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Kapitel 5 — Der Schwindel der Linien

Penulis: L'invincible
last update Tanggal publikasi: 2026-02-10 22:05:22

Hugo

Ich stand mehrere Minuten nach ihrem Weggang weiter.

Die Tür geschlossen.

Der Duft ihres Parfums noch in der Luft.

Fast sauer.

Wie eine Herausforderung.

Sie hatte etwas hinterlassen. Unsichtbar. Einen Abdruck. Eine Vibration.

Als hätte sie sich in die Fasern des Schreibtisches, des Teppichs, meines Atems eingegraben.

Als würde der Raum jetzt ein bisschen mehr ihr gehören als mir.

Langsam setzte ich mich. Das Leder des Sessels ächzte unter meinem Gewicht.

Ich legte meine Hände flach auf den Tisch, als wollte ich mich in etwas Greifbares verankern.

Aber alles schien verschwommen. Fern. Instabil.

Das Holz unter meinen Handflächen war warm, fast feucht, als hätte es den Kontakt zu ihren Fingern bewahrt.

Oder vielleicht war ich es, der bereits delirierte.

Ich sehe ihre Gesten vor mir.

Ihre Finger, die mit einer zu maßvollen Langsamkeit über den Buchumschlag strichen, um unschuldig zu wirken.

Ihre kurzen, sauberen, aber weiblichen Nägel.

Die Art, wie sie die Beine überkreuzte und wieder entkreuzte, als suchte sie die lässigsten Positionen — während sie wusste, dass keine wirklich lässig war.

Diese Art, mich anzusehen, ohne mich anzusehen.

Mich aus dem Augenwinkel zu suchen.

Mich zu messen.

Mir eine Falle zu stellen, ohne dass ich bisher wusste, ob sie dazu gedacht ist, mich zu Fall zu bringen…

oder mich zu befreien.

Sie weiß, was sie tut.

Und ich verliere die Kontrolle.

Mein Blick gleitet zu dem Sessel, den sie besetzt hatte. Leer.

Aber nicht leblos.

Ich kann die Konturen ihrer Silhouette noch in der Senke der Rückenlehne skizzieren.

Ich sehe ihren Oberschenkel, der ein wenig zu viel entblößt ist, ihr Knie, das sanft zuckt, ihr Haar, das über die Schulter fällt.

Ich spüre die Spannung in meinen Lenden, in meinem Nacken, in meinem Kiefer.

Alles ist dort geblieben. Eingraviert. Aufgerissen.

Plötzlich stehe ich auf.

Ein Bedürfnis zu entkommen.

Ihrem.

Meinem.

Ich streiche mir über mein Gesicht, dann über meinen Nacken. Mein Hals brennt.

Ich brauche Luft.

Draußen.

Einen Raum, wo sie nicht existiert.

Aber den gibt es nicht mehr.

Sie hat eine Grenze überschritten.

Oder ich.

Ich gehe zu Fuß nach Hause, trotz der Nacht.

Ich überquere die Straßen mit schnellen Schritten, die Hände in den Taschen, die Schultern eingezogen.

Ich sehe Gesichter, höre Stimmen, Musik, die aus den Bars dringt, Hupen, das Geräusch der Leben um mich herum — aber nichts erreicht mich.

Alles führt mich zu ihr zurück.

Zu dem, was sie gesagt hat.

Zu dem, was sie verschwiegen hat.

Zu dem, was sie in ihrem Fahrwasser hinterlassen hat.

„Ist das Frösteln nicht bereits eine Form des Einvernehmens?“

Dieser Satz verfolgt mich.

Nicht wegen dessen, was er sagt.

Sondern wegen dessen, was er auslöst.

Ich steige die Treppen meines Gebäudes zwei Stufen auf einmal. Ich warte nicht auf den Aufzug.

Ich bräuchte zu viel Stille. Zu viel Zeit zum Nachdenken.

Ich schließe die Tür meiner Wohnung, ohne das Licht anzuschalten.

Ich brauche Schatten. Stille. Um mich selbst nicht mehr zu sehen.

Ich werfe meine Jacke auf das Sofa. Mache meinen Kragen auf.

Mein Atem ist kurz.

Ich habe heiß.

Aber es ist eine schlechte Hitze.

Die des Kampfes.

Die des Feuers unter der Haut.

Die der Begierde, die man nicht benennen will.

Ich schenke mir ein Glas Wasser ein.

Ich trinke es in einem Zug. Dann ein zweites.

Aber nichts geht runter.

Ich setze mich.

Öffne meinen Laptop.

Aus Reflex. Oder aus Schwäche.

Ordner: Studenten / Nora M.

Ihre ersten Texte.

Ihre Notizen.

Ihr Einschreibefoto.

Seriös. Neutral. Zu brav.

Aber heute gehört mir dieses Gesicht nicht mehr.

Es lügt.

Es verschleiert.

Es verbirgt eine Version von ihr, die ich nicht beherrsche.

Eine Version, die sie mir fragmentarisch reicht, gerade genug, um mich zu entwaffnen.

Jetzt weiß ich es.

Oder ich ahne es.

Und es ist schlimmer.

Ich klicke auf einen ihrer Aufsätze. Den letzten.

„Der Riss im Blick“.

Der Titel schlägt mir ins Gesicht.

Ich hatte es nicht gesehen.

Nicht sehen wollen.

Ich lese. Jeder Satz scheint für mich umgeschrieben.

Für diesen Moment. Für diesen Fall.

„Manchmal reicht ein Blick, damit eine Autorität zerbricht. Nicht weil sie schwach ist. Sondern weil sie begehrt. Und glaubt, dass es niemand gesehen hat.“

Ich schließe den Laptop.

Ich beginne zu kippen. Langsam.

Aber sicher.

In dieser Nacht schlafe ich nicht.

Ich wälze mich. Ich richte mich auf. Ich stehe auf.

Ich laufe im Raum auf und ab, barfuß auf dem kalten Parkett.

Ich fühle alles. Zu viel.

Jeder Nerv ist auf den Punkt.

Ich sage mir, dass ich sie offiziell einberufen sollte. Die Dinge klarstellen.

Eine Linie ziehen. Fest.

Professionell.

Distanziert.

Aber ich weiß bereits, dass ich es nicht tun werde.

Denn tief im Inneren fürchte ich nicht sie.

Sondern das, was sie offenbart.

Was sie bricht.

Was sie weckt.

Dieser Teil von mir, den ich in eine doppelt verriegelte Kiste gepackt hatte.

Die Kiste zittert.

Und ich lausche den Stößen, fasziniert.

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