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KEIN WUNDER WIRD GESCHEHEN

Autor: ferdi
last update Data de publicação: 2026-10-28 18:43:14

Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Ich wälzte mich von einer Seite auf die andere.

Was, wenn Zevran sein verdammtes Maul aufreißt und erzählt, dass wir miteinander geschlafen haben? Ich hatte ihm die Uhrzeit und die Adresse schon geschickt, aber was, wenn er zu betrunken ist, um überhaupt aufzutauchen?

Meine Gedanken wurden von Vaters Klopfen unterbrochen, bevor er hereinkam.

Sein Gesicht wirkte lang. Seine Augen waren zornig, aber müde. Traurig.

Er setzte sich neben mich und nahm meine Hand.

„Es ist dreiundzwanzig Jahre her, dass deine Mutter uns verlassen hat. Heute. An genau diesem Tag."

Begann er.

Es war seine übliche Rede an mich, jeden Morgen einer jeden Gedenkfeier.

„Und bei jeder Gedenkfeier sehe ich sie in dir. Diese goldbraunen Rehaugen, deine schönen Gesichtszüge, dein perfektes braunes Haar, deine Statur, deine Art zu gehen, wie wild du geworden bist … Ich weiß, dass sie hier ist. Sie ist in dir. Aber …"

Ich setzte mich langsam auf.

Seine Reden hatten nie ein „Aber" gehabt.

„Azila hat recht. Ich bin jetzt schwach. Ich kann mich bei der nächsten Zusammenkunft mit dem Lykanerkönig nicht zeigen. Die anderen Rudel werden Schwäche wittern, und das Midnight-Rudel wird zur Zielscheibe."

„Vater –"

„Velora", fiel er mir ins Wort. Er nannte mich nie Velora.

„Ich wollte nie, dass sie dieses Rudel anführen. Dieses Rudel ist dein Erbe. Alles, was ich habe … Ich habe deiner Mutter ein Versprechen gegeben, aber du hast mir keine Wahl gelassen."

Er seufzte schwer.

„Nun, ich werde Monah und ihren Gefährten übernehmen lassen. Es tut mir leid, dass Castro dir das Herz gebrochen hat."

Er ließ mich nicht einmal erklären. Er war immer noch enttäuscht von mir. Und so ging er.

In dem Moment, als er hinausging, begann ich sofort, Zevran erneut anzurufen. Aber es ging direkt auf die Mailbox.

Kurz darauf kam Kaida herein.

„Er geht nicht ran, Kaida. Was, wenn er mich wieder benutzt hat? Was, wenn er mich meine Krönung verlieren lässt und danach versucht, Anspruch auf mich zu erheben?"

Kaida drückte meine Hand.

„Das wird nicht passieren. Und jetzt steh auf und mach dich fertig. Die Leute treffen schon ein."

Sie half mir auf.

---

Unser Anwesen war bereits voller Adliger des Midnight-Rudels. Teure Autos säumten den Parkplatz. Jedes erdenkliche Modell. Nur nicht Zevrans. Er kam nicht.

Ich schluckte schwer, bevor ich nach unten ging. Ich setzte mich neben Vater, während Monah stolz neben Azila saß und unablässig grinste. Ich verfluchte mich dafür, geglaubt zu haben, dass Zevran etwas so Ernstes ernst nehmen würde.

Ich hatte ihn überschätzt.

Azila drängte Vater immer wieder, die Zeremonie zu beginnen, aber Vater bestand darauf, zuerst noch eine Gedenkrede für meine Mutter zu halten.

Während er sprach, versuchte ich es erneut bei Zevran. Immer noch die Mailbox.

„Ich will, dass du weißt, dass ich dich dafür hasse und noch für viele andere Gründe. Und vergiss den Vertrag. Du bist ein hoffnungsloser Fall!"

Fauchte ich ins Telefon, bevor ich die Sprachnachricht abschickte. Mit einem falschen Lächeln kehrte ich zur Versammlung zurück.

Vaters letzte Worte zum Abschluss der Rede waren …

„… Und so stolz ich auf die Frau bin, die Monah geworden ist, wünsche ich mir immer noch, dass ein Wunder geschieht."

Tränen brannten in meinen Augen, doch ich weigerte mich, sie fallen zu lassen. Ich stand auf und ging davon. Am Abend wurde Monah offiziell zur Alpha-Frau, an der Seite von Castro.

Alle zogen sich schließlich zur Aftershow-Feier in den Ballsaal zurück. Kaida war damit beschäftigt, überall zu helfen. Vater mied mich völlig.

Ich fühlte mich allein.

Kaida hatte recht gehabt. Ich fiel zurück. Der Druck wurde unerträglich.

Ich eilte nach oben, durchwühlte meinen Kleiderschrank, schnappte mir die kleine braune Tasche, die einst meiner Mutter gehört hatte, und stürzte ins Gästebad.

In dem Moment, als ich eintrat, hörte ich einen Schuh über den Boden scharren.

„Wer ist da?"

Fragte ich scharf.

Keine Antwort.

Schnell öffnete ich die Tasche und holte eine Flasche Wolfswurz und eine weitere Flasche mit Pillen heraus.

Gerade als ich weitermachen wollte, öffnete sich eine der Toilettentüren.

Azila trat heraus.

„Azila? Warum … warum benutzt du das Gästebad?"

Fragte ich angespannt.

Sie wischte sich sanft den Mundwinkel ab, bevor sie zum Ausgang ging.

Dann hielt sie inne.

„Das könnte ich dich auch fragen. Hoffentlich richtet sich das, was du da tust, nicht gegen deine neue Alpha."

Antwortete sie, bevor sie ging.

Ich schluckte schwer und betrat eine der Kabinen, verriegelte sie hinter mir. Doch dann knarrte eine weitere Toilettentür auf.

Ich stürmte sofort hinaus und überprüfte alle drei Kabinen. Leer. Diesmal schloss ich die Haupttür des Bades ab, bevor ich zu dem zurückkehrte, was ich vorhatte.

Ich holte die Sachen wieder hervor. Dann nahm ich ein Messer und schnitt mir in die Haut.

Schwer atmend goss ich Wolfswurz direkt in die Wunde. Ein schmerzhaftes Knurren entfuhr meiner Kehle. Ich kämpfte darum, es zu ertragen, bevor ich zwei Pillen auf einmal schluckte.

Dann sackte ich auf den Boden.

Alles drehte sich heftig um mich. Doch selbst durch den Nebel hindurch konnte ich nur an den Vertrag denken, den ich mit Zevran unterschrieben hatte.

Ich nahm nie zwei Pillen auf einmal. Nie. Aber kurz bevor die Dunkelheit mich verschlang, hörte ich lautes Hämmern gegen die Badezimmertür.

---

Als ich schließlich die Augen öffnete, war es schon Morgen.

Mein Kopf pochte heftig. Ich wusch mir das Gesicht, bevor ich vorsichtig die Tür aufschloss. Das Herrenhaus war nun größtenteils leer, bis auf Bedienstete, die den Ballsaal reinigten.

Ich taumelte zu meinem Zimmer. In dem Moment, als ich eintrat, fand ich Kaida, die sich den Schlaf aus den Augen rieb.

„Wo warst du?"

Fragte sie träge.

Ich ignorierte sie und setzte mich aufs Bett. Plötzlich begann sie, wiederholt an mir zu schnüffeln.

„Kaida, hör auf."

Fauchte ich.

„Ich rieche Wolfswurz und …"

Ihre Miene verhärtete sich sofort.

„Du hast einen Rückfall gehabt? Du hattest wirklich einen Rückfall? …"

„Halt verdammt noch mal die Stimme runter. Ich will nicht, dass Vater das hört."

Warf ich schnell ein.

„Was zum Teufel ist los mit dir?", sagte sie und zog die Worte wütend in die Länge. „Du bist so weit gekommen und wirfst einfach alles weg?"

„Kaida … ich hatte eine Aufgabe zu erledigen. Eine einzige. Und ich habe versagt. Ich fühle mich verdammt dumm, weil ich meine Zukunft einem unverantwortlichen Lykaner anvertraut habe."

Brach es aus mir heraus. Kaida lachte plötzlich auf, mit Schmerz in der Stimme, bevor sie mein Handy vom Tisch nahm.

„Meinst du diesen unverantwortlichen Lykaner? Den, der dein Handy zugebombt hat, während du dich irgendwo versteckt und Pillen geschluckt hast wie eine verdammte Versagerin?"

„Wenigstens ist es mein erster Rückfall seit Jahren. Du schluckst jede verdammte Minute Pillen."

Fauchte ich zurück. Ihr Gesicht fiel augenblicklich in sich zusammen.

„Hier geht es nicht um mich, Vel. Es geht um dich. Um deine Mutter. Um deinen Vater. Und um die Zukunft des Midnight-Rudels."

Ich verstummte. Dann riss ich ihr das Handy aus den Händen.

Sprachnachrichten. Nachrichten. Alle von Zevran. Ich warf das Handy frustriert weg.

„Und wo zum Teufel war er, als ich ihn wirklich gebraucht habe?"

Murmelte ich, bevor ich ins Badezimmer ging.

Dann drehte ich mich wieder zu Kaida um.

„Du nimmst das Handy und schreibst ihm. Sag ihm, er kann seinen Vertrag zur Hölle schicken. Ich hole mir mein Erbe selbst von Azila zurück."

Beendete ich das Gespräch, bevor ich die Badezimmertür hinter mir abschloss.

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