Doppelte Aufgabe: Die Aufgabe der Hausmeister

Doppelte Aufgabe: Die Aufgabe der Hausmeister

last updateÚltima actualización : 2026-09-25
Por:  CarmenActualizado ahora
Idioma: Deutsch
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Mila ist mit einem der eineiigen Zwillingsprinzen des Königreichs verlobt, doch niemand weiß, mit welchem. Als ihre Betreuerin wird sie in den Königspalast geschickt und gerät schnell in den Mittelpunkt einer erbitterten Rivalität zwischen dem kalten, dominanten Rhaevan und dem verführerischen, besitzergreifenden Rhaelor. Jeder der Prinzen ist entschlossen, sie für sich zu gewinnen, während Mila mit einer gefährlichen Wahrheit ringt: Ihr Herz schlägt für beide. Dann erkrankt Mila auf mysteriöse Weise, was die Brüder zwingt, ihre lebenslange Rivalität beiseitezulegen und sich gemeinsam um sie zu kümmern. Als die Mondgöttin schließlich die Wahrheit enthüllt, wird das Unmögliche wahr. Mila sollte sich nie zwischen den Zwillingen entscheiden müssen. Beide waren für sie bestimmt. Doch in einem Königreich, in dem ein Wolf nur eine Gefährtin haben darf, könnte ihre verbotene Verbindung sie alles kosten.

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Capítulo 1

Kapitel 1

Der Brief kam in der Abenddämmerung an, versiegelt mit silbernem Wachs, das das letzte Licht der untergehenden Sonne wie einen Tropfen gefrorenen Mondlichts einfing.

Mila stand in der Tür des kleinen Häuschens, das sie mit ihrer Tante teilte. Das Pergament lag schwer in ihren Händen. Das königliche Wappen – zwei einander zugewandte Wölfe unter einer Mondsichel – war tief in das Wachs eingeprägt. Sie hatte dieses Zeichen nur einmal zuvor gesehen, vor Jahren, als der Bote der Königin gekommen war, um den Tod ihrer Mutter zu bestätigen. Die Erinnerung lastete noch immer schwer auf ihrer Brust.

Die Stimme ihrer Tante kam aus der Küche, sanft und bedächtig. „Na? Was steht drin?“

Mila brach das Siegel mit dem Daumen. Das Papier entfaltete sich mit einem leisen Knistern. Die Handschrift war elegant, präzise und völlig unpersönlich.

„Auf Befehl Ihrer Majestät der Königin von Lunareth wird Mila vom Südlichen Rudel in den Königlichen Palast vorgeladen. Sie hat sich innerhalb von drei Tagen nach Erhalt dieses Briefes einzufinden.“ Die in ihrer Kindheit arrangierte Verlobung soll nun erfüllt werden. Sie ist einem der königlichen Prinzen versprochen – den eineiigen Zwillingen derselben Blutlinie. Die Identität ihres Auserwählten soll geheim bleiben, bis die Mondgöttin ein Zeichen gibt. Bis dahin wird sie zur persönlichen Betreuerin der Prinzen Rhaevan und Rhaelor ernannt.

Jeglicher Verstoß gegen diese Anweisung wird als Akt gegen die Krone gewertet.

Mila las die Worte zweimal. Dann ein drittes Mal. Die Buchstaben blieben unverändert.

„Verlobt“, flüsterte sie. Das Wort schmeckte ihr fremd auf der Zunge. „Einem von ihnen. Aber sie werden nicht verraten, wem.“

Ihre Tante erschien in der Tür, wischte sich die Hände an einem Tuch ab und blickte sie mit großen Augen an. „Den Zwillingsprinzen? Von denen das ganze Königreich spricht?“

Mila nickte langsam. Sie kannte die Geschichten. Rhaevan, der nur wenige Minuten ältere – kühl, diszipliniert, bereits als der zukünftige König gehandelt. Rhaelor, der Jüngere – charmant, draufgängerisch, immer einen Schritt vom Skandal entfernt. Identische Gesichter. Gegensätzliche Charaktere. Und nun sollte sie einem von ihnen versprochen werden.

„Wie können sie nicht wissen, wem?“, fragte ihre Tante. „Eine Verlobung ist ein Vertrag. Es muss einen Namen geben.“

„Offenbar nicht.“ Mila faltete den Brief vorsichtig zusammen, als könnten ordentliche Knicke die Worte weniger real erscheinen lassen. „Die Königin hat es geheim gehalten. Bis die Mondgöttin entscheidet.“

Sie spürte, wie sich ihr Wolf unter der Haut regte – ein leises, unruhiges Aufwallen des Bewusstseins. Das Tier war immer still gewesen, fast scheu. Jetzt lief es unruhig hin und her, verunsichert von etwas, das es nicht benennen konnte.

Drei Tage. Mehr Zeit hatte man ihr nicht gegeben.

Sie packte leicht. Ein paar Kleider, die abgetragenen Stiefel, die ihr noch passten, den kleinen silbernen Anhänger, den ihre Mutter ihr hinterlassen hatte – nichts Wertvolles, alles Erinnerungen. Ihre Tante drückte ihr einen kleinen Beutel mit getrockneten Kräutern in die Hand und flüsterte einen Segen an die Mondgöttin, der eher wie ein Gebet gegen Unheil als ein Abschied klang.

Die Kutschfahrt gen Norden dauerte zwei volle Tage. Die Straßen wurden breiter, die Wälder dunkler, die Luft klarer vom Duft der Kiefern und des fernen Schnees. Mila beobachtete die sich verändernde Landschaft durch das schmale Fenster und versuchte, nicht an das zu denken, was sie am Ende erwartete.

Sie war noch nie in der Hauptstadt gewesen. Sie hatte den Palast noch nie gesehen. Sie war noch nie in der Gegenwart von Mitgliedern des Königshauses gewesen. Und sie hätte sich niemals vorstellen können, dass sie – durch Papier und Prophezeiung – an einen der beiden mächtigsten jungen Wölfe des Königreichs gebunden sein würde.

In der zweiten Nacht hielt die Kutsche an einem Gasthaus am Wegesrand. Mila lag wach auf einer dünnen Matratze und starrte auf die Deckenbalken. Der Brief lag unter ihrem Kissen wie ein Geheimnis, das sie immer wieder berühren musste. Ihr Schlaf kam nur in Bruchstücken. In einem Traum sah sie einen silbernen Wolf unter einem Mond stehen, der weder voll noch neu war, dessen Licht in zwei sich überlappende Halbmonde gebrochen war. Der Wolf blickte sie mit Augen an, die nicht ganz tierisch waren. Als sie erwachte, raste ihr Herz, und die Narbe an ihrem linken Handgelenk – schwach, im normalen Licht fast unsichtbar – kribbelte, als hätte sie etwas berührt.

Sie drückte die Finger auf die Stelle. Nichts. Nur die alte Narbe aus ihrer Kindheit, die ihre Mutter ihr nie erklärt hatte.

Der letzte Straßenabschnitt führte über die hohen Pässe. Am späten Nachmittag des dritten Tages erhoben sich die Türme des Königspalastes – blasser Stein vor einem Himmel in der Farbe einer gequetschten Pflaume. Banner flatterten im Wind. Wachen in Silber und Schwarz standen an den äußeren Toren, ihre Wölfe so nah, dass Mila die Aufmerksamkeit selbst aus der Kutsche heraus spüren konnte.

Die Tore öffneten sich ohne Zeremonie. Die Kutsche rollte in einen weitläufigen Hof aus weißem Stein und sorgfältig gepflegten Gärten. Die Diener bewegten sich mit stiller Effizienz. Irgendwo in der Ferne hörte sie das Klirren von Übungsmessern und das tiefe Knurren rivalisierender Wölfe.

Ein Steward in formellem Grau empfing sie auf den Stufen. „Lady Mila. Man erwartet Sie. Die Königin wird Sie im östlichen Sonnenstand empfangen.“

Lady. Der Titel lastete seltsam auf ihr. Sie war nie anders als Mila genannt worden.

Sie folgte dem Steward durch Gänge aus poliertem Marmor und hohe Bogenfenster. Porträts vergangener Könige und Königinnen blickten ihr nach. Zweimal glaubte sie, dasselbe Gesicht zu sehen – zwei junge Männer, identisch, in verschiedenen Jahren gemalt, doch das Licht veränderte sich, und die Ähnlichkeit verschwand.

Der östliche Saal war ein langer Raum aus Glas und hellem Holz. Die Königin stand am gegenüberliegenden Fenster, den Rücken zur Tür gewandt, ihr silbern durchzogenes Haar fiel in einem einzigen Zopf über ihren Rücken. Sie drehte sich erst um, als der Steward Milas Namen ausrief.

Die Augen der Königin hatten dasselbe Grau wie die Gewitterwolken, die sich hinter dem Glas zusammenbrauten. Wunderschön.

„Ihr seht ihr ähnlich“, sagte die Königin leise. „Eurer Mutter. Mehr als ich erwartet hatte.“

Milas Kehle schnürte sich zu. „Ihr kanntet sie?“

„Ich wusste von ihr.“ Der Blick der Königin huschte zu dem Brief, den Mila noch immer in der Hand hielt. „Die Verlobung wurde lange vor unserer Ankunft in diesem Raum arrangiert. Deine Mutter hat den Bedingungen zugestimmt. Sie wusste, was das bedeuten würde.“

„Sie hat es mir nie erzählt.“

„Es war ihr nicht erlaubt.“ Die Königin trat näher, nur das leise Rascheln ihrer Röcke war zu hören. „Du bist einem meiner Söhne versprochen. Im Vertrag steht nicht, welcher. Das war Absicht. Bis die Mondgöttin ein klares Zeichen gibt, wirst du dich um beide kümmern. Du wirst im königlichen Flügel leben. Du wirst sie bei ihren Pflichten unterstützen. Du wirst mit niemandem außerhalb dieser Familie über die Verlobung sprechen. Ist das klar?“

Milas Wolf drückte sich unruhig und aufmerksam gegen ihre Rippen. „Warum das Geheimnis? Warum nicht einfach selbst entscheiden?“

Der Gesichtsausdruck der Königin blieb unverändert, doch etwas Altes und Bedachtsames huschte über ihren Blick. „Weil ich die Wahl nicht treffen kann. Und weil manche Bindungen gefährlicher sind als andere, wenn sie zu früh ausgesprochen werden.“

Ein leises Klopfen unterbrach sie. Der Verwalter öffnete die Tür.

Zwei Gestalten traten in den Saal.

Sie glichen einander.

Groß. Breit gebaut. Dunkles Haar fiel in derselben leichten Welle. Dieselbe markante Kinnlinie, dieselben sturmgrauen Augen, die denen ihrer Mutter glichen. Selbst ihre Haltung – ausbalanciert, bereit – war identisch.

Doch der Unterschied lag in der Luft um sie herum.

Der eine trug die Stille wie eine Waffe. Seine Haltung war präzise, sein Blick kühl und prüfend. Der andere bewegte sich mit rastloser Energie, ein halbes Lächeln huschte über sein Gesicht, als sein Blick Mila fand und sie umfing.

„Rhaevan“, sagte die Königin und neigte den Kopf dem ruhigeren Zwilling zu. „Rhaelor.“ Er wandte sich demjenigen zu, der Mila weiterhin mit offenem Interesse beobachtete. „Das ist Mila. Sie ist die Frau, die einem von euch versprochen wurde. Bis die Göttin spricht, ist sie eure Beschützerin. Behandelt sie entsprechend.“

Keiner der Prinzen sprach zunächst.

 Rhaevans Blick wanderte mit der Aufmerksamkeit eines Messpunktes über Mila. Rhaelors Lächeln wurde tiefer, langsam und bedächtig, als hätte er bereits eine Entscheidung getroffen.

Mila spürte, wie ihr Wolfsinstinkt aufwallte – scharf, plötzlich, fast schmerzhaft. Es war keine Angst. Es war Erkenntnis ohne Verständnis, ein Sog, der in zwei Richtungen gleichzeitig wirkte und ihr den Atem raubte.

Rhaelor machte einen Schritt vorwärts.

„Hüter“, sagte er, das Wort mit einem Anflug von Belustigung. „Interessante Titelwahl.“

Rhaevans Stimme war leiser, kälter. „Sie ist kein Spiel, Bruder.“

„Alles ist ein Spiel“, erwiderte Rhaelor, ohne den Blick von Mila abzuwenden. „Bis jemand gewinnt.“

Der Gesichtsausdruck der Königin verfinsterte sich. „Ihr werdet beide bedenken, dass der Palast Ohren hat. Und dass die Mondgöttin keine Geduld mit denen hat, die sie zu etwas zwingen.“

 Mila stand zwischen ihnen, den Brief noch immer zusammengefaltet in der Faust, das Mal an ihrem Handgelenk brannte leise unter dem Ärmel. Sie blickte von einem Prinzen zum anderen und konnte nicht sagen, welches Gesicht sie mehr beunruhigte.

Draußen vor den hohen Fenstern durchbrachen die ersten Abendsterne den dunkler werdenden Himmel. Irgendwo tief im Palast läutete eine Glocke die Stunde.

Und in der Stille, die folgte, hörte Mila ein zweites Geräusch, so leise, dass sie es beinahe für ihren eigenen Herzschlag hielt.

Ein tiefes, fernes Heulen. Nicht eine Stimme, sondern zwei, die gemeinsam aufstiegen und dann wieder verstummten, als ob die

Nacht selbst sich nicht entscheiden konnte, welchem Ruf sie folgen sollte.

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