INICIAR SESIÓNNoraIch weiche einen Schritt zurück, instinktiv, aber Hugo ist bereits vor mir. Sein breiter Rücken verdeckt mir den Blick auf die Frau, eine menschliche Barriere. Ich sehe, wie seine Schultern sich straffen, eine fast unmerkliche Bewegung des Schutzes.»Du wirst den Mund halten, Élodie«, sagt er, und seine Stimme hat sich verändert. Es ist nicht mehr der neutrale Ton von vor einer Sekunde. Es ist ein Ton, den ich gut kenne. Leise, gefährlich, geladen mit einer Drohung, die selbst die Luft erzittern lässt. »Nora ist meine Frau. Du wirst ihr mit Respekt begegnen, oder du wirst dieses Haus verlassen.«»Deine Frau?« Sie lacht höhnisch, ein scheußlicher, unmenschlicher Laut. »Deine Frau, das sollte ich sein! Ich habe auf dich gewartet! Ich habe alles
Hugo VanelDas Privatflugzeug durchschneidet die Wolken über der Côte d'Azur und bringt zurück auf die Erde, was von uns übrig ist. Von mir. Von Nora. Die Rückreise war schweigsam. Sie hat kein Wort gesprochen, seit ich sie vom Strand getragen, vom Schlamm und Salz gereinigt und in ein schlichtes Kleid aus weißem Leinen gehüllt habe. Sie sieht aus wie eine geisterhafte Braut, der Blick durch das Bullauge ins Leere verloren.Aber wir fahren nicht zu unserer Wohnung in Paris. Auch nicht zu dem Glasturm, in dem ich sie zuerst eingesperrt habe.»Wohin fahren wir?«, hatte sie schließlich gefragt, als das Flugzeug mit dem Sinkflug begann, ihre Stimme rau vom vielen Weinen oder Schreien.»Zu mir nach Hause.«»Ich dachte, das wäre bereits der Fall. All die Orte, an denen
Hugo VanelIch nähere mich, der Sand erstickt meine Schritte. Das Grollen der Wellen übertönt jeden anderen Laut.»Willst du ertrinken?«Meine Stimme trägt, klar in der Nacht.Sie zuckt nicht zusammen. Sie hatte meine Gegenwart gespürt. Sie wendet leicht den Kopf, ihr Profil mit chinesischer Tusche auf den milchigen Grund des Mondes gezeichnet.»Wäre das möglich? Hier? Oder würde Hugo Vanel oder einer deiner Männer, irgendwo in den Bäumen postiert, auftauchen, um mich herauszufischen? Um mich gegen meinen Willen zu retten?«»Du kennst die Antwort.«Sie stößt ein Lachen aus, einen kurzen, trockenen Laut, vom Wind fortgetragen.»Wozu dann? Wozu das alles, Hugo? Du hast mich. Du
Hugo VanelUnd die Nacht… In der Nacht offenbart die Insel ihre wahre Natur.Das erste Mal ist es auf dem Bett, unter dem Deckenventilator, der sich langsam dreht und wandernde Schatten auf unsere Körper zeichnet. Sie schweigt, die Augen offen, an die Decke geheftet. Ich nehme sie mit kalkulierter Langsamkeit, mit vorsätzlicher Grausamkeit, will jeden Millimeter ihres Widerstands spüren, jedes Aufkeimen der Revolte. Sie kämpft nicht. Sie lässt es geschehen, ihr Körper träge, ihr Geist woanders. Aber ich kenne ihren Körper jetzt, besser als sie ihn selbst kennt. Ich kenne die Stelle, knapp unter ihrem Brustkorb, wo ein Hauch ihre Haut erzittern lässt. Ich kenne die Wölbung ihrer Hüfte, wohin ich meinen Mund legen muss, damit ein kleiner, unwillkürlicher Laut von ihren Lippen entweicht. Ich kenne den Punkt des Zerbrechens.
Hugo VanelDie Menge der Fotografen murmelt, beeindruckt. Das Bild entsteht gerade: Hugo Vanel, der skrupellose Geschäftsmann, und seine geheimnisvolle neue Ehefrau. Das perverse Märchen.Ich führe sie zum Bentley, mein Arm umschließt ihre Schultern, sie vor den Angriffen schützend, meine Rolle als grimmig beschützender Ehemann spielend. Sie geht steif, mechanisch, ihr Lächeln noch immer aufgesetzt, ihre Augen jetzt trocken, leer.Die Wagentür schließt sich vor dem Chaos. Die Stille im Inneren ist brutal, ohrenbetäubend. Der Fahrer hat bereits das wertvolle Dokument in einer glatten Lederhülle verstaut, die zwischen uns auf der Bank liegt wie eine verdammte Reliquie.Nora sieht nichts mehr an. Ihre Hände liegen flach auf ihren Knien, reglos. Sie starrt ins Leere.»Warum?&l
Hugo VanelDie Sonne trifft die Marmortafel des Büros Vanel & Associés wie ein Beckenschlag, ein kalter, harter Glanz, der mir in den Augen schmerzt. Es ist ironisch, dass es das Gebäude ist, das meinen Familiennamen trägt, in dem ich diesen neuen Namen besiegle. Sterling. Nora Sterling. Ich sehe ihn zwischen ihren blassen Fingern zittern, diesen Fingern, die ihre Spuren auf meiner Haut hinterlassen haben, die versucht haben, mich aufzuhalten, mich zu kratzen, sich an mich zu klammern wie an die einzige greifbare Wirklichkeit in dem Albtraum, den ich ihr biete.Sie starrt darauf, hypnotisiert. Ihr Gesicht ist eine Maske aus Asche. Sie atmet kaum. Es ist, als hätte sie soeben ihr Todesurteil unterschrieben, und vielleicht ist es das. Vielleicht habe ich gerade auch mein eigenes unterschrieben. Einen Vertrag anderer Natur, der auf keinem offiziellen Papier steht.
NORAIch schlafe nicht mehr.Oder aber ich verliere mich in Abwesenheiten, in Bewusstseinsaussetzern, in Momenten, die zwischen zwei Atemzügen schweben, in denen die Zeit ihre Kontur verliert, in denen ich nicht mehr weiß, ob ich in einem Traum bin oder im Danach. Ich wache auf ohne Erinnerung, ohn
NoraDas Bettlaken ist zerknittert neben mir.Leer.Kalt.Meine Finger tasten, ohne dass ich es merke.Eine langsame, instinktive Geste. Als ob meine Hand sich weigern würde, das zu akzeptieren, was si
NoraEs war Nacht, als ich nach Hause kam.Nicht spät. Nicht früh.Gerade dieser zwielichtige Moment, in dem der Himmel zwischen Tinte und Ruß schwankt.Weder schwarz. Noch blau. Weder lebendig. Noch tot.Ein Zwischenraum, grau, weich.
NoraDrei Tage ohne ein Zeichen.Drei Tage freiwillige Leere.Keine Nachricht. Kein „komm“. Nicht einmal ein „bleib“.Nichts.Nur diese schw







