LOGINAus Lucans SichtUnter Dieben gibt es keine Ehre. Dieser Grundsatz – zusammen mit der Erkenntnis, dass jeder Mensch einen Preis hat – gehörte zu den ersten Lektionen, die ich gelernt habe. Das hat mir geholfen, meinen Kreis klein zu halten.Dominic schuldete mir sein Leben. Genauso wie ich ihm meines schuldete. Nichts konnte zwischen uns treten. Das wusste ich – und das wusste auch er.Wir saßen in dem recht leeren Restaurant und behielten die Tür im Auge, während wir darauf warteten, dass der Mann hereinkam. Ihn aufzuspüren war nicht schwer gewesen; das Treffen zu arrangieren, war eine der einfachsten Aufgaben, die ich je übernommen hatte.„Glaubst du, er kommt wirklich? Ich meine – warum sollte sein persönlicher Assistent dem zustimmen, wenn es keine Falle wäre?“, flüsterte Nyra neben mir. Ich konnte die Angst in ihrer Stimme hören; sie fürchtete sich vor dem, was kommen würde.Ich nahm ihre Hand und führte sie an meine Lippen, um sie zu küssen. „Er wird auftauchen. Denn Männer wie
Nyras SichtIch lehnte mich in seine Berührung, meine Finger fuhren durch sein Haar. Mein Herz klopfte noch immer heftig, mein Atem ging schwer, während ich versuchte, langsam wieder von diesem Hochgefühl herunterzukommen.„Was hast du vor?“, fragte ich leise, während ich ihn ansah. „Du kannst da nicht einfach hineingehen und meinen Vater konfrontieren; du weißt genau, dass er versuchen wird, irgendein falsches Spiel zu spielen.“Er seufzte und zog mich enger an seinen Körper, als könnte er es nicht ertragen, auch nur ein Stück von mir entfernt zu sein. „Das weiß ich. Aber ich hatte ohnehin nicht vor, ihm ohne einen Plan gegenüberzutreten.“Ich legte meinen Kopf auf seine Brust. „Solltest du nicht mit deinem Vater sprechen? Vielleicht weiß er ja etwas über...“„Soll ich meinem Vater etwa sagen, dass seine neue Frau für den Tod seiner ersten Frau verantwortlich war?“, stieß er ein leises, trockenes Lachen aus. „Ich glaube, du weißt, was passieren würde, oder? Du verstehst doch, dass ic
Nyras SichtMeine Füße schlugen hart auf den kalten Fliesenboden auf, während ich Lucan hinterherlief. Kael hatte etwas enthüllt – eine Information, von der ich wusste, dass sie uns zerstören würde.„Lucan“, sagte ich leise, mein Herz hämmerte wild in meiner Brust. „Warte doch.“ Doch meine Worte hatten kein Gewicht. Er machte lange, schwere Schritte; ich konnte förmlich spüren, wie die Wut von ihm ausging. „Bitte, rede mit mir“, meine Stimme brach.Er stieß die Tür auf; ich huschte hinter ihm hinein, gerade noch rechtzeitig, bevor er sie schließen konnte. Seine Augen waren dunkel – die Wut war darin deutlich zu sehen. Er tigerte im Raum umher, bis sein Blick schließlich auf mir ruhte. „Wusstest du es?“Ich blinzelte. „Was?“ Ich starrte ihn schockiert an.Er trat näher und musterte mich. Ich konnte nicht deuten, was in ihm vorging, doch die hervortretende Ader auf seiner Stirn und sein stechender Blick verrieten mir, dass er für vernünftige Argumente nicht mehr zugänglich war. „Wusstes
Lucans Sicht„Schau mal, wer aus dem Reich der Toten zurückgekehrt ist“, lachte Jasmine, als sie uns dabei beobachtete, wie wir den Raum betraten. Nyra hatte sich in dem Moment, als sie Enzo erblickte, aus meinem Griff gelöst; sie waren einander in die Arme gefallen und weinten.Ich biss die Zähne zusammen. Sie hatte gesagt, dass sie mich liebt – ich wusste, dass es stimmte –, doch ich konnte mich einfach nicht damit abfinden, dass sie jemanden umarmte, der nicht ich war. Dominic klopfte mir auf die Schulter; ich zuckte zusammen und warf ihm einen bösen Blick zu, weil er genau die Stelle getroffen hatte, an der ich verletzt war.„Gut zu wissen, dass ich keine Leiche mit nach Hause nehmen muss.“ Auch wenn er versuchte, einen Scherz zu machen, sah ich die Sorge in seinen Augen. Unsere Pläne waren beinahe gescheitert. Ich hatte ihn und Jasmine dazu gebracht, einen Umweg zu machen – an
Aus Lucans SichtIch schreckte hoch, mein Herz hämmerte laut in meiner Brust, während mein Blick suchend durch den Raum huschte. Alles, woran ich mich erinnern konnte, war ein Schuss und … „Nyra!“ Die Panik in meiner Stimme hallte durch den Raum.Eine Hand berührte meine Schulter und drückte mich sanft zurück ins Bett. „Ich bin hier. Ich möchte nicht, dass deine Wundnähte aufreißen.“„Nyra?“ Ich starrte auf das Gesicht, von dem ich geglaubt hatte, es nie wiederzusehen. Ihr Lächeln war sanft, doch ihre Augen waren stark gerötet – ich konnte ihren Schmerz spüren, während sie mich ansah.„Hey …“ Ich streckte die Hand aus, ergriff sie und zog sie an meine Brust, dann küsste ich sie auf die Stirn. „Du bist wach“, murmelte sie, doch es klang, als würde sie eher mit sich selbst sprechen als mit mir.„Ich bin wach“, antwortete ich und lächelte sie an.Sie lächelte nicht zurück, sah mich nicht einmal an; ihre Augen waren tränenverschleiert, und sie versuchte, sich meiner Berührung zu entziehen
Nyras Sicht„Du hast sie getötet …“, stammelte ich, während er mich durch den Flur zerrte. Ich konnte Stöhnen und schwere Schläge hören; Es war offensichtlich, dass Kaels Männer Lucan verletzten.Kael lachte. „Sie war schon immer zu ehrgeizig; sie war eben nicht du.“„Lass mich los …“ Sein Griff um meinen Arm verstärkte sich; die Berührung brannte auf meiner Haut. „Du tust mir weh …“„Und ich werde noch mehr tun, wenn du diesen verdammten Gedanken nicht endlich aus deinem Kopf schlägst. Du gehst nirgendwohin. Verstanden? Dein Platz ist hier, an meiner Seite!“, brüllte er mir ins Gesicht.Ich nickte. Wenn ich Lucan retten wollte, musste ich einen klaren Kopf bewahren. „Wohin bringst du mich?“, fragte ich.Er grinste. „Ich muss Lucan zeigen, was ich geplant habe – und du wirst







