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last update Veröffentlichungsdatum: 23.06.2026 21:11:43

ARIA – Ich-Perspektive

Das Sonnenlicht fiel durch mein Fenster und tauchte mein Gesicht in einen unheimlichen Schimmer.

Ich stöhnte auf und zog die Decke über den Kopf.

Mein Körper fühlte sich immer noch wund und schwer an. Meine Muskeln schmerzten auf eine seltsame, aber angenehme Weise, die sofort die Erinnerungen an letzte Nacht zurückbrachte.

Der Club. Adrian.

Langsam öffnete ich die Augen.

Einen Moment starrte ich nur an die Decke und ließ alles noch einmal in meinem Kopf ablaufen. Dann traf mich die Erinnerung an den Zettel erneut.

Manchmal ist uns nur ein einziger Moment der Lust vergönnt – als schöne Erinnerung.

Ich seufzte und zwang mich aus dem Bett.

„Dumm“, murmelte ich vor mich hin.

Warum dachte ich überhaupt noch an ihn? Es war nur eine Nacht gewesen. Ich kannte den Mann kaum.

Trotzdem… das leere Gefühl in meiner Brust war nicht verschwunden. Ich schüttelte den Kopf und ging ins Badezimmer.

„Vergiss es, Aria“, sagte ich zu meinem Spiegelbild. „Er hat es schon längst vergessen. Ich bezweifle, dass er sich überhaupt noch an die Nacht erinnert, die wir geteilt haben.“

Meine Gedanken wanderten zu meinem Vater, und ich hoffte, dass er nicht nachfragen würde, wo ich gewesen war.

Als ich nach unten kam, war das Haus bereits wach.

Unser Esszimmer war groß und lag neben einem Fenster. Die polierte Tischplatte spiegelte das Morgenlicht wider.

Mein Vater saß am Kopfende des Tisches, las etwas auf seinem Tablet und trank seinen üblichen schwarzen Kaffee. Ich schaute nach links, in der Hoffnung, meine Mutter zu sehen, aber sie saß nicht dort.

Das bedeutete, sie war noch nicht von ihrer Reise zurück.

Mein Vater blickte nicht auf, als ich eintrat.

„Du bist spät dran“, sagte er ruhig.

Ich nahm mir eine Tasse Kaffee vom Tisch und setzte mich.

„Guten Morgen auch an dich, Dad“, antwortete ich sarkastisch.

Er senkte das Tablet ein wenig und sah mich über den Rand seiner Brille hinweg an.

„Du solltest Disziplin lernen, Aria. Um zehn Uhr dreißig aufzustehen, ist nicht besonders produktiv“, zog er mich auf.

„Es ist nicht Mittag“, sagte ich und nahm einen Schluck Kaffee.

„Zehn Uhr dreißig“, antwortete er.

„Eben.“

Er seufzte, als hätte ich gerade seine Enttäuschung über die Menschheit bestätigt.

Dann legte er das Tablet weg. „Ich habe einen neuen Fahrer eingestellt.“

Ich blinzelte. „Okay“, antwortete ich überrascht, warum er mir das erzählte.

„Unser letzter Fahrer hat gestern gekündigt.“

Ich zuckte uninteressiert mit den Schultern. „Kommt vor“, erwiderte ich und nippte weiter an meinem Kaffee.

Mein Vater runzelte leicht die Stirn. „Du scheinst nicht besonders interessiert.“

„Warum sollte ich?“, fragte ich, langsam genervt von dem Hin und Her.

„Du wirst ihn täglich brauchen.“

„Ich habe den Letzten auch täglich gebraucht“, antwortete ich ruhig. „Ich habe es überlebt.“

Er ignorierte meinen Ton. „Er fängt heute an.“

„Großartig“, sagte ich und griff nach einem Stück Toast. Genau in diesem Moment öffnete sich die Tür zum Esszimmer.

Ich schaute nicht hoch.

Ich war zu beschäftigt damit, noch mehr Zucker in meinen Kaffee zu rühren.

Mein Vater sprach zuerst. „Ah. Perfektes Timing.“

Etwas an seinem Tonfall ließ mich aufblicken. Und beinahe wäre mir die Tasse aus der Hand gerutscht.

In der Tür stand niemand anderes als Adrian.

Für eine Sekunde weigerte sich mein Gehirn zu akzeptieren, was meine Augen sahen.

Derselbe große Körperbau, dieselbe ruhige Haltung, dieselben dunklen Augen. Nur trug er jetzt einen sauberen blauen Anzug und stand mitten im Haus meines Vaters.

Mein Herz hämmerte heftig gegen meine Brust. Ich musste es festhalten, damit es nicht aussetzte.

Nein.

Das konnte nicht sein. Adrian sah nicht aus wie jemand, der als Chauffeur für reiche Männer arbeiten musste. Er selbst wirkte reich.

Irgendetwas stimmte hier nicht.

Das musste ein Albtraum sein. Aber Adrian sah vollkommen normal aus – gefasst und professionell. Als hätte die letzte Nacht nie stattgefunden. Er betrat den Raum langsam und blieb direkt neben dem Tisch stehen.

Mein Vater deutete auf ihn. „Aria, das ist dein neuer Fahrer.“

Ich starrte Adrian an, unfähig, etwas zu sagen.

Meine Finger krampften sich um die Kaffeetasse.

Er sah mich ruhig an. Kein Anzeichen von Überraschung oder Schock in seinem Gesicht. Nur ein vollkommen neutraler Ausdruck.

Dann neigte er leicht den Kopf – höflich und respektvoll.

„Guten Morgen, Miss Bennett.“

Die Worte ließen mich erstarren.

*Miss Bennett.*

Als wäre ich nicht dieselbe Frau, die er vor wenigen Stunden in seinen Armen gehalten hatte. Mein Herz schlug so laut, dass ich sicher war, alle im Raum könnten es hören.

Doch Adrian reagierte nicht. Er wirkte weder nervös noch peinlich berührt.

Er sah nicht aus wie der Mann, der die Nacht mit mir verbracht hatte. Er sah genau so aus, wie mein Vater ihn vorgestellt hatte.

Ein Fahrer.

Mein Vater blickte zwischen uns hin und her, vollkommen ahnungslos.

„Ihr zwei werdet euch in Zukunft öfter sehen“, sagte er beiläufig.

Ich schluckte die bittere Galle herunter, die in meiner Kehle aufstieg.

Adrians Blick traf meinen für eine Sekunde.

Nur eine Sekunde. Aber etwas Gefährliches blitzte in seinen Augen auf. Etwas, das mich sofort an den Mann von letzter Nacht erinnerte.

Dann war es wieder verschwunden.

Sein Gesichtsausdruck wurde wieder ruhig und professionell – der perfekte Fahrer. Mein Herz raste immer noch.

Verschiedene Gedanken rasten durch meinen Kopf. Und eines war ich mir sicher:

Adrian war kein bisschen überrascht gewesen, mich zu sehen.

Nicht einmal ein kleines bisschen.

Das konnte nur eines bedeuten.

Adrian hatte bereits gewusst, in wessen Haus er hier hineingegangen war.

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