Share

Kapitel 6

Author: R. Skye
last update publish date: 2026-06-06 23:58:31

Aus Marens Sicht

„Ich kann in der Lobby schlafen, Mr. Voss. Oder ich lasse mir einfach ein Feldbett vom Housekeeping bringen und stelle es neben die Haustür.“

Ich hatte nicht einmal meinen Mantel ausgezogen, während ich mitten im riesigen Penthouse-Suite stand. Der Raum war lächerlich groß, mit hohen Decken, flauschigen Teppichen und Panoramafenstern, die auf die dunklen Kiefern draußen zeigten, aber alles, was ich sehen konnte, war das riesige Kingsize-Bett, das auf der erhöhten Plattform in der Mitte des Raums dominierte.

Dorian warf seine Aktentasche auf einen nahestehenden Sessel, ohne mich auch nur anzusehen, während er sein oberstes Hemdknopf öffnete. „Sei nicht lächerlich, Maren. Du bist meine Sekretärin, keine Märtyrerin. Die Lobby wimmelt von Journalisten und Investoren. Wenn du dort unten bleibst, ist das ein unternehmerisches Risiko.“

„Aber es gibt nur ein Bett“, beharrte ich, meine Stimme wurde schärfer, während ich darauf zeigte. „Wir können das nicht teilen.“

„Ich habe nicht die Absicht, dich anzufassen“, sagte er ruhig und drehte sich zu mir um. „Das Sofa im Wohnbereich lässt sich ausklappen. Oder ich nehme die linke Seite und du die rechte, und wir benehmen uns wie zivilisierte Erwachsene. Und jetzt zieh dich um. Das Dinner mit der chinesischen Delegation beginnt in genau vierzig Minuten, und ich brauche dich bei klarem Verstand.“

Ich schluckte meine Einwände hinunter. Das pure Gewicht seiner praktischen Autorität ließ keinen Raum für weitere Diskussionen. Ich griff nach meiner Kleiderhülle und zog mich ins Marmorbadezimmer zurück, versuchte die chaotischen Gedanken zu unterdrücken, die durch meinen Kopf rasten. Diesen intimen Raum mit ihm zu teilen fühlte sich an, als würde man mit Feuer spielen, aber die Arbeit war der einzige Schild, der mir noch blieb.

Der private Speisesaal im Restaurant des Resorts war erfüllt vom Duft teuren Weins und schwerem Zedernholz.

„Die regionale Expansionsinfrastruktur ist bereits gefestigt, Mr. Chen“, sagte Dorian und hob sein Glas leicht in Richtung des Hauptinvestors am anderen Ende des langen Mahagonitisches. „Die Voss Group bittet nicht um Ihr Kapital, um das Fundament zu bauen. Wir bieten Ihnen einen Platz an einem Tisch, der bereits fertiggestellt ist.“

Ich beobachtete ihn von meinem Platz neben ihm aus, mein Stift verharrte über meinem Notizblock. In den letzten zwei Stunden hatte ich zugesehen, wie Dorian den Raum komplett beherrschte. Er hob nicht die Stimme, er machte keine aggressiven Gesten, und doch hing jeder Milliardär und jedes Vorstandsmitglied an seinen Lippen. Jahre lang hatte ich ihn einfach als furchteinflößende, kalte Naturgewalt gesehen, als strengen Patriarchen des Büros, der Perfektion forderte. Aber als ich ihn jetzt beobachtete, wie er die versteckten Fallen des internationalen Geschäfts navigierte und gleichzeitig mit den Folgen der internen Kriege seiner eigenen Familie umging, sah ich etwas anderes. Er war ein Mann, der eine massive, erdrückende Last von allen Richtungen trug, und doch sanken seine Schultern kein einziges Mal unter der Anspannung.

Mr. Chen lachte leise und lehnte sich in seinem Ledersessel zurück, während sein Blick von Dorian zu mir wanderte. „Ihre Bedingungen sind immer unglaublich präzise, Mr. Voss. Kein Wunder, dass Sie so effiziente Gesellschaft halten. Obwohl ich, wenn ich Sie beide heute Abend sehe, fragen muss: Ist diese hübsche junge Dame wirklich nur für Ihren Terminkalender zuständig, oder sind die Gerüchte wahr? Ein Mann Ihres Formats verdient eine schöne Begleiterin, mit der er seinen Erfolg genießen kann.“

Der Tisch verstummte komplett. Das leise Murmeln der Hintergrundmusik fühlte sich plötzlich unheimlich laut an. Mein Puls setzte mit einem schrecklichen Ruck aus.

„Ich bin Mr. Voss’ persönliche Assistentin, Mr. Chen“, sagte ich schnell und hielt meine Stimme trotz der Hitze, die in mein Gesicht stieg, ruhig. „Mein Fokus liegt ausschließlich auf den administrativen Belangen der Voss Group.“

Ich erwartete, dass Dorian mich sofort unterstützen würde, den Mann kalt zurechtweisen und die professionelle Grenze wiederherstellen würde. Stattdessen sagte Dorian mehrere quälende Sekunden lang absolut nichts. Er schwenkte einfach den dunklen Likör in seinem Glas, sein Gesichtsausdruck vollkommen unlesbar, während er das peinliche Schweigen über den Tisch ausdehnen ließ, bis Mr. Chens Lächeln zu wanken begann.

Erst als die Spannung ihren Höhepunkt erreichte, stellte Dorian sein Glas mit einem leisen Klicken ab. „Lassen Sie uns die dritte Klausel des Frachtmanifests durchgehen, meine Herren. Ich glaube, es gibt eine Diskrepanz bezüglich der Zollabfertigung am nördlichen Hafen.“

Er wechselte das Thema nahtlos und ließ den Kommentar des Investors in der Luft hängen, ohne ihn formell zu dementieren, was das Gewicht in meiner Brust irgendwie doppelt so schwer erscheinen ließ.

Als wir schließlich zur Penthouse-Suite zurückkehrten, war es bereits nach Mitternacht. Die Spannung vom Esstisch war mit uns im Aufzug nach oben gekommen, dick und unausgesprochen.

„Ich muss telefonieren“, sagte Dorian kurz, als wir die Schwelle überquerten. Er wartete nicht auf meine Antwort, bevor er auf die private Terrasse trat und die schwere Glasschiebetür fest hinter sich schloss.

Ich ließ meine Clutch auf dem Eingangstisch fallen und streifte meine High Heels ab, meine Füße schmerzten von den langen Stunden. Ich ging zum Wetbar, um ein Glas Wasser zu holen, aber als ich an den großen Glastüren vorbeikam, drang der Klang einer erhobenen Stimme durch die Dichtungen. Das Glas war nicht komplett schalldicht.

„Ich habe dir gesagt, du sollst die Sache fallen lassen, Rafe“, Dorians Stimme war ein tiefes, gefährliches Knurren, vibrierend vor einer Intensität, die ich noch nie von ihm gehört hatte.

Ich erstarrte, der Wasserkrug schwebte über meinem Glas.

„Der Vorstand antwortet jetzt mir“, fuhr Dorian scharf fort, seine Silhouette steif gegen den dunklen Nachthimmel draußen. „Die Gerüchte sind irrelevant. Ich leite diesen Gipfel, und ich werde entscheiden, wer bei der Unterzeichnung an meiner Seite steht.“

Eine lange Pause folgte. Ich konnte das leise, wütende, verzerrte Knistern von Rafes Stimme durch den Lautsprecher hören. Dann muss Rafe etwas unglaublich Persönliches gesagt haben, denn Dorians Schultern versteiften sich vollkommen.

„Du machst das immer“, sagte Dorian, seine Stimme sank in einen Ton, der mir einen Schauer direkt den Rücken hinunterjagte. Es war nicht mehr die Stimme eines CEOs; es war die Stimme eines Mannes, der jahrelang vergrabenes Gift freisetzte. „Du beschuldigst mich, dir alles weggenommen zu haben, Rafe. Aber die Wahrheit ist, dass du sie komplett aus eigenem Antrieb verloren hast.“

Meine Hand zitterte leicht und verschüttete einen Tropfen Wasser auf die Theke. Du hast sie aus eigenem Antrieb verloren. Sie redeten über mich. Die Erkenntnis jagte einen kalten Schauer durch meine Adern. Rafe kämpfte immer noch mit seinem Vater um mich, versuchte, nach dem Zerstören meines Lebens noch irgendeine Form von Kontrolle zurückzuerlangen. Bevor ich den beunruhigenden Satz weiter verarbeiten konnte, beendete Dorian das Gespräch mit einem heftigen Ruck und steckte das Handy in seine Tasche.

Ich flüchtete von der Glastür weg und zog mich in den zweiten Ankleidebereich zurück, bevor er mich beim Lauschen erwischen konnte.

Zwei Stunden später war die Penthouse-Suite vollkommen dunkel, aber Schlaf war ein ferner Luxus. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, blitzte die Nachricht von Bex über das Werwolf-Forum in meinem Kopf auf, vermischt mit der Erinnerung an Dorians Stimme auf der Terrasse. Ich wälzte mich auf dem ausklappbaren Sofa hin und her, der Stoff kratzte an meiner Haut, bis ich es nicht mehr aushielt.

Ich stand auf, wickelte mir ein leichtes Strickshawl um die Schultern und ging leise auf die Terrassentüren zu. Ich trat hinaus in die klare, eisige Nachtluft und ließ den kalten Wind mein Gesicht treffen.

„Kannst du auch nicht schlafen?“

Ich keuchte auf, meine Hand fuhr zu meiner Brust, mein Puls setzte mit einem Ruck aus. Dorian saß in einem der dunklen Rattanstühle in der Ecke des Balkons, ein halb leeres Glas mit bernsteinfarbenem Likör in der Hand. Er hatte seine Anzugjacke und Krawatte abgelegt, sein weißes Hemd war am Hals geöffnet.

„Ich wollte dich nicht stören, Mr. Voss“, flüsterte ich und trat zurück zur Tür. „Ich gehe wieder rein.“

„Bleib“, sagte er. Es war kein geschäftlicher Befehl. Es war eine einfache, müde und schwere Bitte. „Die Luft hilft.“

Ich zögerte, bevor ich zum Geländer ging und mich an das kalte Eisen klammerte, während ich auf das schwarze Blätterdach des Kiefernwaldes hinausblickte. „Das Dinner ist gut gelaufen. Mr. Chen schien am Ende vollkommen überzeugt.“

„Chen ist ein Geier“, sagte Dorian leise und nahm einen langsamen Schluck aus seinem Glas. „Aber er versteht Macht. Er wagt es nicht, mich herauszufordern.“ Er machte eine Pause, das Eis klirrte gegen das Glas. „Ich entschuldige mich für seinen Kommentar am Tisch. Er hätte das nicht andeuten dürfen.“

„Schon gut“, log ich und starrte auf meine Hände hinunter. „Ich bin es gewohnt, dass die Leute Annahmen treffen. Als ich jünger war und dein Anwesen als Rafes Freundin besucht habe, hatte ich immer das Gefühl, dass alle auf mich herabsahen. Als wäre ich nur eine Außenseiterin, die nicht in deine inneren Kreise passte.“

Ich stoppte mich, meine Kehle schnürte sich zu. Ich hatte das nicht sagen wollen. Die Erschöpfung machte mich viel zu verletzlich. Während der Jahre mit Rafe hatte ich jeden Moment versucht, perfekt zu wirken, versucht, das Gefühl zu haben dazuzugehören, während ich insgeheim eine tiefe, stille Ehrfurcht vor Dorians absoluter Autorität hegte.

„Rafe hat dich damals wie Dreck behandelt“, sagte Dorian plötzlich, seine Stimme schnitt durch die ruhige Nacht wie eine Klinge. „Ich habe es gesehen. Er hat dich wie ein vorübergehendes Möbelstück behandelt, wie eine Nebensache, während er seine Spiele hinter deinem Rücken gespielt hat.“

Ein brutaler Schlag traf meine Brust bei seinen Worten. Die rohe Ehrlichkeit seiner Aussage riss die defensiven Mauern nieder, die ich monatelang aufgebaut hatte.

„Hat er“, flüsterte ich, eine plötzliche Wärme stieg in meine Augen, die ich verzweifelt zu unterdrücken versuchte. „Er hat mich am Ende vollkommen entbehrlich fühlen lassen. Und als alles auseinanderfiel, als ich von ihm und meiner Schwester erfuhr, fühlte es sich wie die ultimative Demütigung an. Ein Teil von mir fühlt sich immer noch vollkommen zerbrochen davon, Dorian. Als wäre ich nur eine Närrin gewesen, die dem falschen Mann vertraut hat.“

Die Tränen brachen schließlich hervor und liefen über meine Wimpern, bevor ich sie aufhalten konnte. Ich wandte den Kopf ab, wütend auf mich selbst, weil ich vor ihm zusammenbrach.

Ich hörte, wie sein Glas auf dem Tisch abgestellt wurde. Eine Sekunde später umhüllte mich der schwere Duft von Zedernholz und dunklem Likör, als Dorian in meinen Raum trat. Er zögerte nicht. Er hob die Hand, seine große Hand umfasste meine Wange, und sein Daumen wischte sanft die Feuchtigkeit von meiner Wange.

Seine Haut brannte heiß gegen mein gefrorenes Gesicht.

„Du warst niemals die Närrin, Maren“, sagte Dorian, seine Stimme sank in einen tiefen, heftig intensiven Ton, der meinen Atem komplett stocken ließ. „Und du warst immer viel zu gut für ihn.“

Ich sah auf, meine Augen trafen seine. Der Abstand zwischen uns war vollständig verschwunden, und während sein Daumen an meiner Haut verweilte, zog er sich nicht zurück. Er hielt meinen Blick für einen langen, atemlosen Moment unter dem Mondlicht, und das Schweigen zwischen uns verwandelte sich in etwas vollkommen Gefährliches.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Unter Seiner Autorität   KAPITEL 78

    Marens Perspektive„Darüber reden wir nicht im Auto“, sagte Dorian und drehte den Zündschlüssel mit einer heftigen Bewegung.Der Motor erwachte mit einem tiefen Brummen zum Leben, doch die Atmosphäre im Wagen blieb eisig. Ich starrte durch die Windschutzscheibe geradeaus und beobachtete, wie sich die schweren Eisentore des Ahnenarchivs hinter uns schlossen.„Gut“, erwiderte ich und lehnte den Kopf gegen die Rückenlehne. „Dann reden wir nicht darüber.“Die Erkenntnis, dass der Gründungsrat vor zweihundert Jahren gezielt die Blutlinie der Voss ausgewählt hatte, lastete wie Blei zwischen uns. Es war keine gewaltsame Explosion. Kein offener Streit, bei dem die Stimmen lauter wurden und sich gegenseitige Vorwürfe durch den Raum jagten. Es war etwas, mit dem viel schwieriger umzugehen war: eine ungewohnte, prickelnde Anspannung, ausgelöst durch die plötzliche Erkenntnis, dass unsere gesamte gemeinsame Geschichte bereits beobachtet worden war, bevor wir überhaupt unseren ersten Atemzug getan

  • Unter Seiner Autorität   KAPITEL 77

    Marens Perspektive„Steig sofort ins Auto, Maren“, sagte Dorian und riss den ausgedruckten Grundbucheintrag von der Kücheninsel.Sein Ton war eiskalt und unerbittlich, frei von jedem Zögern. Ohne ein Wort zu sagen, nahm ich meine Jacke von der Rückenlehne des Hockers. Bex stand wie erstarrt an der Arbeitsfläche, das Tablet noch immer in den Händen, und beobachtete, wie Dorian mit langen, wütenden Schritten an ihr vorbei in Richtung Garage ging.Ein Knotenpunkt des ursprünglichen Paktes auf dem Anwesen der Voss-Familie stellte sämtliche Annahmen infrage, von denen wir in diesem Krieg bisher ausgegangen waren. Die Familie Voss hatte dieses Territorium nachweislich seit drei Generationen regiert. Doch der Netzwerkknoten war bereits vor zweihundert Jahren in den Stein gemeißelt worden.Damit blieben nur zwei mögliche Erklärungen. Entweder hatte die Familie Voss unwissentlich ein Grundstück erworben, auf dem sich bereits ein uralter Anker befand, oder der Gründungsrat hatte den Knotenpunkt

  • Unter Seiner Autorität   KAPITEL 76

    Marens Perspektive„Mach sofort ein Foto von dieser Gravur, bevor wir diesen Keller verlassen“, befahl Dorian. Seine Stimme hallte von den feuchten Betonwänden wider.Kaden zog augenblicklich sein Handy hervor und machte drei gestochen scharfe, hochauflösende Aufnahmen des Symbols, das hinter den Holzkisten in die Wand gemeißelt war.„Ich muss Elder Sable diese Zeichen unverzüglich zeigen“, sagte ich und ging rückwärts auf die metallene Brandschutztür zu. „Meine Wölfin hat genau in dem Moment reagiert, als ich diese Gravur gesehen habe. Sie ist keine bloße Dekoration.“„Wir fahren direkt zurück zum Anwesen“, sagte Dorian und wandte sich an Petra. „Pack deine wichtigsten Sachen. Der vorläufige Verwalter trifft bei Tagesanbruch ein, aber du kommst mit uns, um deine offizielle Aussage zu machen.“„Ja, Alpha-König“, antwortete Petra ohne zu zögern. Die Erleichterung war jeder Linie seines müden Gesichts anzusehen.Eine Stunde später standen wir in Elder Sables privatem Arbeitszimmer. Das

  • Unter Seiner Autorität   KAPITEL 75

    Marens Perspektive„Die Adresse gehört zu einem registrierten Stadt-Rudel namens Ashfen-Kollektiv“, sagte Dorian und drehte das leuchtende Tablet auf seinem Schreibtisch zu mir.Ich zog einen Stuhl heran und beugte mich näher zum Bildschirm. „Wie groß ist das Rudel?“„Vierzehn Mitglieder“, antwortete Dorian und deutete auf den entsprechenden Eintrag. „Es ist seit sechs Jahren offiziell im städtischen Register eingetragen. Keine dokumentierten Streitigkeiten über Gebietsgrenzen. Keine formellen Beschwerden beim Bezirksgericht. Allerdings gab es seit vollen achtzehn Monaten keinerlei registrierten Kontakt zwischen der Rudelführung und dem Büro des Alpha-Königs.“„Das ist ungewöhnlich“, sagte ich und blickte vom Bildschirm auf. „Kleine Stadtrudel reichen normalerweise vierteljährlich Verwaltungsberichte ein, um ihre kommunalen Steuerbefreiungen und ihren Gebietsschutz aufrechtzuerhalten.“„Ja“, stimmte Dorian zu und legte die Hände auf die polierte Tischkante. „Sie reichen regelmäßig Sta

  • Unter Seiner Autorität   KAPITEL 74

    Marens Perspektive„Leg sofort deine Gabel hin, Maren. Was ist los?“, fragte Dorian. Seine Stimme durchschnitt die Stille am Küchentisch.Langsam legte ich meine silberne Gabel auf den Keramikteller. Mein Puls schien plötzlich auszusetzen. Der Geschmack der warmen Eier in meinem Mund verschwand vollständig.Die Wahrnehmungsveränderung, vor der Vesna mich vor vier Tagen gewarnt hatte, war gerade eingetreten – ohne auch nur den Hauch einer Vorwarnung.„Ich spüre etwas“, flüsterte ich und presste eine Hand flach auf die kühle Granitplatte des Tisches.„Wo?“, fragte Dorian und stellte seine Kaffeetasse ab. Seine Aufmerksamkeit war sofort hellwach. „Ist ein Eindringling in der Nähe unserer nördlichen Mauer?“„Nein“, antwortete ich und schüttelte den Kopf. „Es ist kein Angriff auf uns. Es ist ein Rudel weit draußen im südlichen Bezirk. Es ist gerade ganz am äußersten Rand meiner Wahrnehmungsreichweite aufgetaucht.“„Wie fühlt es sich an?“, hakte er nach. Seine dunklen Augen suchten mein Ges

  • Unter Seiner Autorität   KAPITEL 73

    Marens Perspektive„Alles, was wir bisher nur durch Schlussfolgerungen rekonstruieren konnten, steht hier ausdrücklich geschrieben“, sagte Elder Sable.Sie saß am langen Holztisch im privaten Arbeitszimmer. Das erste Stück des uralten Pergaments lag ausgebreitet vor ihr, unter ihren zitternden Händen. Zehn ununterbrochene Minuten lang hatte sie vollkommen geschwiegen, bevor sie schließlich ein einziges Wort hervorbrachte. Ihre Augen glitten über die verblasste Tinte, während wir anderen in absoluter Stille warteten.„Jede Schutzbestimmung“, fuhr Elder Sable fort und blickte zu den vier Mitgliedern des Gründungsrats auf. „Jeder biologische Mechanismus, jede verfassungsrechtliche Absicherung. Die heutige Charta ist keine Verfälschung des ursprünglichen Pakts. Sie ist ein vollständiger Ersatz. Jemand hat die gesamte rechtliche Grundlage aktiv neu geschrieben.“„Wann genau fand diese Ersetzung statt?“, fragte Dorian. Er beugte sich neben mir über den Tisch, während seine dunklen Augen unv

  • Unter Seiner Autorität   Kapitel 1

    Aus Marens Sicht„Mädchen, du hast deinen Boss letzte Woche beim Firmenessen buchstäblich mit den Augen gefickt. Lüg mich nicht an.“Ich wechselte das Telefon ans andere Ohr und wischte weiter den Küchentresen ab. „Ich habe niemanden mit den Augen gefickt, Bex. Ich habe professionellen Augenkontakt

  • Unter Seiner Autorität   Kapitel 7

    Aus Marens Sicht„Sie sollten wahrscheinlich einen Schritt zurücktreten, Mr. Voss, bevor jemand durch dieses Fenster sieht und ein weiteres Kapitel zu den Gerüchten hinzufügt.“Meine Stimme klang klein, sogar in meinen eigenen Ohren, und durchbrach die schwere Stille auf dem Balkon. Dorians Hand bli

  • Unter Seiner Autorität   Kapitel 5

    Aus Marens Sicht„Mr. Voss, willkommen zurück. Soll ich das Übliche für Sie und Ihre Freundin vorbereiten?“Das Lächeln der Flugbegleiterin war warm und zielte genau auf die falsche Person. Ich stand am Eingang der Privatjet, meine Laptoptasche schwer auf der Schulter, und beobachtete, wie sie zwis

  • Unter Seiner Autorität   Kapitel 4

    Aus Marens Sicht„Was hast du getan?“ fragte Bex, kaum dass sie abgehoben hatte.„Ich habe nichts getan.“ Ich lief bereits schnell den Flur entlang, weg vom Konferenzraum, das Handy am Ohr. „Jemand hat mir ein Foto geschickt. Mich und Dorian. Im Konferenzraum. Jemand stand die ganze Zeit draußen, B

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status