu blinzeln. „Holen Sie sich das Essen.“

Ich schluckte den Kloß in meiner Kehle herunter, nahm einen Behälter aus dem Schrank und zwang mich zu essen. Die Erkenntnis schmeckte bitter: Der Mann, der dieses Imperium leitete, wusste mehr über meine täglichen Ängste als mein eigener Freund von sieben Jahren je gewusst hatte.

Dann traf die Turbulenz ein.

Der Jet fiel heftig, kippte nach links. Mein Laptop rutschte vom Tisch, und meine Überlebensinstinkte übernahmen vollständig. Ich griff blindlings zu, meine Finger schlossen sich fest um Dorians Unterarm. Er war, während ich abgelenkt war, auf den Sitz direkt mir gegenüber gewechselt, und ich hatte es nicht einmal bemerkt.

Ich hielt drei atemlose Sekunden lang fest und spürte den steinharten Muskel unter seinem Anzugjackett, die intensive Hitze, die von seiner Haut ausging.

Das Flugzeug stabilisierte sich.

Ich sah auf meine Hand hinunter, die noch um seinen Arm geklammert war. Ich zog sie sofort zurück, meine Wangen brannten. „Entschuldigung. Unerwartete Stürze bringen mich aus der Fassung.“

„Schon in Ordnung“, sagte Dorian. Seine Stimme war jetzt tiefer, ein gefährliches Summen. Er richtete seine Manschettenknöpfe, tat so, als hätte seine Haut gerade nicht gegen meine gefunkt, und widmete sich wieder seinem Ordner.

Keiner von uns sprach weiter darüber, aber die Luft in der Kabine blieb brennend heiß.

Mein Handy vibrierte scharf auf dem Tisch. Es war Bex.

> Bex: Maren, schau dir das an. Die Nummer ist maskiert, aber ich habe das Foto zurückverfolgt. Es wurde im „The High Pack Forum“ hochgeladen – einem nur auf Einladung zugänglichen Corporate-Board für Werwolf-Eliten. Die Bildunterschrift lautet, du würdest „dich in die Voss-Familie hochschlafen“. Es verbreitet sich schnell. Jemand versucht, dich zu ruinieren.

Mir stockte der Atem. Mich in die Voss-Familie hochschlafen.

Bevor ich den Text auch nur verarbeiten konnte, klingelte Dorians Handy. Der Ausdruck auf seinem Gesicht sagte mir, dass er den Anrufer bereits kannte.

„Rafe“, antwortete Dorian, seine Stimme sank zu absolutem Eis.

Ich hielt die Augen auf meinen leeren Laptopbildschirm gerichtet und tat so, als würde ich arbeiten, aber ich hörte auf das schwere Schweigen zwischen seinen knappen Worten.

„Ich habe jetzt keine Zeit dafür.“ Eine Pause. „Das geht dich nichts an.“ Eine längere Pause, und was auch immer am anderen Ende durchkam, ließ etwas an seinem Kiefer zucken. „Sie arbeitet für mich, Rafe. Was ich mit meinem Personal mache, ist keine Unterhaltung, die du führen darfst.“ Er lauschte noch einen Moment und sagte dann leise, mit der spezifischen Kälte, die bedeutete, dass eine Tür geschlossen wurde: „Wir sind fertig mit diesem Gespräch.“

Er beendete das Gespräch und legte das Handy hin.  

Die Kabine war still.

„Du kannst aufhören, so zu tun, als würdest du arbeiten“, sagte er.  

Ich sah auf. „Ich habe nicht—"

„Du hast genug davon gehört, um Fragen zu haben.“ Er nahm seinen Ordner wieder auf. „Frag nicht. Es hat nichts mit dir zu tun.“

„Es klang, als hätte es alles mit mir zu tun.“

Er sah mich dann an, vollständig, mit diesem Blick, der bedeutete, dass er bereits etwas entschieden hatte und darauf wartete, dass die andere Person aufholte. „Kümmere dich nicht darum, Maren. Konzentriere dich auf das Meeting morgen.“

Ich wandte mich wieder meinem Laptop zu.

Wir sprachen nicht mehr, bis wir landeten.

Ein privater Wagen brachte uns direkt zum Luxusresort. Die Lobby war ganz aus weißem Marmor und gedämpftem Goldlicht, vollkommen ruhig. Ich marschierte direkt zur Rezeption, verzweifelt nach Abstand.

Die Rezeptionistin lächelte, als Dorian seinen Namen nannte. Sie tippte schnell, dann verharrten ihre Finger. Ihr aufgesetztes Lächeln erstarb, als sie zwischen uns beiden hin und her sah.

„Mr. Voss, ich entschuldige mich aufrichtig“, begann sie, ihre Stimme angespannt. „Es scheint ein Fehler mit Ihrer Reservierung vorgekommen zu sein. Das zweite Zimmer wurde heute Nachmittag wegen eines Systemproblems auf unserer Seite freigegeben. Wir haben derzeit nur noch eine Suite verfügbar. Wir sind für den Abend vollständig ausgebucht.“

Die Lobby fühlte sich plötzlich kleiner an.

Ich drehte mich zu Dorian, Panik krallte sich in meine Kehle. „Boss, wir können ein anderes Hotel finden. Einfach in der nächsten Stadt, es sind nur ein paar Meilen.“

Dorian sah mich nicht an. Er schob seine schwarze Kreditkarte über den Marmortresen, seine Stimme vollkommen ruhig. „Wir nehmen die Suite.“

Die Rezeptionistin verarbeitete die Karte mit einem erleichterten Nicken. „Perfekt. Hier ist Ihre Keycard, Mr. Voss. Das Diamond Penthouse. Es verfügt über ein Kingsize-Bett.“

Mein Puls setzte mit einem schrecklichen Ruck aus. Ich starrte auf die einzelne Plastikkarte in Dorians Hand.

Ein Bett. Ein Zimmer. Mit ihm.

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