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Kapitel Drei: Der Falsche Alpha

Author: Freyaah
last update publish date: 2026-07-09 18:17:18

Rheas Sicht

Die Reise zum Crimson-Fang-Rudel verlief schweigend.

Ich saß im hinteren Teil der großen schwarzen Kutsche, die Hände ordentlich im Schoß gefaltet, während mich die Aufregung von innen heraus erfüllte.

Alpha Vander fuhr in der Kutsche hinter meiner.

Obwohl er nicht bei mir saß, spürte ich das Gefährtenband deutlich in meiner Brust pulsieren.

Ich hätte mir niemals vorstellen können, einen Gefährten zu haben.

Das waren Träume, die Lydia immer für Celeste hatte.

Und dann ausgerechnet jemanden so mächtigen wie einen Alphakönig.

Meine Finger verkrampften sich.

Was, wenn er mich sieht und seine Entscheidung bereut?

Was, wenn...

Langsam hob ich den Kopf, als die Kutsche vor riesigen eisernen Toren langsamer wurde.

Crimson Fang.

Die Tore öffneten sich langsam und gaben den Blick auf ein gewaltiges Rudelterritorium frei.

Mir stockte der Atem.

Die Gerüchte hatten nicht einmal ansatzweise beschrieben, wie riesig dieser Ort wirklich war.

Über das Land verteilt standen mächtige Gebäude, deren dunkle Mauern mit uralten Symbolen verziert waren.

Weitläufige Trainingsplätze erstreckten sich über das Gelände und boten genügend Raum, damit Krieger sowohl in ihrer menschlichen als auch in ihrer Wolfsgestalt kämpfen und trainieren konnten.

Alles strahlte Macht aus.

Das war kein gewöhnliches Rudel.

Es war ein Königreich.

Und ich würde seine Luna werden.

„Lang lebe unsere Luna! Lang lebe sie!“

Der Jubel draußen drang bis zu mir in die Kutsche.

Mein Herz flatterte.

Schließlich hielt die Kutsche vor einem gewaltigen Herrenhaus aus Stein.

Es war größer als jedes andere Gebäude.

Das Rudelhaus.

Einer der Krieger öffnete mir die Tür.

Kaum war ich ausgestiegen, eilten zwei Frauen auf mich zu.

Beide trugen elegante Uniformen.

„Miss“, sagte eine von ihnen freundlich.

Miss?

Ich blinzelte.

Noch nie hatte mich jemand so angesprochen.

„Der Alpha hat angeordnet, dass Ihr vorbereitet werdet“, fuhr sie fort.

„Vorbereitet?“

„Wofür?“, fragte ich vorsichtig.

„Für Eure Begegnung mit ihm.“

Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus.

Doch bevor ich weitere Fragen stellen konnte, führten mich die beiden Frauen ins Rudelhaus.

Das Innere verschlug mir den Atem.

Hohe Decken.

Goldene Kronleuchter.

Poliertes Holz.

Alles war wunderschön.

Doch wir blieben nicht stehen.

Sie führten mich durch lange Flure bis in ein großes Badegemach.

Ich sah die riesige Marmorbadewanne an und blickte dann wieder zu ihnen.

„Für... mich?“, fragte ich ungläubig.

Die beiden Dienstmädchen lächelten.

„Ja, Miss.“

Noch bevor ich protestieren konnte, entfernten sie behutsam den Staub und die Reisespuren von meinem Kleid.

Warmes Wasser umhüllte meine Haut.

Wohlriechende Öle erfüllten den Raum.

Mit unglaublicher Geduld kämmten sie mein langes dunkles Haar.

Ich fühlte mich überwältigt.

Zum ersten Mal in meinem Leben kümmerte sich jemand um mich.

Zum ersten Mal begegnete man mir mit echter Freundlichkeit.

Nach dem Bad kleideten sie mich in ein neues Kleid.

Es war cremefarben, schmiegte sich sanft an meine Taille und fiel elegant bis zum Boden.

Als sie fertig waren, trat eine der Mägde lächelnd einen Schritt zurück.

„Ihr seht wunderschön aus, Miss.“

Ich drehte mich zum Spiegel.

Für einen Moment erkannte ich mich selbst nicht wieder.

Ich war...

schön.

Wärme erfüllte meine Brust.

Vielleicht änderte sich mein Leben wirklich.

Vielleicht hatte die Mondgöttin endlich beschlossen, mir ein besseres Schicksal zu schenken.

Kurz darauf führten mich die Mägde in den oberen Stock.

Der Flur dort war stiller.

Privater.

„Dies sind die Gemächer des Alphas“, erklärte eine von ihnen leise.

„Seine Hoheit wird Euch dort empfangen.“

Nervös nickte ich.

Ich öffnete die Tür und trat ein.

Sein Zimmer war größer als das meines Vaters und das meiner Stiefschwester zusammen.

Große Fenster blickten auf den Wald hinaus.

Ein gewaltiges Bett mit karmesinroter Bettwäsche dominierte den Raum.

Dies waren die Gemächer meines Gefährten.

Des Alphas.

Mein Herz schlug noch schneller.

Schon der Gedanke daran, ihn aus der Nähe zu sehen...

dass er mich berühren...

und als die Seine markieren würde...

ließ meine Knie weich werden.

Ich wartete.

Meine Finger verschränkten sich nervös ineinander.

Einige Minuten später, gerade als ich vorsichtig einige der kostbaren Gegenstände betrachtete, öffnete sich erneut die Tür.

Ich drehte mich sofort um.

Ein großer Mann trat ein.

Ich erkannte ihn sofort.

Es war derselbe Mann aus dem Ratssaal.

Mein Gefährte.

Breite Schultern.

Unordentliches dunkles Haar.

Graue Augen.

Doch jetzt wirkten sie dunkler.

Härter.

Kälter.

Seine markanten Gesichtszüge strahlten die unbestreitbare Autorität eines Alphas aus.

Obwohl ich nicht mehr dieselbe starke Anziehung spürte wie zuvor, schob ich den Gedanken beiseite, als sich unsere Blicke trafen.

Ich verbeugte mich.

„Eure Hoheit.“

„Nun...“, sagte er beiläufig.

Seine Stimme klang tiefer als zuvor.

„Das ist enttäuschend.“

Sein Blick glitt langsam über mich.

Verwirrt runzelte ich die Stirn.

„Eure Hoheit...?“

„Das Kleid steht dir.“

Er trat näher.

„Soweit ich gehört habe, hast du noch nie etwas Vergleichbares getragen.“

Ich starrte ihn fassungslos an.

„Was...?“

Er lachte verächtlich und kam noch näher.

Instinktiv wich ich zurück.

Das war nicht derselbe Mann.

Nicht der Mann, der meine Freilassung gefordert hatte.

Ich betrachtete ihn genauer.

Sein Haar war unordentlicher.

Seine Augen wirkten dunkler.

Doch daran bestand kein Zweifel.

Es war Alpha Vander.

Genau der Alpha, an den ich verkauft worden war.

„Du solltest dieses Rudel verlassen, Miss.“

„Du gehörst nicht hierher.“

Ich versuchte zu verstehen, was geschah.

Doch sein kalter Blick machte deutlich, dass Erklärungen ihn nicht interessierten.

„Aber... wir sind Gefährten.“

„Ihr habt mich hierhergebracht... Ihr habt mich eingekleidet...“

„Das geschah aus Mitleid.“

Er lachte spöttisch.

„Gefährten?“

„Tief in deinem Inneren musst du doch gewusst haben, dass ein Fehler vorliegt.“

Er blieb direkt vor mir stehen.

Seine Augen waren eiskalt.

„Nein...“, flüsterte ich.

Meine Brust zog sich schmerzhaft zusammen.

„Doch.“

Seine Stimme wurde noch härter.

„Jetzt kenne ich deine Geschichte.“

„Du bist nichts weiter als eine bemitleidenswerte Tochter, die sich verzweifelt an jeden klammert, der ihr ein bisschen Zuneigung zeigt.“

Ich schüttelte den Kopf.

„Nein... Zwischen uns war ein Band... eine Verbindung... Ich habe gesehen, wie Ihr mich angesehen habt...“

Ich griff nach seiner Hand.

Doch er schlug sie sofort weg.

Ich zuckte erschrocken zusammen.

„Wie leichtgläubig du bist.“

Er schüttelte den Kopf.

„Du glaubst wirklich, ein unerwünschtes Mädchen, das als Sklavin verkauft wurde, könnte die Luna des Crimson-Fang-Rudels werden?“

„Dann hast du wohl in dem Moment den Verstand verloren, als du geboren wurdest.“

„Vander...“

Meine Stimme brach.

„Nenn mich noch einmal so.“

Seine Stimme war tödlich ruhig.

„Und ich lasse dir die Zunge herausschneiden.“

Langsam begann er, mich zu umkreisen.

„Sieh dich doch an.“

„Keine Macht.“

„Kein Erbe.“

„Ein schwacher Wolf.“

„Du bist kaum würdig, überhaupt in diesem Raum zu stehen.“

Ich konnte mich nicht bewegen.

Der Schock hatte meinen ganzen Körper gelähmt.

„Aber... ich kann das ändern.“

Seine eisblauen Augen bohrten sich in meine.

„Ich... Vander Clegane... aus der königlichen Blutlinie des Crimson-Fang-Rudels...“

Meine Knie gaben beinahe nach.

„...weise dich als meine Gefährtin zurück.“

Tränen brannten in meinen Augen.

Ich wusste nicht, wie sich eine Zurückweisung anfühlen sollte.

Doch es war, als hätte jemand ein Messer in mein Herz gerammt und es langsam herumgedreht.

Warum hatte er mir Hoffnung gegeben...

nur um sie gleich darauf zu zerstören?

Alpha Vander beobachtete mich regungslos.

Ich wusste, was er von mir erwartete.

„Ich...“

Meine Stimme zitterte.

„Ich... Rhea Thorne... akzeptiere Eure Zurückweisung.“

„Gut.“

Schnell wischte ich mir die Tränen weg.

Für mich gab es hier nichts mehr.

Mit schweren Schritten ging ich zur Tür.

Doch kurz bevor ich sie öffnete, hielt ich inne.

„Habt Ihr... wirklich gar nichts gespürt?“

Ich drehte den Kopf.

Sein Gesicht blieb vollkommen regungslos.

„Nein.“

Neue Tränen füllten meine Augen.

Ich öffnete die Tür.

Ich hatte nur mir selbst die Schuld zu geben.

Wie hatte ich glauben können, mein elendes Leben würde sich an einem einzigen Tag verändern?

Wie hatte ich glauben können, mein Leben könnte wie ein Märchen werden?

Er hielt mich nicht auf.

Ich ging durch die langen Flure und hinaus aus dem Schloss.

Keiner der Wachen schenkte mir auch nur einen Blick.

Ich fühlte mich zurückgewiesen.

Ausrangiert.

Wertlos.

Jetzt blieb mir nichts anderes übrig, als an den einzigen Ort zurückzukehren, den ich widerwillig mein Zuhause nannte.

Zurück in mein Elend.

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