Se connecterNora Delmas, 21 Jahre alt, Master-Studentin der Literatur, verbirgt hinter ihrer Ruhe eine wachsende Besessenheit für ihren Professor für Literaturtheorie, Hugo Vanel, 42 Jahre alt, ein Mann von ernster Schönheit, mit einer ruhigen Stimme und einem verwirrenden Blick. Jede Vorlesung wird für sie zu einem stillen Spielplatz: Sie will ihn erreichen, ihn zum Verzweifeln bringen, ihn besitzen. Sie übertreibt nie, aber immer genug: ein zu kurzer Rock, um harmlos zu sein, ein Blick, der eine Sekunde zu lange dauert, brillant formulierte Antworten im Unterricht, um seine Aufmerksamkeit zu erregen. Hugo, klarsehend, ahnt die Falle. Er versucht, Abstand zu halten, aber der Riss öffnet sich langsam. Eines Abends, in seinem Büro, unter dem Vorwand eines Termins, um über ihre Thesis zu sprechen, gerät alles außer Kontrolle. Der Verstand weicht zurück, die Stille wird dicht. Ein Atemzug. Ein Blick. Und das Verbotene wird überschritten. So beginnt eine geheime, sinnliche und gefährliche Beziehung, zwischen leeren Fluren, versteckten Treppen und Hotelzimmern, die weit vom Campus entfernt sind. Aber Nora will mehr. Und Hugo weiß es. Denn die Gerüchte entstehen schnell, in den Gängen einer Fakultät, wo alles bekannt ist, ohne jemals ausgesprochen zu werden...
Voir plusNora VanelEr trägt mich nicht. Er führt mich, seine Hand in meiner, durch die leeren Salons, die stillen Treppenhäuser. Wir sprechen nicht. Das Begehren ist ein elektrischer Strom zwischen uns, spürbar, schwer von unserer ganzen Geschichte. Die gewechselten Blicke, die einander streifenden Hände, alles ist bedeutungsschwanger, voller Erinnerungen, voller Versprechen.Wir gehen nicht in die Suite im Südflügel. Wir gehen in das Hauptschlafzimmer, das Zimmer der Hausherren. Der Raum ist riesig, mit seinem Deckenfresko, das den Raub der Europa darstellt, seinen Fenstern, die sich zur hereinbrechenden Nacht hin öffnen, seinem monumentalen Bett.Sobald sich die Tür schließt, hört die Auß
Nora VanelZwei Jahre.Das Meer, von der Westterrasse der Villa Vanel aus gesehen, hat nicht mehr dieselbe Farbe. Es ist nicht mehr das bedrohliche Azurblau der Insel, noch der kalte Spiegel des ersten Tages hier. Es ist eine vertraute, wechselhafte Weite, die meine Stimmungen widerspiegelt. Heute ist es von tiefem, friedlichem Blau, gesprenkelt mit goldenen Reflexen, an denen sich die Spätnachmittagssonne bricht.Meine Finger streifen über die warme Steinbrüstung. Ein schwerer Ring – ein Saphir, den Hugo letztes Jahr fassen ließ – dreht sich um meinen Finger. Es ist nicht der Ring unserer „Verlobung“, dieser makabren Inszenierung. Es ist ein Geschenk. Ein echtes. An einem Abend ohne Grund geschenk
Hugo VanelZum ersten Mal ersetzt Angst die Wut in ihren Augen. Sie versteht, dass ich nicht bluffe. Dass ich für diese Frau, die ich entführt, geheiratet, gebrochen und wieder aufgebaut habe, alles niederbrennen würde, um sie zu beschützen. Sogar die Überreste meiner eigenen Welt.Sie macht sich los, weicht zurück.– Du bist ein Ungeheuer, flüstert sie.– Ja, sage ich. Und sie gehört mir. Vergiss das nicht.Ich lasse sie dort stehen, zitternd vor ohnmächtigem Zorn, und kehre in die Halle zurück.Nora ist immer
Hugo VanelEs ist eine Inszenierung. Ein mondänes Tribunal.Hugo legt eine Hand auf meinen unteren Rücken, ein zugleich schützender und lenkender Druck. Er führt mich durch die Menge, die sich vor uns teilt. Das Gemurmel setzt wieder ein, geflüstert wie Beschwörungen.Da ist sie… die Assistentin… wie konnte sie nur… die arme Élodie… Vanel hat den Verstand verloren…Wir halten vor der Gruppe Martel. Wieder tritt Stille ein, lastend.»Laurent«, sagt Hugo mit klarer Stimme, ohne Wärme. »Élodie. Darf ich vorstellen: Nora. Meine Frau.«Laurent Martel mustert mich, sein blauer, von seiner Tochter geerbter Blick so kalt wie ein Gletscher.»Madame Vanel«, sagt er mit leicht geneigtem Kopf
NoraIch bin nicht sofort nach Hause gegangen.Ich habe lange draußen auf den Stufen des Gebäudes gesessen und die feuchte Nachtluft eingeatmet.Der Stein war kalt unter meinen Oberschenkeln. Der Wind glitt unter mein Hemd.Aber ich bewegte mich nicht.Ich schaute geradeaus, ohne etwas zu fixieren.
HugoIch stand mehrere Minuten nach ihrem Weggang weiter.Die Tür geschlossen.Der Duft ihres Parfums noch in der Luft.Fast sauer.Wie eine Herausforderung.Sie hatte etwas hinterlassen. Unsichtbar. Einen Abdruck. Eine Vibration.Als hätte sie sich in die Fasern des Schreibtisches, des Teppichs, m
NoraIch saß in diesem Sessel, die Beine übereinander geschlagen, die Finger auf meinen Knien, als könnte ich damit das, was in mir brodelte, zähmen. Eine sorgfältig gewählte Haltung. Studiert. Ruhig. Aber in mir grollte alles.Ein zurückgehaltener Chaos. Ein Meer aus Feuer unter der Haut.Hugo war
NoraDas Zimmer ist in eine fast totale Dämmerung getaucht. Nur ein schwacher Lichtstrahl schlüpft durch die halb geöffneten Fensterläden und zeichnet auf den zerknitterten Laken Schattenspiele, wie Finger, die sich langsam, sanft, über meine nackte Haut strecken.Ich liege da, auf dem Rücken, der











