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Kapitel Fünf: Verlieb dich nicht

last update publish date: 2026-09-15 01:13:46

Arias Sicht

Die folgenden Tage vergingen wie im Flug, und ich hatte Jameson wirklich nicht viel gesehen. Nur eine Bedienstete informierte mich gestern Abend, dass wir heute Morgen zu unseren Flitterwochen aufbrechen würden.

Schock war noch untertrieben für das, was ich empfand, denn ich hatte nicht erwartet, dass Jameson es tatsächlich durchziehen würde.

Es war bereits Morgen, ich fand mich im Wohnzimmer wieder, wo ich auf ihn wartete. Ich wollte nicht zu viel von dieser Reise erwarten, sie war schließlich nur zur Schau. Ich musste mein Herz sehr streng bewachen.

Meine Gedanken wanderten zurück zu unserem Abkommen. Ich wusste nicht, wie ich ihn wieder zum Laufen bringen sollte. Doch das schien sein verzweifelter Wunsch zu sein, und mein Ehrgeiz war ebenso mein verzweifelter Wunsch. Wenn es mir gelang, bedeutete das, dass wir uns sofort scheiden lassen würden, sobald ich meinen Teil erfüllt hatte.

Das ließ mich fragen, ob seine Eltern das akzeptieren würden. So oder so, das war nicht mein Kopfzerbrechen.

Meine Gedanken kreisten um meine Kurse, dann hörte ich das Geräusch der Rollstuhlrampe, die die Treppe hinunterfuhr.

Ich stand sofort auf, als Jameson näherkam. Unser Gepäck stand bereits draußen, bereit für die Reise nach Italien.

„Hi. Guten Morgen." Grüßte ich, lächelte strahlend, während ich näher zu ihm trat. Ich erwartete das gleiche Lächeln zurück, immerhin hatten wir vor ein paar Nächten eine geschäftliche Partnerschaft vereinbart.

Doch das war nicht der Fall, er gab den Bediensteten ein paar Anweisungen, bevor eine von ihnen ihn hinausfuhr.

Ich starrte ihn fassungslos an. War ich etwa gerade verschwunden?

Nun, ich konnte all seine überheblichen Allüren ertragen, solange er bereit war, die Kosten meines Studiums zu tragen. Meine Kurse waren online, aber ich musste für die chirurgische Praxis nach Europa reisen.

Ich folgte ihnen zur Garage. Als er neben mir war, konnte ich nicht anders, als die sarkastischen Worte auszusprechen, die mir in den Sinn kamen.

„Ich sehe, du übst wieder deine Fähigkeiten im Ignorieren von Menschen. Mach weiter so." Sagte ich, bevor ich mich mit einem schlauen Lächeln zu ihm umdrehte.

Doch er zeigte keinerlei Reaktion.

Seine Bodyguards halfen dabei, seinen Rollstuhl im Mercedes Benz Sprinter zu verstauen.

Die Spannung in der Luft veränderte sich in dem Moment, als es an das Tor klopfte. Ich zog die Brauen zusammen, unsicher, wer uns so früh unterbrechen könnte.

Augenblicke später trat eine große Frau mit markanten Zügen durch den Eingang, ihre dunkle Sonnenbrille glänzte im Sonnenlicht. Ihre Haare fielen in perfekten Locken herab, die hinter ihr wippten, während sie vorwärts stolzierte, als würde ihr der Ort gehören.

Sie strahlte Selbstbewusstsein aus, zu viel davon, wenn man mich fragte.

Ich warf Jameson einen Blick zu, neugierig auf seine Reaktion. Seine Hände umklammerten die Armlehnen seines Rollstuhls so fest, dass seine Knöchel weiß wurden. Mir entging nicht der scharfe Atemzug, den er nahm, als würde er sich für einen Sturm wappnen.

Wer war diese Frau?

Als sie näherkam, nahm sie ihre Sonnenbrille ab und lächelte, ihre Augen fixierten meine mit beunruhigender Intensität.

„Hi," grüßte sie, ihre Stimme sanft, doch mit etwas durchzogen, das ich nicht genau einordnen konnte.

„Ich bin Clara." Sie streckte mir freundlich ihre Hand entgegen. Ich zögerte, unsicher, wie ich reagieren sollte. Trotzdem wollte ich nicht unhöflich wirken, also schüttelte ich ihre Hand.

„Ich bin Aria," antwortete ich und versuchte, meinen Ton höflich zu halten.

„Aria," wiederholte sie langsam, als würde sie den Namen kosten. „Was für ein schöner Name."

„Clara, was zur Hölle machst du hier?" Jamesons Stimme durchschnitt den Moment, kalt und mit Bedrohung durchzogen.

Ich zuckte zusammen, überrascht von seinem scharfen Ton.

Clara schien unbeeindruckt. Stattdessen wandte sie ihre Aufmerksamkeit ihm zu, die Mundwinkel zu einem Lächeln gehoben, das man nur als spöttisches Grinsen beschreiben konnte.

„Ich habe von deiner Hochzeit gehört, also dachte ich, ich schaue mal selbst vorbei. Und vielleicht... ein paar Dinge klären, die du anscheinend vergessen hast."

Sein Kiefer spannte sich an, sein Gesicht wurde hart. „Verpiss dich."

„Was?" Ich zuckte erneut zusammen bei seiner Direktheit, konnte den Seufzer nicht unterdrücken, der mir entwich. Claras Augen huschten kurz zu mir, ihr Grinsen wurde breiter.

„Es scheint, deine Frau ist nicht so eifrig, mich rauszuwerfen, wie du es bist, Jameson." Sie wandte sich mir zu, ihr Ton bewusst freundlich. „Übrigens, ich bin seine Exfreundin."

Ich erstarrte, verarbeitete ihre Worte. Seine Ex? Das fühlte sich an wie das unordentliche Drama, mit dem ich nichts zu tun haben wollte.

„Oh," stammelte ich unbeholfen und kratzte mir den Nacken. „Das wusste ich nicht…"

„Clara, geh. Jetzt." Knurrte er erneut, doch Clara war noch nicht fertig.

Sie trat näher, ihre Absätze klickten auf dem polierten Boden, ihre Augen ließen sein Gesicht nicht los.

„Ich betrüge nicht, Jameson," sagte sie, ihre Stimme jetzt schärfer, mit einer Bitterkeit, die durch die Luft schnitt.

„Ich habe es nie getan. Du warst derjenige, der sich herumgeschlichen hat, gelogen hat, betrogen hat. Aber nein, du konntest den Gedanken nicht ertragen, dass ich vielleicht weitergezogen bin, also hast du uns zerstört." Sein Ausdruck veränderte sich nicht, doch die Luft um ihn schien vor Spannung zu vibrieren.

„Glaubst du, mich interessiert deine Version der Geschichte?" Spie er hervor. Clara lachte, ein Geräusch, das eher bitter als amüsiert war.

„Interesse? Nein, dich interessiert nichts außer dir selbst. Und jetzt hast du jemand anderen in dein Chaos hineingezogen. Arme Aria. Sie hat keine Ahnung, worauf sie sich eingelassen hat."

Das schmerzte. Ich wusste nicht genau warum, doch ich spürte den überwältigenden Drang, ihn zu verteidigen, auch wenn er es nicht verdiente. „Eigentlich, ich…"

„Halt dich da raus. Das geht dich nichts an!" Fuhr Jameson mich an, sein Blick blitzte auf.

Die Schärfe seines Tons ließ mich verstummen. Meine Lippen pressten sich zusammen, während Claras Blick zwischen uns hin und her huschte, ihr Grinsen kehrte zurück.

„Viel Glück," sagte sie, ihre Stimme troff vor Spott, als sie mir zugewandt war. „Du wirst es brauchen."

Damit drehte sie sich um und ging hinaus, ihr Abgang genauso dramatisch wie ihre Ankunft.

Die darauffolgende Stille war erdrückend. Ich wandte mich Jameson zu, unsicher, was ich sagen oder tun sollte. Doch er sprach zuerst, seine Stimme leise und schneidend.

„Du hast keine Ahnung, worauf du dich eingelassen hast, oder?" Sagte er, seine Augen dunkel und kalt, als sie meinen begegneten.

„Das hier ist kein Märchen, Aria. Verlieb dich nicht in mich, denn ich werde nicht so tun, als würden mir deine Gefühle etwas bedeuten."

Die Worte trafen mich wie eine Ohrfeige. Ich schluckte schwer und zwang mich, nicht zu reagieren.

Er meint es nicht so, sagte ich mir entschlossen. Er ist nur aufgebracht. Clara wiederzusehen musste alte Wunden aufgerissen haben.

„Ich habe nicht gesagt, dass ich etwas von dir erwarte oder dich lieben würde," sagte ich leise und hielt meine Stimme so ruhig wie möglich.

„Gut," sagte er und drehte seinen Rollstuhl von mir weg. „Dann lass es dabei bleiben."

Seine kalte Zurückweisung schmerzte mehr, als ich zugeben wollte. Doch ich zwang mich, ruhig zu bleiben. Wenn ich eines über Jameson in der kurzen Zeit, die ich ihn kannte, gelernt hatte, dann, dass seine Bellen schlimmer war als sein Beißen.

Oder zumindest hoffte ich das.

Ich atmete tief durch und folgte ihm zum Auto. Diese Reise hatte bereits einen furchtbaren Anfang genommen, doch ich sagte mir, ich könnte damit umgehen.

Schließlich hatte ich mir eines versprochen: Ich würde nicht zulassen, dass Jameson oder seine Verbitterung mich brechen.

'Wie lange noch?' fragte mich mein Unterbewusstsein, doch ich schob diesen Gedanken beiseite.

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