MasukDie schwere Eingangstür fiel hinter mir ins Schloss, doch das Echo des Krachs hallte in meinem Kopf noch lauter nach als im Raum selbst. Die Luft im Flur war dick, geladen mit der Restwärme unseres zerstörerischen Streits. Ich atmete schwer, meine Hände waren zu Fäusten geballt, und das Pochen in meinen Schläfen drohte mir den Verstand zu rauben.Kaum hatte ich mich umgedreht, um den Gang entlangzugehen, traf mich die Wucht eines harten, kompromisslosen Faustschlags direkt an der linken Wange.Der Schmerz blitzte heiß und stechend durch mein Gesicht. Ich stolperte zwei Schritte zur Seite, fing mich mühsam am kalten Marmorwandfries ab und schmeckte augenblicklich das warme, metallische Blut auf meiner Sprache.Aiden stand vor mir. Er hatte die Gehhilfe weggeworfen, stützte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an der Wand ab und starrte mich mit loderndem Zorn an, während seine eigene Hand vor Wut am Leib zitterte.„Hast du sie eigentlich noch alle stramm im Kopf, Dorian?!“, fauchte Aiden
„Was zum Teufel soll das Theater hier eigentlich, Dora? Hast du dich jetzt endgültig in ein versteinertes Denkmal verwandelt?“, brach Aidens genervte Stimme durch die eiskalte Luft des Raumes.Er stand direkt neben mir im weitläufigen Wohnzimmer der Inselvilla, stützte sich mühsam auf seine Gehhilfe und musterte Dora mit einer Mischung aus fassungsloser Wut und geschwisterlicher Ungeduld.Ich hatte Aiden mitgebracht, weil ich hoffte, dass er die einzige Person war, zu der sie nach den tagelangen Schweigen und dem eisigen Krieg zwischen uns vielleicht noch durchdringen konnte. Doch das Ergebnis war eine noch größere Katastrophe. Dora saß am langen Esstisch, eine Tasse kalten Tee vor sich, und starrte starr geradeaus. Sie hatte uns beide seit dem Moment, als wir die Villa betreten hatten, keines einzigen Blickes gewürdigt. Sie behandelte mich wie Luft – nein, schlimmer noch, sie tat so, als existierte ich überhaupt nicht.Ich atmete tief aus, versuchte die brodelnde Eifersucht und die F
„Du hast sie doch nicht mehr alle beisammen, Dorian! Wenn hier irgendjemand dringend einen Psychiater braucht, dann lass dich gefälligst selbst in der geschlossenen Anstalt einweisen, statt hier den größenwahnsinnigen Diktator zu spielen!“Meine Worte knallten wie Peitschenhiebe von den kahlen, grauen Wänden der Luxusvilla wider. Die kühle, salzige Seeluft, die durch das halb geöffnete Fenster strömte, vermochte die brennende Hitze in meinen Adern nicht im Geringsten zu kühlen. Ich stand vor ihm im Wohnzimmer, die Arme fest vor der Brust verschränkt, den Blick so scharf, kalt und giftig wie frisch geschliffener Stahl.Dorian zuckte bei meinen harten Worten nicht einmal mit der Wimper. Er lehnte sich mit einer beunruhigenden, fast provokanten Lässigkeit gegen den Türrahmen, die Hände tief in den Taschen seiner Anzughose vergraben, während seine dunklen Augen vor einem unheimlichen, besitzergreifenden Feuer brannten.„Schrei ruhig so viel du willst, Dora“, erwiderte er mit einer erschre
„Ich flehe dich an, Dora! Nur noch dieses eine Mal... du kannst mich doch hier nicht einfach im Dreck verrecken lassen!“, schrie Lukas mit überschlagender, gebrochener Stimme.Ich stand im Schatten der alten Backsteinwand, verborgen im tiefen Dunkel des Torswegs, und spürte, wie das Blut in meinen Schläfen wie flüssiges Feuer pochte. Meine Hände hatten sich in den Taschen meines Mantels so fest zu Fäusten geballt, dass die Knöchel schmerzten. Jede Faser meines Körpers schrie danach, aus der Anonymität herauszutreten, dieses Elend zu beenden und Lukas mit bloßen Händen von ihr wegzureißen. Doch meine Beine schienen wie am nassen Asphalt festgefroren zu sein.Dora trat einen Schritt zurück, die Haltung starr, das Gesicht eine Maske aus makellosem Eis.„Fass mich nicht an, Lukas“, sagte sie mit schneidender Kälte, doch ihre Stimme zitterte minimal an den Rändern ein winziges Detail, das mir wie ein Schlag in die Magengrube fuhr. „Ich habe dir Geld gegeben. Ich habe deine Wunde versorgt,
„Miss Sterling, ich muss Sie dringend daran erinnern, dass die Besprechung mit den regionalen Investoren in genau zwanzig Minuten beginnt – und Sie stehen laut Plan noch mitten in Ihrem Friseurtermin!“Ellies Stimme klang durch den Lautsprecher meines Handys fast ein wenig hektisch, während ich gerade mit geschlossenen Augen auf dem bequemen Stuhl des Salons saß und die Friseurin meine Haare für den kommenden Nachmittag vorbereitete.Ich atmete tief aus, strich mir eine Strähne aus dem Gesicht und antwortete mit einem leisen Seufzen: „Ich weiß, Ellie. Ich bin in fünf Minuten fertig. Sag den Investoren, dass sie sich kurz gedulden sollen. Ich trete sofort die Rückfahrt an.“Ich sprang auf, bezahlte hastig die Behandlung, warf meinen Mantel über die Schultern und rannte aus dem Salon zu meinem Wagen, der ein paar Häuserblocks weiter geparkt war. Erst auf halbem Weg zur Zentrale fiel mir der kalte, nagende Verdacht ein, dass ich meine Handtasche samt aller wichtigen Dokumente und Autosch
Der private Salon im exklusiven, diskreten Club am Rande der Stadt war in ein gedimmtes, warmes Licht getaucht. Schwere, schalldichte Vorhänge schirmten den Raum komplett von der lauten Außenwelt ab, und in der Luft lag der feine Geruch von teurem Tabak und gereiftem Cognac.Ich saß an dem polierten Mahagonitisch, mir gegenüber Baron von Berg, einer unserer einflussreichsten Privatinvestoren und langjährigen Verbündeten der Sterling-Gruppe. Wir sprachen leise, aber mit der unerbittlichen Schärfe von Geschäftsleuten, die wussten, dass ein falsches Wort das gesamte Imperium kosten konnte. Es ging um die Umstrukturierung der Assets, um die Absicherung unserer Liquidität gegen die anhaltenden Angriffe der Black Holdings und vor allem darum, das Vertrauen des Marktes nach den jüngeren Unruhen zu stabilisieren.„Die Aktionäre sind unruhig, Dorian“, sagte der Baron und nahm einen langsamen Schluck aus seinem Kristallglas. Seine grauen Augen musterten mich scharf über den Rand hinweg. „Das Da







