MasukARIA – Ich-Perspektive
Mein Vater trank seinen Kaffee aus, als wäre nichts Ungewöhnliches passiert. Als stünde der Mann, der nur wenige Meter von mir entfernt war, nicht genau dort, der letzte Nacht meinen ganzen Körper in Flammen gesetzt hatte. Mein Vater stand schließlich vom Tisch auf und richtete die Manschetten seines Anzugs. „Adrian“, rief er. „Ja, Sir.“ „Du fährst Aria heute zur Universität.“ „Selbstverständlich, Sir.“ Dann nahm er sein Tablet und verließ das Haus, ohne sich von mir zu verabschieden. Damit war ich nichts Neues. Jetzt war ich mit ihm allein. Mit Adrian. Ich saß reglos da und starrte ihn an. Er sah mich nicht an. Er gönnte mir nicht einmal einen einzigen Blick. Er blieb genau dort stehen, wo er war, sein Gesicht hart wie Stahl. Ich zwang meine Beine, sich zu bewegen. Langsam ging ich zurück in mein Zimmer, um meine Tasche zu holen. Ich knallte die Tür zu und fuhr mir mit der Hand durch die Haare. „Das ist eine beschissene Idee“, stieß ich frustriert hervor. Ich schnappte mir meine Tasche und ging zur Tür. Adrian stand immer noch genau an derselben Stelle, an der ich ihn zurückgelassen hatte. Ich ging trotzdem hinaus. Er folgte mir wie ein Bodyguard. Der Weg zur Einfahrt fühlte sich länger an als sonst. Die Morgenluft war kühl auf meiner Haut, aber mein Körper glühte. Der schwarze Wagen stand bereits fertig vor den Toren der Villa. Adrian öffnete mir die hintere Tür und verneigte sich leicht. „Miss Bennett“, sagte er wieder in diesem formellen Ton. „Verdammter Feigling“, murmelte ich leise. Ich stieg ein, ohne etwas zu sagen. Ich wollte ihm nicht das Gefühl geben, dass er Macht über mich hatte. Das Leder des Sitzes fühlte sich kalt an. Einen Augenblick später wurde die Tür neben mir zugeschlagen. Adrian ging um den Wagen herum und setzte sich auf den Fahrersitz. Der Motor sprang an. Und schon verließen wir das Anwesen. Die Stille im Wagen war unerträglich. Meine Finger krampften sich um meine Tasche. Ich starrte auf Adrians Hinterkopf. Seine Schultern waren entspannt, seine Hände lagen ruhig auf dem Lenkrad. Als wäre zwischen uns nichts passiert. Als hätte es die letzte Nacht nie gegeben. Als würde er mich nicht einmal kennen. Es war dunkel im Club, aber das bedeutete nicht, dass er mein Gesicht nicht erkannt hatte. Ich hatte seines schließlich auch erkannt. Tat er wirklich so, als wäre nichts gewesen? Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Der Wagen hielt an einer roten Ampel. Das war’s. Ich wusste, dass ich es nicht tun sollte, aber meine Geduld war am Ende. „Erklär es. Jetzt“, fuhr ich ihn an, meine Stimme scharf. Adrian reagierte nicht sofort. Seine Augen blieben auf die Straße gerichtet, als hätte er mich nicht gehört. Die Ampel sprang auf Grün, und der Wagen fuhr weiter. Meine Wut wuchs. „Willst du so tun, als wüsstest du nicht, wovon ich spreche?“ Immer noch nichts. Ich beugte mich leicht vor. „Adrian.“ Diesmal war meine Stimme eiskalt. Endlich sprach er. Sein Ton war ruhig. „Was genau soll ich Ihnen erklären, Miss Bennett?“, fragte er. Mir klappte die Kinnlade herunter. „Ist das dein Ernst?“, fragte ich, meine Stimme zitterte. Ich wollte nicht verzweifelt klingen, aber ich konnte nichts dagegen tun. Er hatte mir etwas gezeigt, das ich seit Jahren nicht mehr gespürt hatte. Ich konnte mir selbst nicht die Schuld geben. Seine Augen trafen meine kurz im Rückspiegel. Sein Gesicht blieb dunkel und ausdruckslos. „Absolut ernst“, antwortete er und presste den Kiefer zusammen. Hitze schoss mir vor Scham ins Gesicht. „Du hast die Nacht mit mir verbracht“, sagte ich leise. „… in diesem Club.“ Wieder breitete sich Stille im Wagen aus. Einen Moment lang fragte ich mich, ob er es abstreiten würde. Aber das tat er nicht. „Ich erinnere mich“, sagte Adrian. Meine Brust zog sich zusammen – vor Wut und etwas Schlimmerem… Enttäuschung. „Warum tust du dann so, als wäre nichts passiert?“ Sein Blick kehrte zur Straße zurück. „Weil nichts passiert ist, das meinen Job beeinflussen sollte. Was im Club passiert ist, bleibt im Club.“ Ich starrte fassungslos auf seinen Hinterkopf. „Dein Job? Bleibt im Club?“, wiederholte ich schockiert. „Ja.“ „Du hast die ganze Nacht mit mir verbracht“, presste ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Und jetzt tust du so, als wäre ich nur die Tochter deines Chefs?“ Meine Stimme wurde trotz aller Mühe lauter. Adrian verlangsamte den Wagen leicht. „Senken Sie Ihre Stimme, Miss Bennett.“ Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. „Hör auf, mich so zu nennen!“ Die Worte brachen aus mir heraus. „Miss Bennett. Miss Bennett. Miss Bennett.“ Ich äffte ihn wütend nach. „So hast du mich letzte Nacht nicht genannt.“ Der Wagen wurde wieder still. Adrian schwieg einen Moment. Dann sprach er leise: „Letzte Nacht und heute sind zwei verschiedene Situationen.“ Ich ballte die Faust und widerstand dem Drang, ihm das Wort aus dem Mund zu schlagen. „Ach wirklich?“ „Ja.“ „Was genau hat sich über Nacht geändert, Adrian? Oder soll ich dich jetzt den dominanten Fahrer nennen?“ Ich wusste, dass ich das nicht sagen sollte. Aber einer wütenden Frau sagt man nicht, was sie nicht sagen darf. Adrians Kiefer spannte sich leicht an, doch er ignorierte es. „Du bist die Tochter meines Arbeitgebers geworden.“ Die Worte trafen mich härter, als ich erwartet hatte. Langsam lehnte ich mich in den Sitz zurück. „Also war’s das?“, fragte ich bitter. „Das ist deine Erklärung?“ Adrian antwortete nicht. Die Stille zwischen uns dehnte sich aus. Immer wieder lief die Nacht im Club in meinem Kopf ab. Seine Hände, seine Stimme. Die Art, wie er mich angesehen hatte. Dieser Mann hatte sich echt angefühlt. Aber der Mann, der diesen Wagen fuhr? Der fühlte sich wie ein Fremder an. „Du hast es gewusst“, sagte ich plötzlich. Adrians Augen huschten zum Spiegel. „Du hast gewusst, in wessen Haus du gehst.“ Es war keine Frage, eher eine Feststellung. Er leugnete es nicht. „Ja“, sagte er kalt. Mein Magen sackte nach unten. „Du hast gewusst, dass ich Victor Bennetts Tochter bin… und trotzdem…“ Ich brach ab. Adrian sprach, bevor ich den Satz beenden konnte. „Der Club hat Regeln.“ Ich runzelte die Stirn. „Was?“ „Was drinnen passiert, bleibt drinnen.“ Seine Stimme war jetzt fest. „Diese Nacht gehörte dem Club. Nicht unserem Leben außerhalb.“ Ich lachte trocken auf. „Du willst es also einfach auslöschen?“ Adrian antwortete nicht. Die Tore der Universität tauchten vor uns auf. Studenten liefen über den Campus. Der Wagen hielt langsam vor dem Eingang. Adrian stieg aus und öffnete mir die Tür. „Ihre Universität, Miss Bennett.“ Ich stieg langsam aus. Einen Moment standen wir uns gegenüber. Es war das erste Mal seit heute Morgen, dass ich ihn aus der Nähe sah. Und ich konnte nicht leugnen, dass er genau gleich aussah. Dieselbe Haltung, dieselbe Ruhe. Aber seine Augen… waren nicht so kalt, wie er mich glauben lassen wollte. „Du lügst“, sagte ich leise. Seine Miene veränderte sich nicht. „Was meinen Sie?“ „Du tust so, als hätte es nichts bedeutet“, sagte ich und hielt seinen Blick fest. „Aber das hat es. Tief in dir weißt du das.“ Zum ersten Mal seit Beginn der Fahrt wirkte Adrian leicht aus dem Konzept gebracht. Ich trat einen Schritt zurück, ohne auf eine Antwort zu warten. „Bis später… Fahrer.“ Dann drehte ich mich um und ging zum Eingang der Universität. Ich schaute nicht zurück, aber ich spürte seinen Blick auf mir.ARIA – Ich-PerspektiveIch kniete auf dem weichen Teppich der privaten Suite, meine Knie begannen bereits auf dem Boden zu schmerzen. Tränen liefen ungehemmt über meine Wangen, während ich zu Adrian aufschaute. Er stand über mir, seine Präsenz dunkel und überwältigend.Sein Griff um mein Kinn war hart, fast besitzergreifend, zwang mich, in seine kalten, wütenden Augen zu sehen. Die Drohung, die er gerade ausgesprochen hatte, hallte immer noch in meinen Ohren nach – mich ausziehen, mich fesseln, mich stundenlang an den Rand bringen, ohne mich kommen zu lassen. Mein Körper reagierte gegen meinen Willen, eine schamlose Hitze breitete sich zwischen meinen Beinen aus, obwohl Angst meinen Magen zusammenzog.Aber mehr als die Angst vor der Strafe schrie eine Frage in meinem Kopf:**Warum kümmerte es ihn so sehr?**Adrian sollte nur der Fahrer meines Vaters sein. Ein Angestellter. Jemand, der Türen öffnete, mich zur Uni fuhr und im Hintergrund still blieb. Er hatte nichts damit zu tun, etwas
ARIA – Ich-PerspektiveIch fuhr Aria direkt zum Club. Ich verstand nicht ganz, warum ich das tat – vielleicht weil es der eine Ort war, an dem jeder sein wahres Ich zeigte. Vielleicht weil ich sehen wollte, wie sie unter denselben Lichtern wand sich, unter denen ich sie das erste Mal für mich beansprucht hatte. Oder vielleicht war ich einfach zu wütend, zu besessen und zu sehr im Kopf durcheinander, um sie zurück zur Villa zu bringen, wo die Kameras und Wachen ihres Vaters warteten.In dem Moment, in dem ich in der privaten Tiefgarage parkte, wurde die schwere Stille im Wagen fast unerträglich.Aria drehte sich zu mir um, ihre Augen weit aufgerissen vor Verwirrung und einem Hauch von Angst.„Adrian… warum hast du mich hierhergebracht?“, fragte sie erneut, ihre Stimme diesmal weicher, fast flehend.Ich stellte den Motor ab und drehte mich endlich ganz zu ihr um.Sie sah wunderschön aus, ihre Wangen waren leicht gerötet von der Nachtluft, ihre Haare etwas zerzaust, dieses schlichte Somm
ARIA – Ich-PerspektiveDas Uni-Tor war um diese Uhrzeit so ruhig, getaucht in das sanfte goldene Licht der Straßenlaternen. Ich stand dort und wartete geduldig, verlagerte mein Gewicht von einem Fuß auf den anderen, ein kleines, aufgeregtes Lächeln spielte auf meinen Lippen, trotz der Nervosität, die ich gerade fühlte.Adrian kam, um mich abzuholen.Auch wenn ich ihm gesagt hatte, er solle es nicht tun, ließ die Tatsache, dass er darauf bestand, etwas Warmes in mir aufblühen. Nach stundenlangem Lesen in der Bibliothek, Stress und einem schwierigen Gruppenmitglied, würde ich einen meiner Lieblingsmenschen treffen. Ich stieß einen aufgeregten Quietscher aus.Auch wenn ich wusste, dass es sein Job war, ließ der autoritäre Ton in seiner Stimme mich erschaudern. Die Tatsache, dass er sich immer noch die Mühe machte, mich abzuholen, nachdem er es ihm gesagt hatte, ließ Schmetterlinge in meinem Bauch flattern.Als der schicke schwarze Wagen endlich vorfuhr, machte mein Herz vor Freude einen
ADRIAN – Ich-PerspektiveMein Handy vibrierte auf dem Schreibtisch.Ich starrte mehrere Sekunden auf den Bildschirm, prüfte, wer es war, bevor ich die Nachricht öffnete._Aria: Hol mich heute Abend nicht ab. Ich habe ein Gruppenprojekt-Treffen in der Uni, das länger dauern wird. Ich finde selbst nach Hause._Ein bitteres Lachen hätte mir fast entkommen.Gruppenprojekt. Um fast neun Uhr abends?Ich las die Nachricht noch einmal, mein Griff um das Handy wurde so fest, dass die Kanten in meine Handfläche drückten. Dachte sie wirklich, ich wäre dumm genug, diese schwache Lüge zu glauben?Der Whiskey, den ich getrunken hatte, schmeckte plötzlich wie Asche in meinem Mund.Ich leitete die Nachricht wortlos an Dante weiter. Weniger als drei Minuten später trat er wieder in mein Büro, mit ausdrucksloser Miene.„Ihr Standort ist ausgeschaltet“, berichtete er. „Aber der Tracker an der Kette ist aktiv. Sie hat den Uni-Campus vor zwölf Minuten verlassen. Fährt Richtung Südosten… zu den Docks.“Die
ADRIAN – Ich-PerspektiveOben im Casino war Hochbetrieb. Helle Lichter, klingelnde Jackpot-Automaten, elegante Gäste in Designer-Kleidung, die lachten und Vermögen beim Wetten verloren. Ich bewegte mich langsam durch die VIP-Lounge, ignorierte die Hostessen, die versuchten, mich anzusprechen, und die Geschäftsleute, die mir respektvoll zunickten.Sobald ich in meinem privaten Büro im obersten Stockwerk war, schenkte ich mir eine großzügige Portion Whiskey ein und stellte mich vor die deckenhohe einseitig verspiegelte Glasscheibe, die den Hauptsaal des Casinos überblickte.Die bernsteinfarbene Flüssigkeit brannte beim Hinunterschlucken, aber sie beruhigte den Sturm in meinem Kopf kein bisschen.Sie ist beteiligt. Der Gedanke wiederholte sich wie ein Fluch.Ich hatte zwei Jahre damit verbracht, Victor Bennetts Untergang zu planen. Er hatte meine Familie zerstört. Mein jüngerer Bruder wurde bei einem seiner „Geschäftskonflikte“ getötet, und mein Vater wurde zum Selbstmord getrieben, nach
ADRIAN – Ich-PerspektiveDer unterirdische Verhörraum unter dem Casino roch nach Rost, Schweiß und getrocknetem Blut. Die trüben Neonröhren flackerten schnell, als würden sie jeden Moment ausgehen. Ich trat ein und schloss die schwere verstärkte Tür hinter mir mit einem soliden Knall, der von den Betonwänden widerhallte.Nachdem ich Aria in der Schule abgesetzt hatte, war ich hierhergekommen. Denn ich hatte etwas Wichtiges zu erledigen.Rico Martinez saß steif auf einem Metallstuhl, seine Handgelenke und Knöchel mit Kabelbindern an einer Eisenstange vor ihm festgebunden. Sein Gesicht war bereits ein einziger Brei, dank meiner Männer, die ihn vor zwei Stunden aus seinem Wagen geholt hatten. Ein Auge war zugeschwollen, und ein tiefer Schnitt an seinem Wangenknochen blutete immer noch an seinem Kiefer herunter.Er hob langsam den Kopf, als er meine Schritte hörte. Erkenntnis blitzte in seinem gesunden Auge auf, gefolgt von Angst.„Coleman“, krächzte er, seine Stimme heiser. „Oder soll ic







