ANMELDENADRIAN – Ich-Perspektive
Ich starrte auf die Uhr. 14:00 Uhr. Das bedeutete, ich hatte noch zehn Minuten, bis Arias letzte Vorlesung endete. Ich lehnte gegen den schwarzen Wagen, der gegenüber dem Universitätsausgang geparkt war, verschränkte die Arme vor der Brust und wartete geduldig. Studenten gingen in Gruppen an mir vorbei, lachten laut und redeten über Hausaufgaben, Partys und Wochenendpläne. Nichts davon interessierte mich. Meine Augen waren fest auf den Eingang der Universität gerichtet und warteten auf sie. Aria Bennett. Victor Bennetts Tochter. Allein der Gedanke an ihren Namen ließ meinen Kiefer sich anspannen. In dem Moment, als sie letzte Nacht den Club betreten hatte, hatte ich sie sofort erkannt. Viele glaubten, die Masken im Club würden die Identität der Träger verbergen. Sie irrten sich. Manche Menschen trugen ihre Identität in der Art, wie sie gingen, wie sie sprachen und wie andere auf sie reagierten. Besonders Aria Bennett – über die ich die letzten vier Monate intensiv recherchiert hatte. Aria Bennett, die Tochter eines mächtigen Geschäftsmanns. Das Mädchen, über das jedes Medienportal gern berichtete. Die gehorsame Prinzessin der Bennett-Familie. Nur letzte Nacht… war sie nicht gehorsam gewesen. Sie war nervös und gefährlich neugierig. Ich atmete langsam aus. Ich hatte nie vorgehabt, sie anzufassen. Ich hatte nie vorgehabt, sie in diesem Club zu sehen. Aber in dem Moment, als sie mich herausforderte… änderte sich alles. Diese Nacht hätte niemals passieren dürfen. Eine Gruppe Studenten lief vor dem Wagen vorbei und versperrte mir kurz die Sicht. Als sie weiterzogen, sah ich sie. Aria trat aus dem Universitätsausgang, begleitet von zwei Mädchen. Eine davon erkannte ich als Ashley – diejenige, die sie in meinen Club gebracht hatte. Die andere war Leah. Auch über sie wusste ich durch meine Recherchen Bescheid. Aria unterhielt sich mit ihnen, sah aber nicht glücklich aus. Ihr Gesicht war ausdruckslos. Dann fand ihr Blick mich. Sie erstarrte. Die beiden Mädchen folgten ihrem Blick und musterten mich neugierig. Ashleys Augen verhärteten sich, als sie mich sah. Für einen kurzen Moment blitzte etwas in ihren Augen auf… bevor sie es mit einem unschuldigen Lächeln kaschierte und mich mit einer eleganten Kopfneigung grüßte. Aria flüsterte den beiden etwas zu und kam dann auf den Wagen zu. Sie ging langsam auf mich zu, als würde sie Zeit schinden – oder als wüsste sie nicht genau, ob sie mich lieber erwürgen oder anschreien wollte. Wahrscheinlich beides. Ich öffnete die hintere Tür, bevor sie den Wagen erreichte. „Guten Tag, Miss Bennett.“ Ihr Blick blieb sofort gereizt auf mir haften. Sie stieg ein, ohne mir zu antworten. Ich schlug die Tür härter zu als nötig, ging um den Wagen herum und setzte mich auf den Fahrersitz. Dann startete ich den Motor. Einen Moment lang sprach keiner von uns. Plötzlich hörte ich ihre Stimme vom Rücksitz. „Also machen wir das immer noch?“, fragte sie leise. Ich hielt den Blick auf die Straße gerichtet. „Was genau machen wir, Miss Bennett?“ Ein scharfes Lachen kam von hinten. „So tun als ob.“ Das Wort hing eine Weile in der Luft, ohne dass einer von uns etwas sagte. Ich atmete langsam aus. „Sie sollten Ihre Stimme senken“, sagte ich ruhig. „Keine Sorge“, fauchte sie. „Diesmal schreie ich nicht.“ Der Wagen hielt an einer roten Ampel. Ich warf einen kurzen Blick in den Spiegel. Ihre Arme waren fest vor der Brust verschränkt, und ich konnte die Frustration in ihrem Gesicht deutlich sehen. „Warum haben Sie diesen Job angenommen?“, fragte sie plötzlich. Direkt auf den Punkt. Etwas anderes hatte ich nicht erwartet. „Ihr Vater hat mich eingestellt“, antwortete ich schlicht. „Das habe ich nicht gefragt“, erwiderte sie und funkelte mich durch den Rückspiegel an. Die Ampel sprang auf Grün, und der Wagen fuhr weiter. Die Stille dehnte sich zwischen uns aus, bevor ich schließlich sprach. „Ich wusste, wer Sie sind, als Sie den Club betreten haben. Ich war bereits eingestellt, bevor das passierte.“ Ich gestand es offen. Ich hörte, wie ihr hinter mir der Atem stockte. „Das dachte ich mir schon“, sagte sie leise. „Aber ich habe nicht erwartet, dass diese Nacht passiert. Ich habe nicht erwartet, dass Sie einen Abend vor meinem Dienstantritt im Club sind, und ich habe auch nicht erwartet, dass Sie von dem Club wissen.“ Ich fuhr fort. „Und jetzt?“, fragte sie, ihre Stimme jetzt sanfter. „Jetzt ist es gefährlich“, antwortete ich ruhig. Wir schwiegen. Das Wort lastete schwer auf uns. „Gefährlich?“, wiederholte sie. „Ja.“ „Wegen meines Vaters?“ „Ja.“ Sie beugte sich leicht im Sitz vor. „Haben Sie Angst vor ihm?“ „Nein.“ Meine Antwort kam sofort. „Ich respektiere die Konsequenzen und die Regeln meines Jobs.“ Das schien sie noch mehr zu reizen. „Also ist die Lösung, so zu tun, als wäre nichts passiert?“ Ich sah sie endlich durch den Spiegel an. „Nicht so tun als ob.“ „Sondern was dann?“, fragte sie. „Uns beide schützen“, antwortete ich. Sie runzelte die Stirn. „Falls Ihr Vater herausfindet, was im Club passiert ist…“ Ich ließ den Satz unvollendet. Sie verstand sofort. Ihr Gesicht verhärtete sich. „Dann würde er Sie feuern.“ „Das wäre noch das beste Ergebnis“, erwiderte ich. Das brachte sie zum Schweigen. „Und das schlimmste?“ Ich richtete den Blick wieder auf die Straße. „Das Schlimmste“, sagte ich leise, „wäre weitaus komplizierter als das hier.“ Der Wagen wurde wieder still. Aria lehnte sich langsam zurück. Zum ersten Mal seit Beginn der Fahrt widersprach sie nicht. Stattdessen stellte sie eine unerwartete Frage. „Bereuen Sie es?“ Meine Hände schlossen sich etwas fester um das Lenkrad. Ich antwortete nicht. Nicht, weil ich keine Antwort gehabt hätte… sondern weil es alles verändern würde, wenn ich sie aussprach. Ihre leise Stimme kam erneut. „Letzte Nacht.“ Wieder breitete sich lange Stille im Wagen aus. Schließlich sprach ich. „Nein.“ Die Antwort kam leiser heraus, als ich erwartet hatte. Aria sagte danach nichts mehr. Draußen tauchten die vertrauten Tore der Bennett-Villa auf. Der Wagen wurde langsamer, als die Wachleute das Tor öffneten. Wir fuhren hinein. Ich parkte in der Einfahrt und stieg aus. Ich öffnete die hintere Tür und hielt sie für sie auf. Sie stieg langsam aus. Einen Moment standen wir wieder nah voreinander und sahen uns einfach nur an. Ihr Blick forschte einen Augenblick in meinem Gesicht. „Du bist ein verdammt schlechter Lügner, Adrian“, sagte sie leise. Meine Miene blieb ruhig. „Ich habe nie gelogen.“ Sie musterte mich noch eine Sekunde. Dann drehte sie sich um und ging auf die Villa zu. Kurz bevor sie das Haus betrat, blieb sie stehen. Und sah zu mir zurück. „Das ist noch nicht vorbei“, sagte sie. Dann verschwand sie im Inneren.ARIA – Ich-PerspektiveIch kniete auf dem weichen Teppich der privaten Suite, meine Knie begannen bereits auf dem Boden zu schmerzen. Tränen liefen ungehemmt über meine Wangen, während ich zu Adrian aufschaute. Er stand über mir, seine Präsenz dunkel und überwältigend.Sein Griff um mein Kinn war hart, fast besitzergreifend, zwang mich, in seine kalten, wütenden Augen zu sehen. Die Drohung, die er gerade ausgesprochen hatte, hallte immer noch in meinen Ohren nach – mich ausziehen, mich fesseln, mich stundenlang an den Rand bringen, ohne mich kommen zu lassen. Mein Körper reagierte gegen meinen Willen, eine schamlose Hitze breitete sich zwischen meinen Beinen aus, obwohl Angst meinen Magen zusammenzog.Aber mehr als die Angst vor der Strafe schrie eine Frage in meinem Kopf:**Warum kümmerte es ihn so sehr?**Adrian sollte nur der Fahrer meines Vaters sein. Ein Angestellter. Jemand, der Türen öffnete, mich zur Uni fuhr und im Hintergrund still blieb. Er hatte nichts damit zu tun, etwas
ARIA – Ich-PerspektiveIch fuhr Aria direkt zum Club. Ich verstand nicht ganz, warum ich das tat – vielleicht weil es der eine Ort war, an dem jeder sein wahres Ich zeigte. Vielleicht weil ich sehen wollte, wie sie unter denselben Lichtern wand sich, unter denen ich sie das erste Mal für mich beansprucht hatte. Oder vielleicht war ich einfach zu wütend, zu besessen und zu sehr im Kopf durcheinander, um sie zurück zur Villa zu bringen, wo die Kameras und Wachen ihres Vaters warteten.In dem Moment, in dem ich in der privaten Tiefgarage parkte, wurde die schwere Stille im Wagen fast unerträglich.Aria drehte sich zu mir um, ihre Augen weit aufgerissen vor Verwirrung und einem Hauch von Angst.„Adrian… warum hast du mich hierhergebracht?“, fragte sie erneut, ihre Stimme diesmal weicher, fast flehend.Ich stellte den Motor ab und drehte mich endlich ganz zu ihr um.Sie sah wunderschön aus, ihre Wangen waren leicht gerötet von der Nachtluft, ihre Haare etwas zerzaust, dieses schlichte Somm
ARIA – Ich-PerspektiveDas Uni-Tor war um diese Uhrzeit so ruhig, getaucht in das sanfte goldene Licht der Straßenlaternen. Ich stand dort und wartete geduldig, verlagerte mein Gewicht von einem Fuß auf den anderen, ein kleines, aufgeregtes Lächeln spielte auf meinen Lippen, trotz der Nervosität, die ich gerade fühlte.Adrian kam, um mich abzuholen.Auch wenn ich ihm gesagt hatte, er solle es nicht tun, ließ die Tatsache, dass er darauf bestand, etwas Warmes in mir aufblühen. Nach stundenlangem Lesen in der Bibliothek, Stress und einem schwierigen Gruppenmitglied, würde ich einen meiner Lieblingsmenschen treffen. Ich stieß einen aufgeregten Quietscher aus.Auch wenn ich wusste, dass es sein Job war, ließ der autoritäre Ton in seiner Stimme mich erschaudern. Die Tatsache, dass er sich immer noch die Mühe machte, mich abzuholen, nachdem er es ihm gesagt hatte, ließ Schmetterlinge in meinem Bauch flattern.Als der schicke schwarze Wagen endlich vorfuhr, machte mein Herz vor Freude einen
ADRIAN – Ich-PerspektiveMein Handy vibrierte auf dem Schreibtisch.Ich starrte mehrere Sekunden auf den Bildschirm, prüfte, wer es war, bevor ich die Nachricht öffnete._Aria: Hol mich heute Abend nicht ab. Ich habe ein Gruppenprojekt-Treffen in der Uni, das länger dauern wird. Ich finde selbst nach Hause._Ein bitteres Lachen hätte mir fast entkommen.Gruppenprojekt. Um fast neun Uhr abends?Ich las die Nachricht noch einmal, mein Griff um das Handy wurde so fest, dass die Kanten in meine Handfläche drückten. Dachte sie wirklich, ich wäre dumm genug, diese schwache Lüge zu glauben?Der Whiskey, den ich getrunken hatte, schmeckte plötzlich wie Asche in meinem Mund.Ich leitete die Nachricht wortlos an Dante weiter. Weniger als drei Minuten später trat er wieder in mein Büro, mit ausdrucksloser Miene.„Ihr Standort ist ausgeschaltet“, berichtete er. „Aber der Tracker an der Kette ist aktiv. Sie hat den Uni-Campus vor zwölf Minuten verlassen. Fährt Richtung Südosten… zu den Docks.“Die
ADRIAN – Ich-PerspektiveOben im Casino war Hochbetrieb. Helle Lichter, klingelnde Jackpot-Automaten, elegante Gäste in Designer-Kleidung, die lachten und Vermögen beim Wetten verloren. Ich bewegte mich langsam durch die VIP-Lounge, ignorierte die Hostessen, die versuchten, mich anzusprechen, und die Geschäftsleute, die mir respektvoll zunickten.Sobald ich in meinem privaten Büro im obersten Stockwerk war, schenkte ich mir eine großzügige Portion Whiskey ein und stellte mich vor die deckenhohe einseitig verspiegelte Glasscheibe, die den Hauptsaal des Casinos überblickte.Die bernsteinfarbene Flüssigkeit brannte beim Hinunterschlucken, aber sie beruhigte den Sturm in meinem Kopf kein bisschen.Sie ist beteiligt. Der Gedanke wiederholte sich wie ein Fluch.Ich hatte zwei Jahre damit verbracht, Victor Bennetts Untergang zu planen. Er hatte meine Familie zerstört. Mein jüngerer Bruder wurde bei einem seiner „Geschäftskonflikte“ getötet, und mein Vater wurde zum Selbstmord getrieben, nach
ADRIAN – Ich-PerspektiveDer unterirdische Verhörraum unter dem Casino roch nach Rost, Schweiß und getrocknetem Blut. Die trüben Neonröhren flackerten schnell, als würden sie jeden Moment ausgehen. Ich trat ein und schloss die schwere verstärkte Tür hinter mir mit einem soliden Knall, der von den Betonwänden widerhallte.Nachdem ich Aria in der Schule abgesetzt hatte, war ich hierhergekommen. Denn ich hatte etwas Wichtiges zu erledigen.Rico Martinez saß steif auf einem Metallstuhl, seine Handgelenke und Knöchel mit Kabelbindern an einer Eisenstange vor ihm festgebunden. Sein Gesicht war bereits ein einziger Brei, dank meiner Männer, die ihn vor zwei Stunden aus seinem Wagen geholt hatten. Ein Auge war zugeschwollen, und ein tiefer Schnitt an seinem Wangenknochen blutete immer noch an seinem Kiefer herunter.Er hob langsam den Kopf, als er meine Schritte hörte. Erkenntnis blitzte in seinem gesunden Auge auf, gefolgt von Angst.„Coleman“, krächzte er, seine Stimme heiser. „Oder soll ic







