Unter der Aufsicht des Bodyguards.

Unter der Aufsicht des Bodyguards.

last updateLast Updated : 2026-10-15
By:  DelieUpdated just now
Language: Deutsch
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Seit einundzwanzig Jahren lebt Lena Roth in einem Käfig. Als Tochter von Roth, einem der größten Milliardäre Deutschlands, ist jede ihrer Bewegungen berechnet, kontrolliert und erdrückend. Verzweifelt auf der Suche nach Luft riskiert sie alles bei einer leichtsinnigen Nacht mit ihrem Freund, nur um sich einmal lebendig und frei zu fühlen. Dann engagiert ihr Vater Viktor Kravitz. Der kalte, kompromisslos effiziente ehemalige taktische Kommandeur wird zu Lenas unausweichlichem Schatten. Er nimmt ihr jede Privatsphäre und setzt Regeln durch. Als eine Elite-Einheit von Killern einen erschreckenden Angriff startet, zerbricht der goldene Käfig. Abseits jeder Zivilisation müssen sich die Erbin und der Bodyguard völlig aufeinander verlassen, um zu überleben. Ihre heftige Feindseligkeit verglüht und hinterlässt eine explosive Spannung, gegen die sie nicht mehr ankämpfen können. Später erkennen sie, dass der Verräter jemand ist, der Lena sehr gut kennt. Um den ultimativen Verrat zu überstehen, hört Lena auf wegzulaufen und beschließt, gegen den Feind zu kämpfen. Viktor muss entscheiden, ob er bereit ist, den einen Schwur zu brechen, den er nie gebrochen hat, für die Frau, die sein Herz zum Schmelzen bringt.

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Chapter 1

Kapitel 1

Lena

Die Musik im Nachtclub dröhnte nicht nur in meinen Ohren, sie vibrierte durch meine Adern und beruhigte meinen Geist.

Für alle anderen war es nur ein ganz gewöhnlicher Donnerstagabend. Für mich war es eine taktische Operation. Ich hatte diese Flucht wochenlang geplant.

Ich hielt den Kopf gesenkt und ließ mein dunkles Haar wie einen Vorhang vors Gesicht fallen, um mich vor den neugierigen Blicken aus dem VIP-Bereich zu verbergen. Ich drängte mich an einem Pärchen vorbei, das wild knutschte, und verdrehte die Augen. Ich ging einfach weiter und glitt schnell wie ein Geist durch die Menge.

Ich war zweiundzwanzig Jahre alt und durfte trotzdem nicht allein nach draußen. Mein Vater glaubte nicht an Erziehung, er glaubte an Vermögensverwaltung. Für ihn war ich keine Tochter, sondern ein wandelndes, sprechendes Aktienportfolio, das bewacht werden musste. Seine Aufgabe bestand darin, mich mit Bodyguards zu umgeben, mich zur Schule zu schicken und mir Essen zu geben. Zeit mit mir verbrachte er nie. Er ist immer in seiner Firma und arbeitet.

So bin ich aufgewachsen. Ich hatte keine normalen Kindheitserinnerungen wie andere Kinder, und an der Universität fand ich kaum Freunde. Wohin ich auch ging, hatte ich ein oder zwei Bodyguards im Schlepptau, die jeden meiner Schritte beobachteten und Dad davon berichteten.

Aber heute Nacht war es anders. Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, ein normales Leben zu führen, zu leben wie normale Menschen. Heute Nacht würde ich ganz sicher die Regeln brechen.

Ich hatte meinen Vater angefleht, mich in diesen Club gehen zu lassen, und ihm viele Argumente über dessen Sicherheitsvorkehrungen dargelegt. Es war nicht leicht gewesen, aber er hatte es erlaubt, unter einer Bedingung: Ich musste in der Nähe von Klaus bleiben, meinem aktuellen Bodyguard. Ich blickte über die Schulter. Da stand Klaus, festgehalten neben dem Samtseil des VIP-Bereichs. Wütend bellte er in sein Ohrmikrofon, und auf seiner Glatze glänzte der panische Schweiß, während ich im VIP-Raum verschwand.

Ich grinste, als das Adrenalin wie ein Schuss purer Espresso in mein Blut schoss.

„Auf Wiedersehen, Klaus!“, murmelte ich.

Im schmalen Korridor, der zu den Toiletten führte, zog ich ein billiges Handy aus der Tasche meiner Handtasche. Ich hatte ein Dienstmädchen bezahlt, es für mich in einem kleinen Laden an der Ecke zu kaufen. Meine Hände zitterten tatsächlich, als ich es einschaltete. Der Bildschirm flackerte auf, und einen Augenblick später vibrierte es in meiner Hand.

Julian: Die Gasse ist frei. Lass uns hier abhauen, Baby.

Meine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, als ich die Nachricht las.

Julian ist mein Freund. Mein Vater wusste nichts von ihm, und es war besser, wenn er es nie erfuhr. Er war ein aufstrebender Künstler, ein Typ, der ein lautes Auto fuhr und zu viel lachte. Ich war mir ziemlich sicher, dass er ihn nicht mögen würde. Aber das war mir egal. Heute Nacht wollten wir zu einer Hütte nahe der Grenze fahren, ohne Tracker, ohne Wachen, ohne Zeitplan, nur wir beide und ein Tag voll berauschender, absoluter Freiheit.

Ich versuchte, die Ausgangstür zu öffnen, aber sie war verschlossen.

„Scheiße!“, entfuhr es mir panisch.

Ich warf mein ganzes Körpergewicht gegen die Tür. Sie bewegte sich nicht. Mein Körper schmerzte, aber die Freiheit wartete direkt dahinter. Frustriert fuhr ich mir mit der Hand durchs Haar und bemerkte dabei, dass darin eine Haarnadel steckte. Ich zog sie heraus und versuchte vorsichtig, das Schloss damit zu knacken. Als das Schloss klickte, huschte ein stolzes Lächeln über meine Lippen.

Draußen schmeckte es nach Regen und Zigarettenrauch, aber für mich war es das Süßeste, was ich je eingeatmet hatte.

Am anderen Ende des schmalen Backsteinkorridors sah ich das Leuchten roter Rücklichter. Es war Julians Auto.

Ich fing an zu rennen.

Ein atemloses, euphorisches Lachen brach aus meiner Kehle. Ich schaffte es. Ich ließ mein kontrolliertes Leben hinter mir, wenn auch nur für einen Tag. Ich konnte mir schon Julians Gesichtsausdruck vorstellen, wie er mich anlächeln würde, wie sich seine Hände an meiner Taille anfühlen würden, seine Lippen auf meinen.

Mein Fuß rutschte weg. Die ganze Luft wich in einem scharfen, schmerzhaften Stoß aus meiner Lunge. Mein Handy flog mir aus der Hand, schlug auf das nasse Pflaster und schlitterte ins Dunkel. Ich taumelte rückwärts und machte mich darauf gefasst, hart zu fallen.

Aber ich fiel nicht.

Jemand hatte mich aufgefangen. Lange Finger umschlossen meinen Oberarm vollständig, der Griff war hart und tat mir fast weh.

Die Hand riss mich etwas brutal wieder auf die Beine.

Nach Luft ringend strich ich mir die zerzausten Haare aus den Augen, bereit, den betrunkenen Idioten anzuschreien, der mir in den Weg gekommen war. Doch in dem Moment, als ich aufsah, öffnete ich den Mund, und kein Wort wagte sich heraus.

Er war mindestens einen Meter achtzig groß und trug einen scharf geschnittenen, maßgeschneiderten schwarzen Mantel. Seine Schultern waren breit. Seine Präsenz war dominant.

Mein Herz setzte einen Schlag aus, als ich sein Gesicht sah.

Er sah aus, als wäre er bereit, jemanden zusammenzuschlagen. Ich musterte seine Züge: ein kantiges, unnachgiebiges Kinn, bedeckt von dunklen, rauen Bartstoppeln, und Augen, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließen. Sie waren braun und starrten in meine.

Er war nicht außer Atem, als wäre er mir nachgerannt. Stattdessen wirkte er, als hätte er stundenlang dort gestanden und darauf gewartet, dass ich geradewegs in seine Falle lief.

Panisch versuchte ich, meinen Arm wegzureißen und mich aus seinem Griff zu winden, aber er zuckte nicht einmal. Er hielt mich einfach fest und sah mit ausdrucksloser Miene zu, wie ich mich wehrte.

Ohne seine furchterregenden Augen von meinen abzuwenden, bückte er sich mit der freien Hand und hob mein zerbrochenes Wegwerfhandy vom Boden auf.

„Hey“, brachte ich hervor, und meine Stimme zitterte, obwohl ich mich bemühte, befehlend zu klingen. „Lassen Sie mich los. Sofort.“

Er antwortete nicht. Mit völlig gelangweilter Miene nahm er das Plastikhandy in die Hand und schloss die Faust.

Ich hörte das scharfe Knirschen von Plastik und Glas, das unter seinem Griff zersplitterte.

Ich starrte ihn fassungslos an und konnte kaum glauben, was ich sah.

Meine Verbindung zu Julian, meine Freiheit, war im Nu dahin. Ich blickte auf die Stelle, an der Julians Auto zuvor gestanden hatte. Sie war leer. Mein Herz sank bei dem Gedanken, dass er einfach davongefahren sein musste und mich mit diesem fremden Mann zurückgelassen hatte.

Die Stille zwischen uns fühlte sich schwerer an.

„Die Party ist vorbei, Ms. Roth“, sagte er mit tiefer Stimme, die mir einen leichten Schauer über den Rücken jagte.

Er wartete nicht auf eine Antwort, es war ihm egal, ob ich eine hatte. Sein Griff um meinen Arm wurde fester, und der Mann begann, mich zu einem der Wagen meines Vaters zu zerren.

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